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Zusatzinformationen und behandelte Themen älterer Ausgaben

Neu im Februar 2010

Mit 55 verschlissen, mit 67 in Rente?

Für das Gros der Beschäftigten ist es eine Utopie, auch nur bis 65 zu arbeiten. Nur jede/r Zehnte schafft das und nur jede/r Dritte geht aus einem stabilen Arbeitsverhältnis in die Rente. Weder der Arbeitsmarkt noch die Arbeitsbedingungen erlauben es den Menschen, ohne soziale Nachteile und gesundheitliche Risiken bis zum Erreichen des 67. Lebensjahres zu arbeiten. Der Gesetzgeber hat es sich einfach gemacht: Aber die Regelaltersgrenzen zu erhöhen und Vorruhestandsregelungen abzuschaffen bedeutet, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Das führt zur Rentenkürzung, aber ein längeres gesundes und sozial abgesichertes Arbeitsleben folgt daraus nicht. Für die Rente mit 67 bestehen keinerlei reale Voraussetzungen. Mehr dazu in der Februar-Ausgabe. Unser Interview mit DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach zur Rente mit 67 können sie hier auch im Volltext lesen.

Jung, benachteiligt, prekär beschäftigt

Alle reden vom demografischen Wandel. Mit Recht. Die Erwerbsbevölkerung altert, es rücken weniger Junge nach. Das Paradoxe daran: Trotzdem fassen junge Leute unter 30 in der modernen Arbeitswelt nur schwer Fuß. Eine Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit zeigt: Die Jungen arbeiten häufig befristet, in Leiharbeit und werden schlecht bezahlt. Das mindert ihre Teilhabechancen, ihre Vorsorgefähigkeit und ihre Zukunftsperspektiven. Viele leiden unter ungünstigen Arbeitsbedingungen und haben bereits regelmäßig Gesundheitsbeschwerden. Lesen Sie dazu unseren Bericht in der Printausgabe.

Psychische Leiden nehmen weiter zu

Um die Gesundheit in Zeiten der Krise steht es nicht besonders gut. Zwar ist der Krankenstand weiterhin niedrig und weist seit 2007 nur ganz leichte Zunahmen auf. Der soeben veröffentlichte Gesundheitsreport 2009 des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen hat die aktuellen Trends genauer untersucht. Sein Thema: „Gesundheit in Zeiten der Krise“. ER belegt u. a. eine weitere deutliche Zunahme bei den psychischen Erkrankungen. Doping am Arbeitsplatz nimmt ebenfalls weiter zu. Seit 2004 haben sich die Verordnungen von Antidepressiva in manchen Berufen verdoppelt. Mehr dazu in der Februar-Ausgabe.

Eingliedern statt ausgrenzen

Nur gut ein Viertel der Arbeitgeber ist im Bilde, wenn der Begriff Betriebliches Eingliederungsmanagement fällt. Eine DGB-Tagung suchte Lösungen: Was hilft Arbeitgebern und Interessenvertretungen, wenn es in kleineren und mittleren Betrieben an Zeit und Eingliederungskompetenz mangelt? Die Antwort ist in § 12 SGB IX zu finden: Regionale Arbeitsgemeinschaften, die als effektive Beratungsnetzwerke mit den Betrieben inklusive (integrierende) Personalstrategien entwickeln. Lesen Sie dazu unseren Beitrag auf unseren Spezialseiten „Prävention & Teilhabe“ im Februarheft.

Ausschuss für Arbeitsmedizin: Mehr Bürokratie statt weniger

Seit einem knappen Jahr ist der neu gebildete Ausschuss für Arbeitsmedizin dabei, die Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge zu konkretisieren. Für die Praxis tragfähige Ergebnisse liegen aber allenfalls in Ansätzen vor: Die vom Bundesarbeitsministerium durchgesetzte Struktur des Ausschusses ist problematisch, und in den bisherigen inhaltlichen Debatten zeigen sich bürokratische Hürden, Kommunikationsmängel und ungelöste Abstimmungsprobleme mit anderen Ausschüssen. In der Februar-Ausgabe zieht Petra Müller-Knöß eine erste Bilanz.

REACH und der Arbeitsschutz

Am 1. Dezember 2010 läuft im Rahmen von REACH die Frist für die Registrierung von Stoffen mit mehr als 1000 Tonnen Herstellungsmenge pro Jahr aus. Danach wird es für viele Stoffe und Gemische neue Sicherheitsdatenblätter mit zusätzlichen Informationen oder auch neue Informationsquellen geben. Den Betrieben werden so zusätzliche Informationen zur Verfügung stehen, die sie für eine gezielte Verbesserung des Arbeitsschutzes bei Tätigkeiten mit chemischen Stoffen nutzen sollten. Zu ihrer Unterstützung hat der Ausschuss für Gefahrstoffe hierzu den Leitfaden „Nutzung der REACH-Informationen für den Arbeitsschutz“ erarbeitet. Im Februarheft erläutert Henning Wriedt, wie dieser Leitfaden in der betrieblichen Praxis genutzt werden kann.

Weitere Themen im Februar

Die Ausgabe 2/2010 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Gesundheitsrisiken durch Nanoprodukte im Bausektor
  • Zum Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit: Der neue Bericht der Bundesregierung
  • Überkopfarbeit und Schultererkrankungen

Die Ausgabe 2/2010 enthält außerdem wieder zahlreiche Kurzmeldungen, Buchtipps und Hinweise auf Seminare, Kongresse und Veranstaltungen, die sie hier auch online lesen können.

Neu im Januar 2010

Wenn einfach alles zuviel wird …

Psychostress am Arbeitsplatz scheint sich zum Schüsselproblem der modernen Arbeitswelt auszuwachsen. Die Folge: mehr Krankschreibungen und Frühberentungen. Die Ursachen sind bekannt: Die Leistungsschraube wird immer mehr angezogen, gleichzeitig greifen Unsicherheit und Prekarität um sich. Viel Leistungsdruck, wenig materielle und soziale Anerkennung – das sind Stressfaktoren, die die Gesundheit schädigen. Die Aufgaben, die auf die Prävention zukommen, sind gewaltig, auch für die Interessenvertretungen. Eine Schlüsselfunktion dabei hat die Gefährdungsbeurteilung. Dort wo aber der Schaden schon angerichtet ist, geht es um Integration, um Eingliederung der Erkrankten und Leistungsgewandelten ins Arbeitsleben. Unsere Beiträge dazu können Sie in der Januarausgabe lesen.

Innovationen können neue Belastungen und Unsicherheiten bringen

Termin- und Leistungsdruck nehmen unter den Beschäftigten deutlich zu. Das zeigen Ergebnisse der jüngsten Betriebsrätebefragung des WSI zu Innovation, Arbeitsbedingungen und Gesundheit. Ein weiteres Ergebnis: Sehr viele Betriebe sind innovationsfreudig, aber die Folgen von Innovationen sind zwiespältig: Oft sind sie auch mit neuen Belastungen und Unsicherheiten und mit insgesamt schlechterer Arbeitsqualität verbunden. Unseren Beitrag dazu können Sie hier auch im Volltext lesen.

Aktiv gegen schlechte Arbeit

Restrukturierungen, Personalabbau und Kostendruck in Betrieben und öffentlichen Verwaltungen, bei Banken, im Gesundheitswesen, bei Post und Telekommunikation haben Folgen: Nach einer ver.di-Befragung empfinden viele Beschäftigte die Belastungen inzwischen als kaum noch erträglich. Die Zahl der Suchterkrankungen nimmt zu. Auf einer ver.di-Tagung erörterten betriebliche Praktiker Aufgaben der Prävention, der Wiedereingliederung und der betrieblichen Kooperation. Mehr dazu auf unseren vier Seiten "Prävention und Teilhabe" in der Januar-Ausgabe.

Leiharbeit im Dienstleistungssektor

Leiharbeit breitet sich auch im Organisationsbereich der Gewerkschaft ver.di rasch aus. Allerdings gibt es im Vergleich zur Gesamtwirtschaft einige Unterschiede. Die Expansion der Leiharbeit verläuft unabhängiger von konjunkturellen oder saisonalen Einflüssen und ist oft kombiniert mit weiteren prekären Beschäftigungsverhältnissen wie Minijobs und befristete Beschäftigung. Das bedeutet auch: Sie ersetzt in einem höheren Maße reguläre Beschäftigung, und der Druck auf die Stammbelegschaften ist höher als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Nicht nur die sehr heterogenen Randbelegschaften sind als prekär zu bezeichnen, sondern ebenso sind die Stammbelegschaften prekaritätsbedroht. Lesen Sie dazu unseren Beitrag in der Januar-Ausgabe.

Arbeitslosigkeit macht krank

Arbeitslosigkeit ist allgegenwärtig und für viele dauerhaft. Wer arbeitslos wird, erlebt dies meist als eine schwere Belastung: finanziell, beruflich, aber auch gesundheitlich und psychisch. Sind schon viele Beschäftigte gesundheitlich über Gebühr gefährdet, so sind es Arbeitslose noch sehr viel mehr. Das belegen die Daten aller Krankenkassen, das zeigen viele Untersuchungen. Dabei gibt es durchaus Ansätze zur Prävention und Gesundheitsförderung von Arbeitslosen, aber die müssten viel stärker genutzt werden. Mehr dazu in der Januar-Ausgabe.

Gute Arbeit in der Krise – ein Zukunftsprojekt

Die seit wenigen Tagen vorliegende Ausgabe 2010 des Buches "Gute Arbeit. Handlungsfelder für Betriebe, Politik und Gewerkschaften" richtet den Blick von der krisenhaften Gegenwart in die Zukunft: Vitale Interessen der Beschäftigten an guten Arbeitsbedingungen werden verletzt. In Zukunft sollen sie noch häufiger als bisher schon Arbeitsbedingungen hinnehmen, die prekär und nicht Existenz sichernd sind, die krank machen und ihre langfristige Arbeitsfähigkeit und psychische Gesundheit untergraben. Hieraus erwachsen Widerstandsinitiativen und gewerkschaftliche Strategie- und Aktionsansätze, die mittlerweile ein beachtenswertes Niveau haben. Das neue Buch bietet dazu Debattenbeiträge und ein Forum für den Erfahrungsaustausch und stellt unterschiedliche strategische Lösungsansätze zur Diskussion. Mehr unter www.gute-arbeit-praxis.de.

Weitere Themen im Januar

Die Ausgabe 1/2010 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • AWO-Bericht: Gegen die fortschreitende Prekarisierung der Gesellschaft
  • Rente mit 67 – für viele Beschäftigte unerreichbar
  • Gute Arbeit erfordert aktive Beteiligung der Beschäftigten

Neu im Dezember 2009

A+A 2009: Gewerkschaftliche Wortmeldungen

Fragen menschengerechter, guter Arbeitsgestaltung stellen sich gerade in der Krise mit neuer Brisanz. Auch die vergangene A+A (Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Messe und Kongress), die Anfang November in Düsseldorf stattfand, sah sich mit diesen Themen konfrontiert. Prävention bekommt einen höheren Stellenwert, auch zur Entlastung der Sozialsysteme, trifft aber zugleich auf schwierigere Bedingungen. Viele damit zusammenhängende Fragen haben auf dem Kongress der A+A eine Rolle gespielt. Die Beiträge gewerkschaftlicher Expertinnen und Experten trugen hier zu einer konstruktiven Diskussion in hohem Maße bei. Lesen Sie unsere Beiträge dazu in der Dezemberausgabe.

Demografische Entwicklung: Kein Grund zur Panik

Die Erwerbsbevölkerung wird älter und sie schrumpft zugleich. Das ist für sich genommen nicht so dramatisch, wie jüngst z.B. das Statistische Bundesamt wieder einmal suggerierte. Alle damit verbundenen Probleme wären selbst bei moderaten Produktivitätszuwächsen ohne große Zusatzbelastungen der Beschäftigten finanzierbar – wenn diese Zuwächse nicht immer mehr in die Kapiteleinkommen fließen und statt zu investieren dann am Finanzmarkt verzockt würden. Damit gewinnen Fragen nach der Einkommensverteilung an Bedeutung. Und ganz wichtig: Endlich alternsgerechte Arbeitsbedingungen schaffen, damit wenigstens die Rente mit 65 ein erreichbares Ziel wird. Unseren aktuellen Beitrag dazu einschließlich des Interviews mit Professor Ernst Kistler können Sie hier auch im Volltext lesen.

Schwarz-gelbe Behindertenpolitik

Es wurde schon hinreichend analysiert, dass der Koalitionsvertrag von Schwarz-Gelb wenig verspricht. Behindertenpolitisch warnen Gewerkschaftsvertreter/innen vor Lippenbekenntnissen und fordern Reformpolitik: Denn viele Teilhaberechte nach der UN-Behindertenrechtskonvention und dem Sozialgesetzbuchs IX sind nach wie vor eine Bringschuld. Außerdem zu lesen: Erfahrungen der Stadt Schwerte zeigen, wie unverzichtbar Frauen in der Schwerbehindertenvertretung sind. Und die IG Metall positionierte sich zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen. Mehr dazu auf unseren vier Seiten "Prävention und Teilhabe" in der Dezemberausgabe.

Stoiber-Kommission: Unseriös und unwissenschaftlich

Die Vorschläge der Stoiber-Kommission zur Deregulierung des europäischen Arbeitsschutzrechts sind von Vertretern europäischer Gewerkschaften als unseriös und unwissenschaftlich zurückgewiesen worden. Die absurde Idee, in weitem Umfang Ausnahmen von den Mindestanforderungen des Arbeitsschutzes zuzulassen, werde Arbeitnehmer erster und zweiter Klasse schaffen. Die EU-Kommission wurde aufgefordert, sich von den Plänen der Stoiber-Kommission zu distanzieren. Mehr dazu im Dezemberheft.

Arbeitsmedizinische Vorsorge

Rund ein Jahr nach dem Inkrafttreten der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge gibt es noch keine staatlichen Technischen Regeln, die die konkrete betriebliche Umsetzung der Verordnung erleichtern könnten. Hinsichtlich der in der Verordnung aufgeführten Vorsorgeuntersuchungen kommen Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats zum Tragen. Es bietet sich an, diese in einer Betriebsvereinbarung konkret festzuhalten und verbindlich zu vereinbaren.

Gute Arbeit in der Krise – ein Zukunftsprojekt

Die seit Anfang Dezember vorliegende Ausgabe 2010 des Buches "Gute Arbeit. Handlungsfelder für Betriebe, Politik und Gewerkschaften" richtet den Blick von der krisenhaften Gegenwart in die Zukunft: Vitale Interessen der Beschäftigten an guten Arbeitsbedingungen werden verletzt. In Zukunft sollen sie noch häufiger als bisher schon Arbeitsbedingungen hinnehmen, die prekär und nicht Existenz sichernd sind, die krank machen und ihre langfristige Arbeitsfähigkeit und psychische Gesundheit untergraben. Hieraus erwachsen Widerstandsinitiativen und gewerkschaftliche Strategie- und Aktionsansätze, die mittlerweile ein beachtenswertes Niveau haben. Das neue Buch bietet dazu Debattenbeiträge und ein Forum für den Erfahrungsaustausch und stellt unterschiedliche strategische Lösungsansätze zur Diskussion.

Weitere Themen im Dezember

Die Ausgabe 12/2009 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Psychische Krankheiten dürfen nicht tabuisiert werden
  • Nanotechnologie: Gesundheit muss Vorrang haben
  • Neue Bestimmungen zum Arbeitnehmerdatenschutz
  • Rehabilitation – auch ein Thema im Betrieb?

Neu im November 2009

20 Jahre Tatort Betrieb – eine wirkliche Erfolgsgeschichte

Die Aktion "Tatort Betrieb" gibt es inzwischen 20 Jahre. Mit ihr hat die IG Metall Baden-Württemberg einen neuen und kreativen Handlungsansatz geschaffen, der inhumane Verhältnisse in der Arbeitswelt skandalisiert und politisiert und anhand ausgewählter Themen einen ganzheitlichen Arbeits- und Gesundheitsschutz entwickelt. Dieser Ansatz ist beteiligungsorientiert und auf praktische Verbesserungen ausgerichtet. Tatort Betrieb ist insofern für eine gewerkschaftliche Arbeitspolitik, die auf gute Arbeit abzielt, von exemplarischer Bedeutung. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im "Thema des Monats" in der Novemberausgabe.

Was wird aus dem Arbeitsschutz unter Schwarz-Gelb?

Hinter vielen vagen und allgemein gehaltenen Formulierungen des Koalitionsvertrages zeigen sich deutlich Weichenstellungen für weniger Sozialstaat, weniger Solidarprinzip, mehr Niedriglohnsektor und prekäre Beschäftigung. Auch neue Angriffe auf das Leistungsrecht, die Organisation und die Rechtsetzung der Unfallversicherung werden angekündigt. Das zukünftige Konfliktfeld Arbeit und Gesundheit wird deutlicher erkennbar. Mehr dazu in der Novemberausgabe.

RehaFutur: Gute Ideen für bessere Integration

Wer sich auskennt, kommt zu seinem Recht. Das gilt auch für die berufliche Rehabilitation behinderter oder von Behinderung bedrohter Menschen: Erstausbildung, beruflicher Neustart oder Umschulung mit Aufbauqualifikation, um einen Arbeitsplatz zu bekommen, und zwar möglichst auf Dauer. Doch die Kostenträger zieren sich seit Jahren, die Maßnahmenzahl sinkt, obwohl der Bedarf in der alternden Gesellschaft steigt. Außerdem in der Rubrik zu lesen: Die Schwerbehindertenvertretung bei Opel in Eisenach vollzieht eine planvolle Stafettenübergabe. Mehr dazu auf unseren vier Seiten "Prävention und Teilhabe" im aktuellen Heft.

Was bringt die neue TRGS Schweißrauch?

Die neue Technische Regel 528 zu schweißtechnischen Arbeiten ist im Januar in Kraft getreten. Sie beschreibt kompetent und detailliert die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes beim Umgang mit Schweißrauch. Ein besonderes Problem bleiben aber die kleinen und mittleren Betriebe, die mit der neuen und durchaus anspruchsvollen Technische Regel überfordert sein dürften und spezielle Hilfen benötigen. Den Beitrag von Klaus Kuhl dazu im Novemberheft können Sie hier auch online lesen.

Pflegen bis 67?

Die gesundheitliche Situation älterer Pflegekräfte ist prekär bis katastrophal. Ihre Frühberentungsquote zieht inzwischen mit der der Bauarbeiter gleich. In einem Bremer Projekt wurde der Frage nachgegangen, in welcher gesundheitlichen, beruflichen und persönlichen Situation sich ältere Pflegekräfte befinden, welche Präventionspotenziale vorhanden sind und was – hinsichtlich der Arbeitsbedingungen wie des persönlichen Umgangs mit den Belastungen – getan werden könnte, um die Situation zu verbessern. Dabei zeigte sich: Es sind nicht die Belastungen der Pflegetätigkeit selbst, die die Fachkräfte so gnadenlos verschleißen. Es sind vielmehr Faktoren wie Personalverknappung, schlechte Führungsqualität und die Folgen der Ökonomisierung des Gesundheitswesens, die dafür sorgen. Lesen Sie dazu den Beitrag von Wolfgang Hien im Novemberheft.

Weitere Themen im November

Die Ausgabe 11/2009 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Jede/t Zweite befürchtet schlechtere Arbeitsqualität durch die Krise
  • „Bürokratieabbau“: Die EU-Kommission hat die Stoiber-Vorschläge offiziell aufgegriffen
  • Fakten und Hintergründe der Überbeanspruchung von IT-Beschäftigten
  • Jobangst sorgt weiter für niedrigen Krankenstand
  • Was tun, wenn die Grippe kommt? Betriebsvereinbarungen zur Pandemiebekämpfung

Neu im Oktober 2009

Arbeit und Gesundheit: Konfliktfeld der nächsten Zukunft

Die schwarz-gelbe Koalition formiert sich, Entlassungen kündigen sich an, die Haushaltsdefizite erreichen astronomische Ausmaße, die Sozialsysteme geraten unter Druck, Ausgabenkürzungen werden angekündigt. Die Arbeitnehmer erhalten demnächst die Rechnung für die Kosten der Krise. Die Arbeitsbedingungen in den Betrieben und die Perspektiven des Arbeitsschutzes bleiben davon nicht unberührt. Arbeit und Gesundheit wird zu einem zentralen Konfliktfeld der nächsten Zeit werden. Für menschengerechte und gute Arbeitsgestaltung bedeutet das viele Probleme, aber auch neue Möglichkeiten. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im Thema des Monats Oktober, rechtzeitig zur A+A Anfang November.

Gesundheitsrisiko Arbeit

Nach einer EU-weiten Arbeitskräftebefragung spielen psychische Belastungen am Arbeitsplatz eine zentrale Rolle, vor allem Zeitdruck und Arbeitsverdichtung. Auch körperliche Belastungen wie schweres Heben und Zwangshaltungen sind nach wie vor weit verbreitet. Nach ihren Beschwerden gefragt, nannten die Beschäftigten vor allem solche des Stütz- und Bewegungsapparats, aber auch psychische Störungen. Für die Erhebung wurden im Rahmen des Mikrozensus gewonnene Daten von 80.000 Beschäftigten in Deutschland ausgewertet. Mehr dazu in der Oktoberausgabe.

2010: Stafettenwechsel bei Wahlen zur Schwerbehindertenvertretung

2010 wird ein wichtiges Wahljahr für die betrieblichen Interessenvertretungen. Zuerst kommen die Betriebsratswahlen und die Wahlen zu den Jugend- und Auszubildendenvertretungen, ab Oktober stehen dann die Wahlen der Schwerbehindertenvertretungen an. Der Stafettenwechsel ist bereits im Gange, wir stellen Betriebe vor, die das vorbildlich organisieren. Unseren Beitrag aus der Oktoberausgabe können Sie hier auch im Volltext online lesen.

Gefährdungsbeurteilung: Betriebsrat hat Mitbestimmungsrechte genutzt!

Bei dem Automobilzulieferer Mahle war die Integration der psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung kein einfacher Weg, sowohl wegen der Struktur mit vielen Standorten als auch wegen der weit verbreiteten typischen Vorbehalte, die sofort auftreten, wenn psychische Arbeitsbelastungen überhaupt erwähnt werden. Inzwischen ist das grundsätzlich nicht mehr strittig: Die Betriebsvereinbarung zur Gefährdungsbeurteilung mit ausdrücklicher Berücksichtigung der psychischen Belastungen wurde vor kurzem unterzeichnet. Ohne die Einigungsstelle ging es allerdings nicht. Jetzt kann die Umsetzung beginnen. Lesen Sie dazu unseren Erfahrungsbericht aus der Oktoberausgabe.

Ausschuss für Gefahrstoffe: Bilanz und Ausblick

Bis Ende 2008 war die Tätigkeit des Ausschusses für Gefahrstoffe vor allem davon geprägt, das Technische Regelwerk an die 2005 novellierte Gefahrstoffverordnung anzupassen und neu zu strukturieren. Das gelang im Wesentlichen auch, aber manche Aufgaben bleiben noch ungelöst, wirtschaftliche Interessen kamen dem Gefahrstoffschutz manchmal in die Quere. Der neue AGS ist mit einem umfangreichen Arbeitsprogramm konfrontiert. U.a. muss das Risikokonzept für Krebs erzeugende Stoffe umgesetzt werden. Die Konsequenzen von REACH für den Arbeitsschutz sind konkret zu klären, und für die Gefährdungsbeurteilung müssen verfahrens- und stoffspezifische Kriterien entwickelt werden u.v.a. m. Schließlich muss auch thematisiert werden, wie die Arbeitsergebnisse des AGS wirksamer in die betriebliche Praxis vor allem der kleinen und mittleren Betriebe umgesetzt werden können.

Weitere Themen im Oktober

Die Ausgabe 10/2009 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Fast jede/r zweite Beschäftigte geht krank zur Arbeit
  • Umstrukturierung kann Beschäftigte und Entlassene krank machen
  • A+A 2009 in Düsseldorf: Messe und Kongress
  • Arbeitsmedizin von Arbeitgeber Gnaden
  • Beruflich bedingte Bandscheibenschäden der Halswirbelsäule

Die Ausgabe 19/2009 enthält außerdem wieder Buchtipps, zahlreiche Kurzmeldungen sowie Hinweise auf Seminare, Kongresse und Veranstaltungen, die sie hier auch online lesen können.

Neu im August/September 2009

Arbeitsschutz und Normung

Normung geht durchaus nicht nur eine Handvoll Spezialisten etwas an. Denn ob am Arbeitsplatz Maschinen und Geräte auch sicher sind, hängt zu guten Teilen von eben diesen Normen ab. Insofern haben Normung und der Schutz der Gesundheit der Beschäftigten sehr viel miteinander zu tun, und das ist dann etwas, das sehr viele angeht. Vor allem die Beschäftigten selbst und auch die Gewerkschaften: Sie können und müssen auf den Inhalt von Normen Einfluss nehmen. Unterstützung hierbei bietet die Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN), die nunmehr seit 15 Jahren besteht. Unsere Beiträge im "Thema des Monats" der Ausgabe 8/9 befassen sich mit aktuellen Problemen von Arbeitsschutz und Normung.

Die Krise zeigt die Absurdität der "Rente mit 67"

Die Krise bringt Stellenabbau und steigende Arbeitslosenzahlen. Dabei zeigt sich nach einem neuen DGB-Bericht vor allem: Jüngere unter 25 und Ältere über 55 sind die hauptsächlichen Leidtragenden dieser Entwicklung. Im Mai dieses Jahres lag die Arbeitslosigkeit der älteren Beschäftigten 17% höher als im Jahr zuvor, bei den älteren Männern sogar um 24%. Extrem benachteiligt ist die Gruppe der über 58-Jährigen. Gewerkschafter werten diese Zahlen als klaren Beweis dafür, dass die ohnehin unsinnige „Rente mit 67“ in der Krise geradezu verheerend wirkt, wenn die Wirtschaft schon heftig dabei sei, Menschen über 55 aus den Betrieben zu verdängen. Mehr dazu in der Ausgabe 8/9.

Mit 55 verschlissen, mit 67 in Rente?

Eine echte und positive Reform der Erwerbsminderungsrente ist überfällig. Seit Jahren nimmt für viele Ältere mit angeschlagener Gesundheit oder Behinderung das Risiko zu, auf eine schiefe Ebene in die Armut abzurutschen. Hohe Zugangshürden verstellen den Weg in die Rente; wer es geschafft hat, muss Abschläge und - nach vielen Rentenreformen - seit 1998 stetig sinkende Rentenhöhen verkraften - trotz seither deutlich gestiegener Lebenshaltungskosten. Hauptsächlich ältere, in den Arbeitsmarkt schlecht integrierte Beschäftigte geraten in die Abwärtsspirale: erst Arbeitslosigkeit, dann Hartz IV. Professor Gerhard Bosch erhellt den Hintergrund im Interview und zeigt, dass die Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre angesichts der Krise und der realen Situation in der Arbeitswelt falsch und widersinnig ist. Mehr dazu auf unseren Seiten „Prävention & Teilhabe“ in der aktuellen Ausgabe.

Trotz Krankheit zur Arbeit

Der Krankenstand ist auf dem niedrigsten Stand sei 1970 – so sagt es die offizielle Statistik des Bundesgesundheitsministeriums. Allerdings heißt das nicht, dass jetzt alle gesund sind. Vier von fünf Beschäftigten sind schon einmal krank zur Arbeit gegangen, die Hälfte sogar mehrmals. Ein Grund dafür ist die Angst um den Arbeitsplatz, die gerade in der Krise zunimmt. Ausschlag gebend sind aber auch schlechte Arbeitsbedingungen wie permanenter Zeitdruck und mieses Führungsverhalten oder auch schlechte Entlohnung. Genauere Daten dazu liefert der aktuelle DGB-Index Gute Arbeit 2009. Mehr dazu in unseren Beiträgen im aktuellen Heft 8/9.

Gute Arbeit, Gutes Leben

Sichere Arbeit steht an der Spitze der Wunschliste der Beschäftigten in Deutschland. 89% halten sie für sehr wichtig. Das ergab eine zwar nicht repräsentative, aber sehr große Umfrage der IG Metall unter 450 000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Sie stand unter dem Motto „Gemeinsam für ein gutes Leben“. An zweiter Stelle nannten die Befragten zu 84% eine Arbeit, die gesund erhält und nicht krank macht. 81% plädierten dafür, die Rente mit 67 zurückzunehmen. Lesen Sie dazu unseren Artikel in der Ausgabe 8/9. Die Materialien zur IG Metall-Umfrage stehen hier zum Download bereit. Die vollständige Stellungnahme der IG Metall-Funktionsbereiche Sozialpolitik und Gesundheitsschutz/Arbeitsgestaltung gibt es hier, ein illustrierender Foliensatz kann hier abgerufen werden.

Arbeitgeber meinen: Neue Kultur der Arbeit gibt es schon längst

Eine neue Kultur der Arbeit ist nicht erforderlich, es gibt sie schon. Im Grunde ist die Arbeitswelt völlig in Ordnung, was fehlt, ist lediglich mehr Eigenverantwortung der Beschäftigten. Mit dieser Herangehensweise haben Arbeitgeberverbände nicht nur erwartungsgemäß die Initiativen der Gewerkschaften für Gute Arbeit angegriffen, sondern auch dem gerade erst gestarteten Projekt des Bundesarbeitsministeriums für eine Neue Kultur der Arbeit in der vorgeschlagenen Form eine Absage erteilt. Unseren Beitrag dazu können sie hier im Volltext auch online lesen. Hinweise zur BMAS-Initiative "Neue Kultur der Arbeit" gibt es online hier; der Geschäftsbericht 2008/2009 von Gesamtmetall kann hier herunter geladen werden. Die der Redaktion vorliegende interne Stellungnahme der BDA stellen wir hier zum Download zur Verfügung, damit unsere Leserinnen und Leser selbst ein Urteil bilden können.

Präventiver Arbeitsschutz statt Krankenrückkehrgespräch

Ein Paradigmenwechsel von schlechtem zu gutem Arbeitsschutz wurde bei AEG in Rothenburg durchgesetzt. Der Weg war für beide Betriebsparteien nicht leicht. Die Mitbestimmung mit dem Instrument Einigungsstelle sorgte für den Durchbruch. Inzwischen wird schon erkennbar, dass sich der eingeschlagene Weg insbesondere für die Beschäftigten, das Unternehmen und die betriebliche Interessenvertretung lohnen wird. Lesen Sie dazu unseren Beitrag aus der Ausgabe 8/9 hier auch im Volltext.

Familie und Beruf vereinbaren

Welchen psychischen und körperlichen Belastungen Beschäftigte mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen – neben „dem Üblichen“ - zusätzlich ausgesetzt sind, ist immer noch zu selten Thema guter Arbeitsgestaltung. Familie als „Privatvergnügen“ gehörte nicht zu den beachtenswerten Handlungsfeldern der Gesundheitsförderung. Das DGB-Projekt „Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten!“ deckt die Gesundheitsaspekte und den betrieblichen Handlungsbedarf auf. Eine öffentliche Verwaltung macht vor, wie es gehen könnte: Denn der öffentliche Dienst ist als Arbeitgeber in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Vorbild gefragt. Doch was vielerorts noch in den Kinderschuhen steckt, ist beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Eschborn inzwischen Realität – und zur Nachahmung empfohlen. Mehr dazu in unseren Beiträgen im Heft 8/9.

Was tun, wenn es heiß wird am Arbeitsplatz?

Sommerliche Hitze kann mit mannigfachen Gesundheitsrisiken verbunden sein – durch hohe Temperaturen selbst, aber auch durch Ozonbelastungen und UV-Strahlen. Das betrifft in unterschiedlicher Weise Beschäftigte in Innenräumen wie auch ganz besonders bei Arbeiten im Freien. In besonders hohem Maße sind Beschäftigte in der Bauwirtschaft, der Land- und Forstwirtschaft, aber auch im Dienstleistungsbereich wie Gebäudereiniger, Schornsteinfeger oder Erzieherinnen durch die Sommersonne gefährdet. Das Arbeitsschutzrecht und die begleitende Rechtsprechung bieten bestimmte Handlungsmöglichkeiten, Betriebs- und Personalräte verfügen über Mitbestimmungsrechte. Da unser Beitrag aus Heft 6/2006 dazu immer noch aktuell ist, haben wir ihn hier für Sie noch einmal zum download bereitgestellt. Außerdem hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in einem kleinen Leitfaden „Licht und Schatten“ jetzt Hinweise gegeben, wie man bei Arbeiten im Freien im Sommer am besten mit heiler Haut davonkommt. Informationen über die aktuelle Intensität der Sonneneinstrahlung stellt das deutsche UV-Messnetz (BfS/DWD/UBA) zur Verfügung. Dieser UV-Index mit Erläuterungen steht im Internet unter Adresse des Bundesamtes für Strahlenschutz bereit. Eine potenzielle Gefährdung besteht ab Stufe drei oder höher.

Weitere Themen im August/September

Die Ausgabe 8-9/2009 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Niedriglohnsektor: Immer mehr Menschen arbeiten für immer weniger Geld
  • ver.di-Selbstverwaltertagung: Das UVMG umsetzen! Anforderungen an die Unfallversicherung
  • Zehn Fragen und zehn Antworten zum Pflegezeitgesetz
  • Von der drohenden Abschaffung der Arbeitsmedizin
  • Betriebliche Veränderungen als Ursache psychischer Belastungen

Neu im Juli 2009

Gute Arbeit in Call Centern – Vision oder Illusion?

In vielen Call Centern sind die Verhältnisse noch immer stark dem Manchester-Kapitalismus verdächtig ähnlich. Beschäftigte in Call Centern haben aber nicht nur ein Recht auf vernünftige Arbeitsbedingungen, sie erheben auch diesen Anspruch. Sie wollen angemessene Entlohnung, gute soziale Standards, Weiterbildung, Mitsprache und sichere Arbeitsplätze. Es entsteht ein Bedarf an Zukunftsperspektiven, die den Maßstäben von Guter Arbeit gerecht werden: ein wichtiges Aufgabenfeld für die Interessenvertretungen. Lesen Sie mehr dazu in unseren Beiträgen im „Thema des Monats“ in der Juli-Ausgabe.

DGB-Index Gute Arbeit: Klare Absage an die Rente mit 67

Nur jede/r zweite Beschäftigte in Deutschland erwartet, unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen gesund bis zum Rentenalter arbeiten zu können. Dieses Ergebnis des neuen DGB-Index Gute Arbeit 2009 muss nachdenklich stimmen. Ebenso weitere Befunde: Nur 12% der Beschäftigten werten ihre Arbeitsqualität als gut, 33% als schlecht, 55% als mittelmäßig. Im Bundesdurchschnitt liegt die Arbeitsqualität bei einem Indexwert von 58 im unteren Mittelfeld. Besonders brisant: 80% der Beschäftigten sind im vergangenen Jahr mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen, 50% sogar mehrmals. Mehr dazu im Juli-Heft.

Ver.di-Tagung: Gute Arbeit in der Krise

Gute Arbeit ist für die Gewerkschaft ver.di ein wichtiges Handlungsfeld geworden. Sie hat damit Erwartungen der Beschäftigten an faire Bezahlung, berufliche Sicherheit, Anerkennung und den Schutz ihrer Gesundheit aufgegriffen und die humane Gestaltung der Arbeitswelt zu einem öffentlichen und betrieblichen Thema gemacht. Auch in der Krise kann dieser strategische Ansatz Orientierung und Perspektive bieten. Auf einer Tagung in Berlin organisierte ver.di dazu einen intensiven Erfahrungsaustausch. Unseren Beitrag aus der Juli-Ausgabe können Sie hier auch online lesen.

"Better Regulation" in der EU: Vorwärts, wir wollen zurück!

Die so genannte Stoiber-Kommission hat ihre Vorschläge zur Deregulierung des europäischen Arbeits- und Gesundheitsschutzrechts veröffentlicht. Das Gros der Arbeitgeberpflichten, die sich aus der Rahmenrichtlinie Arbeitsschutz und dem weiteren Regelwerk ergeben, wird als überflüssige und wirtschaftlich unzumutbare administrative Belastung bezeichnet. Insbesondere die Verpflichtung der Unternehmen zur Gefährdungsbeurteilung und ihrer Dokumentation will die Gruppe drastisch beschnitten sehen. Damit würden die Grundlagen des europäischen Arbeitsschutzrechts unterhöhlt. Mehr dazu in der Juli-Ausgabe.

Mobbing: Was hilft dagegen? Was schützt davor?

Mobbing ist ein – häufig eskalierender – Prozess, der für die Betroffenen großes Leid und für das jeweilige Unternehmen auch wirtschaftliche Schäden mit sich bringt. Das Problem hat erfahrungsgemäß immer mit erheblichen Mängeln in der Arbeitsorganisation zu tun. Mobbing überwinden und vermeiden bedeutet also, die Arbeitsbedingungen anzupacken und im Sinne Guter Arbeit zu gestalten. Psychische Belastungsfaktoren spielen dabei eine wichtige Rolle. Der zentrale Hebel zu positiver Veränderung ist hier die Gefährdungsbeurteilung. Lesen Sie dazu unseren Beitrag in der Juli-Ausgabe.

Ungehindert behindert: noch Zukunftsmusik

Die UN-Behindertenrechtskonvention, in Deutschland seit dem 26. März 2009 in Kraft, weckt Erwartungen und Hoffnungen von Menschen mit Behinderungen: Die Teilhabeversprechen der letzten Jahre und Jahrzehnte, gegossen in Rechte und Gesetze, wurden hierzulande nur unzureichend erfüllt. Der erweiterte verdi-Bundesarbeitskreis (BAK) Teilhabepolitik diskutierte in Berlin mit den behindertenpolitischen Sprecherinnen und Sprechern der Bundestagsfraktionen über die schlimmsten Defizite, mögliche Impulse der UN-Konvention und darüber, was in Deutschland vordringlich zu tun ist. Mehr dazu auf unseren Seiten „Prävention & Teilhabe“ im Juli-Heft.

Was tun, wenn es heiß wird am Arbeitsplatz?

Sommerliche Hitze kann mit mannigfachen Gesundheitsrisiken verbunden sein – durch hohe Temperaturen selbst, aber auch durch Ozonbelastungen und UV-Strahlen. Das betrifft in unterschiedlicher Weise Beschäftigte in Innenräumen wie auch ganz besonders bei Arbeiten im Freien. In besonders hohem Maße sind Beschäftigte in der Bauwirtschaft, der Land- und Forstwirtschaft, aber auch im Dienstleistungsbereich wie Gebäudereiniger, Schornsteinfeger oder Erzieherinnen durch die Sommersonne gefährdet. Das Arbeitsschutzrecht und die begleitende Rechtsprechung bieten bestimmte Handlungsmöglichkeiten, Betriebs- und Personalräte verfügen über Mitbestimmungsrechte. Da unser Beitrag aus Heft 6/2006 dazu immer noch aktuell ist, haben wir ihn hier für Sie noch einmal zum download bereitgestellt. Außerdem hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in einem kleinen Leitfaden „Licht und Schatten“ jetzt Hinweise gegeben, wie man bei Arbeiten im Freien im Sommer am besten mit heiler Haut davonkommt. Informationen über die aktuelle Intensität der Sonneneinstrahlung stellt das deutsche UV-Messnetz (BfS/DWD/UBA) zur Verfügung. Dieser UV-Index mit Erläuterungen steht im Internet unter Adresse des Bundesamtes für Strahlenschutz bereit. Eine potenzielle Gefährdung besteht ab Stufe drei oder höher.

Weitere Themen im Juli

  • Die Ausgabe 7/2009 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:
  • Leiharbeiter sind besonders hohen psychischen Belastungen ausgesetzt
  • EU-Arbeitszeitrichtlinie: Aufweichung nun durch die Hintertür?
  • Lange Arbeitszeiten und Gesundheit
  • Mit Rat und Tat durch die Krise: Ein Leitfaden

Neu im Juni 2009

Nicht ausmustern, sondern integrieren: Betriebliche Rehabilitation vor neuen Herausforderungen

Arbeiten in Deutschland bedeutet allzu oft frühen Verschleiß. Vor allem Beschäftigte ab dem mittleren Lebensalter, die in Gesundheitskrisen geraten, laufen Gefahr, ihren Arbeitsplatz und ihre Arbeitsfähigkeit dauerhaft zu verlieren. Für eine nachhaltige Beschäftigungsperspektive benötigen sie den rechtzeitigen Zugang zu medizinischer und beruflicher Rehabilitation, außerdem aber auch einen geeigneten leistungsrechten Arbeitsplatz und die Weiterentwicklung ihrer Qualifikationen und Kompetenzen. Für Rehabilitation auf der betrieblichen Ebene bedeutet das eine große Herausforderung. Reha muss frühzeitiger als bisher leider oft üblich einsetzen und wirksam werden, sie muss sich auf die veränderten Zielgruppen, so auch auf eine älter werdende Erwerbsbevölkerung, einstellen und die Koordination der vielfältigen Reha-Träger im System muss optimiert werden. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im Thema des Monats in der Juni-Ausgabe.

Deutschland im Stress

Jede/r dritte Berufstätige arbeitet häufig am Limit. Warum das so ist und was das für die Gesundheit bedeutet, hat die Techniker-Krankenkasse in einer repräsentativen Befragung untersucht. Hauptursachen für den Dauerstress am Arbeitsplatz sind Zeitdruck und Arbeitsverdichtung. Ebenso viele leiden unter Schichtdienst oder anderen belastenden Arbeitszeiten und unter der überbordenden Informationsflut. Besonders groß sind die Belastungen dann, wenn hohen Anforderungen mangelnde Anerkennung gegenüber steht. Wer ständig solchem Druck ausgesetzt ist, ist anfälliger für körperliche und seelische Erkrankungen. Menschen unter Dauerdruck leiden gegenüber dem Durchschnitt mehr als doppelt so oft unter einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, der häufigsten Todesursache in Deutschland. Auch Rücken- und Kopfschmerzen, Infekte, psychische Probleme und Schlafstörungen treten häufiger und stärker auf, je größer die Stressbelastung ist. Bereits jeder dritte Berufstätige fühlt sich stark erschöpft oder gar ausgebrannt. Das schlägt sich auch in hohen Fehlzeiten nieder. So gab es im letzten Jahr z. B. fast zehn Millionen Krankentage wegen Burnout-Symptomen. Wir stellen die Studie im Juni-Heft ausführlicher vor. Unseren Beitrag dazu können Sie hier auch im Volltext lesen.

Schwerbehindertenvertretungen der Automobilindustrie wollen geförderte Altersteilzeit und Rücknahme der Rente mit 67

Bei BMW in Dingolfing, wo der Arbeitskreis Schwerbehindertenvertretungen der Deutschen Automobilindustrie im Mai mit gut 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern tagte, ist die Absatzkrise nicht zu übersehen. Der halbvolle Parkplatz signalisiert Kurzarbeit – geplant noch bis mindestens Ende Juni. Am Standort mit rund 18 000 Beschäftigten werden Fahrzeuge ab der 5er-Reihe aufwärts gefertigt, die nun weniger gefragt sind. Jeder zweite Beschäftigte der Region arbeitet kurz. Die Anträge auf Zustimmung zur Kündigung von Schwerbehinderten haben drastisch zugenommen. Zu den ohnehin hohen Arbeitsbelastungen kommen also neue Probleme hinzu, Verunsicherung und Zukunftsangst sind unübersehbar. Der Altersdurchschnitt der Beschäftigte ist jetzt schon hoch und wird rasch weiter steigen. Vor diesem Hintergrund entwickelten die Schwerbehindertenvertretungen neue Möglichkeiten und Aufgaben der Eingliederung und forderten von der Bundesregierung, die geförderte Altersteilzeit zu verlängern und die Entscheidung zur Rente mit 67 zurückzunehmen. Mehr dazu in der Juni-Ausgabe.

Psychische Gesundheit in der Arbeit: Gemeinsames Papier von IG Metall und Betriebsärzten

Psychische Beeinträchtigungen und Erkrankungen haben stark zugenommen. Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt zu erhalten und zu verbessern wird zu einer zentralen Aufgabe bei der humanen Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Die IG Metall und der Verband der deutschen Betriebs- und Werksärzte (VDBW) haben dazu jetzt ein gemeinsames Positionspapier vorgelegt. Darin heißt es u. a.: „Angesichts dramatisch steigender Zahlen psychischer Erkrankungen und Beeinträchtigungen bei berufstätigen Menschen stehen die Betriebe vor großen Herausforderungen. Betriebsärzte und IG Metall setzen sich für die nachhaltige Verbesserung der psychischen Gesundheit in den Betrieben ein. Für die IG Metall und den VDBW ist dies zu einem Schwerpunktthema geworden.“ In der Juni-Ausgabe veröffentlichen wir das Positionspapier im Wortlaut. Sie können es hier auch im Volltext herunterladen.

Gute Arbeit im Großraumbüro: Betriebsrat nutzt seine Rechte

Eigentlich totgesagt, ist das Großraumbüro vor einigen Jahren wieder auferstanden und nennt sich jetzt offene Bürofläche oder open space. Die Unternehmen versprechen sich davon bessere Kommunikation, mehr Kreativität und schnellere Lösungen, aber auch Kosteneinsparungen durch geringeren Flächenbedarf. In solchen offenen Bürolandschaften können die Belastungen und Probleme für die Beschäftigten beträchtlich sein. Der Betriebsrat eines High-Tech-Unternehmens schaltete sich aktiv in den Umgestaltungsprozess ein, eine Betriebsvereinbarung regelt nun präzise seine sehr weit gehenden Mitbestimmungsrechte. So kann die Interessenvertretung jederzeit gute Arbeitsgestaltung durchsetzen. Mehr dazu in unserem Erfahrungsbericht in der Juni-Ausgabe.

Gesundheitsschutz in der Kita

Um die Arbeitsbedingungen in den Kitas zu verbessern, hat die Gewerkschaft ver.di einen Tarifvertrag zur Gesundheitsförderung vorgeschlagen, der die gesetzlichen Regelungen präzisiert und dabei die Mitwirkungsrechte der Beschäftigten konkretisiert. Ende Mai antworteten die Arbeitgeber mit einem Gegenvorschlag, der keinerlei verbindliche Rechte für die Beschäftigten vorsieht. ver.di wies den Vorschlag als völlig unzureichend zurück. Bei Redaktionsschluss dauerten die Auseinandersetzungen weiter an. Mehr dazu in unserem Beitrag in der Juni-Ausgabe.

Was tun, wenn es heiß wird am Arbeitsplatz?

Sommerliche Hitze kann mit mannigfachen Gesundheitsrisiken verbunden sein – durch hohe Temperaturen selbst, aber auch durch Ozonbelastungen und UV-Strahlen. Das betrifft in unterschiedlicher Weise Beschäftigte in Innenräumen wie auch ganz besonders bei Arbeiten im Freien. In besonders hohem Maße sind Beschäftigte in der Bauwirtschaft, der Land- und Forstwirtschaft, aber auch im Dienstleistungsbereich wie Gebäudereiniger, Schornsteinfeger oder Erzieherinnen durch die Sommersonne gefährdet. Das Arbeitsschutzrecht und die begleitende Rechtsprechung bieten bestimmte Handlungsmöglichkeiten, Betriebs- und Personalräte verfügen über Mitbestimmungsrechte. Da unser Beitrag aus Heft 6/2006 dazu immer noch aktuell ist, haben wir ihn hier für Sie noch einmal zum download bereitgestellt. Außerdem hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in einem kleinen Leitfaden „Licht und Schatten“ jetzt Hinweise gegeben, wie man bei Arbeiten im Freien im Sommer am besten mit heiler Haut davonkommt. Informationen über die aktuelle Intensität der Sonneneinstrahlung stellt das deutsche UV-Messnetz (BfS/DWD/UBA) zur Verfügung. Dieser UV-Index mit Erläuterungen steht im Internet unter Adresse des Bundesamtes für Strahlenschutz bereit. Eine potenzielle Gefährdung besteht ab Stufe drei oder höher.

Weitere Themen im Juni

Die Ausgabe 6/2009 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Höchstarbeitszeiten im Transportgewerbe
  • Zukunftsfähige Arbeit gesund gestalten – ein Tagung zur Gemeinsamen deutschen Arbeitsschutzstrategie
  • Ein-Euro-Jobkiller
  • Neue Kultur der Arbeit?
  • Krankenkontrolle

Neu im Mai 2009

Psychische Gesundheit unter dem Druck der Krise

Psychische Erkrankungen haben inzwischen ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr wegdiskutiert werden kann. Sie prägen das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen bei allen Krankenkassen. Und die schlagen Alarm, mit Recht. Psychische Erkrankungen sind außerdem auch schon die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Frühberentung. Längst sind auch noch relativ junge Menschen davon betroffen. Psychische Erkrankungen sind langwierig und verursachen hohe Kosten. Und der Zusammenhang mit der Arbeitswelt ist klar erkennbar: schlechte Arbeit, Leistungsdruck, Stress, prekäre und nicht Existenz sichernde Beschäftigungsverhältnisse, Überforderung, Konflikte zwischen Arbeit und Privatleben, zunehmende Unsicherheit in der Krise - das sind die Ursachen für die Entwicklung. Die psychische Gesundheit im Arbeitsleben wird zur „Herausforderung der Gesellschaft von morgen“. Es steigen die Anforderungen an Prävention und an wirksame Konzepte zur Integration bereits erkrankter Menschen in den Beruf. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im „Thema des Monats“ der Mai-Ausgabe.

Bessere Prävention statt Krankenkontrolle

Die Krise sorgt für ein raueres Klima in den Betrieben. Arbeitgeber sammeln immer häufiger sensible und vertrauliche Daten über Krankheiten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nutzen sie bei nächst besten Gelegenheit für krankheitsbedingt Kündigungen. Solche Schnüffelei ist illegal und zumeist ohne gesetzliche Grundlage. Stattdessen käme es darauf an, den krank machenden Arbeitsbedingungen zu Leibe zu rücken und die Gefährdungsbeurteilung und das Betriebliche Eingliederungsmanagement zu nutzen. Unseren Beitrag dazu in der Mai-Ausgabe können Sie hier auch online lesen.

EU-Arbeitszeitrichtlinie: Zurück auf Los!

Vorerst wird es keine neue EU-Arbeitszeitrichtlinie geben. Nach dem Scheitern des Vermittlungsverfahrens bleibt die bisherige Richtlinie in Kraft. Während etliche EU-Parlamentarier in dem Verfahren vor allem bei der Bewertung des Bereitschaftsdienstes und den Ausgleichsruhezeiten Kompromissbereitschaft bis zur Selbstverleugnung zeigten, beharrten die EU-Sozialminister unbeirrt darauf, die Ausnahmeklausel opt-out unbefristet beizubehalten. Die Gewerkschaft ver.di begrüßte das Scheitern des Vermittlungsverfahrens. Kein Kompromiss sei besser als ein schlechter Kompromiss, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. Lesen Sie mehr dazu in der Mai-Ausgabe.

In der Krise Arbeitsplätze und Teilhabe schützen

Die Kündigungsbegehren von Arbeitgebern zu Lasten von Menschen mit Behinderungen nehmen drastisch zu. Das belegen Zahlen der Integrationsämter. Und Schwerbehindertenvertretungen aller Branchen und Regionen bestätigen: Die gesundheitlich angeschlagenen Beschäftigten fürchten in der Krise zu Recht krankheitsbedingte Kündigungen. Die gesetzlichen Standards für Prävention und Teilhabe können aber trotz aller Schwächen und Unzulänglichkeiten Arbeitsplätze schützen. Jetzt müssen sie auch angewandt, eingeklagt und verteidigt werden. Lesen Sie dazu das Interview mit Werner Feldes (IG Metall) und den Kommentar von Professor Wolfhard Kohte auf den Seiten „Prävention und Teilhabe“ in der Mai-Ausgabe.

Kranker Rücken durch Vibrationen

Berufskrankheiten der Lendenwirbelsäule durch Vibrationen werden relativ selten angezeigt und noch seltener anerkannt oder entschädigt. Auch seit der neuen Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung 2007 besteht noch immer ein verwirrendes Nebeneinander von Orientierungs- und Grenzwerten. Die Klärung von Berufskrankheitenfällen wird dadurch erschwert. Ähnlich unbefriedigend und kompliziert ist die Situation bei Erkrankungen, die durch eine kombinierte Belastung durch Vibrationen und Heben/Tragen entstanden sind. Dass hier häufig zum Nachteil der Betroffenen entschieden wird, ist nicht akzeptabel. Lesen Sie dazu den Beitrag der Arbeitsmedizinerin Prof. Dr. med. Gine Elsner im Mai-Heft.

DGB-Index Gute Arbeit: Das Urteil der Beschäftigten selbst zählt

"Die Beschäftigten kennen ihre Arbeit am besten – darum ist ihr Urteil unbedingt ernst zu nehmen“. Unter diesem Motto greift die Mai-Ausgabe die Kontroversen um den DGB-Index Gute Arbeit erneut auf. In ihrer März-Ausgabe hatte die Zeitschrift über die Ergebnisse der Repräsentativumfrage zum Thema „Arbeitsfähig bis zur Rente?” berichtet, die im Rahmen des DGB-Index Gute Arbeit durchgeführt wurde (Gute Arbeit. 3/2009, Seite 17-27). Zur Sprache kamen dabei auch die öffentlichen Polemiken des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall und des ihm nahe stehenden Instituts für angewandte Arbeitsforschung (IfaA) gegen den DGB-Index. Derzeit werden die Ergebnisse der Erhebung zum DGB-Index Gute Arbeit 2009 ausgewertet. Die Redaktion nahm das zum Anlass für ein Gespräch mit Ralf Stuth, Geschäftsführer der DGB-Index Gute Arbeit GmbH, und Klaus Pickshaus, Mitglied des Fachbeirats. Thema sind die Resonanz auf die Veröffentlichungen, der Stand der Debatte und die weiteren Vorhaben im Zusammenhang mit dem DGB-Index.

Weitere Themen im Mai

Die Ausgabe 5/2009 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Schlechte Arbeit in der Alten- und Krankenpflege
  • Angst um den Job: Krankenstand Anfang 209 auf Rekordtief gesunken
  • Leiharbeit als Lebensperspektive?
  • Über die Grenzen von Grenzwerten: Das Beispiel Raumakustik
  • Neue Studie: Wer lange arbeitet, schläft schlechter

Neu im April 2009

Damit es im Büro nicht zu laut ist …

Moderne Büro- und Bildschirmarbeit erfordert gewöhnlich ein hohes Maß an Kommunikation. Zugleich suchen Arbeitgeber nach neuen Wegen, Kosten zu sparen, manchmal wollen sie auch mehr Kontrolle. Das Ergebnis: Eine Renaissance des Großraumbüros in Gestalt so genannter offener Bürowelten. Konzentration und Kommunikation geraten dann häufig in Widerspruch. Häufige Folge: Der Geräuschpegel ist zu hoch und macht Stress. Gesundheit und Produktivität leiden darunter. Die Arbeitsstättenverordnung, die Bildschirmarbeitsverordnung, etliche DIN-Normen, verbunden mit dem Minimierungsgebot des Arbeitsschutzgesetzes und dem gesicherten Stand von Technik und arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen eröffnen den Interessenvertretungen aber gangbare Wege zu einer guten Raumakustik. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im „Thema des Monats“ der April-Ausgabe.

Individualanspruch auf eine Gefährdungsbeurteilung

Die Beschäftigten haben einen einklagbaren Rechtsanspruch auf eine Gefährdungsbeurteilung. So entschied vor einiger Zeit das Bundesarbeitsgericht. Zwar können die einzelnen Beschäftigten kein konkretes Beurteilungsverfahren durchsetzen, solange verschiedene mögliche Verfahren in Betracht kommen. Das Gericht bekräftigte aber ausdrücklich, dass die Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber der passende Ort sind, in dem der konkrete Auswahlprozess erfolgt. Eine solche betriebliche Aushandlung können die einzelnen Beschäftigten mit ihrer Klage verlangen und durchsetzen. Der bekannte Arbeitsrechtler Professor Wolfhard Kohte erläutert die Rechte der Beschäftigten und der Betriebsräte in einem Beitrag für die April-Ausgabe. Seinen Beitrag können Sie hier auch online lesen.

Überlastungsanzeige: Wenn keiner mehr Land sieht …

Personal wird abgebaut, neue Aufgaben werden integriert, Prioritäten sind unzureichend geklärt, Überstunden eine Selbstverständlichkeit, Organisationsstrukturen unübersichtlich, die schwache Führung gibt jeden Druck nach unten weiter. So sieht der Arbeitsalltag für immer mehr Beschäftigte aus, Angst vor Jobverlust verschärft die Situation noch. Kein Wunder, dass die schlechten Nachrichten über den Anstieg psychischer Erkrankungen nicht abreißen: Die Arbeit reibt die Menschen auf, jede dritte Frühberentung geht auf ein psychisches Leiden zurück, bei den Arbeitsunfähigkeitstagen sind psychische Erkrankungen mit rund zehn Prozent die vierthäufigste Ursache. Nimmt der Stress mal wieder überhand, kann die Überlastungsanzeige hilfreich sein. Allerdings ist es wichtig, nicht im Alleingang zu handeln. Der Betriebsrat muss mit im Boot sein.

Gute Arbeit und die Krise

Die gegenwärtige Finanzmarktkrise ist auch eine Folge der Ökonomie der Maßlosigkeit, die wiederum maßlose Anforderungen an die Beschäftigten mit sich gebracht hat. Auswege aus der Krise dürfen daher nicht dahin zielen, die Zumutungen an die Beschäftigten noch zu radikalisieren, sondern sollten überfällige Innovation mit Produktivität und Humanisierung der Arbeit verbinden. Letztlich geht es um mehr Wirtschaftlichkeit durch mehr gute Arbeit. Gefordert ist nicht Arbeit schlechthin, sondern mehr gute Arbeit. Lesen Sie dazu den Beitrag von Klaus Pickshaus in der aktuellen Ausgabe.

Europäische Agentur: Bericht zur Gefahrstoffproblematik

Der Kontakt mit Chemikalien und anderen Gefahrstoffen bei der Arbeit beeinträchtigt die Gesundheit von Erwerbstätigen in ganz Europa. Aufschlussreiche Daten dazu enthält ein neuer Bericht der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Nach der Befragung von 49 Fachleuten aus 21 Ländern sind besonders die möglichen Gefährdungen durch Nanopartikel Besorgnis erregend. Gesundheitsrisiken durch Gefahrstoffe betreffen nicht nur die chemische Industrie, sondern vor allem Beschäftigte in den Anwenderbereichen wie dem Bau- und Metallgewerbe, in den vielen kleinen und mittleren Unternehmen, der Krankenpflege oder auch in der Landwirtschaft. Vor allem in der Abfallwirtschaft laufen Arbeitnehmer große Gefahr, mit Risikostoffen in Kontakt zu kommen. DGB-Arbeitsschutzexpertin Marina Schröder fasst die Ergebnisse des Berichts für die April-Ausgabe zusammen.

EU-Arbeitszeit-Richtlinie – Game over?

Das Vermittlungsverfahren zur Neufassung der EU-Arbeitszeitrichtlinie ist offensichtlich gescheitert. Den Ausschlag dafür gab die völlig kompromisslose Haltung der EU-Arbeitsminister. Sie verteidigten die opt-out-Ausnahmeregelung, die deutlich längere Wochenarbeitszeiten als 48 Stunden erlaubt, mit Zähnen und Krallen. Das letzte Treffen des Vermittlungsausschusses am 1. April erbrachte keine Einigung. Damit bestehen gute Aussichten, dass das unselige Vorhaben der Verwässerung der Richtlinie zu Lasten der Beschäftigten zumindest für die jetzige Legislaturperiode des EU-Parlaments in der Versenkung verschwindet.

DGB-Index Gute Arbeit: "Die Beschäftigten kennen ihre Arbeit am besten"

In ihrer März-Ausgabe berichtete Gute Arbeit. über die Ergebnisse der Repräsentativumfrage zum Thema "Arbeitsfähig bis zur Rente?", die im Rahmen des DGB-Index Gute Arbeit durchgeführt wurde (Gute Arbeit. 3/2009, Seite 17-27). Zur Sprache kamen dabei auch die öffentlichen Polemiken des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall und des ihm nahe stehenden Instituts für angewandte Arbeitsforschung (IfaA) gegen den DGB-Index. Derzeit werden die Ergebnisse der Erhebung zum DGB-Index Gute Arbeit 2009 ausgewertet. Die Redaktion nahm das zum Anlass für ein Gespräch mit Ralf Stuth, Geschäftsführer der DGB-Index Gute Arbeit GmbH, und Klaus Pickshaus, Mitglied des Fachbeirats. Thema sind die Resonanz auf die Veröffentlichungen, der Stand der Debatte und die weiteren Vorhaben im Zusammenhang mit dem DGB-Index. Das Interview wird in der Mai-Ausgabe von Gute Arbeit erscheinen. Wir veröffentlichen es hier vorab online.

Neu im März 2009

Tendenziös und unwissenschaftlich? Arbeitgeber-Attacke gegen den DGB-Index Gute Arbeit

Im Zusammenhang mit der Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit "Arbeitsfähig bis zur Rente?" wurden – nicht zum ersten Mal – Vorwürfe erhoben, der Index sei wissenschaftlich nicht valide, sei tendenziös und darauf angelegt, die Arbeitsrealität schlecht zu reden, er sei nicht repräsentativ und intransparent. Diesmal kamen die Vorwürfe vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Gute Arbeit. befragte dazu Professor Ernst Kistler und Tatjana Fuchs vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES), die maßgeblich das wissenschaftliche Konzept des Index ausgearbeitet haben. Den Wortlaut des Interviews, das im März-Heft veröffentlicht wird, können Sie hier lesen. Klaus Pickshaus und Ralf Stuth setzen sich in einem weiteren Beitrag der März-Ausgabe ebenfalls kritisch mit den Arbeitgeber-Argumenten auseinander. Ihr Beitrag steht hier im Volltext.

Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch

Die prägende Entwicklung des Krankheitsgeschehens in der Arbeitswelt ist die weiterhin sehr starke Zunahme von Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten ist von typischen Symptomen psychischer Erkrankungen betroffen, z.B. Schlafstörungen und Depressionen. Der Zusammenhang mit den Belastungen der Arbeitswelt ist unverkennbar. Besorgnis erregend ist auch der zunehmende Gebrauch von Psychopharmaka. Detaillierte Daten dazu bieten die kurz hintereinander erschienenen neuen Reports des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen und der DAK. Um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten, um Stress und Konflikte am Arbeitsplatz zu bewältigen, greifen inzwischen Millionen – eigentlich gesunder – Menschen zu Medikamenten. Die Krankenkassen werten diese Entwicklungen als Alarmsignal. Mehr dazu in der Printausgabe vom März.

Prävention kommt nicht richtig voran

Geht man nach den Zahlen der Ausgabenstatistik der Gesetzlichen Krankenversicherung, dann ist das Engagement der Krankenkassen auf dem Gebiet der Betrieblichen Gesundheitsförderung im Jahre 2007 erstmals leicht zurückgegangen. Die Befunde des jüngst veröffentlichten Präventionsberichts weisen nun allerdings eine Zunahme der einschlägigen Projekte aus. Dem liegt aber wohl weniger ein echter Zuwachs als schlicht eine verbesserte Erfassung der Aktivitäten zugrunde. Projekte betrieblicher Gesundheitsförderung bleiben im – eigentlich hochgradig bedürftigen - Dienstleistungsbereich weiter unterrepräsentiert, die aktive Beteiligung der Beschäftigten über Gesundheitszirkel ist weiter unzureichend, und eine seriöse Erfolgskontrolle fehlt häufig. Die Einschätzung, dass die Gesundheitsförderung sich in einer Phase der Stagnation befinde, wird durch die Daten des neuesten Präventionsberichts leider nicht widerlegt. Lesen Sie dazu den Beitrag von Uwe Lenhardt im März-Heft.

EU-Arbeitszeit-Richtlinie – Ring frei zur nächsten Runde

Nachdem das EU-Parlament im Dezember die Vorschläge des EU-Ministerrats zur Verwässerung der EU-Arbeitszeit-Richtlinie abgelehnt und vor allem die ersatzlose Abschaffung der opt-out-Ausnahmeklausel binnen drei Jahren gefordert hat, hat jetzt ein Vermittlungsverfahren begonnen. Wie immer ein Kompromiss im Einzelnen aussähe – für die Beschäftigten wäre er mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Rückschritt. Lesen Sie dazu unseren aktuellen Bericht im März-Heft.

Behinderung hat ein Geschlecht

"Gendering disability" ist kein modisches Schlagwort, sondern ein unerfüllter gesetzlicher Auftrag, auf dessen Einlösung Frauen mit Behinderungen schon lange warten. Im Interview plädiert Prof. Dr. Julia Zinsmeister (FH Köln) dafür, dass die Leistungsträger ihre Bringschuld in Sachen Geschlechtergerechtigkeit endlich ernst nehmen sollen, die ihnen das SGB IX auferlegt. Instrumente wie Gender Mainstreaming seien im Reha-Bereich bisher kaum verbreitet. Außerdem auf unseren Seiten Prävention & Teilhabe im März-Heft: Die Wirtschaftskrise kommt bei Menschen mit Behinderungen an, vom konjunkturellen Aufschwung haben sie vorher aber kaum profitiert.

Bauarbeiter leben gefährlich – aber das müsste nicht sein

Unfallrisiken sind in der Bauwirtschaft deutlich höher als in anderen Branchen, jedoch nicht, weil Bauarbeit „an sich“ gefährlich ist, sondern weil bestehende Vorschriften häufig missachtet und vorhandene technische Möglichkeiten nicht genutzt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Arbeitsschutzbehörden immer weniger in der Lage sind, ihren Überwachungsaufgaben – gerade gegenüber der Vielzahl der Kleinbetriebe im Bauwesen – nachzukommen. Rudi Clemens, Arbeitsschutzexperte und Betriebsratsvorsitzender in einem Baubetrieb, schildert seine Erfahrungen. Mehr dazu im März-Heft.

Weitere Themen im März

Die Ausgabe 3/2009 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • 2008 wurde in Deutschland so viel gearbeitet wie nie zuvor
  • Leiharbeiter und befristet Beschäftigte landen besonders schnell auf der Straße
  • Lasten besser handhaben – Ansätze zur Reduzierung von Muskel-Skelett-Erkrankungen

Die Ausgabe 3/2009 enthält außerdem wieder zahlreiche Kurzmeldungen sowie Hinweise auf Seminare, Kongresse und Veranstaltungen, die sie hier auch online lesen können.

Neu im Februar 2009

Gute Arbeit im Büro?

17 Millionen Menschen arbeiten hierzulande in Büros – rein zahlenmäßig die überwiegende Form der Erwerbsarbeit. Unter dem Druck der Ökonomie erlebt Büroarbeit tief greifende Veränderungen. Für viele Beschäftigte bringt das mehr Verantwortung, mehr Autonomie, aber auch mehr Druck mit sich. Prägend sind häufig offene Büroformen, die auf mehr Flexibilität, Kommunikation und Produktivität und zugleich mehr Kostensenkung angelegt sind. Es verstärken sich typische, vorwiegend psychische Belastungskonstellationen, vor allem bei Flächengestaltung und Raumakustik. Noch einmal besondere Probleme ergeben sich bei der Arbeit in Call Centern. Damit rücken Mindestanforderungen, schließlich auch Fragen der Gestaltung guter und fairer Arbeit im Büro stärker in den Mittelpunkt. Lesen Sie mehr dazu im "Thema des Monats" in der Februarausgabe.

Der DGB-Index Gute Arbeit und die Arbeitgeber

Der DGB-Index Gute Arbeit misst Arbeitsqualität am Urteil der Beschäftigten über ihre Arbeitsbedingungen. Auch in manchen Betrieben kommt der Index inzwischen zur Anwendung, in der Regel unter Mitwirkung der jeweiligen Arbeitgeber, ja in deren Auftrag. Gleichzeitig gibt es auch ein paar wenig konstruktive Wortmeldungen aus Arbeitgeberverbänden – die aber möglicherweise nicht das letzte Wort sind. In der Februarausgabe interviewen wir dazu Ralf Stuth, Geschäftsführer der DGB-Index Gute Arbeit GmbH. Das Interview können Sie hier auch im Volltext lesen.

Bessere Chancen für Ältere?

Es bleiben mehr Ältere im Erwerbsleben als früher. 2008 hat Deutschland mit einer Erwerbsbeteiligung von 51,5% bei den über 55-Jährigen erstmals das EU-Ziel erreicht – allerdings mit starkem demografischem Rückenwind, weil nämlich die Erwerbesbevölkerung insgesamt älter geworden ist. Außerdem hat der Staat den früheren Rentenbeginn bewusst erschwert, und bei der Quote werden alle möglichen Erwerbsformen, auch prekäre Beschäftigungsverhältnisse, mitgezählt. Noch immer aber scheidet ein erheblicher Teil der Älteren wegen Entlassung oder Krankheit aus dem Erwerbsleben aus. Erwerbstätige Ältere über 60 sind weiterhin rar. Weitere Untersuchungen zeigen außerdem, dass Menschen über 50, die ihre Stelle verlieren, unverändert schlechte Aussichten auf einen neuen Arbeitsplatz haben. Mehr dazu in mehreren Beiträgen in der Februarausgabe.

Krankenstand steigt 2008 leicht an, bleibt aber niedrig

Der Krankenstand in Deutschland lag 2008 bei knapp 3,4% und war damit leicht höher als im Tiefstands-Rekordjahr 2007 (3,22%) und in den Jahren davor. Angestiegen ist die Arbeitsunfähigkeit in nahezu allen Kassenarten. Ob dieser leichte Anstieg für 2008 Ausdruck eines verstärkten Krankheitsgeschehens ist oder in erster Linie Folge der zufälligen Zusammensetzung der Erhebungsstichtage, wird sich erst längerfristig erweisen. Für 2009 werden wegen Wirtschaftskrise und zunehmender Arbeitsplatzunsicherheit eher wieder fallende Krankenstände erwartet. Im Februarheft 2008 analysieren wir die Krankenstandsentwicklung des Jahres 2008.

SGB IX: Anspruch und Realität

Schwere Zeiten für berufliche Teilhabe, der Arbeitsdruck steigt ebenso rasant wie die Angst vor Jobverlust. Gleichzeitig scheitern positive Ansätze in der Sozialpolitik, weil der Wohlfahrtsstaat sich in einen Wettbewerbsstaat verwandelt. Überall geht es um Kosten statt um optimale Versorgung, um junge Gesunde statt um „schlechte Risiken“. Fachleute sind sich deshalb einig: Starke Interessenvertretungen und neuer Reformschwung sind nötig, um den im SGB IX angelegten behindertenpolitischen Paradigmenwechsel zu verwirklichen - mehr Prävention, Teilhabe und Selbstbestimmung.

Praktikanten-Einsatz: Betriebsrat hat mitzureden

Beim Praktikum steht an erster Stelle das Lernen und nicht das Erbringen einer Arbeitsleistung. Der Betriebsrat ist verpflichtet, über die Rechte und den Schutz der Praktikanten zu wachen. So weit bei einem Praktikumsarten nicht die Schul- und Hochschulgesetze der Länder maßgebend sind, bestehen weitgehende Beteiligungsrechte des Betriebsrates. Mehr dazu im Februarheft.

Berufskrankheit durch Vibrationen

Die Anerkennungsquote bei vibrationsbedingten Berufskrankheiten beträgt ganze 25%, entschädigt werden nur 16%. Abnehmende Zahlen bei den Verdachtsmeldungen und die ungünstige Relation zwischen gemeldeten und anerkannten bzw. entschädigten Fällen verweisen auf Probleme. So werden bei Ablehnungen durch die Sozialgerichte häufig zu kurze Mindestbelastungszeiten oder zu lange zeitliche Abstände zwischen Exposition und Diagnose der Krankheit angeführt, obwohl die Verordnung diese gar nicht zur Voraussetzung macht. Hier besteht dringender Korrekturbedarf. Lesen Sie dazu den Beitrag der Arbeitsmedizinerin Gine Elsner im der Februarausgabe.

Ein Jahr Gute Arbeit. im Überblick - Das Jahresregister 2008

Das Februarheft enthält, wie jedes Jahr, das Stichwortregister für den Jahrgang 2008. Es hilft, alle Beiträge zu finden, die im vergangenen Jahr in Gute Arbeit. erschienen sind. Die älteren Jahresregister sowie die Register der Arbeit & Ökologie-Briefe (ab 2001) finden Sie hier.

Weitere Themen im Februar

Die Ausgabe 2/2009 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Arm trotz Vollzeitstelle: Immer mehr "working poor"
  • Kampagne der IG Bauen-Agrar-Umwelt zur Gefährdungsbeurteilung in der Landwirtschaft
  • Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie: Der aktuelle Stand

Neu im Januar 2009

Ran an die psychischen Belastungen

Psychische Belastungen in Gefährdungsbeurteilungen einzubeziehen ist und bleibt eine mühsame Angelegenheit. An Verfahren und Instrumenten fehlt es nicht. Umso wichtiger ist eine Initiative der IG Metall, für solche Verfahren Qualitätskriterien und Mindeststandards zu entwickeln, um Betriebsräten die Entscheidung zu erleichtern. Fehlende Erfahrungen und unzureichendes Wissen wirken oft als Bremse für gute Gefährdungsbeurteilungen. Die Lernprozesse sind oft langwierig, es müssen – bei allen Akteuren - Widerstände überwunden und Bedenken ausgeräumt werden. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im "Thema des Monats" der Januar-Ausgabe.

Wissenschaftlich belegt: Berufskrankheit durch Benzol

Wenn ein Beschäftigter an einer schweren Erkrankung der Lymphdrüsen leidet und über Jahre hinweg an seinem Arbeitsplatz einer inhalativen und dermalen Belastung durch benzolhaltiges Benzin ausgesetzt war, so ist von einer Berufskrankheit im Sinne des Berufskrankheitenrechts auszugehen. Denn Benzol wird erwiesenermaßen über die Atemwege und durch die Haut aufgenommen. Eine sorgfältige Arbeitsanamnese kann dabei entscheidend sein, um eine Erkrankung als Berufserkrankung zur Anerkennung zu bringen. Den Beitrag unseres Autors Wolfgang Hien können Sie hier auch im Volltext lesen.

Für Frauen nur Teilzeitjobs?

Je mehr Kinder ein Mann hat, desto länger sind seine Arbeitszeiten, je mehr Kinder eine Frau hat, desto kürzer arbeitet sie. Das zeigt eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation. Trotz aller öffentlichen Bekenntnisse zu mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat sich der Einfluss von Ehe und Kindern auf die Arbeitszeiten von Frauen in den letzten Jahren weiter verstärkt. Frauen werden zunehmend mit Mini- und Teilzeitjobs abgespeist. Mehr dazu im Januarheft.

40 Jahre BAR: Reha vor Rente

Die Rehabilitationsträger haben vom SGB IX Hausaufgaben aufbekommen: Gemeinsame Servicestellen einzurichten, die rasche Reha-Lösungen aus einer Hand im Sinne der Betroffenen realisieren sollen. Doch in der Praxis hapert es gewaltig. Die Bilanz zum 40. Geburtstag der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation verweist auf Errungenschaften und auf Baustellen. Außerdem in der Rubrik Prävention & Teilhabe des Januarhefts: Seminare 2009, Infos zur ratifizierten UN-Konvention und vom Europäischen Behindertenforum.

Schlechte Arbeit in der Kita

350 000 Menschen arbeiten in Kindertagestätten, die Mehrzahl Frauen. Was sie täglich erleben sind Lärm, Stress und schlechte Bezahlung. Nur 8% der Erzieherinnen und Erzieher finden, dass sie gute Arbeit haben. Lediglich ein Viertel glaubt, gesund bis zur Rente durchhalten zu können. Das sind Ergebnisse einer Spezialauswertung des DGB-Index Gute Arbeit 2007 und 2008. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sieht dringenden Verbesserungsbedarf. Mehr dazu im Januarheft.

Alleinerziehende zu oft in prekäre Jobs abgedrängt

Alleinerziehende – zu 90% Frauen - profitierten vom vergangenen Aufschwung und der bisher positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt weit weniger als die meisten anderen. Sie sind häufiger als andere Bevölkerungsgruppen von Hartz IV abhängig sowie von unsicherer und unterbezahlter Beschäftigung betroffen. Oft werden sie in unsichere Mini- und Teilzeitjobs abgedrängt. Viele Alleinerziehende geraten in die Prekariatsfalle. Auch das Risiko arbeitslos zu werden ist für Alleinerziehende besonders hoch. Dagegen sind die Chancen, der Arbeitslosigkeit zu entkommen, besonders gering. Das ergab eine aktuelle DGB-Untersuchung. Lesen Sie dazu unseren Beiztag im Januarheft.

Weitere Themen im Januar

Die Ausgabe 1/2009 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Kampagne für soziale Mindeststandards in Call Centern
  • Betriebsratsarbeit bei SAP zwischen Individualisierung und kollektiver Interessenvertretung
  • Fehlzeiten-Report 2008; Vom Nutzen betrieblichen Gesundheitsmanagements

Neu im Dezember 2008

Arbeitsschutzrecht im Umbruch

Die Partner der Gemeinamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie haben sich vorgenommen, ein anwenderfreundliches, praxisnahes und in sich kohärentes Regelwerk des Arbeitsschutzes zu schaffen. Im dualen Arbeitsschutzsystem sind dafür der Staat und die gesetzliche Unfallversicherung zuständig. Auf der staatlichen Seite geht es vor allem um die zahlreichen Technischen Regeln. Die werden in den beim Bundesarbeitsministerium angesiedelten Arbeitsschutz-Ausschüssen erarbeitet; die Gewerkschaften beteiligen sich aktiv daran. Die Gewerkschaftsvertreter wollen möglichst konkrete Regeln, während die Arbeitgeber hätten es meist gern allgemeiner und unverbindlicher, wollen aber trotzdem die Vermutungswirkung. Unstrittig ist in der Diskussion die Leitfunktion des staatlichen Rechts. Aber welcher Stellenwert soll dann dem Regelwerk der Unfallversicherung zukommen, beispielsweise den Unfallverhütungsvorschriften? Wie großzügig darf der Staat hier seine Definitionsmacht auslegen? Wo er doch gerade auch dabei ist, die Instrumente der Umsetzung, die staatlichen Arbeitsschutzbehörden, immer mehr abzuwerten? Die Gewerkschaften lehnen – auch aus Gründe der Praxis- und Betriebsnähe - weitere Einschränkungen der Rechtsetzungsbefugnis der Unfallversicherungsträger ab. Mehr dazu im "Thema des Monats" der Dezemberausgabe. Den Beitrag von Horst Riesenberg-Mordeja (ver.di) können Sie hier auch im Volltext lesen.

Ausgaben für betriebliche Gesundheitsförderung rückläufig

Die Ausgaben der Krankenkassen für betriebliche Gesundheitsförderung, die im vorletzten Jahr noch um fast 18% gestiegen waren, gingen 2007 erstmals leicht zurück. Ihr Anteil an den nichtmedizinischen Präventionsleistungen der Kassen sank damit auf einen Tiefststand von knapp 11%. Obwohl betriebliche Gesundheitsförderung seit 2007 eine Pflichtleistung der Kassen ist, scheint ihr Stellenwert abzunehmen. Darauf verweisen die neuen Rechnungsergebnissen 2007 der Gesetzlichen Krankenversicherung. Mehr dazu im Beitrag von Uwe Lenhardt im Dezemberheft.

Unterstützte Beschäftigung

Von der Förderschule in die Werkstatt - dieser Automatismus hat sich seit Jahren verfestigt. Ein neues Gesetz will nun jungen Menschen Anschluss an den ersten Arbeitsmarkt bieten. Die so genannte "Unterstützte Beschäftigung" soll zukünftig verhindern, dass ganze Förderschulklassen in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen landen. Der Erfolg ist allerdings nicht sicher. Die politische Unterstützung des Bundes und der Länder ist gefragt. Und die Qualität der Begleitung durch die zuständigen Leistungsträger muss gesichert sein. Mehr dazu auf unseren vier Seiten "Prävention & Teilhabe" im Dezemberheft.

Arbeitszeiten zwischen Vertrag, Wunsch und Wirklichkeit

Die Arbeitszeitmuster von Voll- und Teilzeitbeschäftigten, von Ost- und Westdeutschen, von Frauen und Männern – mit und ohne Familie – und von unterschiedlichen Arbeitszeitstandards in verschiedenen Branchen sind extrem unterschiedlich. Vertragliche und tatsächliche Arbeitszeiten liegen häufig weit auseinander. Vielfach sind die Arbeitszeiten deutlich länger als vereinbart. Ebenso klafft zumeist eine große Lücke zwischen den tatsächlichen und den gewünschten Arbeitszeiten. Vollzeitbeschäftigte bemängeln häufig ihre zu langen Arbeitszeiten und würden gerne kürzer arbeiten. Teilzeitbeschäftigte wünsche sich dagegen längere Arbeitszeiten mit Existenz sicherndem Einkommen. Der DGB-Index Gute Arbeit gibt darüber genaueren Aufschluss. Mehr dazu im Beitrag von Tatjana Fuchs in der Dezemberausgabe.

Mitgliederversammlung der DGUV – Wechsel im Vorstand

Die Mitgliederversammlung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) Ende November in Fulda zog eine erste Bilanz nach einem Jahr Tätigkeit der DGUV und erörterte die künftigen Aufgaben der DGUV in der Prävention. Bei der Mitgliederversammlung wurde der Vorstand erneuert. Klaus Hinne (67), der die Funktion des Vorsitzenden für die Arbeitnehmerseite fast 20 Jahre lang ausgefüllt hatte, kandidierte nicht mehr. An seiner Stelle wurde Marina Schröder (49) zur Vorsitzenden des Vorstands neu gewählt. Im Vorstandsvorsitz wird sie sich mit dem Arbeitgebervertreter Hans-Joachim Wolff abwechseln, der ab Januar amtierender Vorstandsvorsitzender der DGUV wird. Lesen Sie dazu unseren Beitrag in der Dezemberausgabe.

Suchtprobleme im Betrieb thematisieren und verbindliche Regeln aufstellen

Alkoholgenuss beim Essen, Konsum in geselliger Runde, Alkohol als Entspannungshilfe, weil der Dauerstress vom Arbeitsplatz abends in den Kleidern hängen bleibt: Wer Belastungen "runterschluckt", hat unter Umständen einen kurzen Weg vom riskanten Konsum über den Missbrauch bis zur Abhängigkeit. Zeitdruck und Aufgabenzuwachs, fehlende Wertschätzung und Führungsmängel werden nur scheinbar weggespült. Betriebliche Suchtberater/innen können aufklären, sensibilisieren und Präventionsangebote schaffen; daneben sind sie als Lotse gefragt, Betroffene und Vorgesetzte zu begleiten. Hauptakteure bei der Suchtbewältigung sind sie hingegen nicht! Mehr dazu im Beitrag von Beate Eberhardt in der Dezemberausgabe.

Weitere Themen im Dezember

Die Ausgabe 12/2008 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Psychische Krankheiten prägen immer mehr das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen
  • Die Unfallanzeige und die Bertelsmann Stiftung: Was Deregulierung anrichten kann
  • IT-Industrie: Die Gesundheit hängt oft am seidenen Faden
  • Junge Beschäftigte 2008: Fast zwei Drittel arbeiten unter prekären Bedingungen

Neu im November 2008

EU-Arbeitszeit-Richtlinie: Es bleibt bis zum Schluss spannend

Am 5. November beschloss der Beschäftigungsausschuss des Europäischen Parlaments – auch mit Stimmen von konservativen und liberalen Abgeordneten – seine Empfehlung für die zweite Lesung und Abstimmung der EU-Arbeitszeit-Richtlinie im Plenum. Seine wichtigste Entscheidung: Er will die Ausnahmeklausel opt-out nach 36 Monaten abschaffen. In diesem zentralen Punkt dürfte die Position des Ministerrats vom Juni aber nicht kompromissbereit sein. Sollte es beim Parlamentsplenum Mitte Dezember gelingen, dem Ausschussvotum folgend eine Abgeordnetenmehrheit gegen das opt-out zu Stande zu bringen, könnte das Gesamtprojekt in letzter Minute noch verhindert werden. Allerdings müsste dazu, wie auch schon im Ausschuss, eine bestimmte Anzahl Abgeordneter der Konservativen und Liberalen gegen das opt-out stimmen. Der ganze Diskussionsprozess müsste dann von vorne beginnen. Allerdings ist derzeit offen, wie sich die Mehrheitsverhältnisse bei der Abstimmung gestalten werden. Inzwischen mobilisieren die europäischen Gewerkschaften für eine Demonstration am 16. Dezember in Brüssel: Sie fordern ein sozialeres Europa und protestieren dabei auch gegen die schlechteren Arbeitszeitregelungen, die die neue Richtlinie mit sich brächte. Unseren Beitrag dazu aus der Novemberausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen.

Ab Ende November:
373 Seiten Gute Arbeit

Die Ende November erscheinende Ausgabe 2009 des Buches "Gute Arbeit – Handlungsfelder für Betriebe, Politik und Gewerkschaften" fasst die vielstimmige strategische Debatte um das Konzept Gute Arbeit erstmals zusammen und entwickelt politische und betriebliche Handlungsperspektiven für die nächste Zukunft. Das Buch enthält insgesamt 34 Beiträge und einen Datenanhang. 44 Autorinnen und Autoren waren beteiligt. Herausgegeben wird es von IG Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban und ver.di-Vorstandsmitglied Lothar Schröder. Mehr dazu hier im Volltext. Bestellmöglichkeiten unter www.gute-arbeit-praxis.de

Arbeitszeit ist Lebenszeit

Es gibt ein Leben vor der Rente. Und ein erheblicher Teil davon ist Arbeitszeit. Für viele jedenfalls. Manche, die nur Teilzeitstellen oder Minijobs finden und davon nicht leben können, würden gerne länger arbeiten. Auf einen anderen, immer größer werdenden Teil trifft das zu, was der Volksmund so formuliert: „Allzuviel ist ungesund.“ Wenn Arbeitszeiten zu lang sind und länger werden, ist das für sich schon ein großes Problem. Wenn sie aber auch noch ungünstig liegen, nicht richtig planbar sind, wenn die Beschäftigten auf ihre Gestaltung keinen oder zu wenig Einfluss haben, wenn Beruf, Familie und Privatleben unvereinbar werden, wird das Problem erst so richtig groß. Und muss von Betriebsräten gelöst werden. Mehr dazu im „Thema des Monats“ im Novemberheft.

Krankenstand steigt im ersten Dreivierteljahr 2008

Der Krankenstand steht möglicherweise vor einer Trendwende. Er ist im ersten Dreivierteljahr leicht über das Niveau der beiden Vorjahre angestiegen und pendelte sich bei 3,33% ein. Damit lag er im Kassendurchschnitt um rund 0,15 Prozentpunkte über dem Stand des Jahres 2007. Angestiegen ist die Arbeitsunfähigkeit in nahezu allen Kassenarten. Im laufenden Jahr dürfte sich der Krankenstand damit um schätzungsweise 0,2 Prozentpunkte gegenüber 2007 erhöhen.

EU-Richtlinie Leiharbeit: Licht- und Schattenseiten

Das Europaparlament hat Ende Oktober die vorgeschlagene Richtlinie zur Leiharbeit ohne Änderungen angenommen. Sie muss binnen zwei Jahren in nationales Recht umgesetzt werden. Die Richtlinie enthält den Grundsatz der gleichen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen für Leiharbeiter vom ersten Tag an, entwertet ihn aber sofort wieder durch zahlreiche Ausnahmeregelungen. Mit der vorgeschriebenen Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht steht der bundesdeutschen Politik in absehbarer Zeit eine Grundsatzdebatte über Regelungen zur Gestaltung von Leiharbeit ins Haus.

BEM-Impulse nutzen

Eine Betriebsvereinbarung zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) ist der Weg, nicht das Ziel. Eingliederung, Prävention und Gesundheitsförderung müssen in der Arbeitswelt gelebt werden; gute BEM-Praxis beruht vor allem auf regem Austausch der Interessenvertretungen sowie auf enger Kooperation der Akteure. Ein ausgefeiltes Regelwerk im Aktenschrank genügt dagegen nicht. Eine Dienstvereinbarung bei der Stadt Frankfurt zeigt anschaulich: Gute Praxis beim Eingliedern länger Erkrankter kann Motor für ein integriertes Gesundheitsmanagement sein. Gemeinsam handelnde und starke Interessenvertretungen sind dafür so wichtig wie Kommunikation und Evaluation der Verfahren und Instrumente. Mehr dazu auf unseren vier Seiten „Prävention und Teilhabe“ im Novemberheft.

Die Crux mit dem Kreuz

Der Umgang mit bandscheibenbedingten Berufskrankheiten macht erhebliche Probleme. Die Kluft zwischen den Verdachtsmeldungen und den anerkannten bzw. entschädigten Berufskrankheiten (BK 2108) ist sehr groß. Restriktive Auslegungskriterien haben zum Problem beigetragen. Am Institut für Arbeitsmedizin des Universitätsklinikums der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main wurden in 37 begutachteten Fällen Anerkennungen einer BK empfohlen. Davon wurden sechs anerkannt, nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe kamen zwei weitere hinzu. Die Diskussion dieser Fälle zeigt, dass die derzeit verbreitete restriktive Anerkennungspraxis dringend der Überprüfung bedarf. Lesen Sie dazu den Beitrag der Frankfurter Arbeitsmedizinerin Prof. Dr. med. Gine Elsner in der Novemberausgabe.

Weitere Themen im November

Die Ausgabe 11/2008 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Rückblick auf die Arbeitsschutz aktuell in Hamburg
  • Psychische Belastungen – weniger Befragung, mehr Beobachtung
  • Diversity-Management – vom Schlagwort zum ernst zu nehmenden Führungsinstrument

Neu im Oktober 2008

Vorbeugen ist besser als heilen

Diese alte Volksweisheit ist ungeachtet aller verbalen Beteuerungen im Bereich der betrieblichen Prävention noch nicht angekommen, trotz guter gesetzlicher Grundlagen. Die Folgen schlechter und unterlassener Prävention in der Arbeitswelt sind unübersehbar: Das zeigt die wieder ansteigende Unfallhäufigkeit, das zeigt das enorme Ausmaß arbeitsbedingter Erkrankungen, vor allem der Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats und der der psychischen Erkrankungen, das belegen die enormen Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen und Frühberentungen. Die wirtschaftlichen, sozialpolitischen und betrieblichen Rahmenbedingungen machen es der Prävention eher schwer, und ein systematisches und koordiniertes Vorgehen der zuständigen Akteure lässt zu wünschen übrig. Akzeptable Ziele etwa in der gemeinsamen deutschen Arbeitsschutzstrategie werden nur zu erreichen sein, wenn dazu auch Mittel und Ressourcen zur Verfügung stehen. Aus Sicht der Beschäftigten und der Gewerkschaften liegt es nahe, bessere Prävention „von oben“ durch eine Präventionsbewegung „von unten“ zu ergänzen. Mehr dazu im Themendossier der Oktoberausgabe.

Neue Verordnung, neue Probleme

Der vom Bundeskabinett beschlossene Verordnungsentwurf zur arbeitsmedizinischen Vorsorge enthält trotz einiger Überarbeitungen weiterhin grundlegende Schwächen. Außerdem wurde die Endfassung in einem entscheidenden Punkt verändert: Entgegen den europarechtlichen Vorgaben wurde auf eindeutige Fristen zur Aufbewahrung von Expositionsdaten verzichtet – zum wahrscheinlichen Nachteil Betroffener, z. B. wenn es um die Anerkennung von Berufskrankheiten geht. Den Beitrag des DGB-Arbeitsschutzexperten Hanns Pauli dazu aus der Oktoberausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen.

Gewerbliche Wirtschaft: Unfallhäufigkeit hat 2007 zugenommen

Zum zweiten Mal in Folge ist im Jahr 2007 im Bereich der gewerblichen Berufsgenossenschaften nicht nur die absolute Zahl, sondern auch die Unfallhäufigkeit bei den angezeigten meldepflichtigen Arbeitsunfällen gestiegen. Bezogen auf 1000 Vollarbeiter steig sie 2007 gegenüber 2006 um 0,4%. Die neuesten Daten zeigen, dass das von der „Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie“ angepeilte Ziel einer Unfallsenkung um 25% im Zeitraum 2007-2012 äußerst ehrgeizig ist und dass selbst eine geringere Reduktion nicht ohne erhebliche Präventionsanstrengungen zu haben sein dürfte. Mehr dazu im Beitrag von Uwe Lenhardt in der Oktoberausgabe.

An Nachtarbeit kann man sich nicht gewöhnen

Nacht- und Schichtarbeit sind weit verbreitet und nehmen noch weiter zu. Mit gravierenden Folgen. Denn an Nacht- und Schichtarbeit kann man sich nicht gewöhnen. Sie stören das gesamte Organsystem erheblich und können eine Vielzahl teils schwerer Erkrankungen auslösen und die Lebensdauer verkürzen. Das bestätigte kürzlich eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung zu den Folgen von Nacht- und Schichtarbeit. Jetzt geht es auch um die Konsequenzen, die daraus zu ziehen sind. Gute Arbeit interviewte zwei Autoren der Studie, den Mediziner Professor Rainer Frentzel-Beyme und den Psychologen Christoph Klug, zu den Ergebnissen ihrer Forschungen. Lesen Sie dazu das Interview in der Oktoberausgabe.

Eingliederung: Theorie und Praxis

Ein Gesamtüberblick über die Lage behinderter Menschen und das SGB IX fehlt bisher. Sieben Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes fällt die Bilanz ernüchternd aus: Zwar bedeuten viele Regelungen Meilensteine für Menschen mit Behinderungen und ihre Interessenvertretungen, doch zugleich gibt es erhebliche Praxisdefizite zu beklagen. Qualitative Aussagen zu den realen Auswirkungen des SGB IX stehen auf wackligen Füßen, solange nur wenige Studien und Modellprojekte zu Einzelaspekten vorliegen. Es besteht dringender Bedarf an einer kontinuierlichen und systematischen SGB IX-Berichterstattung. Mehr dazu auf unseren vier Seiten „Prävention & Teilhabe“ im aktuellen Heft.

Weitere Themen im Oktober

Die Ausgabe 10/2008 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Gericht bestätigt Betriebsvereinbarung zum Gesundheitsschutz bei Schlecker
  • Individualanspruch auf eine Gefährdungsbeurteilung
  • Zuwachs prekärer Beschäftigung prägt den Arbeitsmarkt

Neu im September 2008

Psychostress am Arbeitsplatz

Leugnen ist zwecklos: Psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind zu einem ernst zu nehmenden gesellschaftlichen Problem geworden. Nicht nur für die Beschäftigten selbst. Auch für Wirtschaft und Gesellschaft. Die Arbeitsunfähigkeitsdaten der Krankenkassen und die Frühberentungsstatistiken sprechen da eine klare Sprache. Exzessiver Psychostress untergräbt nicht nur die Arbeitsqualität, sondern langfristig auch Produktivität und wirtschaftlichen Erfolg. Dagegen lässt sich etwas tun. Dabei spielt die Gefährdungsbeurteilung unter Einschluss der psychischen Belastungen eine zentrale Rolle. Lesen Sie dazu unser ausführliches Themendossier im Septemberheft.

Ausschuss für Gefahrstoffe: Eine vorläufige Bilanz

Ende 2008 läuft die vierjährige Arbeitsperiode des Ausschusses für Gefahrstoffe aus. Eine vorläufige Bilanz ergibt: Zahlreiche, für die Praxis wichtige Technische Regeln wurden neu gefasst. Für Regeln zum Umgang mit Krebs erzeugenden Gefahrstoffen wurden tragbare Zwischenlösungen und Kompromisse gefunden. Am Grenzwertkonzept für Krebs erzeugende Stoffe wurde weiter gearbeitet, und notwendige Überarbeitungen der Gefahrstoffverordnung sind in Vorbereitung. Den Beitrag von Henning Wriedt dazu aus der Septemberausgabe können Sie hier auch online nachlesen.

Eingliederungsmanagement: Freiwilligkeit und Datenschutz solide regeln

Es kommt vor, dass Beschäftigte dem Angebot eines betrieblichen Eingliederungsmanagements mit Misstrauen begegnen und Nachteile befürchten. Ulrich Faber, Rechtsanwalt und Arbeitsrechtsexperte, und Regine Romahn von der TBS NRW raten, solche Bedenken ernst zu nehmen. Freiwilligkeit wahren, den Datenschutz strikt einhalten, eine betriebliche Vertrauenskultur aufbauen – diese drei Elemente helfen dabei, Akzeptanz für das Betriebliche Eingliederungsmanagement herzustellen. Denn Arbeitgeber sind hier in der Pflicht, auch wenn das noch nicht überall eingeübte Praxis ist. Im Interesse der Beschäftigten erfordert ein BEM verbindliche betriebliche Spielregeln, die transparent sind und dann auch strikt eingehalten werden. Mehr dazu auf unseren Seiten "Prävention und Teilhabe" in der Septemberausgabe.

Deutsche Wirbelsäulenstudie: Konsequenzen für die Berufskrankheiten der Lendenwirbelsäule

Abnutzungen und Bandscheibenvorfälle der Lendenwirbelsäule können seit 1993 als Berufskrankheit anerkannt werden. Die Anerkennungsquote der gemeldeten Verdachtsfälle lag bisher allerdings deutlich unter 5%, meist mit der Begründung, die Gesamtbelastungsdosis sei nicht erreicht worden. Die Bemessungsgrundlage für diese Gesamtbelastungsdosis war umstritten. 2002 gab der Hauptverband der Gewerblichen Berufsgenossenschaften daher die so genannte Deutsche Wirbelsäulen-Studie in Auftrag, deren Ergebnisse seit 2007 vorliegen. Die Studie hatte die Aufgabe, das Mainz-Dortmunder Dosismodell (MDD) als die übliche Bemessungsgrundlage zur Beurteilung bandscheibenbedingter Erkrankungen der Lendenwirbelsäule zu validieren. Die Studienergebnisse deckten die Schwächen des MDD auf und zeigten, dass die bisher angewandten Schwellenwerte zur Berechnung der Gesamtdosis für schwere körperliche Arbeiten zu hoch angesetzt waren. Daraufhin hat das Bundessozialgericht in einem Urteil vom 30. Oktober diese Schwelle deutlich gesenkt. Die Ergebnisse der Wirbelsäulenstudie machen Konsequenzen für die Anerkennung der Berufskrankheit 2108 unabweisbar. Wie diese Konsequenzen konkret aussehen, wird derzeit noch intensiv diskutiert. Lesen Sie dazu den Beitrag von Ulrich Bolm-Audorff, dem Leiter der Studie, in der Septemberausgabe.

Krankenstand im ersten Halbjahr 2008 genau wie im Vorjahr

Nach vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten Daten betrug der Krankenstand der in der Gesetzlichen Krankenversicherung Pflichtversicherten in Deutschland im ersten Halbjahr 2008 3,34% und lag damit im Kassendurchschnitt bis auf die zweite Nachkommastelle exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Angestiegen ist die Arbeitsunfähigkeit im Bereich der Ersatzkassen und der landwirtschaftlichen Kassen, in den übrigen Kassenarten war sie rückläufig oder stagnierte. Auch in diesem Jahr dürfte sich der Krankenstand wiederum in etwa auf das niedrige Vorjahresniveau einpendeln. Eine Trendwende in der Krankenstandsentwicklung ist – zumindest im Durchschnitt aller gesetzlichen Krankenkassen – auf der Grundlage der amtlichen Monats-Stichtagsdaten nach wie vor nicht auszumachen.

Weitere Themen im September

Die Ausgabe 9/2008 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Oktober 2008: "Arbeitsschutz aktuell" in Hamburg
  • Die gemeinsame deutsche Arbeitsschutzstrategie aus Gewerkschaftssicht
  • Niedriglöhne erreichen den Kern der Arbeitnehmerschaft
  • Trend zu belastenden Arbeitszeiten hält an

Die Ausgabe 9/2008 enthält außerdem wieder zahlreiche Kurzmeldungen, Buchtipps sowie Hinweise auf Seminare, Kongresse und Veranstaltungen, die sie hier auch online lesen können.

Neu im Juli/August 2008

DGB-Index Gute Arbeit 2008

13% der Beschäftigten haben Gute Arbeit, 55% Mittelmäßige Arbeit, 32% Schlechte Arbeit. Das sind Befunde des neuen DGB-Index Gute Arbeit für das Jahr 2008. Die durchschnittliche Arbeitsqualität der Beschäftigten erreicht einen Indexwert von 59 Punkten auf der Skala zwischen 1 und 100. Das ist ein Punkt mehr als 2007. Aus Sicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer liegt die Arbeitsqualität damit weiter im unteren Mittelfeld. Die geringe Verbesserung gegenüber 2007 kommt einem Großteil der Beschäftigten aber nicht zu Gute. Im Bereich schlechte Arbeit haben sich die Probleme erheblich verschärft. Das gilt besonders für die prekär Beschäftigten. Das Label „prekär“ betrifft dabei keineswegs nur Minderheiten: Denn der DGB-Index 2008 hat auch gezeigt, dass inzwischen weniger als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland noch in einem unbefristeten und ausreichend bezahlten Arbeitsverhältnis steht. Der frühere Regelfall, das auskömmliche unbefristete Vollzeitarbeitsverhältnis, ist zur Ausnahme geworden. Dieser Trend ist mit einem starken Verlust an Arbeitsqualität verbunden. Lesen Sie mehr dazu im Doppelheft 7/8 2008.

Was tun, wenn es heiß wird am Arbeitsplatz

Sommerliche Hitze kann mit mannigfachen Gesundheitsrisiken verbunden sein – durch hohe Temperaturen selbst, aber auch durch Ozonbelastungen und UV-Strahlen. Das betrifft in unterschiedlicher Weise Beschäftigte in Innenräumen wie auch bei Arbeiten im Freien. Das Arbeitsschutzrecht und die begleitende Rechtsprechung bieten bestimmte Handlungsmöglichkeiten, Betriebs- und Personalräte verfügen über Mitbestimmungsrechte. Da unser Beitrag aus Heft 6/2006 dazu immer noch aktuell ist, haben wir ihn hier für Sie noch einmal als Volltext zum Download bereit gestellt. Was vor allem Arbeiten im Freien betrifft, überwiegt in vielen Medien die These, es gebe "kein Hitzefrei", z.B. auf Baustellen. Das ist so nicht richtig! Bau-Betriebsrat Rudi Clemens stellt in einem online-Beitrag klar, welche Rechte Beschäftigte und Interessenvertretungen hier haben. Den Beitrag können Sie hier herunterladen.

EU-Arbeitszeit-Richtlinie: Einstieg in die 60-Stunden-Woche?

Bereitschaftsdienste sollen nur noch eingeschränkt als Arbeitszeit gelten. Darauf haben sich im Kern die Arbeitsminister der EU geeinigt und einer Revision der EU-Arbeitszeitrichtlinie den Weg frei gemacht, die die bisherige Ausnahmeklausel opt-out beibehält und Wege eröffnet, die Ausnahme zur Regel zu machen und die Wochenarbeitszeiten auf über 60 Stunden auszudehnen. Die Gewerkschaften kritisierten den Beschluss als sozialen Rückschritt. Das EU-Parlament kann den Ratsvorschlag noch abändern oder sogar ganz scheitern lassen. Mehr dazu in der aktuellen Printausgabe.

ZF-Friedrichshafen: Die Vorgesetzten für eine integrative Unternehmenskultur gewinnen

Trotz ermutigender Berichte über gute, integrative Praxis in vielen Betrieben und Dienststellen stößt die Integration Leistungsgewandelter und Behinderter immer wieder auf Barrieren. Produktionssteigerung und Effizienz haben Vorrang, die Unternehmen wollen Weltmeister sein mit den besten, innovativsten und am günstigsten produzierten Produkten. Doch von schwierigen Rahmenbedingungen lässt sich Latif Sediqi, Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen bei ZF in Friedrichshafen am Bodensee, nicht entmutigen. Er hat eine Standort-Integrationsvereinbarung abgeschlossen, die auch die Schulung der Vorgesetzten vorsieht. Unseren Bericht aus der aktuellen Ausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen.

Berufskrankheit Lösemittel wird viel zu selten anerkannt!

Lösemittelbedingte Nervenerkrankungen sind seit 1997 in die Liste der Berufskrankheiten mit der Ziffer 1317 aufgenommen. Allerdings wurden seither (bis 2006) von über 3000 angezeigten Verdachtsfällen nur 134 anerkannt und sogar nur 113 entschädigt. Im novellierten Merkblatt zur BK 1317 und im neuen BK-Report der DGUV zu dieser Berufskrankheit werden nur einige wenige Lösemittel aufgeführt, die die entsprechenden Nervenerkrankungen auslösen könnten, obwohl die Zahl der neurotoxischen Lösemittel offensichtlich sehr viel höher liegt. Dass diese Anerkennungspraxis zu restriktiv ist und dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse widerspricht, hat auch die zehnjährige Begutachtung am Institut für Arbeitsmedizin der Frankfurter Universität nachdrücklich gezeigt. Mithin besteht an dieser Praxis dringender Korrekturbedarf. Lesen Sie dazu den Beitrag der Frankfurter Arbeitsmedizinerin Prof. Dr. Gine Elsner in der aktuellen Printausgabe.

AKTUELL: Organisationsreform der gesetzlichen Unfallversicherung bald abgeschlossen

Die parlamentarischen Beratungen des Unfallversicherungsmodernisierungsgesetzes (UVMG) standen bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe kurz vor dem Abschluss. Die 2. und 3. Lesung des Gesetzentwurfs war für Ende Juni vorgesehen. Der DGB unterstützt wesentliche Ziele der Reform, insbesondere jene, an denen die Selbstverwaltung durch konstruktive Lösungsvorschläge mitgearbeitet hat. Hauptstreitpunkt blieb bis zuletzt die vom Bundesarbeitsministerium angestrebte Fachaufsicht des Bundes über die DGUV. Das zeigte sich auch bei der Expertenanhörung, zu der der Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales eingeladen hatte. Lesen Sie dazu den Beitrag von Marina Schröder in der Ausgabe 7-8/2008. Die "Dresdner Erklärung" der Mitgliederversammlung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und die Stellungnahme des DGB zum UVMG können sie hier auch im Volltext nachlesen.

EU-Leiharbeits-Richtlinie: Hintertürchen für Ungleichbehandlung

In der neuen, im Juni vom EU-Ministerrat beschlossenen EU-Leiharbeits-Richtlinie wird der Gleichheitsgrundsatz zwar festgeschrieben. So soll ab der ersten Stunde gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt werden. Allerdings enthält die Richtlinie auch eine entscheidende Einschränkung: Über Tarifverträge kann der Gleichheitsgrundsatz wieder umgangen werden. Kritiker sehen in dem Entwurf daher überwiegend eine Zementierung bestehender Ungleichheiten zwischen Leiharbeitern und regulär Beschäftigten. Mehr dazu in der aktuellen Printausgabe.

Streit um das geplante Umweltgesetzbuch

Das geplante Umweltgesetzbuch, das das Umweltrecht vereinheitlichen und verbessern soll, ist von verschiedenen Seiten in die Kritik geraten. Unternehmen und Wirtschaftsverbänden geht es zu weit, Umweltorganisationen fürchten dagegen Rückschritte im Umweltschutz. Der Entwurf aus dem Umweltministerium wird von den mitbeteiligten CSU-Ministern für Wirtschaft und Landwirtschaft angegriffen. Der DGB hat zu dem Projekt umfassende konstruktiv-kritische Vorschläge unterbreitet. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war noch nicht klar, ob das Vorhaben überhaupt in dieser Form und in dieser Legislaturperiode noch realisiert werden kann. Die DGB-Stellungnahme kann hier auch im Volltext gelesen werden.

EU-Sozialpartnervereinbarung Gewalt am Arbeitsplatz

Die im letzten Jahr beschlossene europäische Sozialpartnervereinbarung zu Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz liegt jetzt auch in deutscher Übersetzung vor. Da sie für die Arbeitgeberseite keinerlei Verpflichtungen enthält, hat sie zur Bearbeitung des Problems in den Betrieben nur eingeschränkten Nutzen. Viele Betriebs- und Dienstvereinbarungen gehen in ihren Regelungen längst viel weiter. Die deutsche Fassung der Sozialpartnervereinbarung kann hier als PDF-Datei herunter geladen werden.

Neu im Juni 2008

Faire Arbeit im Bankensektor

Seit dem Jahr 2000 sind im Bankensektor über 100000 Stellen gestrichen worden. Personalabbau, Leistungsverdichtung und häufige Reorganisationen prägen zunehmend den Arbeitsalltag in der Branche. Ein rüderes Führungsverhalten greift um sich. Eine umfassende Studie der DAK hat gezeigt: Der Psychostress im Kreditgewerbe hat rasant zugenommen, die Zahl der Ausfalltage durch psychische Erkrankungen ist binnen acht Jahren um 40 Prozent gestiegen. Die Gewerkschaft ver.di und viele Betriebsräte haben erkannt, dass hier etwas geschehen muss. Sie befragten die Kolleginnen und Kollegen und erkannten: Sobald man den Deckel abnimmt, sieht man, wie es im Kessel brodelt. "Hilfe, ich schaffe meinen Job nicht mehr" – dieses Gefühl verstanden immer mehr Beschäftigte nun nicht mehr als Ausdruck individueller Schwäche, sondern als Problem schlechter Arbeitsbedingungen. So entstand das Projekt Faire Arbeit. Die Arbeitsüberlastung wurde zum Thema öffentlicher Diskussion gemacht. Der kritische Blick richtete sich auf Arbeitsorganisation und Managementstrategien. Die Beschäftigten haben begonnen, sich zu wehren. Mehr dazu im "Thema des Monats" in der Printausgabe vom Juni.

Was tun, wenn es heiß wird am Arbeitsplatz?

Sommerliche Hitze kann mit mannigfachen Gesundheitsrisiken verbunden sein – durch hohe Temperaturen selbst, aber auch durch Ozonbelastungen und UV-Strahlen. Das betrifft in unterschiedlicher Weise Beschäftigte in Innenräumen wie auch bei Arbeiten im Freien. Das Arbeitsschutzrecht und die begleitende Rechtsprechung bieten bestimmte Handlungsmöglichkeiten, Betriebs- und Personalräte verfügen über Mitbestimmungsrechte. Da unser Beitrag aus Heft 6/2006 dazu immer noch aktuell ist, haben wir ihn hier für Sie noch einmal im Volltext zum Download bereitsgestellt.

Das neue Grenzwertkonzept für Krebs erzeugende Stoffe

Mit der Gefahrstoffverordnung von 2005 sind die früheren TRK-Werte als technisch bedingte Richtkonzentrationen entfallen. Auf ein neues Grenzwertekonzept konnte man sich damals noch nicht einigen. Nach intensiven Diskussionen hat jetzt hat eine Projektgruppe des Ausschusses für Gefahrstoffe ein neues Grenzwertekonzept für Krebs erzeugende Arbeitsstoffe entwickelt. Es soll jetzt erprobt und demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Den Beitrag des Gefahrstoffexperten Henning Wriedt im Juni-Heft können Sie hier auch im Volltext lesen.

Nachtschicht macht krank

Der menschliche Organismus ist tagaktiv. An Nachtschicht kann man sich nicht gewöhnen. Nacht- und Schichtarbeit stört ganze funktionale Organsysteme beträchtlich und kann eine Vielzahl von teils schweren Erkrankungen auslösen und die Lebensdauer verkürzen. Das belegt jetzt eindrucksvoll eine Erhebung zu den Folgen von Nacht- und Schichtarbeit. Eine andere Studie der Internationalen Krebsforschungsagentur hat außerdem gezeigt: Erhöhte Krebsrisiken, vor allem von Brustkrebs, entstehen ebenfalls durch Nacht- und Schichtarbeit. Das betrifft besonderes Krankenschwestern und Flugbegleiterinnen. Der Hintergrund: Die gewaltsame Störung des Circadian-Rhythmus’ unterdrückt den Melatonin-Stoffwechsel, was Krebs erzeugende Prozesse im Körper verstärkt. Mehr dazu in zwei Beiträgen unserer Juni-Ausgabe.

Organisationsreform der gesetzlichen Unfallversicherung

Der Regierungsentwurf des Gesetzes zur Organisationsreform der gesetzlichen Unfallversicherung wird im Bundestag derzeit abschließend beraten. Das Gesetz soll zum 1. Oktober in Kraft treten. Von den Gewerkschaften wird das Reformpaket grundsätzlich mitgetragen. Einige wichtige Streitpunkte konnten jedoch nicht ausgeräumt werden. So lehnen die Gewerkschaften z.B. die geplante Rechts- und Fachaufsicht des Bundes für die gesamten Präventionsaktivitäten der Unfallversicherung ab. Mehr dazu in der Juni-Ausgabe.

Prävention und Teilhabe

Das Persönliche Budget für Menschen mit Behinderungen und von Behinderung Bedrohte wurde erst in Modellregionen erprobt und wissenschaftlich von der TU Dortmund begleitet. Danach profitieren Berechtigte von zielgenauer Unterstützung und mehr Souveränität. Doch es gibt auch deutliche Kritik. Die Budgets sind zu knapp bemessen, die Koordination der Reha-Träger klappt oft noch nicht, Berechtigte müssen einen hohen Verwaltungsaufwand betreiben. Lesen Sie dazu unsere Beiträge auf den Seiten "Prävention und Teilhabe" in der Juni-Ausgabe.

Psychosoziale Gesundheit in der Arbeitswelt

In der Arbeitswelt nehmen Druck und Verunsicherung zu. Darauf reagiert jeder Mensch unterschiedlich. Im herkömmlichen Arbeitsschutz dominiert aber unverändert eine technisch-naturwissenschaftliche Ausrichtung, die auf den Schutz vor chemischen, physikalischen und biologischen Risiken beschränkt ist. Hier sind neue Konzepte gefragt. Das neue Kompendium „Psychosoziale Gesundheit im Beruf“ von Andreas Weber und Georg Hörmann stellt sich der damit verbundenen Herausforderung. Es konzentriert sich vor allem auf die Aufgaben der Betriebsärzte und Betriebsärztinnen. Die Autoren halten eine neue sozialethische Orientierung für notwendig. Ihr Beitrag ist von großer Bedeutung. Er könnte den Beginn einer Debatte über die Perspektiven des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in der neuen Arbeitswelt markieren. Mehr dazu im Beitrag von Wolfgang Hien in der Juni-Ausgabe.

Neu im Mai 2008

Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin unter Druck

Das moderne Arbeitsschutzrecht ist systematisch, umfassend und präventiv und fasst Arbeitsschutz als einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der kooperativ und beteiligungsorientiert ablaufen soll, und es lässt grundsätzlich im Sinne der Rahmenrichtlinie nicht zu, dass der Arbeitsschutz "rein wirtschaftlichen Überlegungen" untergeordnet wird. Allerdings stehen Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin unter dem starken Druck einer maßlosen Ökonomie und werden von der Schrumpfung des Sozialstaats in Mitleidenschaft gezogen. In den Betrieben wird der innovative Ansatz daher zu wenig spürbar. Vor allem wieder ansteigende Unfallzahlen müssen den Arbeitsschutz in Deutschland aufschrecken. Jahrelange Deregulierung hat die staatlichen Aufsichtsinstitutionen ernsthaft geschwächt. Bei einigen Bundesländern kann man kaum noch von einer funktionierenden Arbeitsschutzbehörde sprechen. In anderen Ländern zeigt sich seit einiger Zeit eine Abkehr vom Deregulierungskurs und eine gegenläufige Entwicklung, die Hoffnung macht. Deutschland könnte davon lernen. Den Beitrag des Konzernbetriebsratsvorsitzenden Peter Camin zum Thema können Sie hier auch im Volltext lesen. Weitere Beiträge dazu in der Printausgabe vom Mai.

Verschlissen, krank und abgeschoben

Viele Arbeiter, die auf der 1997 geschlossenen Bremer Vulkan-Werft tätig waren, leiden auch heute noch an Krankheiten, die sie sich dort zugezogen haben: Durch Chemikalien, Asbest, Hitze, Kälte, Nässe, schweres Heben und Tragen, Dämpfe und Stäube. Vielen von ihnen wurde die Anerkennung ihres Leidens als Berufskrankheit verweigert. Aus diesen Erfahrungen sollten Lehren für eine überfällige Reform des Berufskrankheitenrechts gezogen werden. Lesen Sie dazu den Beitrag des ehemaligen Vulkan-Betriebsrats Rolf Spalek und des Gesundheitswissenschaftlers Wolfgang Hien in der Printausgabe vom Mai.

Das Sozialgesetzbuch IX kann die betriebliche Gesundheitspolitik voranbringen

Das Sozialgesetzbuch IX hat der betrieblichen Gesundheitspolitik neue Impulse gegeben, die in der Praxis noch längst nicht überall angekommen sind. Vor allem kann es die betrieblichen und überbetrieblichen Akteure in Prävention und Eingliederung an einen Tisch und zu gemeinsamem Handeln bringen. Denn es stärkt kooperative Verfahren der Interessenvertretungen sowie weiterer betrieblicher Partnerinnen und Partner und externer Institutionen. In einem Exklusivinterview gibt Prof. Dr. Wolfhard Kohte, Arbeitsrechtler an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Auskunft über seine Untersuchung zum Thema "Perspektiven des Sozialgesetzbuchs IX – Etablierung und Sicherung kooperativer Verfahren", die er im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung 2008 abgeschlossen hat. Mehr dazu in der Mai-Ausgabe.

Arbeitsstress macht immer mehr Menschen krank

Jede zehnte Krankmeldung geht inzwischen auf psychische Störungen zurück – ein Anstieg um 59% in nur vier Jahren. Die Hauptursache sieht eine Studie des Bundesverbandes deutscher Psychologinnen und Psychologen im zunehmenden Arbeitsstress und in der Verunsicherung vieler Beschäftigter durch Angst um den Arbeitsplatz. Über die neue Studie des BDP berichten wir ausführlich in der Printausgabe vom Mai.

IG Metall hat ihre Leiharbeitskampagne gestartet

37% der mittleren und größeren Betriebe in Deutschland beschäftigen Leiharbeiter. In jedem vierten Betrieb ersetzt Leiharbeit reguläre Beschäftigung. Aus gutem Grund also hat die IG Metall ihre Kampagne zu Leiharbeit gestartet. Auf der „Fairleih-Tour“ wird der Kampagnen-Truck in 50 Städten Halt machen und für die IG Metall-Forderung "Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" werben. Mehr dazu im Mai-Heft.

Krankenstand im 1. Quartal 2008 weiterhin niedrig

Der Krankenstand der Pflichtversicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung lag im ersten Quartal 2008 mit 3,4 um 8% unter dem Vorjahreswert, der bei 3,7% gelegen hatte. Für eine Trendwende nach oben gibt es weiterhin keine gesicherten Anzeichen.

Weitere Themen im Mai

Die Ausgabe 5/2008 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • 28. April war der internationale Gedenktag für Beschäftigte, die bei der Arbeit starben oder krank wurden
  • Rund 40% der Vollzeitbeschäftigten pendeln
  • Mit Herz und Seele bei der Arbeit – psychische und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • 6,5 Millionen Niedriglöhner in Deutschland
  • Arbeits- und Gesundheitsschutz mit REACH: Ein Leitfaden

Neu im April 2008

Beruf oder Familie? Beruf und Familie

Beruf und Familie müssen besser miteinander vereinbar sein. Das wollen irgendwie alle. Aber die Wirklichkeit sieht noch immer ernüchternd aus. Über 40% der Beschäftigten finden diese Balance für sich nicht ausgewogen. Ob sie stimmt oder nicht, hängt maßgeblich von der Arbeitsqualität ab, wie eine Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit zeigt. Kreative Gestaltungsmöglichkeiten gibt es viele, und Betriebs- und Personalräte können hier auch viel erreichen. Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist aber auch ein Gleichstellungsthema. Denn immer noch stehen Frauen irgendwann vor dem Dilemma, zwischen Zeitnot und Karriereverzicht wählen zu müssen. Selbst in den modernsten High-Tech-Betrieben herrschen in der Rollenverteilung noch Uralt-Traditionen, von Ausnahmen abgesehen: Da sind Betreuung und Erziehung der Kinder oder auch Pflege immer noch „Frauensache“. Die Männer schuften Vollzeit und sorgen für den Unterhalt. Um das aufzubrechen, braucht es auf der betrieblichen Ebene familienfreundliche Lösungen, und dazu gehören intelligente Arbeitszeitkonzepte, die familien- und gleichstellungsorientiert sind. Lesen Sie mehr dazu im "Thema des Monats" in der April-Ausgabe.

Deutsche Arbeitsschutzstrategie muss Leiharbeit aufgreifen

Die gemeinsame deutsche Arbeitsschutzstrategie will u.a. die Betriebsneulinge in den Blick nehmen. Das muss die Arbeitsbedingungen in der Boombranche Leiharbeit einschließen. Dafür plädiert DGB-Arbeitsschutzexperte Hanns Pauli. Es ist z.B. unbestreitbare Tatsache, dass Unfallrisiken und Gesundheitsgefährdungen bei Leiharbeitnehmern überdurchschnittlich hoch sind. Das fordert bessere Beratung und Überwachung der Betriebe geradezu heraus, und damit sind auch die Aufsichtsdienste gefordert. Im Rahmen der Strategie sollten rasch Indikatoren für ihre Tätigkeit hinsichtlich der Leiharbeit entwickelt werden. Mehr dazu in der Printausgabe.

Unternehmenskultur und Arbeitsqualität: Eine Studie wirft Fragen auf, statt sie zu beantworten

Wie Unternehmenskultur, Arbeitsqualität und Mitarbeiterengagement zusammenhängen, wollte eine groß angelegte Studie erforschen, die im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums entstand. Die Autoren selbst unterstreichen die empirische Breite ihrer Untersuchung und erheben den hohen Anspruch, diesem Thema erstmals umfassend nachgegangen zu sein. An diesem Anspruch sind ernsthafte Zweifel angebracht, sowohl hinsichtlich der Repräsentativität der Studie als auch mit Blick auf die erfragten Themen und die Befragungsmethode. Die Befragung ist zu stark darauf angelegt, positive Antworten auszulösen. Der Status Quo der Arbeitsqualität wird nicht gründlich untersucht, die Ergebnisse dazu sind daher wenig aussagekräftig und nicht zum Vergleich mit anderen Studien zur Arbeitsqualität geeignet. Trotz der positiv gepolten Abfragemethoden, die ein geschöntes Bild der Arbeitswelt zeichnen, kommt die Studie aber zu dem Ergebnis, dass das Niveau der Arbeitszufriedenheit in den vergangenen fünf Jahren erkennbar abgenommen hat. Unseren Beitrag dazu aus der April-Ausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen.

Gonarthrose: Krank durch kniende Berufstätigkeit

Die Gonarthrose, der Kniegelenks-Verschleiß, ist zwar eine häufig auftretende Erkrankung. Eine Studie hat jedoch nachgewiesen, dass in bestimmten Fällen ein Zusammenhang besteht zwischen dieser Erkrankungen und langjährigen Belastungen durch Arbeiten im Knien, Hocken oder im Fersensitz. Der ärztliche Sachverständigenrat deshalb hat dem Bundesarbeitsministerium schon 2005 empfohlen, die Gonarthrose in die Liste der Berufskrankheiten aufzunehmen. Bisher hat sich die Bundesregierung dazu aber noch nicht durchringen können. Lesen Sie dazu unseren Beitrag in der April-Ausgabe.

Praktikum – Berufseinstieg oder Billigjob?

Fast zwei Millionen Berufseinsteiger absolvieren nach ihrer Ausbildung ein Praktikum, weniger als 20% von ihnen werden anschließend unbefristet übernommen. Eine im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums angefertigte Studie hat jetzt gezeigt, dass rund zwei Drittel der Praktikanten gar nicht oder unfair bezahlt werden. Mehrheitlich werden sie offenbar auch als billige oder Gratisarbeitskräfte ausgenutzt. Der DGB kritisierte, dass das Bundesarbeitsministerium dagegen nur unzureichende und zaghafte Maßnahmen vorsehe und verlangte eine zeitliche Begrenzung und einen Mindestlohn für Praktika. Mehr dazu in der Printausgabe.

"Faire Arbeit" im Bankensektor

Arbeitsintensität, Zeitdruck und eine Ökonomie der Maßlosigkeit greifen auch im Finanzdienstleistungssektor um sich. Viele Beschäftigte in Banken und Versicherungen fühlen sich ausgepowert, ständig unter Druck, leiden unter schlechtem Führungsverhalten und haben Angst um ihre Arbeitsplätze. Dem hat die Gewerkschaft ver.di, z.B. in Hessen und Nordrhein-Westfalen, das Konzept der "fairen Arbeit" entgegen gestellt. Lesen Sie dazu unseren Beitrag in der April-Ausgabe.

Länger gut und gesund arbeiten

Praxisbeispiele mit Signalwirkung: In der Automobil- und Metallbranche brummt der Absatz, arbeitsbedingter Stress nimmt zu. Der Konzernbetriebsrat der Daimler AG hat eine wichtige Rahmenbetriebsvereinbarung durchgesetzt: Ab 2008 werden an allen deutschen Standorten psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung erfasst. Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung der Walter AG in Tübingen setzen bei der Prävention auf das Disability Management und die Optimierung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements. Mehr dazu auf den Seiten "Prävention und Teilhabe" in der April-Ausgabe.

Neu im März 2008

Das Prekäre wird Normal

Bis zu einem Drittel der bundesdeutschen Erwerbstätigen ist bereits von unsicheren Beschäftigungs- und Lebensverhältnissen betroffen. Dadurch ausgelöste Ängste und Verunsicherungen reichen tief in die Zone der "Normalbeschäftigung" hinein. Die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses geht weiter, das Normale wird prekär, das Prekäre normal. Das bedeutet auch schlechter Arbeitsqualität und höheren Verschleiß der Gesundheit. Betriebs- und Personalräte und die Gewerkschaften müssen sich auf neue, schwierige Aufgaben einstellen. Ausführliche Hintergrundinformationen und Praxiserfahrungen dazu im Themendossier des Monats in der aktuellen Printausgabe.

Alternsgerecht arbeiten in der KiTa

Die Arbeit des Erziehungspersonals in Kindertagesstätten ist bisher durchgängig nicht so gestaltet, dass sie bis zum gesetzlichen Rentenalter ausgeübt werden kann. Aber auch hier altern die Belegschaften, und es wächst der Druck, die Arbeitsbedingungen alternsgerecht zu gestalten. Wie das bei den oft beschränkten finanziellen Möglichkeiten der Träger geleistet werden kann, war Gegenstand eines Projekts, an dem sich 14 KiTas in Nordrhein-Westfalen beteiligten. Lesen Sie mehr dazu in der März-Ausgabe.

Staatlicher Zugriff durch die Hintertür?

Abermals haben sich die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände und der DGB dagegen gewandt, die Organisationsreform der gesetzlichen Unfallversicherung mit einer Rechts- und Fachaufsicht des Bundes über den geplanten Spitzenverband zu verbinden. In einem gemeinsamen Brief an den Bundesratsausschuss für Arbeit und Sozialpolitik vertreten sie die Auffassung, diese Art staatlichen Zugriffs zerstöre das demokratische und sozialstaatliche Prinzip der Selbstverwaltung. Unseren Beitrag aus der aktuellen Ausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen.

Stiefkind berufliche Weiterbildung

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben ein hohes Interesse an persönlicher und beruflicher Weiterbildung. Aber ausgerechnet ihre Vorgesetzten und die Unternehmen, die davon durch Innovation und bessere Qualität profitieren würden, bremsen vielfach die Lernbereitschaft der Mitarbeiter. Insgesamt ist die Teilnahme an beruflicher Weiterbildung sogar rückläufig. Das ist das zentrale Ergebnis des repräsentativen DGB-Index "Gute Arbeit" zum Thema Weiterbildung. Lesen Sie dazu unseren Beitrag aus der März-Ausgabe.

Damit Stress nicht krank macht

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz treffen alle Beschäftigten, aber benachteiligte Gruppen ganz besonders. Und: Die Zunahme von Stress, Leistungsdruck und Unsicherheit führt zu mehr und oft chronischen Erkrankungen und schafft neue Benachteiligungen: Arbeitsunfähigkeit, Behinderung, Frühberentung. Auch deshalb führt kein Weg daran vorbei, psychische Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen. Das ist auch eine Grundlage für mehr Prävention und Teilhabe. Außerdem auf unseren aktuellen Seiten "Prävention und Teilhabe": Wichtige neue Rechtsprechung und praktische Steuertipps.

Weitere Themen im März

Die Ausgabe 3/2008 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • DAK-Report zeigt: Männer gehen mit Arbeitsbelastungen anders um als Frauen
  • Arbeitsschutz aktuell im Oktober in Hamburg
  • IT – eine Branche wird älter
  • Immer mehr Menschen sind bei der Arbeit psychosozialen Risiken ausgesetzt

Die Ausgabe 3/2008 enthält außerdem wieder zahlreiche Kurzmeldungen sowie Hinweise auf Seminare, Kongresse und Veranstaltungen, die sie hier auch online lesen können.

Februar 2008

Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge – besser keine als diese

Der Referentenentwurf einer Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge ist enttäuschend. Er geht von einem verengten Begriff der arbeitsmedizinischen Vorsorge aus und bringt weder mehr Übersichtlichkeit noch mehr Anwenderfreundlichkeit. Völlig inakzeptabel ist die Vorgehensweise des Bundesarbeitsministeriums, aus anderen Verordnungen wichtige Regelungen zur arbeitsmedizinischen Vorsorge herauszunehmen und sie - in allenfalls verwässerter Form - in die neue Verordnung zu verschieben. Den Beitrag von Petra Müller-Knöß (IG Metall) und die Kritik von Hanns Pauli (DGB) können Sie hier auch im Volltext lesen. Den Verordnungsentwurf des BMAS finden Sie hier.

Weniger Arbeitsunfälle – kein Selbstläufer

Um ein Viertel will die EU die Zahl der Arbeitsunfälle bis zum Jahr 2012 reduzieren. Die Partner der gemeinsamen deutschen Arbeitsschutzstrategie einigten sich vor Kurzem darauf, auch hierzulande die Schwere und die Zahl der Arbeitsunfälle zu mindern. Klaus Priester hat die Unfallzahlen gründlich analysiert und kommt zu dem Ergebnis: Seit 2006 nimmt die Zahl der angezeigten Arbeitsunfälle wieder zu. Bei den tödlichen Unfällen war sogar ein drastischer Anstieg gegenüber dem Vorjahr zu beklagen. Soweit jetzt schon durch Daten belegt, scheint sich dieser Trend 2007 fortgesetzt zu haben. Mit der angesprungen Konjunktur ist das alleine nicht zu erklären. Hier werden nach wie vor bestehende Mängel und Defizite im Arbeitsschutz erkennbar. Möglicherweise trägt auch die Ausbreitung von Leiharbeit dazu bei. Ausdehnung von Arbeitszeiten, Kosten- und Termindruck, Stress im Arbeitsleben spielen eine Rolle, die gründlicher untersucht werden muss. Eins lässt sich jedenfalls sagen: Häufigkeit und Schwere von Unfällen zu vermindern ist ein Ziel, das nicht im Selbstlauf zu erreichen ist. Mehr dazu in den Beiträgen zum „Thema des Monats“ in der Februar-Ausgabe.

Prävention tut sich weiter schwer

Obwohl die Zahl der von den Kassen dokumentierten Aktivitäten betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) erneut leicht zurückgegangen ist, waren 2006 mehr Betriebe und Betriebsstandorte in diese Aktivitäten einbezogen als in den beiden Jahren davor. Weil besonders viele dieser Aktivitäten in Kleinbetriebnen stattfanden, wurden damit nicht ganz so viele Beschäftigte direkt erreicht wie noch 2005. Das mittelfristig gestiegene Qualitätsniveau der BGF konnte den neuesten Daten nach zu urteilen im Großen und Ganzen gehalten werden, wenngleich es hier nach wie vor unübersehbare Schwachstellen gibt. Das betrifft insbesondere den geringen Verbreitungsgrad von Gesundheitszirkeln und die hinter den Erfordernissen zurückbleibende Evaluationspraxis. Lesen Sie dazu den Beitrag von Uwe Lenhardt im Februarheft.

Psychische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung: Wie man das anpackt

Psychische Belastungen in eine Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen – wie es gesetzlich eigentlich vorgeschrieben ist, praktisch aber oft vernachlässigt wird – ist keine Hexerei. Kompakte und praktische Hinweise dazu bietet ein INQA-Leitfaden. Er wurde verfasst von Max Geray und Matthias Holm vom Hamburger Büro für Arbeitsschutz und Betriebsökologie. Beide haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Betriebe bei Gefährdungsbeurteilungen unterstützt und beraten und dabei besonders die psychischen Belastungen im Blick gehabt. Ihre Erfahrungen schlagen sich in diesem Leitfaden nieder. Er erläutert präzise die Mitbestimmungsrechte der Interessenvertretungen und entwickelt eine Schrittfolge für ein sinnvolles Herangehen an dieses oft als komplex empfundene Problem. Mehr dazu in der Printausgabe vom Februar.

Noch Streit um die Reform der Unfallversicherung

Bereits im Juni soll das Gesetz zur Reform der Unfallversicherung beschlossen werden. Die Bundesregierung drängt daher zur Eile. Größter Konfliktpunkt ist die vom Bund angestrebte weit gehende Rechts- und Fachaufsicht über den neuen Verband. In einem gemeinsamen Brief fordern DGB und Arbeitgeber, von diesem Plan, der mit der Selbstverwaltung unvereinbar ist, Abstand zu nehmen. Mehr dazu im Beitrag von Marina Schröder in der Februarausgabe.

Krankenstand auch 2007 weiter auf Talfahrt

Der Krankenstand der Pflichtversicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung ist in Deutschland im Jahr 2007 auf einen neuerlichen Tiefststand gesunken. Mit nunmehr noch 3,22% lag er um sieben Hundertstel Prozentpunkte unter dem Vorjahresstand (3,29%). Entgegen dem Bundestrend stiegen die Arbeitsunfähigkeitsraten in Ostdeutschland sowie bei einigen Kassenarten gegenüber dem Vorjahr leicht an. Auf Basis der amtlichen Stichtagsstatistik lässt sich derzeit keine Trendwende in der Krankenstandsentwicklung ausmachen, wie sie in manchen Medien schon gemeldet wird. Lesen Sie dazu die Analyse von Klaus Priester im Februarheft.

Integration am Rande des Fließbands

Zum Ausklang des Europäischen Jahres der Chancengleichheit 2007 wurde bei Opel eine Betriebsvereinbarung unterzeichnet, die neue Produktionsarbeitsplätze für Menschen mit etwas anderer Gesundheit bringt. In Nordrhein-Westfalen ist die von Gewerkschaften und Verbänden heftig kritisierte Zerschlagung der Versorgungsverwaltung im Gange und erzeugt das befürchtete Chaos. Außerdem in diesem Heft: Tipps für Urlaub mit und ohne Behinderung und der zweite Bericht zur Arbeit der „Gemeinsamen Servicestellen“. Lesen Sie dazu unsere vier Seiten zu „Prävention und Teilhabe“ im Februarheft.

Weitere Themen im Februar

Die Ausgabe 2/2008 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • EU-Parlament zum Arbeitsschutz: Zwei Schritte vorwärts, ein Schritt zurück
  • Gewerbeaufsicht in Schleswig-Holstein ist jetzt Teil der Unfallkasse
  • IG Metall: Gesundheitsschutz und Arbeitsgestaltung aus einer Hand
  • Arbeitsqualität in Baden-Württemberg – Triumph des Mittelmaßes

Januar 2008

Präventionsgesetz: Entwurf zum Scheitern verurteilt

Der Ende November vom Ministerium Ulla Schmidt vorgelegte Referentenentwurf zu einem Präventionsgesetz ist selbst innerhalb der Koalition umstritten und präsentiert sich immun gegen alle Kritik. Er setzt zwar einen "Nationalen Präventionsrat" an die Stelle der bisher favorisierten "Bundesstiftung", benennte aber dessen letzten Zweck nicht klar. Konkrete Aussagen zur finanziellen Beteiligung der öffentlichen Hände an der "Gemeinschaftsaufgabe Prävention" enthält das Gesetz nicht. Stattdessen will der Bund über die Verwendung von Geldern mitbestimmen, die die Sozialversicherungssysteme aufbringen sollen. Der DGB bemängelt, dass die betriebliche Prävention im Entwurf zu kurz kommt. Bedroht werden zudem die eigenständigen Handlungsmöglichkeiten und Budgets der Kassen in der betrieblichen Gesundheitsförderung, die ja ohnehin im Sozialgesetzbuch V schon geregelt ist. Es ist zu bezweifeln, dass dieser Entwurf überhaupt "Kabinettsreife" erlangen kann. Lesen Sie hier den kritischen Kommentar von Klaus Priester und Uwe Lenhardt im Volltext. Der Gesetzentwurf selbst kann hier ebenfalls im Volltext herunter geladen werden.

Unfallversicherung: Verkörperschaftung durch die Hintertür?

Den kürzlich vorgelegten Referentenentwurf für ein Gesetz zur Organisationsreform der gesetzlichen Unfallversicherung hat der DGB grundsätzlich begrüßt. Wesentliche Inhalte des Reformprojekts waren in konstruktiver Zusammenarbeit mit der Selbstverwaltung entwickelt worden. Kritikwürdig ist allerdings, dass der Entwurf eine weitgehende Fach- und Rechtsaufsicht des Bundes über den Spitzenverband vorsieht – also möglicherweise doch noch eine nachgeholte Verkörperschaftung. Das würde bedeuten, dass das Bundesarbeitsministerium über die Genehmigung von Unfallverhütungsvorschriften hinaus der Unfallversicherung in allen Fach- und Rechtsfragen hineinregieren kann. Das widerspricht auch dem Prinzip der Selbstverwaltung. Der Gesetzentwurf regelt außerdem die Einführung einer gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie – allerdings ohne die gleichberechtigte Beteiligung der Sozialpartner. Positiv ist immerhin, dass eine gesetzlich vorgegebene Verwaltungskosteneinsparung nunmehr entfallen ist. Lesen Sie dazu die Beiträge von Marina Schröder (DGB) und Horst Riesenberg-Mordeja (ver.di) in der Printausgabe vom Januar. Den Gesetzentwurf selbst sowie die Stellungnahme des DGB dazu können Sie hier auch im Volltext herunter laden.

Lärm geht auf die Ohren und auf die Nerven!

Dass noch immer mindestens 6000 Menschen pro Jahr eine arbeitsbedingte Lärmschwerhörigkeit erleiden, ist schlimm genug. Aber auch in Büros, Call Centern, Entwicklungs- und Konstruktionsabteilungen, Leitständen, Bildungseinrichtungen u.ä. ist es oft zu laut und zu stressig – meist weit unterhalb der Schwelle zur Gehörschädigung. Ausgerechnet für diesen wirtschaftlich expandierenden Bereich fehlt es an verbindlichen Grenzwerten. Hier müssen dann gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse ins Spiel kommen. Und damit auch die Mitbestimmungsrechte der Interessenvertretungen. Mehr dazu im "Thema des Monats" in der Printausgabe.

Gut ist ein Betrieb, wenn er gute Arbeit fördert

Mit der Eröffnung einer Service- und Beratungsstelle tritt das Projekt DGB-Index Gute Arbeit in eine neue Phase. Ralf Stuth und Anja Scholz haben in der Service- und Beratungsstelle ihre Tätigkeit aufgenommen. Die Redaktion von Gute Arbeit. befragte die beiden nach ihren Plänen. Die neue Einrichtung plant, Betriebe praxisnah bei der Bewertung und Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen zu unterstützen. Zu aktuellen Themen wie Umgang mit prekären Arbeitsverhältnissen und Arbeitsgestaltung für ältere Beschäftigte werden demnächst weitere Veröffentlichungen vorgelegt. Das Interview mit Ralf Stuth und Anja Scholz aus der Januarausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen.

Berufskrankheiten: Jede dritte Rente wegen Asbest

Die verfügbaren aktuellen Zahlen zeigen, dass bei den von den Unfallversicherungsträgern gewährten neuen Berufskrankheiten-Renten die Asbesterkrankungen eine dominierende Rolle spielen. Auf sie entfallen inzwischen 36% aller neuen Berufskrankheiten-Renten. Die neuen Berufskrankheiten-Rentenfälle konzentrieren sich in starkem Maße auf nur wenige Wirtschaftszweige: das Metall- und Baugewerbe, den Bergbau und das Gesundheitswesen. Sie widerspiegeln insofern das arbeitsbedingte Krankheitsgeschen nur schief und unvollständig. Die Zahl der neuen Rentenfälle hat in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten um 9% zugenommen, ist aber seit Mitte der neunziger Jahre rückläufig.

Leiharbeit: Betriebsräte haben Handlungsmöglichkeiten

Die exzessive Ausdehnung der Leiharbeit kommt mit Recht ins Gerede, weil mit ihr Tarifniveaus und Standards menschengerechter  Arbeitsgestaltung unterlaufen werden. Der Equal Treatment-Monitor aus dem Projekt "Gute Arbeit" der IG Metall gibt nun Betriebsräten ein Instrument an die Hand, mit dem sie Alternativen gegen immer mehr Prekarisierung entwickeln und durchsetzen können. Lesen Sie dazu unseren Beitrag aus der Januarausgabe.

Prävention und Teilhabe

Die Zusammenarbeit von Interessenvertretungen und Integrationsfachdiensten ist ein tragendes Element des Eingliederungsmanagements. Dazu enthalten unseren neuen Seiten zu "Prävention und Teilhabe" diesmal praktische Hinweise. Weitere Themen im Januar: Warum die "bevorzugte Einstellung" Schwerbehinderter nicht gegen das AGG verstößt. Wie die Gesundheitsreform die Hörgeräteversorgung hörbehinderter Menschen verschlechtert hat und was dagegen zu tun ist. Und noch einiges mehr …

Weitere Themen im Januar

Die Ausgabe 1/2008 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • ichtige Fortschritte in der Arbeit des Ausschusses für Gefahrstoffe
  • EU-Arbeitszeit-Richlinie: droht demnächst eine Einigung?
  • EU-Richtlihie zu elektromagnetischen Feldern um vier Jahre aufgeschoben

Dezember 2007

Prävention und Teilhabe: Neue Rubrik in Gute Arbeit.

In der Dezemberausgabe finden Sie erstmals unsere neuen vier Spezialseiten zu "Eingliederung und Prävention". Von Januar an wird jedes Heft dieses Themenangebot für Sie bereithalten. Unsere Themen im Dezember: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) steckt vielerorts noch in den Kinderschuhen: Wie Interessenvertretungen diese Aufgabe anpacken können, erklärt Prof. Mathilde Niehaus im Interview. Sie erläutert dort einige Ergebnisse ihrer umfangreichen neuen Studie zum BEM. Außerdem: Tipps zur beruflichen Integration hörbehinderter Menschen: das aktuelle BAG-Urteil zum Sonderkündigungsschutz (Zustimmung Integrationsamt) und ein Rat vom Experten: Jetzt Betriebsvereinbarungen zu Krankenrückkehrgesprächen kündigen! Das BEM schließt derartige Praktiken aus.

Wenn Belegschaften älter werden …

Älter werden wir doch alle. Aber können wir auch gesund im Beruf älter werden? Allzu viele schaffen das nicht. Und das hängt mit unserer Ex-und-hopp-Arbeitswelt zusammen. Die eigentliche Herausforderung der demografischen Entwicklung ist das kollektive Altern der Erwerbsbevölkerung. Betriebe und öffentliche Verwaltungen werden sehr bald Belegschaften haben, deren Durchschnittsalter deutlich über dem jetzigen liegt. Das erfordert den Abschied von zahlreichen Mythen und Vorurteilen. Und das erfordert eine geradezu radikale Neugestaltung der Arbeitsbedingungen – für alle Generationen. Allerdings haben Wirtschaft und Politik ihre Hausaufgaben in diesem Fach noch weit gehend vor sich. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im "Thema des Monats" der Dezemberausgabe.

Tödlicher Unfall auf der Baustelle

Schwere Absturzunfälle wie kürzlich auf der Kraftwerksbaustelle in Grevenbroich-Neurath zeigen: Alles hängt von schneller Hilfe ab. Welche Sicherheitsvorkehrungen müssen eingehalten werden, damit solche Unfälle vermieden werden? Und was ist zu tun, wenn sie doch passieren? Hier gibt es sehr konkrete Regeln, die allen Beteiligten aber auch bekannt sein müssen. Unseren Beitrag von Rudi Clemens, Betriebsratsvorsitzender in einer großen Baufirma und Arbeitsschutzexperte, können Sie hier auch im Volltext lesen.

Neue Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge weckt Zweifel

Die geplante neue Verordnung zur Rechtsvereinfachung und Stärkung arbeitsmedizinischen Vorsorge soll die gesetzlichen Grundlagen für diesen Bereich „rechtlich einwandfreier“, „systematischer“ und „transparenter“ machen – so die Begründung zum Arbeitsentwurf aus dem Bundesarbeitsministerium, der jetzt bekannt wurde. DGB-Arbeitsschutzexperte Hanns Pauli äußert in einem Beitrag der Dezemberausgabe Zweifel, ob dies mit dem derzeitigen Entwurf erreicht wird. Gänzlich inakzeptabel wäre es, wenn auf die arbeitsmedizinische Vorsorge bezogene nützliche Detailregelungen in einzelnen Arbeitsschutzverordnungen nun gestrichen würden. Den Arbeitsentwurf können Sie hier auch im Volltext herunter laden.

Heftiger Streit um das geplante Präventionsgesetz

Der neue Anlauf des Bundesgesundheitsministeriums für ein Präventionsgesetz ist sowohl bei der CDU/CSU als auch bei den Krankenkassen auf Kritik gestoßen. Dabei steht zum einen die geplante Präventionsstiftung, zum anderen die finanzielle Ausgestaltung der gesetzlichen Neuregelung im Zentrum der Auseinandersetzungen. Derzeit scheint eher ein „Nationaler Präventionsrat“ als institutionelle Lösung wahrscheinlich. Mitte November wurden die Verhandlungen der Koalitionspartner über das geplante Gesetz zwar abgebrochen. Nach Redaktionsschluss der Printausgabe wurde dennoch ein Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums für das Präventionsgesetz veröffentlicht. Diesen Entwurf sowie die Eckpunkte der CDU-regierten Länder und die Eckpunkte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion können Sie hier auch als pdf-Dateien herunter laden. Das Gesetz schließt den betrieblichen Arbeitsschutz nicht ein. Bezweifelt werden muss auch, ob ein Präventionsgesetz, das die zentrale Frage der Beteiligung der öffentlichen Hände an der Finanzierung der Prävention und Gesundheitsförderung ausklammert und gleichzeitig die Handlungsspielräume der Kassen einengt, überhaupt als Fortschritt gewertet werden kann.

DGB-Index Gute Arbeit: Arbeitsstolz trotz mäßiger Arbeitsbedingungen

Über zwei Drittel der Beschäftigten sind stolz auf ihre Arbeit. Von diesem positiven Befund des DGB-Index Gute Arbeit 2007 kann aber keineswegs darauf geschlossen werden, dass diese Beschäftigten auch ihre Arbeitsbedingungen als gut beurteilen. Das tun nur Minderheiten. Hier liegt ein Widerspruch. Es lohnt sich, ihn genauer zu untersuchen. Mehr dazu im Beitrag von Hans-Joachim Schulz (Projektleiter DGB-Index Gute Arbeit) in der Dezemberausgabe.

Weitere Themen im Dezember

Die Ausgabe 12/2007 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen
  • Schwelle zur Anerkennung von Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch BSG-Urteil deutlich gesenkt
  • Drei gemeinsame Arbeitsschutzziele für die Deutsche Arbeitsschutzstrategie beschlossen
  • Krankenstand bleibt bis einschließlich Oktober niedrig

November 2007

Erstmals wieder mehr Arbeitsunfälle

Erstmals seit 15 Jahren nehmen Zahl und Häufigkeit der Arbeitunfälle wieder zu. Das zeigen die Daten der Berufsgenossenschaften für die gewerbliche Wirtschaft. Allein 9% mehr tödliche Arbeitsunfälle sind eine Besorgnis erregende Zahl. Sollte diese Tendenz tatsächlich anhalten, würde sich Deutschland vom Ziel der nationalen Arbeitsschutzstrategie, die Zahl und Schwere der Arbeitsunfälle zu reduzieren, sogar weiter entfernen. Unseren Beitrag dazu aus Heft 11 können Sie hier auch im Volltext lesen.

A+A 2007: Auf der Höhe der Zeit?

Bei aller Fachkompetenz im Einzelnen und bei aller Themenvielfalt war die diesjährige A+A auffallend stark auf eine geregelte Arbeitswelt des Normalarbeitsverhältnisses konzentriert. Die Realität spiegelt das nur selektiv wider. Die rasante Prekarisierung der Arbeitsverhältnisse, das Anwachsen von Leistungsverdichtung und die zähen Defizite bei der alternsgerechten Arbeitsgestaltung wurden nur punktuell diskutiert. Heft 11 von Gute Arbeit präsentiert zu diesen Themen Beiträge aus gewerkschaftlicher Sicht.

Mit einer Gefährdungsbeurteilung aktiv gegen Psychostress

Die Arbeit in einer Sozialverwaltung mit Publikumsverkehr bringt für die Beschäftigten eine Fülle psychischer Belastungen mit sich. Sie erleben zunehmend häufig auch handfeste körperliche und verbale Aggression durch frustrierte Kunden. Arbeitsschutzbehörden und Unfallkasse in Sachsen unterstützten das Sozialamt einer Stadtverwaltung bei einer Gefährdungsbeurteilung, die diese Formen von Gewalt und überhaupt alle Formen psychischer Belastungen ausdrücklich einschloss. Mehr dazu in der Printausgabe vom November.

Der praktische Nutzen des DGB-Index Gute Arbeit

Der DGB-Index Gute Arbeit dient einem praktischen Zweck: Die Bewertung der Beschäftigten zur Qualität ihrer Arbeit soll Ausgangspunkt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen werden. Die mit dem Index präzise benannten Mängel und Defizite verweisen zugleich auf wichtige Gestaltungsfelder für die betriebliche Praxis. Dass hier ein guter Ansatz besteht, belegt der Index selbst: Er zeigt, dass die Arbeitsqualität besser ist, wenn es eine Interessenvertretung gibt. Die neu geschaffene Servicestelle des DGB-Index wird der betrieblichen Praxis nun rasch konkrete Unterstützungsangebote unterbreiten. Den Beitrag von Hans-Joachim Schulz, Projektleiter des DGB-Index, aus Heft 11 von Gute Arbeit. können Sie auf den Internetseiten des DGB-Index auch online lesen.

Gute Arbeit fördert Innovationsfähigkeit

Zwischen der Qualität der Arbeit und ihrer Innovationsfähigkeit besteht ein enger Zusammenhang. Gute Arbeit fördert die Innovationsfähigkeit, schlechte und insbesondere prekäre, unsichere Arbeit hemmt Innovation und erzeugt Innovationsfaulheit. Denn sie will Wettbewerbsfähigkeit schlicht dadurch sichern, dass sie die Arbeitskosten immer weiter nach unten drückt. Die Gewerkschaften sollten also in ihren Innovationskonzepte vor allem die Entfaltung der Beschäftigtenpotenziale setzen und sich von den Cost-Cutting-Strategien vieler Unternehmen abheben, die in erster Linie die Arbeitskosten zu Lasten der Beschäftigten reduzieren. "Gute Arbeit" und "Besser statt billiger" lassen sich hier zu einem integrierten Ansatz weiterentwickeln. Den Artikel von Klaus Pickshaus dazu können Sie in der aktuellen Printausgabe lesen.

Schlechte Arbeit führt zu Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung

Verknüpft man die Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit mit den Daten der amtlichen Arbeitsunfähigkeits- und Rentenzugangsstatistik, so werden bei den einzelnen Berufsgruppen deutliche Zusammenhänge sichtbar: Wo die Beschäftigten eine schlechte Arbeitsqualität vermerken, sind auch mehr Krankheitstage festzustellen und setzt die Verrentung durch Erwerbsunfähigkeit früher ein. Und umgekehrt: Je höher der berufsgruppenspezifische Anteil "guter Arbeit", desto niedriger die Arbeitsunfähigkeit und desto geringer die gesundheitlich bedingte Frühberentung. Unseren aktuellen Beitrag von Klaus Priester zu diesem Thema können Sie auf den Seiten des DGB-Index Gute Arbeit auch im Volltext lesen.

Ältere Beschäftigte in IT-Berufen

In der IT-Branche arbeiten – allem Jugendkult zum Trotz – auch ältere Beschäftigte zwischen 45 und 60 Jahren, allerdings unter zumeist extrem stressigen und belastenden Bedingungen. Im ersten Teil unseres Beitrags dazu (Heft 9/2009, Seite 36-39) fasste Wolfgang Hien die Ergebnisse seiner von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie zusammen, in der er diesen Sachverhalt genauer untersuchte. Als zentrales Problem zeigte sich bei vielen Befragten der Trend zur immer rascheren Entwertung ihres Erfahrungswissens. Allerdings ergab sich auch, dass viele ältere IT-Beschäftigte ihre Situation sehr genau reflektieren. Sie könnten selbst kompetente Experten der Humanisierung ihrer eigenen Arbeit sein, wenn man sie ließe. Um dieses unerschlossene Potenzial geht es im zweiten Teil des Beitrags. Den wir in Heft 11 veröffentlichen.

Weitere Themen im November

Die Ausgabe 11/2007 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Langzeitrisiken durch Elektrosmog
  • Europäische Woche gegen Muskel-Skelett-Erkrankungen
  • Das neue "Handbuch Gute Arbeit" der IG Metall

Oktober 2007

Schlechter Arbeiten in Deutschland – Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit

Gute Arbeit – der Begriff drückt einen elementaren Anspruch der Beschäftigten an ihre Arbeitsbedingungen aus. Aber: Schlecht bis allenfalls mittelmäßig – so lautet ihr wenig schmeichelhaftes Urteil über das, was sie tagtäglich in den Betrieben und Verwaltungen vorfinden. Das jedenfalls zeigt der DGB-Index Gute Arbeit, der jetzt veröffentlicht wurde. Mit ihm haben die Gewerkschaften die Beschäftigten direkt zu Wort kommen lassen. Damit haben sie auch die Frage nach der Qualität der Arbeitsgestaltung auf die politische Agenda gesetzt. Mit dem Ziel, etwas zum Positiven zu verändern. Ihren vielfältigen Aktivitäten für gute und humane Arbeitsgestaltung gibt der DGB-Index neue Impulse. Unsere Beiträge dazu im "Thema des Monats" der Oktoberausgabe können Sie unter www.dgb-index-gute-arbeit.de auch im Volltext lesen.

Neuer Anlauf zu einem Präventionsgesetz

Aus dem Bundesgesundheitsministerium sind Mitte September "Eckpunkte für ein Präventionsgesetz" bekannt geworden. Das Konzept lehnt sich an den in der vergangenen Legislaturperiode gescheiterten Gesetzentwurf der rot-grünen Koalition an und enthält auch weiterhin dessen seinerzeit ungelöste Probleme. Unklar bleibt auch, wie die erst kürzlich als Kassenleistung aufgewertete betriebliche Gesundheitsförderung in das Gesetz integriert werden soll. Den Beitrag von Uwe Lenhardt und Klaus Priester dazu können Sie hier auch im Volltext lesen, ebenso die Eckpunkte aus dem Bundesgesundheitsministerium zu einem Präventionsgesetz.

Deutsche Arbeitsschutzstrategie: Konzentration auf drei Ziele

Für die sich herausbildende "Gemeinsame deutsche Arbeitsschutzstrategie" wurden als Kompromiss aller Beteiligten drei künftige Hauptziele und Handlungsfelder vereinbart: Die Reduzierung von Muskel-Skelett-Erkrankungen, von Arbeitsunfällen und von Hauterkrankungen. Die Gewerkschaften unterstützen diese Ziele, haben aber weiter gehende Vorstellungen. Vor allem bedauern sie, dass weder die psychischen Belastungen noch der Problemkomplex der Gefährdungsbeurteilungen direkt und verbindlich einbezogen wurden. Die offene Frage der vollwertigen Beteiligung der Sozialpartner an der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz soll bis zum nächsten Treffen der Arbeits- und Sozialminister der Länder im November geklärt werden. Lesen Sie dazu unseren Beitrag in der Oktober-Ausgabe.

Was ist aus den Bremer Vulkan-Arbeitern geworden?

Am 15. August 1997 schloss die Vulkan-Werft in Bremen-Nord ihre Tore. 2500 Beschäftigte wurden – oft in schlechtem und verschlissenem Gesundheitszustand – in eine Welt entlassen, in der sie sich nur schwer zurechtfinden konnten. Zehn Jahre danach hat eine Studie untersucht, was aus ihnen geworden ist, wie es um Gesundheit und Perspektiven der ehemaligen Vulkanesen heute bestellt ist. Ihr Fazit: Sie wurden zumeist allein gelassen, viele wurden erst dadurch richtig krank. Und die Politik bestrafte sie ein zweites Mal, indem sie harte Fakten für ältere Langzeitarbeitslose schuf und ihnen keine realen Chancen einräumte. Unseren Beitrag aus dem Oktoberheft können Sie auch von der Internetseiten der IG Metall im Volltext herunter laden.

Kassenausgaben für Prävention

232 Millionen Euro gaben die Krankenkassen im vergangenen Jahr für Primärprävention aus. Davon entfielen allerdings mehr als vier Fünftel auf Verhaltensprävention wie z.B. Rückenschulen – eine fragwürdige Schwerpunktsetzung. Die Ausgaben für betriebliche Gesundheitsförderung stiegen ebenfalls, bewegen sich mit gut 32 Millionen Euro allerdings in einem insgesamt bescheidenen Rahmen. Gegenüber der Primärprävention ist der Anteil der Gesundheitsförderung jedoch zurückgefallen. Insgesamt setzen die Präventionsausgaben zu wenig an den strukturellen Bedingungen für Gesundheit und Krankheit auch in der Arbeitswelt an. Lesen Sie dazu unseren Beitrag aus der Oktober-Ausgabe.

Integration leistungsgewandelter Mitarbeiter in einem Automobilunternehmen

Die Anzahl leistungsgewandelter Beschäftigter an den Belegschaften nimmt zu. Damit wächst auch der Handlungsbedarf für die betrieblichen Akteure. Bei der Volkswagen AG z.B. wird der Anteil leistungsgewandelter Beschäftigter bis 2015 von derzeit 22% auf 29% steigen. Das Unternehmen reagiert darauf schon seit einigen Jahren mit dem Programm "Work2Work", das Prävention, Rehabilitation und Integration beinhaltet. Auf diese Weise gelingt es zunehmend, die Betroffenen leidens- und leistungsgerecht, gesundheitsstabilisierend, persönlichkeitsförderlich und wertschöpfend einzusetzen. Mehr dazu im Oktober-Heft.

Berufskrankheiten im Wandel

Mehr als die Hälfte der angezeigten Berufskrankheiten-Verdachtsfälle betrifft nur drei Krankheitsarten: die schweren Hauterkrankungen, die Lärmschwerhörigkeit und die Erkrankungen der Lendenwirbelsäule aufgrund schweren Hebens und Tragens. Die am häufigsten angezeigten Krankheiten konzentrieren sich auf nur wenige Wirtschaftszweige, darunter den Bergbau, die Metall- und Bauwirtschaft, das Gesundheitswesen und die Wohlfahrtspflege sowie den öffentlichen Dienst und die Landwirtschaft. Insgesamt beschränken sich die Berufskrankheiten-Anzeigen weitgehend auf den klassischen Industriearbeiterbereich. Sie spiegeln nur einen kleinen und immer weniger repräsentativen Teil des arbeitsweltbezogenen Krankheitsgeschehens wider. Mehr dazu im Oktober-Heft.

September 2007

Reform der gesetzlichen Unfallversicherung – Diskussion und Kritik

Diskussionsbeiträge und Kritik an der aktuellen Debatte, verbunden mit betrieblichen/institutionellen Resolutionen/Stellungnahmen finden Sie [hier].

"Endlich fragt uns mal jemand" – Der DGB-Index "Gute Arbeit"

Nur jeder achte Beschäftigte in Deutschland bewertet seine Arbeitssituation positiv, jeder dritte arbeitet unter miserablen Bedingungen mit hohen Belastungen und wenig Sicherheit. Und die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hält ihre Arbeitsbedingungen für gerade mal mittelmäßig: Das sind ernüchternde Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit 2007, den der DGB-Vorsitzende Michael Sommer gemeinsam mit den Vorsitzenden von IG Metall und ver.di, Jürgen Peters und Frank Bsirske, am 11. September in Berlin der Öffentlichkeit vorstellte. Der Index stützt sich auf eine solide, wissenschaftlich abgesicherte repräsentative Datenbasis. Dazu wurden rund 6000 Beschäftigte aus allen Regionen, Branchen, Einkommensgruppen und Arbeitsverhältnissen befragt. Auf dieser Grundlage ist nun erstmals eine detaillierte Einschätzung möglich, wie die Beschäftigten in Deutschland die Qualität ihrer Arbeitsplätze beurteilen. Gute Arbeit. wird den Index in der Oktoberausgabe ausführlich vorstellen. Mehr unter www.dgb-index-gute-arbeit.de

Neu im September

Reform der Unfallversicherung vertagt

Die vom Bundesarbeitsministerium betriebene Reform der gesetzlichen Unfallversicherung ist vorerst gestoppt. Ausschlaggebend dafür war sicherlich ein klares Plädoyer der SPD-Bundestagsfraktion für eine Vertagung, um sich mit mehr Gründlichkeit dem Leistungsrechtsteil widmen zu können. Gefördert wurde diese Einsicht durch die hartnäckige Argumentationsarbeit der Gewerkschaften, aber auch anderer Akteure wie den Deutschen Richterbund, der zur geplanten Reform der Unfallrente eine ausführliche kritische Stellungnahme veröffentlichte. Damit ist hoffentlich vor allem die unpraktikable Aufspaltung der Unfallrente in zwei getrennte Leistungen, den Gesundheitsschadensausgleich und den Ausgleich der Erwerbsminderung, vom Tisch. Den Beitrag von Marina Schröder zum Thema können Sie hier auch im Volltext (PDF-Datei) lesen.

Hautschutz ist mehr als Eincremen!

Die Haut eines Menschen kann am Arbeitsplatz vielfachen Gesundheitsrisiken ausgesetzt sein. Dazu gehören u. a. Sonnenstrahlen oder auch Chemikalien wie z. B. Kühlschmierstoffe. Allein 2,5 Millionen Beschäftigte arbeiten in Deutschland regelmäßig unter freiem Himmel, darunter viele Bauarbeiter. Allerdings klammert die Richtlinie zum Schutz vor optischen Strahlungen ausgerechnet UV-Strahlen aus. Umso mehr müssen alle gegebenen Möglichkeiten des Gesundheitsschutzes der Haut genutzt werden, etwa über eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung. Außerdem wäre es höchste Zeit, Hautkrebs durch Sonnenbestrahlung endlich in die Liste der Berufskrankheiten aufzunehmen. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im "Thema des Monats" der September-Ausgabe.

Deutsche Arbeitsschutzstrategie ohne Beteiligung der Sozialpartner?

Das eigentliche Entscheidungsgremium der vorgesehenen Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie soll die aus Bund, Ländern und Unfallversicherungsträgern bestehende Nationale Arbeitsschutzkonferenz sein. Mit den Sozialpartnern soll dann jeweils ein „Benehmen“ über Ziele und gemeinsame Aktivitäten hergestellt werden. Ein kritischer Blick zeigt, dass der Ansatz des „Benehmens“ zu schwach und zu unverbindlich ist, um eine wirkliche ernsthafte Beteiligung der Sozialpartner an der Arbeitsschutzstrategie sicherzustellen. Lesen Sie dazu den Beitrag von Hanns Pauli in der Printausgabe vom September.

Krankenstand sinkt im ersten Halbjahr 2007 leicht unter das Vorjahresniveau

Der Krankenstand in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2007 auf 3,3% und damit geringfügig unter das Niveau des Vorjahres (3,4%) gesunken, nachdem er im ersten Quartal über den Vorjahreswert angestiegen war. Zugelegt hat die Arbeitsunfähigkeit im Bereich der Ortskrankenkassen, der Bundesknappschaft und der Arbeiter-Ersatzkassen, bei allen anderen Kassenarten war sie rückläufig oder stagnierte. Die Werte für Ostdeutschland lagen im ersten Halbjahr über denen der alten Bundesländer. Im laufenden Jahr dürfte sich der Krankenstand etwa auf das niedrige Vorjahresniveau einpendeln. Mehr dazu im Beitrag von Klaus Priester in der September-Ausgabe.

Betriebsvereinbarung zu Desk-Sharing zieht soziale Leitplanken ein

Die Flexibilisierung der Arbeit macht auch vor den Büros nicht Halt. Werden die Arbeitszeiten und Arbeitsorte durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechniken flexibel, dann stellt sich zunehmend die Frage, warum jeder Beschäftigte noch einen festen Arbeitsplatz im Büro haben soll? Eine mögliche Antwort ist das non-territoriale Büro mit Desk-Sharing. Welche Leitplanken sozialer Gestaltung dabei berücksichtigt werden müssen, zeigt die Betriebsvereinbarung eines IT-Unternehmens.

Ältere Beschäftigte in IT-Berufen

In der IT-Branche arbeiten – allem Jugendkult zum Trotz – auch ältere Beschäftigte zwischen 45 und 60 Jahren. Allerdings tun sie das unter zumeist extrem stressigen Bedingungen, die vielfältige körperliche und psychische Beschwerden und Erkrankungen nach sich ziehen. Ein zentrales Problem ist die rasche Entwertung von Erfahrungswissen. Sie erschwert alternsgerechte Arbeitsgestaltung und fördert die Verdrängung Älterer. Eine Befragung hat gezeigt, dass die Betroffenen neben ihrem umfangreichen Erfahrungswissen eine bemerkenswerte Reflexionsfähigkeit hinsichtlich ihrer Arbeitssituation zeigen. Hier liegt ein – häufig ungenutztes - Potenzial für eine alternsgerechte Arbeitsgestaltung. Lesen Sie dazu den Beitrag von Wolfgang Hien in der September-Ausgabe.

Weitere Themen im September

Die Ausgabe 9/2007 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Krankheitsbedingte Kündigung ohne Eingliederung: möglich, aber eingeschränkt
  • Biologische Risiken weltweit bekämpfen
  • Barrierefreie Computerarbeitsplätze
  • Psychische Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung integrieren

Juli/August 2007

Reform der Unfallversicherung vorerst gestoppt

Die Proteste der Gewerkschaften hatten Erfolg. Die bisher geplante Reform des Leistungsrechts der Gesetzlichen Unfallversicherung ist gestoppt worden. Das Bundesarbeitsministerium hatte einen kompletten Systemwechsel angepeilt. Der ist nun vorerst vom Tisch. Die bisherige Unfallrente sollte in zwei getrennte Leistungen aufgegliedert werden. Gewerkschaftliche Kritiker hatten bemängelt, alte Ungerechtigkeiten würden damit nicht beseitigt und neue kämen hinzu. Die Berechnung des neu vorgesehenen Erwerbsschadensausgleichs, so zeigte sich, wäre verwaltungstechnisch extrem aufwändig gewesen und hätte neue soziale Schieflagen mit sich gebracht. Wirkliche Vorteile für die Versicherten waren kaum erkennbar. Sinnvolle Verbesserungen sind dagegen auch im alten Leistungsrechtssystem machbar. Der ursprüngliche Zeitplan, bis Anfang August eine Kabinettsentscheidung herbeizuführen, lässt sich jetzt nicht mehr halten. Nun kommt es darauf an, die gewonnene Zeit klug zu nutzen und Konzepte für eine wirkliche Verbesserung des Leistungsrechts auszuarbeiten. Den Beitrag von Marina Schröder zum Thema können Sie hier auch im Volltext lesen.

Die Bildschirmrichtlinie hat sich bewährt

Die EG-Bildschirm-Richtlinie und die deutsche Bildschirmarbeits-Verordnung haben die Gestaltung vieler PC-Arbeitsplätze positiv beeinflusst. Ohne dieses Regelwerk ließen die Arbeitsbedingungen in vielen Büros und Verwaltungen sehr viel mehr zu wünschen übrig. Die Bilanz ist insofern nicht schlecht. Das zeigt eine von der EU in Auftrag gegebene Evaluation der Richtlinie und der Bildschirmarbeits-Verordnung in Deutschland. Allerdings gibt es auch noch eine Menge Defizite in der praktischen Umsetzung, z.B. was Unterweisung und Gefährdungsbeurteilung betrifft. Neue technische Entwicklungen sprechen außerdem für eine Aktualisierung des Regelwerks. Aus Arbeitnehmersicht wünschenswert sind zusätzlich konkrete, verbindliche Mindestvorgaben z.B. im Anhang der Verordnung. Lesen Sie dazu den Beitrag von Klaus Pickshaus in der Printausgabe vom Juli/August.

"Unser Ziel heißt: Gute Arbeit!" – Interview mit DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel

Die Redaktion interviewte Dietmar Hexel, Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstands des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), zum neuen "DGB-Index Gute Arbeit". Der Index erfasst präzise den Stand, die Defizite und die Entwicklungspotenziale der Arbeitsqualität in Deutschland anhand einer repräsentativen Betriebsbefragung. In der Ausgabe 11/2006 (Seite 25-28) berichteten wir erstmals über die Pilotbefragungen zum DGB-Index ("Endlich werden mal die Beschäftigten befragt"). In Heft 2/2007 (Seite 31-33) veröffentlichten wir einen Beitrag zur Bedeutung des DGB-Index für eine wirksame gewerkschaftliche Kommunikationsstrategie. DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel leitet die "Initiative Trendwende", in deren Zusammenhang das Projekt des DGB-Index Gute Arbeit entwickelt wurde. Der DGB-Index wird im September erstmals veröffentlicht. Das Interview steht hier auch im Volltext zur Verfügung.

Arbeit nachhaltig gestalten

Nachhaltigkeit fragt auch danach, wie mit dem Faktor Arbeitskraft umgegangen wird: Wird er verschlissen, verheizt und dann entsorgt, oder wird er erhalten, gepflegt, entwickelt? Zur Nachhaltigkeit gehört auch ein intelligenter Umgang mit der knappen Ressource Zeit – sowohl mit der Arbeits- als auch mit der Lebenszeit im weiteren Sinne. Wie ist z. B. damit umzugehen, dass ein großer Teil der Menschen dauerhaft keinen regulären Vollzeit-Arbeitsplatz findet und trotzdem sinnvolle Beschäftigung sucht? Und wie sollen für jene, die Arbeit haben, die Arbeitsbedingungen, die Arbeitszeit usw. im Betrieb und die Beschäftigungsbedingungen auf dem Arbeitsmarkt gestaltet werden? Lesen Sie dazu unsere Beiträge im „Thema des Monats“ der Juli/August-Ausgabe.

Nachhaltigkeit, Arbeit, Umwelt

In der Nachhaltigkeitsdebatte geht es immer auch um den nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen: Nicht nur wie Güter und Dienstleistungen produziert und verteilt werden, sondern auch welche. Ein besonders gelungenes Beispiel, wie hier soziale und ökologische Erfordernisse in Einklang gebracht wurden, ist die energetische Gebäudesanierung. Das originäre gewerkschaftliche Interesse an zukunftsfähigen Arbeitsplätzen und der Wunsch, zu Klimaschutz und Energieeffizienz beizutragen, greifen hier praktisch nahtlos ineinander und werden praktisch wirksam. Weitere Themen in der aktuellen Printausgabe: Faire Saisonarbeit, Bioenergie, nachhaltige Beschaffung, Windenergie und Nachhaltigkeit im Handwerk.

Bauarbeiter leben gefährlich

Auf vielen Baustellen werden Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz vernachlässigt, gesetzliche Vorschriften werden nicht eingehalten. Für die Bauarbeiter bedeutet das: Ihr Risiko, einen Unfall zu erleiden oder krank zu werden, ist groß. Und die Arbeit ist ohnehin hart, der Verschleiß beginnt früh. Nur 3,5% der Bauarbeiter erreichen gesund die Regelaltersrente. Experten der IG BAU besuchen seit einiger Zeit überall im Land die Baustellen, decken Missstände auf und sorgen für Abhilfe. Mehr dazu in der Printausgabe.

Gute Akustik im Büro

Beschäftigte in Büros und Call Centern sind auf gute Raumakustik und sorgfältige Schalldämmung angewiesen. In der Praxis sind ihre Arbeitsplätze häufig zu laut und entsprechen nicht den Anforderungen des Gesundheitsschutzes. Dabei geht es gar nicht um 85 Dezibel, wie in der Lärm-Verordnung. In Büros darf ein Geräuschpegel von 35 bis allerhöchstens 45 Dezibel nicht überschritten werden! Vor allem die DIN 18041 muss hier herangezogen werden. Den Betriebs- und Personalräten kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Im Beitrag von Reinhard Bechmann in der Ausgabe 7/8 wird das nicht immer ganz einfache Messverfahren in einzelnen Schritten beschrieben.

Berufskrankheiten – nur die Spitze des Eisbergs

2005 wurden in Deutschland mit knapp 63000 etwa 2 Prozent weniger Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit erstattet als im Jahr zuvor. Rückläufig ist auch die Zahl der anerkannten Berufskrankheiten. Deutlich angestiegen sind hingegen die Zahlen der neuen Berufskrankheiten-Renten und noch mehr der an Berufskrankheiten Verstorbenen. Gegenwärtig führt lediglich etwa ein Viertel der angezeigten Verdachtsfälle zu einer Anerkennung als Berufskrankheit. In nur 9 Prozent aller angezeigten und einem Drittel der anerkannten Fälle gab es auch eine neue Berufskrankheiten-Rente. Insgesamt zeichnet die Statistik ein schiefes Bild davon, wie Arbeit krank macht. Mehr dazu im Beitrag von Klaus Priester in der Printausgabe vom Juli/August.

Weitere Themen im Juli/August

Die Ausgabe 7-8/2007 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Nationale Arbeitsschutzstrategie – sitzen die Sozialpartner am Katzentisch?
  • Immer mehr Leiharbeit: Gewerkschaften gegen Beschäftigung zweiter Klasse
  • Ältere auch weiterhin ohne sachlichen Grund nur befristet?
  • Wiedereingliederung als Selektion?
  • Mit dem stressBarometer den psychischen Belastungen zu Leibe rücken

Juni 2007

Hitzefrei am Arbeitsplatz?

Sommer und Sonne kann man am Badesee angenehm genießen. Am Arbeitsplatz machen sie den Beschäftigten eher Probleme und bringen sogar richtige Gesundheitsrisiken mit sich: Da ist zum einen die Hitze selbst. Hinzu kommen Ozonbelastungen und UV-Strahlen. Für Beschäftigte in Innenräumen gibt es mehr konkrete und verbindliche Regelungen als manchmal angenommen wird. Auch bei Arbeiten im Freien kann einiges zur Erleichterung der Arbeit getan werden. Allerdings machen es die deregulierten Arbeitsschutzverordnungen den Interessenvertretungen nicht gerade leichter. Handlungsmöglichkeiten gibt es aber durchaus, und die Rechtsprechung stärkt den Betriebs- und Personalräten eher den Rücken.

Als Handlungshilfen für die Praxis haben wir hier unseren Artikel zum Thema aus der Juni-Ausgabe 2006 noch einmal bereitgestellt. Außerdem bieten wir zwei Beiträge aus unserer Schwesterzeitschrift "Arbeitsrecht im Betrieb" (AiB) zum Download an. Gregor Hess und Regine Rundnagel erläutern, was in Innenräumen getan werden kann, und Alf Mayer beschreibt Handlungsmöglichkeiten bei Arbeiten im Freien. Er stützt sich dabei auf den Leitfaden der IG BAU "Lass Dich nicht verbrennen. Arbeiten bei Hitze und Sonne". Außerdem verweisen wir auf ein Merkblatt "Recht auf Hitzefrei" von Rechtsanwalt Michael Felser sowie ein Interview mit ihm zu diesem Thema und auf ein Faltblatt der Arbeitnehmerkammer Bremen "Sommerhitze am Arbeitsplatz".

Arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen – ein zentrales Gesundheitsproblem in der EU

Arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen – hinter diesem sperrigen Begriff steckt eines der zentralen Gesundheitsprobleme in der europäischen Arbeitswelt. Deshalb hat es die EU-Kommission aus gutem Grund zum Thema ihrer diesjährigen Arbeitsschutz-Kampagne gemacht. Ob den großen Worten nun auch große Taten folgen, muss sich aber erst noch zeigen. Jedenfalls dürfte klar sein: Die bisherigen Instrumente, die das Europäische Arbeitsschutzrecht für wirkungsvollere Prävention in diesem Bereich überhaupt bereithält, haben die Ausbreitung dieser Erkrankungen nicht verhindert reichen offenbar nicht aus. Die Gewerkschaften plädieren daher – mit Recht – für eine neue und verbindliche Einzelrichtlinie. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im "Thema des Monats" der Juni-Ausgabe von Gute Arbeit.

Krankenkassen geben mehr für Prävention aus – aber der Bedarf ist weitaus größer

Die Krankenkassen haben im vergangenen Jahr für Primärprävention und betriebliche Gesundheitsförderung 26% mehr ausgegeben. Zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 wurde der Auftrag des Gesetzgebers erfüllt, je Versicherten und Jahr 2,74 Euro für Gesundheitsförderung und Primärprävention auszugeben. Allerdings haben die Kassen in diesem Zeitraum immer noch 550 Millionen Euro weniger für Primärprävention, Gesundheits- und Selbsthilfeförderung ausgegeben als nach den gesetzlichen Vorgaben möglich gewesen wäre. Mehr dazu im Beitrag von Uwe Lenhardt und Klaus Priester in der Printausgabe vom Juni.

Eine vorbildliche Betriebsvereinbarung regelt Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung

Über die Einigungsstelle hat ein Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung zur Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung durchgesetzt und damit seine Mitbestimmungsrechte wirksam wahrgenommen, um die im Arbeitsschutzgesetz gegebenen Handlungsspielräume auszufüllen. Arbeitsschutz wird hier als kontinuierlicher Verbesserungsprozess angelegt, der auch einen – institutionalisierten – kontinuierlichen Mitbestimmungsprozess erfordert. Mehr dazu im Beitrag von Peter Martin (Berater) und Michael Iglhaut (Betriebsratsvorsitzender) in der Printausgabe vom Juni. Die Betriebsvereinbarung selbst können Sie hier auch im Volltext herunter lasen.

Weitere Themen im Juni

Die Ausgabe 6/2007 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • AGG-Urteil untersagt Altersdiskriminierung bei Kündigungen
  • Anne Jenter: Gute Schule braucht gesunde Lehrkräfte
  • Rudi Clemens: Jede Baustelle benötigt einen Gesundheitsbeauftragten!

Mai 2007

Neues Leistungsrecht: Entschädigungen werden nicht gerechter, nur anders ungerecht

Schon im Juni soll ein Referentenentwurf die entscheidenden Weichen für die Reform des Leistungsrechts der Gesetzlichen Unfallversicherung stellen. Ungeachtet dieses eng gesteckten Zeitrahmens wurde ein erster und sehr umfangreicher Arbeitsentwurf des Bundesarbeitsministeriums erst Anfang Mai zugänglich. Die notwendige gründliche Diskussion steht damit weiter unter erheblichem und unnötigem Zeitdruck. Auf eine wirkliche sachkundige Erörterung des komplizierten Themas – die viel mehr Zeit benötigt - scheint das Bundesarbeitsministerium weiterhin keinen Wert zu legen. Auch der Inhalt des Arbeitsentwurfs wirft viele Fragen auf: Er nährt die Befürchtung, dass das neue geplante System der Entschädigung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten nicht, wie behauptet, zielgenauer und gerechter, sondern handwerklich mangelhaft, praktisch schwer handhabbar und in manchen Punkten eher noch ungerechter sein könnte. So soll die durchaus begrüßenswerte und notwendige Besserstellung der Schwerverletzten und -erkrankten offenbar zu Lasten der großen Masse der Leichtverletzten gehen. Den kritischen Kommentar von Marina Schröder, Referatsleiterin Arbeitsschutz beim DGB-Bundesvorstand, können Sie hier im Volltext (PDF-Datei, 509 kB) lesen. Hier kommen Sie zum Arbeitsentwurf des Bundesarbeitsministeriums (PDF-Datei, 3 MB) für ein neues Leistungsrecht.

Reform der gesetzlichen Unfallversicherung in der Kritik

Nicht nur das Leistungsrecht, auch die Organisation der gesetzlichen Unfallversicherung soll einer Reform unterzogen werden. Auch hier sollen die Weichen schon bald gestellt werden. Die Geister scheiden sich vor allem an der Frage der Verkörperschaftung der Spitzenverbände der gesetzlichen Unfallversicherung: Die Politik will sie unbedingt durchsetzen, die Selbstverwaltung ist dagegen und bevorzugt die Rechtsform eines Vereins. Dabei hat sie offensichtlich die besseren Argumente auf ihrer Seite. Unrealistisch ist auch die politische Zielsetzung, die Verwaltungs- und Verfahrenskosten in den nächsten sieben Jahren um 20% zu senken. Damit würden Prävention, Rehabilitation und überhaupt das ganze Leistungsniveau der Unfallversicherung ernsthaft gefährdet. Zusammen mit den problematischen Plänen zur Umgestaltung des Leistungsrechts ergibt das eine gefährliche Mischung, die den Beschäftigten überwiegend Nachteile brächte. Einen weiteren Beitrag von Marina Schröder dazu aus unserer Mai-Ausgabe können Sie hier ebenfalls im Volltext (PDF-Datei, 795 kB) lesen.

"Alles. Gleichzeitig. Sofort?" – Mit neuen Ideen gegen die Maßlosigkeit der Ökonomie

Mehr Autonomie in der Arbeit, Identifikation mit den Inhalten und Zielen, Übernahme von Verantwortung: Das gehört heute für viele Beschäftigte zur Realität des Arbeitsalltags – allerdings meist um einen hohen Preis: Zwar können sie ihre Arbeitszeit rein formal selbst bestimmen, aber mit steigendem Zeit- und Leistungsdruck fühlen sie sich gedrängt, „freiwillig“ immer länger zu arbeiten. Wohlbefinden, Gesundheit und Familienleben leiden darunter. Betriebliche Erfahrungen zeigen, dass es zwar schwierig, aber dennoch möglich ist, dieses Problem anzugehen – wenn die Beschäftigten selbst aktiv werden. Wir haben die Betriebsräte dreier Betriebe – Sick AG, Dräxlmaier und Airbus – nach ihren einschlägigen Erfahrungen gefragt. Lesen Sie dazu unsere Berichte in der Printausgabe.

Neuer Tarifvertrag schützt Ältere vor krankheitsbedingter Kündigung´

Der erste Tarifvertrag zum Schutz vor krankheitsbedingter Kündigung wurde kürzlich zwischen dem DB Konzern und der Tarifgemeinschaft von Transnet und der Gewerkschaft deutscher Bundesbahnbeamten und Anwärter (GDBA) abgeschlossen. Er sieht umfassende Maßnahmen der Prävention, der Eingliederung und des Erhalts der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit vor. Damit schützt er vor allem ältere, in ihrer Leistungsfähigkeit bereits eingeschränkte Arbeitnehmer, deren Anteil bei der Bahn rasch zunimmt. Ob Beschäftigte ihre Arbeitsfähigkeit bis ins Alter erhalten können, entscheidet sich im Wesentlichen aber in den 30 Jahren davor. Der nächste Schritt müsste also sein, auch mit tariflichen Mitteln frühzeitig humane, lernförderliche und altersstabile Arbeitsbedingungen zu schaffen. Lesen Sie dazu den Beitrag von Andreas Müller in der Printausgabe. Den Tarifvertrag können Sie hier auch im Volltext (PDF-Datei, 101 kB) herunter laden.

Krankenstand im ersten Quartal trotz "Grippewelle" kaum erhöht

Der Krankenstand in der Gesetzlichen Krankenversicherung lag im ersten Vierteljahr 2007 mit 3,7% nur um einen Zehntelprozentpunkt über dem Niveau des ersten Quartals 2006. Das ist vor dem Hintergrund einer massiven Welle von Erkältungskrankheiten im Februar und März ein ausgesprochen geringfügiger Anstieg. Der Krankenstand hat insbesondere bei den Ortskrankenkassen deutlich zugelegt, bei anderen Kassenarten war er stark rückläufig. Die Werte für Ostdeutschland liegen leicht über denen der alten Länder. Im laufenden Jahr dürfte sich der Krankenstand in etwa auf das niedrige Vorjahresniveau einpendeln.

Weniger Unfälle – aber noch lange keine heile Arbeitswelt

Wie in den Vorjahren signalisiert der neueste Bericht der Bundesregierung über Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit eine abermals abnehmende Gefährdung der Beschäftigten durch Arbeitsunfälle. Die Zahl und die Häufigkeit der angezeigten Arbeitsunfälle, der neuen Arbeitsunfallrenten und insbesondere der tödlichen Arbeitsunfälle liegen so niedrig wie nie zuvor. Allerdings bleiben die Unfallrisiken weiterhin hochgradig ungleich über die Wirtschaftszweige verteilt, in einigen Bereichen sind auch gegenläufige Entwicklungen festzustellen. Die Ursachen für den langfristigen Unfallrückgang in der Arbeitswelt liegen in erster Linie in technisch-organisatorischen sowie wirtschafts- und beschäftigungsstrukturellen Veränderungen, aber auch in verbesserter Prävention. Mehr dazu in einem Beitrag von Klaus Priester in der Printausgabe.

Weitere Themen im Mai

Die Ausgabe 5/2007 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Eine glatte Fünf für den Arbeitsschutz an Schulen
  • Eingliederungsmanagement konkret: Das Beispiel der Berliner Stadtreinigung
  • Der zweifelhafte Nutzen des Work Ability Index (WAI) in Zeiten älter werdender Belegschaften
  • Faire Arbeit – auch in Hamburg

Themen im April 2007

Reform des Leistungsrechts: Droht ein verantwortungsloser Schnellschuss?

Nach Planungen des Bundesarbeitsministeriums sollen bis zum Mai dieses Jahres Gesetzentwürfe zur Neuordnung der gesetzlichen Unfallversicherung vorliegen. Auch das Leistungsrecht soll dabei drastisch verändert werden. Die Vorbereitungen dazu laufen weit gehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sie stehen unter einem von der Politik verursachten Zeitdruck, der in den vergangenen Wochen und Monaten eine wirklich gründliche und sachgerechte Diskussion nicht zuließ. Obwohl bisher kein anderes Entwurfspapier vorliegt als die naturgemäß sehr allgemein gehaltenen Eckpunkte vom Juni 2006, soll nun binnen weniger Wochen ein Referentenentwurf fertig sein. Sollte ein solcher im Ministerium schon vorhanden sein, wird er offenbar geheim gehalten. Für eine gründliche Diskussion mit den Selbstverwaltungen und der Fachebene der Unfallversicherung bleibt so keine Zeit. Das ganze Vorhaben droht zu einer unsozialen Verschlechterung und Schieflage zu führen und erscheint durch und durch unseriös. Zudem sind handwerkliche Fehler zu befürchten. Wir stellen hier vorab zwei Beiträge aus der April-Ausgabe zum download bereit: Einen redaktionellen Beitrag, der sich kritisch mit der Geheimnistuerei und mangelnden Transparenz des Vorhabens auseinandersetzt, und eine Stellungnahme der IG Metall zu den drohenden Verschlechterungen des Leistungsrechts. Die Eckpunkte zur Reform der gesetzlichen Unfallversicherung und den Arbeitsentwurf eines Gesetzes zur Organisationsreform vom 4. April 2007 können Sie hier lesen.

Mobile Arbeit – kompetent und gesund?

Mobile Arbeit ist auf dem besten Weg zu einer allgemein üblichen und verbreiteten Arbeitsform. Aber wie soll sie für die Beschäftigten aussehen? Sie verändert deren Arbeits- und Lebensbedingungen einschneidend. Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen (noch mehr). Mobil Arbeitende brauchen neue persönliche Kompetenzen und Fertigkeiten, um von ihrer Arbeitssituation nicht überrollt zu werden. Und Interessenvertretungen und Gewerkschaften müssen sich auf mobile Arbeit mit neuen Konzepten einstellen. Mit all diesen Fragen setzte sich unlängst eine INQA-Kooperationsveranstaltung der TBS NRW in Zusammenarbeit mit ver.di-innotec und ergo-online auseinander, deren Beiträge wir hier im "Thema des Monats" dokumentieren.

Frühinvalidität – immer häufiger durch psychische Erkrankungen

Psychische Krankheiten und Verhaltensstörungen sind zur häufigsten Frühinvalidisierungs-Diagnose bei Männern und Frauen geworden. An Bedeutung verloren haben dagegen die Muskel-Skelett- und Herz-Kreislauf-Krankheiten als Frühberentungsursachen. Das durchschnittliche Alter beim Eintritt in die Erwerbsminderungsrente hat ebenfalls langfristig abgenommen – auf zuletzt knapp unter 50 Jahre. Psychisch Kranke scheiden allerdings im Durchschnitt bereits mehr als zwei Jahre früher aus dem Erwerbsleben aus. Lesen Sie dazu den Beitrag von Klaus Priester in der Printausgabe vom April. Er knüpft an den Beitrag vom März an, der die aktuellen und langfristigen Tendenzen des Frühberentungsgeschehens untersuchte.

Betriebsvereinbarung zu "Mindestanforderungen an Arbeitsstätten"

In einer Betriebsvereinbarung wurden jetzt erstmals die konkreten und detaillierten Mindestanforderungen an die Einrichtung von Arbeitsstätten festgeschrieben. Dem Klage führenden Betriebsrat gelang es damit, durch einen Spruch der Einigungsstelle seine Mitbestimmungsrechte für alle die Arbeitsstätte betreffenden Regelungsbereiche durchzusetzen und die allgemeinen Rahmenvorschriften der Arbeitsstättenverordnung im Interesse der Beschäftigten konkret auszufüllen. Lesen Sie dazu unseren Beitrag in der April-Ausgabe. Die Betriebsvereinbarungen können Sie im Volltext hier als pdf-Datei (69 kB) herunter laden.

Verordnung zu Lärm und Vibrationen jetzt umsetzen

Mit dem Inkrafttreten der neuen Verordnung zum Schutz vor Lärm und Vibrationen beginnt die Aufgabe, sie nun in die betriebliche Praxis umzusetzen. Zwar enthält die Verordnung in Bezug auf den Expositionsgrenzwert Unklarheiten, und niedrigere Lärmwerte für geistige Tätigkeiten wurden bedauerlicherweise ausgeklammert. Aber die abgesenkten Expositionsgrenzwerte für Lärm (und teilweise auch bei Vibrationen), vor allem die Senkung der Einstiegsschwelle für Lärmminderungsprogramme von 90 dB(A)) auf 85 dB(A), eröffnet den betrieblichen Akteuren Chancen und wichtige Handlungsfelder, die nun ausprobiert und genutzt werden sollten. Lesen Sie dazu den Beitrag von Hanns Pauli (DGB) in der Aprilausgabe.

Schweißer-Lungenfibrose – eine neue Berufskrankheit

Die durch Schweißrauch verursachte Lungenfibrose ist seit Kurzem als Berufskrankheit anerkannt. Damit besteht für Beschäftigte grundsätzlich ein Anrecht auf bessere Rehabilitation und Rentenansprüche. Das setzt allerdings auch ein entsprechendes Verständnis bei den Verwaltungen der Berufsgenossenschaften und ein Eintreten der Selbstverwaltungsgremien für die Rechte der Versicherten voraus. Außerdem müsste in den Betrieben die Prävention an Schweißerarbeitsplätzen wesentlich ernster genommen werden.

Themen im März 2007

Verordnung zu Lärm und Vibrationen ist jetzt beschlossen

Die Verordnung zum Schutz vor Lärm und Vibrationen wurde am 28. Februar im Bundeskabinett beschlossen und am 8. März im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Mit ihr sollen die entsprechenden europarechtlichen Vorgaben umgesetzt werden. Sie ist die erste nationale staatliche Verordnung zu Lärm und löst die bisherige Unfallverhütungsvorschrift Lärm BGV B 3 ab, die sich faktisch auf die alte Lärm-Richtlinie von 1986 bezogen hatte. Die Verordnung kann hier als PDF-Datei von der Internetseite des Bundesarbeitsministeriums herunter geladen werden, die Begründung hier.

Frühinvalidität – Es trifft fast jeden Fünften

Ein genauer Blick auf das Frühberentungsgeschehen in Deutschland ist ernüchternd. Zwar hat die Zahl der Frühinvaliden abgenommen, aber sie werden statistisch gesehen immer jünger. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei Erwerbsminderungsrenten – zu Beginn der siebziger Jahre noch bei 59 Jahren – ist auf 50 Jahre abgerutscht, gegenüber 61 Jahren bei allen Neurentnern. Das ist ein deutlicher Hinweis auf den Raubbau an der Arbeitskraft, der in Deutschland offenbar an der Tagesordnung ist und auf das Lebensalter keine Rücksicht nimmt.

Dabei sind weitaus mehr Berufe als die von Bundesarbeitsminister Müntefering genannten Dachdecker überdurchschnittlich invalidisierungsgefährdet. Zu den Risikogruppen gehören vor allem Arbeiter- und Handwerksberufe, aber auch Dienstleistungsberufe wie etwa die Gesundheits-, Sozial- und Erziehungsberufe. Arbeitsbedingungen zuzulassen, die permanente Überlastung bedeuten und zu chronischen Erkrankungen und schließlich zur Frühberentung führen, ist nicht nur inhuman. Es ist auch ein gewaltiger volkswirtschaftlicher Schaden. Auf über 10 Milliarden Euro jährlich hat eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin die Kosten dieser gigantischen Verschwendung beziffert. Die herausragenden körperlichen und psychischen Belastungen sind schwere Arbeit und zu geringer Handlungsspielraum bei der Arbeit. Lesen Sie dazu unsere Beiträge in der Printausgabe vom März.

Wer Ältere länger im Beruf halten will, muss humane Arbeit schaffen

Gesundheitliche Beeinträchtigungen sorgen immer noch allzu häufig dafür, dass Beschäftigte vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Daran wird auch die Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre nichts ändern. Im Gegenteil. Umso wichtiger wird es nun, dass Politik und Wirtschaft endlich aktiv werden für ein präventives Gesundheitsmanagement. Auf einer Anhörung des Bundestages zum Gesetzentwurf zeigten Abgeordnete der Regierungskoalition erste Anzeichen von Problembewusstsein. Und reagierten damit auch auf Protest und Kritik der Gewerkschaften. Die Konsequenz darf nun aber nicht sein, alle Verantwortung auf die Betriebsparteien abzuwälzen.

Beschäftigte wollen spätestens mit 64 in den Ruhestand

Ein Rentenalter von 67 Jahren ist bei den Beschäftigten extrem unpopulär. 73% der Menschen sprachen sich bei einer Umfrage dagegen aus. Die meisten würden gern mit 59 aufhören. Allerspätestens mit 64 sollte jedenfalls Schluss sein. Eine aktuelle Studie zeigt außerdem: Vier von zehn Beschäftigten gehen vorzeitig in Rente und nehmen dabei erhebliche Abschläge in Kauf, darunter viele älterer Langzeitarbeitslose. Der Anteil der Neurentner, die solche Rentenkürzungen hinnahmen, stieg zwischen 2003 und 2005 von 35% auf 42%. Diese Befunde des Instituts Arbeit und Qualifikation bestätigen die Befürchtung, dass die Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre nicht zu mehr Beschäftigung Älterer, sondern zu faktischen Rentenkürzungen und mehr Altersarmut führen wird. Die Daten widerspiegeln Realitäten des Arbeitslebens, die die große Koalition mit ihrem Beschluss zur "Rente mit 67" ausgeblendet hat: Viele Menschen wollen gerne arbeiten, werden von den Arbeitgeber aber als "altes Eisen" behandelt, oder sie sind verschlissen und krank und müssen, weil zu "jung" für die Altersrente, Abschläge in Kauf nehmen. Lesen Sie dazu unsere Beiträge in der März-Ausgabe.

Gesundheit bei der Arbeit: Die neue EU-Strategie ist zu vage und unverbindlich

Die EU hat sich viel vorgenommen: Mit einer neuen Gemeinschaftsstrategie für die Jahre 2007 bis 2012 will sie dem Arbeits- und Gesundheitsschutz in Europa neue Impulse geben. Das Ergebnis fällt allerdings enttäuschend aus: Viel Zustandsbeschreibung, kaum konkrete Maßnahmen. Alles ist stark auf Unfälle und Berufskrankheiten fixiert. Die Massenerscheinung der arbeitsbedingten Erkrankungen bleibt unterbelichtet. Zur überfälligen Karzinogen-Richtlinie und zur Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen bietet die Strategie nichts Neues.

Kommunalisierung des staatlichen Arbeitsschutzes in Schleswig-Holstein abgewendet – aber zu welchem Preis?

Schleswig-Holstein will zum 1. Januar 2008 alle Aufgaben des staatlichen Arbeitsschutzes vom Landesamt für Gesundheit und Arbeitssicherheit auf die Unfallkasse übertragen. Das Landesamt soll vollständig aufgelöst werden. Der DGB Nord sieht damit zwar die drohende Kommunalisierung und Zersplitterung des staatlichen Arbeitsschutzes abgewendet, jedoch könnte hier ein Präzendenzfall für die Demontage des dualen Arbeitsschutzsystems entstehen. Den Beitrag von Gabriele Wegner (DGB Nord) dazu können Sie hier auch im Volltext (PDF-Datei, 116 kB) lesen.

Arbeitsbedingungen in Deutschland – Nichts für schwache Nerven

Termin- und Leistungsdruck bei der Arbeit haben weiter zugenommen. 54% der Beschäftigten – fast 21 Millionen – empfinden das so. Auch andere psychische Belastungen – etwa ständige Störungen und Unterbrechungen des Arbeitsprozesses – weisen eine steigende Tendenz auf. Einige körperliche Belastungen sind dagegen rückläufig. Sie betreffen aber immer noch Millionen von Menschen. Lärm bei der Arbeit hat sich sogar stärker ausgebreitet. Das zeigen erste Ergebnisse einer großen Erwerbstätigenbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Den Beitrag von Uwe Lenhard dazu aus der März-Ausgabe können Sie hier auch im Volltext (PDF-Datei, 444 kB) lesen.

Weitere Themen im März

Die Ausgabe 3/2007 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Klaus Priester: Mehr Kompetenzen der Krankenkassen in der betrieblichen Gesundheitsförderung
  • DAK-Daten für 2006: Arbeitnehmer melden sich kaum noch krank
  • Gefährdungsbeurteilung – nützliche Tipps auf CD-ROM
  • Werner Feldes: Gesundheit in der klein- und mittelbetrieblichen Arbeitswelt

Themen im Februar 2007

Krankenstand ganz unten – was sind die Ursachen?

Der Krankenstand in Deutschland hat 2006 abermals abgenommen und erreichte mit 3,29% den tiefsten Wert seit 36 Jahren. In einer gründlichen Analyse im Februarheft von Gute Arbeit. geht der Ludwigshafener Medizinsoziologe Klaus Priester den aktuellen und langfristigen Trends nach und erörtert deren Ursachen. Der niedrige Krankenstand lässt keinen direkten Rückschluss zu auf den tatsächlichen Gesundheitszustand der Bevölkerung. Er hängt eher mit der verbreiteten Angst um den Arbeitsplatz zusammen. Auch das systematische Herausdrängen älterer und langzeiterkrankter Beschäftigter aus dem Erwerbsleben schönt die Krankenstandsstatistik. Mehr …

Gute Arbeit – gewerkschaftliche Initiativen zeigen Wirkung

Die EU-Arbeits- und Sozialminister gaben im Januar in Berlin offiziell bekannt, auch sie seien für "gute Arbeit". Dieses Ziel ist nun also in der großen Politik angekommen, zumindest auf der Ebene der Rhetorik. Offenbar bringt die Forderung nach "guter Arbeit" elementare Wünsche und Interessen der Beschäftigten zum Ausdruck. Man darf wohl ohne Übertreibung sagen: Damit haben auch die verschiedenen gewerkschaftlichen Initiativen für "gute Arbeit" Wirkung gezeigt, auch wenn in der Politik Worte und Taten noch weit auseinanderklaffen. Jedenfalls haben Gewerkschaften wie die IG BCE, die IG Metall und ver.di wie auch der DGB-Index "Gute Arbeit", die auf je eigene Weise diese Aufgabenstellung vertreten, damit eine richtige strategische Zielsetzung entwickelt. Mehr dazu in der Printausgabe vom Februar. Unseren Beitrag "Gute Arbeit – ein europäisches Projekt" können Sie hier auch im Volltext lesen.

EU ermittelt: Verstößt Deutschland gegen Arbeitszeitrichtlinie?

Der Bundesregierung droht eine Klage der EU wegen Verstoßes gegen die Arbeitszeitrichtlinie. Seit dem Auslaufen der Übergangsregelungen gelten deren Bestimmungen zu Bereitschaftsdiensten nunmehr uneingeschränkt – zumindest auf dem Papier. Die EU-Kommission will prüfen, ob das deutsche Arbeitszeitgesetz den europäischen Vorgaben entspricht. In der Praxis wird in zahlreichen Kliniken und anderen Einrichtungen Bereitschaftsdienst noch immer nicht, wie gefordert, in vollem Umfang als Arbeitszeit anerkannt. Auch bei Feuerwehren und Rettungsdiensten wird darüber gestritten. Bei der Berliner Feuerwehr z.B. fordern die Personalräte und die Gewerkschaft ver.di als Ausgleich zur notwendigen Reduzierung der Arbeitszeit und zur Absicherung des Schutzniveaus eine Personalaufstockung um 300 neue Stellen. Beim Deutschen Roten Kreuz hat ver.di einen Tarifvertrag ausgehandelt, der die EU-Arbeitszeitvorgaben einhält. Mehr dazu in der Februarausgabe.

Reform des Arbeitsschutzes: Richtungsentscheidungen stehen an

In der Reform des Arbeitsschutzsystems zeichnen sich für die nächste Zukunft wichtige Richtungsentscheidungen an. Durch Ergänzungen und Änderungen von Arbeitsschutzgesetz und Sozialgesetzbuch VII sollen die Grundzüge einer Nationalen Arbeitsschutzstrategie festgeschrieben werden. Ein weiterer Gesetzentwurf zur Reform der gesetzlichen Unfallversicherung soll die von vielen Seiten kritisierten Eckpunkte der Bund-Länder-Kommission umsetzen und geht auf die Reformvorschläge der Selbstverwaltung nicht ein. Lesen Sie dazu unseren Beitrag in der Februarausgabe. Die Gesetzesvorschläge zur Umsetzung der Nationalen Arbeitsschutzstrategie und zur Organisationsreform der gesetzlichen Unfallversicherung.

Betriebliche Gesundheitsförderung: Quantität stagniert, Qualität etwas verbessert

Bei den Aktivitäten der Krankenkassen zur betrieblichen Gesundheitsförderung sind nach dem aktuellen Präventionsbericht Stagnationstendenzen zu verzeichnen: Erstmals kamen hier die Aktivitäten zahlenmäßig nicht über das Niveau des Vorjahres hinaus, und auch die Zahl der durch betriebliche Gesundheitsförderung direkt und indirekt erreichten Beschäftigten ging zurück. Gesundheitszirkel bleiben weiterhin rar. Auf der anderen Seite hat sich die einschlägigen Kassenaktivitäten unter Organisations-, Verfahrens- und inhaltlichen Gesichtspunkten teilweise zum Besseren hin entwickelt. Lesen Sie die gründliche Analyse des Präventionsberichts von Uwe Lenhardt in der Februarausgabe.

Mobile Arbeit – hoffentlich gesund

Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien begünstigen die Ausbreitung mobiler Arbeitsformen. Mobile Arbeit bedeutet für viele Wirtschaftsbereiche mehr Flexibilität und Wettbewerbsvorteile. Allerdings bringt sie für die Beschäftigte auch neue Belastungen hervor. Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen. Das verlangt von den Beschäftigten selbst mehr individuelle Kompetenz und Handlungsfähigkeit. Erforderlich sind aber auch kollektive Regelungen, die an Interessenvertretungen und Gewerkschaften neue Anforderungen stellen. Lesen Sie dazu den Beitrag von Cornelia Brandt (ver.di) in der Februarausgabe.

Weitere Themen im Februar

Die Ausgabe 2/2007 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • 2006: Die wöchentliche Arbeitszeit hat zugenommen
  • Präventionskampagne Haut: Krankenkassen und Unfallversicherung kooperieren
  • Ein-Euro-Jobs ersetzen reguläre Beschäftigung
  • Gesundheitsreform: Betriebliche Gesundheitsförderung zukünftig als Pflichtleistung der Gesetzlichen Krankenversicherung?

Themen im Januar 2007

Krankenstand ganz unten – was sind die Ursachen?

Der Krankenstand in Deutschland hat 2006 abermals abgenommen und erreichte mit 3,29% den tiefsten Wert seit 36 Jahren. In einer gründlichen Analyse im Februarheft von Gute Arbeit. geht der Ludwigshafener Medizinsoziologe Klaus Priester den aktuellen und langfristigen Trends nach und erörtert deren Ursachen. Der niedrige Krankenstand lässt keinen direkten Rückschluss zu auf den tatsächlichen Gesundheitszustand der Bevölkerung. Er hängt eher mit der verbreiteten Angst um den Arbeitsplatz zusammen. Auch das systematische Herausdrängen älterer und langzeiterkrankter Beschäftigter aus dem Erwerbsleben schönt die Krankenstandsstatistik. Mehr …

Gewerkschaften kritisieren Reform der gesetzlichen Unfallversicherung

Für eine Reform der gesetzlichen Unfallversicherung gibt es viele gute Gründe. Was allerdings in den Eckpunkten der Bund-Länder-Kommission als Weichenstellung für eine solche Reform vorgegeben ist, fordert eine deutliche Kritik der Gewerkschaften heraus. Es wird viel zu wenig berücksichtigt, dass eine bessere und systematischere betriebliche Prävention im Arbeits- und Gesundheitsschutz erheblich höhere Einsparpotenziale bietet als neue Verwaltungsstrukturen oder Kürzungen bei den Leistungen für die Opfer eben jener fehlenden Prävention! Eine sinnvolle Reform der gesetzlichen Unfallversicherung müsste deswegen unter Federführung der Selbstverwaltung zu vernünftigen, von den Unternehmen und Versicherten getragenen Lösungen der strukturellen Fragen führen, das große Potenzial der Prävention besser nutzen und Einschränkungen bei den Leistungen für die Versicherten ausschließen. Den Beitrag von Marina Schröder (DGB) dazu können Sie auf den Internetseiten von Gute Arbeit hier auch im Volltext lesen.

Gute Arbeit: schwierig, aber möglich

Gute Arbeit, das bedeutet nicht nur anständige Bezahlung und einen sicheren Arbeitsplatz, sondern auch, dass Arbeit nicht krank macht, dass sie Gesundheit und Lebensqualität fördert, dass Beruf und Privatleben miteinander vereinbar sind, dass die Arbeitsfähigkeit bis ins Alter erhalten wird. Stattdessen prägen Unsicherheit, Stress, Zeitdruck, überlange Arbeitszeiten und körperlich belastende Arbeitsbedingungen für viele den Arbeitsalltag. Warum das so ist und wie das geändert werden kann, war das Thema einer Tagung der IG Metall, die eine Zwischenbilanz zog zum Projekt "Gute Arbeit". Unseren Beitrag dazu können Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen.

Kultur der Altersarbeit?

Fast 600 000 junge Leute unter 25 und 1,2 Millionen Ältere über 50 finden keinen Job. Trotzdem fasst die große Koalition weltfremde Beschlüsse zur "Rente mit 67". Es spricht durchaus einiges dafür, dass eine "Kultur der Altersarbeit" sinnvoll und wünschenswert wäre. Aber davon sind die allermeisten Beschäftigten Welten entfernt. Politik und Wirtschaft scheinen noch gar nicht erkannt zu haben, welche tief greifenden Veränderungen z.B. in der Sozialpolitik, beim Arbeitsmarkt und in den Arbeitsbedingungen dazu notwendig sind, für Junge und Alte. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im "Thema des Monats" in der Januarausgabe.

Nichtraucherschutz: Der Weg über die Arbeitsstättenverordnung wäre der einfachste

In der zeitweise konfusen Debatte um einen gangbaren Weg zum Nichtraucherschutz warnten Kritiker vor einem Flickenteppich und drängten auf eine bundeseinheitliche Lösung. Der NGG-Vorsitzende Möllenberg unterstrich den Vorrang des Gesundheitsschutzes für alle Beschäftigten in der Gastronomie und plädierte dafür, das Problem durch eine Änderung der Arbeitsstättenverordnung zu lösen.

Gesundheitsförderung in Kleinbetrieben der IT-Branche

13 kleine und mittelgroße österreichische Unternehmen der IT-Branche mit Belegschaftsgrößen von weniger als 10 bis hin zu 130 Beschäftigten erprobten mit Hilfe des Projektteams ppm erstmals einen umfassenden Prozess der betrieblichen Gesundheitsförderung und sammelten dabei eine Fülle von positiven Erfahrungen. Dabei konnten bei allen Beteiligten Vorurteile und Informationsdefizite überwunden werden. Die aktive Beteiligung der Beschäftigten war bei jedem Schritt entscheidende Bedingung für das Gelingen des Projekts. Lesen Sie dazu unseren Beitrag von Gerhard Elsigan in der Printausgabe.

Tests auf Hepatitis im Gesundheitswesen

In einer Dienstanweisung hat die Frankfurter Universitätsklinik für Beschäftigte vor der Aufnahme einer Tätigkeit mit Patientenkontakt Tests auf Hepatitis B und C verbindlich vorgeschrieben. Der Personalrat dagegen hält die Regelungen hinsichtlich einer Hepatitis-Gefährdung durch Infektionsschutzgesetz und Biostoffverordnung für genügend. Nach genauer Prüfung kommen die Arbeitsmedizinerin Gine Elsner und der Jurist Gerhard Stuby zu dem Schluss, dass diese Rechtsgrundlagen dazu auch ausreichen.

Weitere Themen im Januar

Die Ausgabe 1/2007 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Europäischer Gewerkschaftsbund findet REACH-Kompromiss unzureichend
  • Gemeinsamer Spitzenverband der gesetzlichen Unfallversicherung geplant
  • In der EU nehmen die psychischen Erkrankungen zu

Die Ausgabe 1/2007 enthält außerdem wieder den Buch-Check, zahlreiche Kurzmeldungen sowie Hinweise auf Seminare, Kongresse und Veranstaltungen, die sie hier auch online lesen können.

Neu im Dezember auf unseren Internetseiten

Nationale Arbeitsschutzstrategie ist beschlossen

Die Grundzüge einer Nationalen Arbeitsschutzstrategie wurden von den Ländern Mitte November beschlossen. Die Konferenz der Arbeits- und Sozialminister unterstrich, die Sozialpartner müssten als unmittelbar Betroffene aktiv eingebunden werden. Allerdings hält der ASMK-Beschluss auch daran fest, dem eigentlichen Entscheidungsgremium der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz sollten nur Bund, Länder und Unfallversicherungsträger angehören. Mehr dazu in unserer Printausgabe.

Dicker Rotstift beim Leistungsrecht der Unfallversicherung

Das Leistungsrecht der gesetzlichen Unfallversicherung soll nach den Plänen der Bund-Länder-Kommission einschneidend verändert werden. Im Kern sind massive Leistungskürzungen zu Lasten der Versicherten geplant. So wäre z. B. die Anhebung der Entschädigungsgrenze von 20% auf 30% eine Art Freibrief für das Zufügen von Gesundheitsschäden. Die Kürzungen werfen teilweise die Frage auf, ob ein solch restriktives Leistungsrecht überhaupt noch die Haftung des Unternehmers ablösen kann. Unseren Beitrag dazu können Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen.

Niedersachsen will Arbeitsschutz in Kleinbetrieben weiter kappen

Eine über den Bundesrat eingebrachte Gesetzesinitiative des Landes Niedersachsen will vor allem Kleinbetriebe mit weniger als 50 Beschäftigten von Pflichten des Arbeitsschutzes befreien. Vorschriften wie die Bestellung von Sicherheitsbeauftragten, vierteljährliche Tagungen des Arbeitsschutzausschusses, Nachweispflichten für Mehrarbeit usw. sollen nicht mehr in Betrieben ab 20 bis 50 Beschäftigten gelten. Lesen Sie dazu unseren Beitrag in der Dezemberausgabe.

Kritik an der neuen Lärmverordnung

Der vom Bundeskabinett beschlossene Entwurf einer neuen Lärmverordnung berücksichtigt die europarechtlichen Vorgaben nicht ausreichend. Denn der eindeutige Expositionsgrenzwert der EG-Lärmrichtlinie fehlt in der deutschen Verordnung. Außerdem beschränkt sich die Verordnung leider auf Gehör schädigenden Lärm. Lärm kann aber auch in geringerer Stärke massive negative Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden haben, wie ein Bericht der Europäischen Arbeitsschutzagentur belegt. Lesen Sie dazu unsere Beiträge in der Printausgabe.

Arbeit und Gesundheit: Betriebsräte in Aktion

Zehn Jahre nach dem Inkrafttreten des Arbeitsschutzgesetzes fällt eine Bilanz vor allem mit Blick auf die Gefährdungsbeurteilung eher ernüchternd aus. Zu groß sind die quantitativen und qualitativen Defizite, die hier festgestellt werden müssen. Wo es positive Erfahrungen gibt, spielen fast immer Initiative und Aktivität der Betriebs- und Personalräte eine tragende Rolle. Im Dezemberheft präsentieren wir mehrere Beispiele dafür: Dem Betriebsrat des Elektronikunternehmens Inovan ist es mit Hartnäckigkeit und Kompetenz gelungen, die psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen. Der Betriebsrat des Automobilzulieferers Dräxlmaier hat sich an die schwierige Aufgabe herangemacht, dem „Arbeiten ohne Ende“ Grenzen zu setzen und den "Arbeitszeit-TÜV" der IG Metall für eine kritische Bestandsaufnahme zu nutzen, die in der Perspektive ebenfalls in eine umfassende Gefährdungsbeurteilung einfließen soll. Und die Schwerbehindertenvertretung der Berliner Stadtreinigung führt vorbildlich vor, wie in einem großen kommunalen Unternehmen mit rasch älter werdender Belegschaft und trotz hohem Belastungsniveau jeden integriert und auffängt. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im "Thema des Monats" der Dezemberausgabe.

Klinikpersonal: HIV-Test als Pflicht?

Der Personalrat der Frankfurter Universitätsklinik hat einer Dienstanweisung widersprochen, die HIV-Tests für die Beschäftigten in bestimmten Bereichen zwingend vorschreibt. Eine genaue Prüfung der Rechtslage zeigt, dass es hinsichtlich einer verpflichtenden HIV-Testung bei invasiv tätigem Personal im Gesundheitsbereich einer eigenen gesetzlichen Ermächtigung bedarf. Die bestehenden gesetzlichen Regelungen geben das aber nicht her. Insofern ist die Anweisung des Klinik-Arbeitgebers unzulässig. Lesen Sie dazu den Beitrag von Gine Elsner und Gerhard Stuby im Dezemberheft. Sie können den Beitrag hier auch im Volltext online lesen.

IG BAU aktiv für Arbeitsschutz

Im Dezemberheft berichten wir über eine Tagung der IG BAU, auf der über 200 Betriebsräte ihre Erfahrungen darüber austauschten, wie auf den Baustellen und in den Betrieben trotz widriger Bedingungen konkrete Verbesserungen durchgesetzt werden können. Außerdem fassen wir eine Handlungshilfe der Baugewerkschaft zur Arbeit unter winterlichen Bedingungen zusammen. Hier wird gezeigt: Bauarbeit im Winter und bei extremen Witterungsbedingungen ist grundsätzlich möglich, erfordert aber besondere Schutzmaßnahmen. Die IG BAU erläutert deren gesetzliche Grundlagen und die Rechte der Beschäftigten und der Betriebsräte. Diese beiden Artikel können Sie auf den Internetseiten der IG BAU auch im Volltext lesen.

Weitere Themen im Dezember

Die Ausgabe 12/2006 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • EG-Arbeitszeitrichtlinie: Der Streit um die Ausnahmeklausel geht weiter
  • Neue EU-Arbeitskräftestichprobe: Arbeitsbedingungen in Europa machen 35% der Beschäftigten krank
  • Handel: Länger öffnen heißt auch länger arbeiten
  • Der Krankenstand im Licht des wirtschaftlichen Strukturwandels und der demografischen Entwicklung

November 2006

Krankenstand geht immer weiter nach unten

Der Krankenstand in der Gesetzlichen Krankenversicherung lag in den ersten acht Monaten dieses Jahres mit durchschnittlich 3,2% noch einmal unter dem schon sehr niedrigen Vorjahresstand (3,4%). Nach der Erkältungs- und Grippezeit zum Jahresanfang verstärkte sich seit dem Frühjahr der Abwärtstrend. Für ganz 2006 kann mit einem Krankenstand von etwa 3,2% gerechnet werden - 0,2 Prozentpunkte weniger als 2005. Auch im Handwerk ist der Krankenstand weiter rückläufig. Im ersten Halbjahr 2006 betrug er 4% gegenüber 4,4% im Vergleichszeitraum 2005. Auch hier wird für dieses Jahr ein Rekordtief erwartet. Mehr dazu in der Novemberausgabe.

Gute Arbeit – das Angebot ist knapp bemessen

Die repräsentative INQA-Studie "Was ist gute Arbeit?" hat gezeigt, wie weit viele Beschäftigte noch von dem entfernt sind, was den Namen "gute Arbeit" verdient. Sie klagen über verschiedenste, häufig kumulierende Fehlbelastungen, es mangelt ihnen aber an gesundheitsstabilisierenden Ressourcen, vor allem an Einfluss-, Unterstützungs- und Entfaltungschancen in der Arbeit. Unsicherheit wird mehr und mehr zum zentralen Problem. Wirklich gute Arbeit hat noch nicht einmal ein Zehntel der Beschäftigten. Uwe Lenhardt hat die Studienergebnisse knapp und übersichtlich zusammengefasst. Einen Auszug davon können Sie auf den Internetseiten der IG Metall lesen. Die ausführlichere Fassung mit zahlreichen Schaubildern finden Sie in der Printausgabe.

DGB-Index Gute Arbeit – die Beschäftigten kommen zu Wort

Der neue "DGB-Index Gute Arbeit", den wir in diesem Heft erstmals vorstellen, ermöglicht es, den Stand und die Entwicklung der Arbeitsqualität genauer zu erfassen. Er macht die qualitative Gestaltung der Arbeit und der Arbeitsbedingungen im Betrieb und auf der gesellschaftlichen Ebene zum Thema. Er zeigt die Schwächen und die Verbesserungspotenziale.

Bei einer ersten Befragung von zehn Pilotbetrieben einen erreichte der Index einen Wert von  69,8 bei maximal 100 möglichen Punkten. Die schlechtesten Werte erzielten im Detail die Arbeitsplatzsicherheit (40,4) und die Aufstiegschancen (42,7). Das Gesamtbild sagt aus, dass die befragten Beschäftigten ihre Arbeitsbedingungen insgesamt zwar positiv einschätzen, aber mit gravierenden Einschränkungen. Hans-Joachim Schulz (ver.di), der die DGB-Projektgruppe leitet, stellt den Index in der Novemberausgabe erstmals vor. Seinen Beitrag können Sie hier auch im Volltext (PDF-Datei, 232 kB) lesen. Ab 2007 wird der DGB-Index regelmäßig den Stand der Qualität der Arbeit ermitteln. Unsere Zeitschrift wird darüber berichten.

Arbeit alternsflexibel gestaltet

Sechs Betriebe in Nordrhein-Westfalen haben sich erfolgreich daran gemacht, die jetzige und künftige Alterstruktur ihrer Belegschaft zu untersuchen und konkrete Maßnahmen zur alternsflexiblen Arbeitsgestaltung zu entwickeln und umzusetzen. Dabei arbeiteten Geschäftsleitung, Beschäftigte und Betriebsrat mit externen Beratern zusammen und erprobten Instrumente und Methoden der Analyse und Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Einen ausführlichen Bericht dazu finden Sie in der Printausgabe vom November.

"Älter werdende Arbeitnehmer" – Von Finnland lernen

Die Integration Älterer ins Arbeitsleben hat in Finnland deutlich mehr Fortschritte zu verzeichnen als in Deutschland. In einem umfassenden Programm wurden u. a. die Unternehmen wie auch die Arbeitsvermittlungen in die Pflicht genommen. Hauptansatzpunkt war, Ältere gar nicht erst arbeitslos werden zu lassen. Die Hebel dazu waren sowohl eine belastungsärmere Gestaltung der Arbeitsbedingungen als auch starke finanzielle Anreize für einen späteren Renteneintritt. Das Reformprogramm hat sehr viel Anspruchsvolleres zu bieten als fantasielose Streichungen bei Frühverrentung oder die dekretierte schlichte Heraufsetzung des Rentenalters, wie in Deutschland. Der Erfolg kann sich sehen lassen, wie eine Vergleichsstudie der Bertelsmann-Stiftung belegt: Die Erwerbsquote der Älteren zwischen 55 und 64 Jahren liegt in Finnland heute bei 55% und damit gut 10% über dem europäischen Durchschnitt (EU-15). Und auch deutlich über der bundesdeutschen Quote, die – unter dem EU-Durchschnitt – bei 39,8% liegt. Diese Beschäftigungsquote hat in Deutschland seit 1995 um 1,8% zugenommen, in Finnland dagegen um 16,6%! Mehr dazu in unserer Novemberausgabe.

Europäische Gewerkschaften wollen bessere REACH-Verordnung

Die Forderungen des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments nach einem konsequenter formulierten Ersatzstoffgebot in der Chemikalienverordnung REACH sind vom Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) nachdrücklich begrüßt worden. Der EGB unterstützte insbesondere die Forderung des Umweltausschusses nach mehr Sorgfaltspflicht der Hersteller. Richtig sei es auch, dass kleinere Stoffmengen zwischen einer und zehn Jahrestonnen (pro Hersteller) in das geplante Registrierungsverfahren einbezogen würden. Das, so der EGB, werde das Risikomanagement für rund 20.000 Chemikalien erleichtern. Mehr dazu in der Printausgabe.

Weitere Themen im November

Die Ausgabe 11/2006 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Gallup-Studie 2006: Zwei Drittel der Beschäftigten schieben Frust
  • Wenn das Mittagessen zur Nebensache wird
  • Styrol kann bei Menschen Krebsauslösen
  • Offener Brief von Betriebsräten: Leiharbeit verdrängt reguläre Beschäftigung
  • IG Metall Ulm: Eingliederung, Mitbestimmung, Gefährdungsbeurteilung

September/Oktober 2006

Lärm-Verordnung: Eine Chance wird vertan

Demnächst kommt die neue Verordnung zu Lärm und Vibrationen am Arbeitsplatz. Der obere Auslösewert für Lärm liegt künftig bei 85 Dezibel, der untere bei 80 Dezibel. Werden diese Werte überschritten, muss das verschiedene Schutzmaßnahmen auslösen. Hauptschwäche des Entwurfs: Er beschränkt sich auf Gehör schädigenden Lärm und erfasst damit bei weitem nicht die gesamte Lärmproblematik in der modernen Arbeitswelt. Verglichen mit der alten Unfallverhütungsvorschrift mangelt es der Verordnung auch an Übersichtlichkeit und Praxisnähe. Unseren kritischen Überblick zum Verordnungsentwurf (PDF-Datei, 100 kB) können Sie hier auch im Volltext lesen.

Nationale Arbeitsschutzstrategie: Auf die betrieblichen Akteure kommt es an

Dass an einer nationalen Arbeitsschutzstrategie gearbeitet wird, ist ein Fortschritt. Die Diskussion dreht sich nun um die Inhalte. Wie soll so eine Strategie beschaffen sein, was genau soll ihr Ziel sein, und wer entscheidet darüber? Die bisherigen Entwürfe scheinen da noch zu sehr auf Verwaltungshandeln fixiert. Es läge doch nahe, diejenigen intensiver einzubeziehen, die es betrifft und die in den Betrieben und öffentlichen Verwaltungen auch die handelnden Akteure sind. Der eigentliche Ort, wo sich eine nationale Arbeitsschutzstrategie zu bewähren hat, ist die betriebliche Praxis. Mehr dazu in der Printausgabe. Die aktuelle Fassung des Entwurfs einer nationalen Arbeitsschutzstrategie vom 12. September 2006 können Sie hier auch im Volltext (PDF-Datei, 356 kB) lesen.

Baden-Württemberg: Arbeitssicherheitsgesetz soll "flexibilisiert" werden

Über eine Bundesratsinitiative will Baden-Württemberg erreichen, dass die noch recht neue Musterunfallverhütungsvorschrift BGV A 2 zur sicherheitstechnischen und betriebsärztlichen Betreuung kleinerer Betrieb weiter dereguliert wird. Vor allem für Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten würde damit jede Pflicht zur Betreuung entfallen. Lesen Sie dazu unseren Beitrag in der Printausgabe.

"Erst ausgepresst, dann abserviert"? – "Tatort Betrieb"-Kampagne will humane Arbeit für Jung und Alt

Die richtige Antwort auf die demografische Herausforderung ist, humane Arbeitsbedingungen für Jüngere und Ältere zu schaffen. Das unterstrich die IG Metall Baden-Württemberg zum Auftakt ihrer aktuellen "Tatort Betrieb"-Kampagne. Die Gewerkschaft kritisierte, dass sich bisher nur ein Fünftel der Betriebe im Südwesten mit der Alterung der Belegschaften auseinander setze. Mehr dazu in der Oktober-Ausgabe.

Schichtpläne optimal gestalten

Schichtarbeit nimmt zu, und wenn sie schon nicht vermieden werden kann, sollte sie wenigstens so gestaltet werden, dass die negativen gesundheitlichen und sozialen Folgen gering gehalten werden. Dafür hat die IG Metall jetzt einen Leitfaden und eine Software zur Verfügung gestellt. Mit diesen Instrumenten kann Schichtarbeit z.B. in die Gefährdungsbeurteilung einbezogen werden, können Schichtmodelle optimiert und miteinander verglichen werden. Wichtig ist hierbei stets, dass die Interessenvertretungen die Beschäftigten aktiv einbeziehen und nicht über ihre Köpfe hinweg agieren. Lesen Sie unseren Beitrag dazu im Volltext auch auf den Internetseiten der IG Metall.

Volkskrankheit Depression – auch eine Folge der Arbeitsbedingungen

Depressionserkrankungen nehmen seit Jahren zu. Unbestritten ist, dass sie zu einem erheblichen Teil durch soziale Probleme – die Bedingungen am Arbeitsplatz und/oder auf dem Arbeitsmarkt – verursacht werden. Allerdings bietet die deutschsprachige wissenschaftliche Literatur dazu bislang leider recht wenig Information. In den Ausgaben 8/9 und 10 haben wir in einem umfangreicheren Artikel wichtige internationale Studien dazu vorgestellt. Im ersten Teil (Heft 8/9) ging es um den Zusammenhang von Arbeit bzw. Arbeitslosigkeit und psychischen Erkrankungen, insbesondere depressiven Störungen. Im zweiten Teil (Heft 10) werden die Arbeitsmarktprobleme von bereits psychische Erkrankten, der Zusammenhang von Depression und Älterwerden, die Bedeutung von Freiräumen und Fragen der Prävention erörtert. Hier können Sie den gesamten von Wolfgang Hien verfassten Beitrag im Volltext (PDF-Datei. 250 kB) lesen.

Was die Beschäftigten sich von "guter Arbeit" erwarten

Diese Frage wurde in einer lesenswerten, groß angelegten empirischen Untersuchung denjenigen gestellt, die die Arbeit tagtäglich zu verrichten haben. Die Ergebnisse der Studie wurden vor kurzem in einem umfangreichen Forschungsbericht veröffentlich. Gute Arbeit. erläutert in dieser und der nächsten Ausgabe (Heft 11) die wichtigsten Befunde.

Gute Arbeit bedeutet demnach aus der Sicht der Beschäftigten, ein festes verlässliches Einkommen zu erhalten, unbefristet beschäftigt zu sein, die kreativen Fähigkeiten in die Arbeit einbringen und entwickeln zu können, Sinn in der Arbeit zu erkennen, Anerkennung zu erhalten und soziale Beziehungen zu entwickeln. Eine weitere wichtige Bedingung für gute Arbeit aus der Sicht von abhängig Beschäftigten ist, dass der Schutz ihrer Gesundheit gewährleistet und geachtet wird. Mehr dazu in der Oktober-Ausgabe.

Weitere Themen im Oktober

Die Ausgabe 10/2006 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Ambulante Pflegekräfte häufiger krank
  • Sehnenscheidenentzündung kann eine Berufskrankheit sein
  • 2006 weiterhin extrem niedrige Krankenstände

August 2006

Vier minus für „50plus“

Die „Initiative 50plus“ von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering erhebt den Anspruch, älteren Arbeitslosen bessere Chancen auf eine neue Stelle zu verschaffen. Das Instrument ähnelt aber sehr stark bereits länger bestehenden Förderinstrumenten, die bisher wenig Wirkung entfalteten und kaum genutzt wurden. Der DGB kritisierte an der Initiative, sie verfestige das Abdrängen Älterer in den Niedriglohnsektor. Als Alternative entwickelte der DGB ein Konzept für einen „ehrlichen zweiten Arbeitsmarkt“. Mehr dazu in der Printausgabe.

Auf dem Weg zu einer nationalen Arbeitsschutzstrategie?

Nach längerer Inkubationszeit liegt nun ein Entwurf zu einer nationalen Arbeitsschutzstrategie vor – in Form eines Positionspapiers von Bund, Ländern und Unfallversicherungsträgern. Allerdings sollte der anspruchsvolle Titel nicht darüber hinweg täuschen, dass es zunächst lediglich um eher bescheidene Schritte zur Verbesserung des dualen Arbeitsschutzsystems geht.

Statt eines umfangreichen Katalogs wünschbarer Ziele wäre die Konzentration auf einige wenige, aber konkrete und abrechenbare Verbesserungen sinnvoller gewesen. Unseren Beitrag dazu aus der Doppelausgabe August/September können Sie hier auch im Volltext lesen. Außerdem steht hier der Entwurf der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu einer "Gemeinsamen deutschen Arbeitsschutzstrategie" zum download bereit.

Eckpunkte zur Reform der gesetzlichen Unfallversicherung

Die Eckpunkte der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Reform der gesetzlichen Unfallversicherung haben heftige Kritik von Gewerkschaften, Berufsgenossenschaften, von Arbeitgebern und aus der Politik ausgelöst. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Zusammenlegung der Spitzenverbände der Unfallversicherung unter quasi-staatliche Kontrolle – damit werde die Selbstverwaltung ausgehöhlt – und gegen die vorgesehene Reduzierung der Zahl der gewerblichen BGen und öffentlichen Unfallkassen von derzeit 59 um willkürlich gesetzte Werte.

Die für die Prävention erforderliche Branchennähe gehe so verloren. Die geplanten Kürzungen im Leistungsrecht werden unterschiedlich beurteilt, jedoch mit deutlich kritischem Unterton. Ziel einer sinnvollen Organisationsreform müssten die Stärkung der Selbstverwaltung und der Erhalt branchennaher Strukturen sein. Mehr dazu in der Printausgabe. Das Eckpunktepapier steht hier auch zum Download bereit.

Eingliedern statt verschleißen und entlassen

Ein betriebliches Eingliederungsmanagement ist ein rechtlich reguliertes betriebliches Verfahren, das von krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit betroffene Beschäftigte unterstützen und für sie präventive Lösungen suchen soll: Etwa eine geeignete Anpassung des Arbeitsplatzes und eine Änderung der Arbeitsbedingungen. Es sollte in jedem Fall als Bestandteil einer umfassenderen betrieblichen Gesundheitspolitik (Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung) angelegt werden. Lesen Sie dazu unsere zahlreichen Beiträge im „Thema des Monats“ in der Ausgabe August/September.

Gefahrstoffverordnung in der betrieblichen Praxis

Die novellierte Gefahrstoffverordnung stellt im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes die Prävention in den Mittelpunkt. Welche Risiken von Gefahrstoffen ausgehen und wie ihnen zu begegnen ist, wird nun nicht mehr aus Grenzwerten abgeleitet, sondern muss durch eine Gefährdungsbeurteilung – vor Beginn der Tätigkeit mit Gefahrstoffen - festgestellt werden. Das erfordert umfassende Kenntnisse und Informationen. Die daraus abzuleitenden mehrstufigen Schutzmaßnahmen sind als Mindestanforderungen und allgemeine Rahmenvorschrift formuliert, die auf der betrieblichen Ebene konkretisiert und ausgefüllt werden müssen. Hier liegen zentrale Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten auch der Interessenvertretungen. Lesen Sie unseren Beitrag dazu im Volltext auch auf den Internetseiten der IG Metall.

Volkskrankheit Depression – auch eine Folge der Arbeitsbedingungen

Die "Volkskrankheit" Depression breitet sich weiter aus. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sie zu einem erheblichen Teil durch die Arbeitsbedingungen oder auch durch Arbeitslosigkeit verursacht werden. Erstaunlicherweise ist das Problem aber gerade in Deutschland wenig erforscht. Allerdings belegen internationale Studien sehr klar den Zusammenhang von Arbeit bzw. Arbeitslosigkeit und psychischen Erkrankungen, insbesondere depressiven Störungen.

Weitere Themen im August/September

Die Ausgabe 8-9/2006 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Gewerkschaften und Betriebsräte: Arbeitsschutz in NRW nicht kaputt sparen!
  • Krankenkassen: Budget für Prävention 2005 erstmals ausgeschöpft
  • Ältere wollen ihren Rentenbeginn selbst bestimmen
  • Neue Formen der Verhaltens- und Leistungskontrolle in Call Centern

Juli 2006

Gleichbehandlungsgesetz: geändert, beschlossen

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) wurde im Bundestag Ende Juni mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und Grünen beschlossen. Für die Befassung im Bundesrat wurde der 7. Juli anberaumt. Die Zustimmung des Bundesrats galt als sicher, nachdem die im Kabinett vereinbarte Fassung (siehe dazu Gute Arbeit. 6/2006, Seite 5-8) auf Druck aus CDU/CSU und aus der Wirtschaft noch einmal verändert worden war. Die Weltanschauung wurde nun entgegen dem früheren Entwurf als möglicher Diskriminierungsgegenstand gestrichen. Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf bezieht sich nach dem Gesetz nun auf Rasse, ethnische Herkunft, Religion, Behinderung, Alter, sexuelle Identität und Geschlecht. Das von Union und Wirtschaft besonders heftig bekämpfte Klagerecht von Betriebsräten und Gewerkschaften wurde noch einmal abgeschwächt. Gewerkschaften und Betriebsräte können nun lediglich gegen "grobe Verstöße" gerichtlich vorgehen. Sie können aber nicht Ansprüche einzelner Beschäftigter einklagen. Die auf das Arbeitsrecht bezogenen Bestimmungen des AGG entsprechen nun weit gehend denen des Betriebsverfassungsgesetzes. Sie gelten nicht für Kleinbetriebe mit weniger als fünf Beschäftigten. Auch die Regelungen zur Beweislast wurden noch einmal geändert. Beschäftigte müssen nun Indizien für eine Diskriminierung "beweisen". Ein "glaubhaft machen von Tatsachen", wie im vorherigen Entwurf, reicht nicht mehr aus. Der Arbeitgeber muss dann seinerseits beweisen, dass er nicht diskriminiert hat. Kritiker sehen hier eine mögliche Kollision mit dem EU-Recht: Denn nach den EG-Richtlinien genügt eine "Glaubhaftmachung" der Diskriminierung. Die Klagefrist für die Beschäftigten wurde von drei auf zwei Monate verkürzt.

Prekäre Arbeit – betriebliche Handlungsmöglichkeiten

Man kann dem Kind verschiedene Namen geben: prekär im Sinne von bedenklich, von etwas um das man bitten muss; unsicher, atypisch, ungeschützt – gemeint ist stets das gleiche: Beschäftigungsverhältnisse, die im Vergleich zum sozialversicherungspflichtigen, tariflich abgesicherten unbefristeten Vollzeitjob, also im Vergleich zum häufig zitierten "Normalarbeitsverhältnis" einschneidende Mängel aufweisen: Sie sind meist schlechter bezahlt, sie bieten den dort Beschäftigten keine dauerhafte Sicherheit und längerfristigen Planbarkeit, kaum Weiterqualifizierung, ihnen fehlt eine ausreichende Mindestabsicherung bei Arbeitslosigkeit, und sie sind zumeist auch mit schlechteren, mit gesundheitsriskanteren Arbeitsbedingungen verbunden. Und viele Regelungen des Arbeitsschutzes greifen hier nicht oder lassen sich zumindest nur unter größeren Schwierigkeiten durchsetzen. Der prekäre Sektor wuchert überall, er verfestigt sich und taugt kaum als Sprungbrett in "normale" Beschäftigung. Im Gegenteil geht die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses weiter. Auch im Bereich der Vollzeitjobs wächst der Niedriglohnsektor, und vorerst noch "sicher" Beschäftigte spüren den Druck, auf Rechte zu verzichten und Abstriche hinzunehmen. Prekäre Arbeit ist fast immer auch mit schlechteren Arbeitsbedingungen und größeren Gesundheitsrisiken verbunden. Hier besteht erheblicher sozialer Regulierungsbedarf. Mehr dazu im "Thema des Monats" in unserer aktuellen Ausgabe.

Was wird aus der gesetzlichen Unfallversicherung?

Mit einem jetzt beschlossenen Eckpunktepapier der Bund-Länder-Kommission zur Reform der gesetzlichen Unfallversicherung wird klarer, wohin die Reise gehen soll. Vor allem stehen Organisationsstruktur und Leistungsrecht der Berufsgenossenschaften zur Debatte. Letztlich dreht sich alles um Kostensenkung. Aus gewerkschaftlicher Sicht liegen die größten Einsparungspotenziale aber nicht in fantasielosen Streichlisten und Leistungseinschränkungen zu Lasten der Beschäftigten, sondern in einer Verbesserung der Prävention mit Blick auf die arbeitsbedingten Erkrankungen. Kritische Fragen und Forderungen ergeben sich auch zur zukünftigern Ausgestaltung des Branchenprinzips der Berufsgenossenschaften, zum Leistungsrecht hinsichtlich der Unfälle, der Erwerbsminderungsrenten und zur Rehabilitation, zum Berufskrankheitenrecht und zur Ausgestaltung des Regelwerks. Einen kritischen Überblick über das Eckpunktepapier von DGB-Arbeitsschutzexpertin Marina Schröder aus unserer Juli-Ausgabe können Sie hier auch im Volltext (PDF-Datei, 135 kB) lesen.

Neue Aufgaben für die Arbeitsmedizin in der Gefahrstoff-Verordnung

Die neue Gefahrstoffverordnung geht in ihrer Rollenzuweisung an die Arbeitsmedizin weit über die bisherigen Regelungen im Arbeitsschutz hinaus. Der Betriebsarzt/die Betriebsärztin müssen von vornherein an allen Schritten der Gefährdungsermittlung und Gefährdungsbeurteilung beteiligt werden. Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sollten in der betrieblichen Praxis nicht (mehr) auseinander fallen. Letztlich verlangt die Gefahrstoffverordnung eine streng gefährdungsorientierte praktische Arbeitsmedizin. Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen müssen also auch gefährdungsorientiert sein. Den Beitrag dazu von Wolfgang Hien aus der Juli-Ausgabe können Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen.

Schutz vor Nadelstichverletzungen – jetzt besser, aber noch nicht optimal

Der Schutz der Beschäftigten im Gesundheitswesen vor Infektionen durch Nadelstichverletzungen wurde jetzt ein Stück verbessert, und zwar durch eine Neufassung der Technischen Regel biologische Arbeitsstoffe TRBA 250. Gegenüber der alten Regel bedeutet sie einen – mühsam erkämpften - Schritt in die richtige Richtung: Er geht freilich noch nicht weit genug. Im Arbeitsalltag der Pflegeberufe wird nun vieles von einer gründlichen Gefährdungsbeurteilung abhängen. Mehr dazu in der Juli-Ausgabe.

Faire Arbeit – warum nicht auch im Finanzsektor?

Auch in der Finanzdienstleistungsbranche muss länger gearbeitet werden, nehmen Arbeitsintensität und Zeitdruck zu. Gleichzeitig greifen Unsicherheit und Angst um die Arbeitsplätze um sich. ver.di NRW hat dem die Kampagne "faire arbeit" entgegen gestellt. Die Beschäftigten werden dazu ermutigt, sich zu wehren und ihre Überlastung nicht als "persönliches Versagen" zu sehen. Betriebsräte und Beschäftigte lernen, das Gesundheitsthema in einen klaren Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen zu bringen. Lesen Sie dazu unseren Beitrag im Juli-Heft.

Weitere Themen im Juli

Die Ausgabe 7/2006 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • ILO-Jahreskonferenz kritisiert prekäre Beschäftigung
  • Chemiebranche verpflichtet sich zu mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • EG-Arbeitszeit-Richtlinie: Der Streit um die Ausnahmeklausel geht weiter
  • Gute Arbeitszeiten gestalten – der Arbeitszeit-TÜV der IG Metall in der praktischen Anwendung
  • Annelie Buntenbach – die Neue im DGB-Bundesvorstand: ein Porträt

Das Juli-Heft enthält außerdem wieder zahlreiche Kurzmeldungen und Hinweise auf Seminare, Kongresse und Veranstaltungen, die sie hier auch online lesen können.

Juni 2006

Den Arbeitsschutz reformieren, nicht demontieren!

Das duale Arbeitsschutzsystem wird derzeit von verschiedenen Seiten her gründlich umgekrempelt. Und in der Tat ist der Reformbedarf groß. Allerdings: Wo Reform drauf steht, ist häufig nur Demontage drin. Das System muss aber besser werden, nicht schlechter. Es braucht klar definierte Präventionsziele und eine darauf abgestellte systematische Kooperation. Die Gewerkschaften haben Position bezogen: Zur Reform der gesetzlichen Unfallversicherung, zur Zukunft der staatlichen Arbeitsschutzes und zu den Anforderungen an eine nationale Arbeitsschutzstrategie. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im „Thema des Monats“ in der Juni-Ausgabe.

Das Gleichbehandlungsgesetz in der Arbeitswelt

Das neue Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll nun endlich - mit erheblicher Verspätung - die EG-Richtlinien zum Gleichbehandlungsgebot umsetzen. Es würde damit den Beschäftigten in vielen Fällen erstmals ermöglichen, sich gegen Diskriminierungen zu wehren, wenn auch mit einigen Einschränkungen. Zwar bringt der Kabinettsentwurf keine wirkliche Beweislastumkehr zu Gunsten der Arbeitnehmer und verzichtet auch auf die ursprünglich vorgesehenen Regelungen zum Verbandsklagerecht, doch ermöglicht er Betriebsräten und Gewerkschaften immerhin eine Unterlassungsklage zu Gunsten Benachteiligter. In der Großen Koalition sind die Widerstände gegen das Gesetz aber nach wie vor stark, so dass bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht abzusehen war, ob die Bundesregierung das Gesetz wie gewünscht im beschleunigten Verfahren durch das Parlament bringen würde. Unseren Beitrag dazu können Sie hier auch im Volltext (PDF-Datei, 250 kB) nachlesen.

Demografischer Wandel: Was wir von unseren Nachbarn lernen können

Beim Umgang mit dem demografischen Wandel zeigen sich Politik und Wirtschaft hierzulande recht fantasielos. Ihnen fällt kaum mehr ein als die rigorose Erschwernis der Frühverrentung, die Heraufsetzung des Rentenalters und die drastische Verkürzung der Dauer des Arbeitslosengeldbezugs für Ältere. Ein Vergleich mit anderen EU-Ländern, die ähnliche demografische Probleme aufweisen, zeigt, dass es auch anders geht. So gibt es dort betriebliche Strategien alternsgerechter Arbeitsgestaltung, die die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit Älterer fördern. Für gering qualifizierte und gesundheitliche angeschlagene Ältere bestehen nach wie vor weit bessere Übergangsbrücken in die Rente als bei uns. Davon könnten Politik und Wirtschaft vieles lernen. Unseren Beitrag dazu können Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen.

DGB NRW: Arbeitsschutzverwaltung muss erhalten bleiben

Arbeitsschutzämter und Sonderbehörden des Arbeitsschutzes in Nordrhein-Westfalen sollen zum Januar 2007 weit gehend aufgelöst und auf die Bezirksregierungen verteilt werden. Das hat die Düsseldorfer Landesregierung im Mai beschlossen. Sie prüft außerdem, welche Aufgaben der Arbeitsschutzverwaltung entfallen und welche privatisiert oder von den Kommunen übernommen werden können. Personal und Ressourcen sollen weiter reduziert werden. Der DGB NRW befürchtet eine Minderung der Qualität des Arbeitsschutzes. Er kündigte an, eigene konstruktive Reformkonzepte zu unterbreiten. Mehr dazu in der Printausgabe.

Was tun gegen Sommerhitze am Arbeitsplatz?

Der lang ersehnte Sommer kann auch mannigfache Gesundheitsrisiken mit sich bringen: Da ist zum einen die Hitze selbst. Dazu kommen Ozonbelastungen und UV-Strahlen. Für Beschäftigte in Innenräumen gibt es mehr konkrete Regelungen als manchmal angenommen wird. Bei Arbeiten im Freien ist es schwieriger. Immer aber ist zu beachten: Hitze ist nicht nur „irgendwie unangenehm“, sondern ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko. Wenn es am Arbeitsplatz also heiß wird, muss rechtzeitig etwas geschehen. Betriebs- und Personalräte sollten Ihre Möglichkeiten kennen. Aktuelle Informationen für die Praxis dazu in der Print-Ausgabe vom Juni.

Heute wieder Stress gehabt? Wie gehen Betriebsräte mit psychischen Belastungen um?

Eine Befragung soll genaueren Aufschluss darüber geben, welchen tatsächlichen psychischen Belastungen und Beanspruchungen Betriebsräte in ihrer Tätigkeit ausgesetzt sind und ob und wie sie damit fertig werden. Die Organisatoren der Studie um den Psychologen Professor K. Sonntag (Universität Heidelberg) gehen davon aus, dass Betriebsräte und Schwerbehindertenvertretungen durch ihr Engagement für die Beschäftigten, die selbst wiederum starke Belastungen erleben, vielfältigen Stressoren ausgesetzt sind. Zudem ergeben sich für sie ständig neue Anforderungen, die aus dem Druck der Globalisierung und des scharfen Wettbewerbs, aus den gesellschaftlichen Bedingungen, aus den Veränderungen in der Arbeitswelt und vor allem aus dem fortschreitenden Arbeitsplatzabbau resultieren. Der Fragebogen kann hier als pdf-Datei (362 kB) und hier als MS-Word-Datei (468 kB) herunter geladen werden.

Mai 2006

Bundesarbeitsgericht: Befristung allein wegen dem Alter ist rechtswidrig

Die seit dem 1. Januar 2003 geltende Rechtsvorschrift des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG, § 14 Abs. 3 Satz 4, ein Bestandteil der so genannten Hartz-Gesetze), nach der Ältere über 52 Jahre ohne sachlichen Grund nur noch befristet beschäftigt werden dürfen, verstößt gegen das EU-Diskriminierungsverbot und darf nicht mehr angewandt werden. So hat am 26. April erstmals das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschieden (7 AZR 500/04). Es wertete die Lebensalterbefristung als eine nach dem EU-Recht unzulässige Diskriminierung allein wegen des Alters und unterstrich, die jetzt noch im Gesetz enthaltene Vorschrift dürfe von den nationalen Gerichten nicht angewandt werden.

Das BAG bezog sich ausdrücklich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom 22. November 2005 (C-144/04, so genanntes „Mangold-Urteil"). Der EuGH hatte seinerzeit hervorgehoben, eine befristete Beschäftigung Älterer sei nur dann gerechtfertigt, wenn sie der beruflichen Eingliederung diene. Die bundesdeutsche Rechtsvorschrift laufe aber darauf hinaus, Älterer dauerhaft von festen Arbeitsverhältnissen auszuschließen und verletze damit einen wichtigen Aspekt des Arbeitnehmerschutzes (siehe den Volltext unseres Beitrags dazu in: Gute Arbeit. 12/2005, S. 4-5 (PDF-Datei)). Das BAG ging in seiner Entscheidung aber noch einen Schritt weiter und verneinte den Vertrauensschutz für die Gültigkeit der Befristungsregelung nach TzBfG § 14 Abs. 3 Satz 4. Das bedeutet: Auch bisher auf dieser Basis abgeschlossene befristete Verträge sind rechtswidrig. Arbeitgeber können sich nicht darauf berufen, auf die Gültigkeit der Vorschrift vertraut zu haben. Unseren Beitrag dazu aus der Mai-Ausgabe können Sie hier auch im Volltext (PDF-Datei, 500 kB) herunter laden. Weitere Informationen bietet das Internetportal www.arbeitsrecht.de. Lesen Sie auch die Pressemeldung des BAG und das Urteil des EuGH einschließlich der Schlussanträge des Generalanwalts. Hintergrundinformationen bietet auch die April-Ausgabe der Zeitschrift "Arbeitsrecht im Betrieb".

Arbeit alternsgerecht gestalten

Wenn Ältere länger als bisher im Arbeitsleben bleiben sollen, erfordert das ein umfangreiches Maßnahmenpaket. Dazu gehören zum einen geeignete arbeitsmarktpolitische Instrumente, zum anderen auch tief greifende Veränderungen auf der Ebene der Betriebe und Verwaltungen. Die Arbeitsmarktpolitik zeigt sich der Aufgabe bisher nicht gewachsen. Sinnvolle, aktivierende Instrumente wurden im Zuge der „Hartz-Reformen“ sogar zurückgefahren. Wo es sie gibt, werden sie kaum genutzt. Mit Zustimmung der Arbeitgeber wird für Ältere ein prekärer und Niedriglohnsektor ausgebaut. Ehrlicher (und letztlich nicht teurer) wäre es, bewusst einen zweiten Arbeitsmarkt öffentlich geförderter sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung aufzubauen. Auf der betrieblichen Ebene sind Personalpolitik, präventiver Gesundheitsschutz, Arbeitsorganisation, Arbeitszeitgestaltung mit flexiblen und kürzeren Arbeitszeiten und der Wissenstransfer zwischen den Generationen gefragt. Vor allem dem lebenslangen Lernen und der Weiterbildung Älterer kommt hier eine Schlüsselfunktion zu. Dazu bedarf es einer Personalpolitik, die von einer klaren betrieblichen Altersstrukturanalyse ausgeht. Lesen Sie dazu zahlreiche Beiträge in „Thema des Monats“ der Mai-Ausgabe, derunter ein Interview mit dem Bremer Arbeitswissenschaftler Professor Helmut Spitzley. Den Beitrag von Werner Feldes zum Nutzen einer betrieblichen Altersstrukturanalyse können Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext nachlesen.

Grünes Licht für Steinkühler-Pause – Aber Betriebe sind jetzt stärker gefordert

Mit dem Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg wurden auch die von den Arbeitgebern im Herbst 2005 gekündigten tariflichen Regelungen zu Erholpausen wieder in Kraft gesetzt. Der IG Metall gelang es, den Anspruch auf Erholpausen grundsätzlich zu erhalten. Der konkrete Geltungsbereich dieser Regelung hängt nun allerdings stärker von der betrieblichen Umsetzung und von der Nutzung der Mitbestimmung ab. Hier spielt der Bezug auf gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse eine größere Rolle als bisher. Mehr dazu in der Printausgabe.

Fortschritte bei betrieblicher Gesundheitsförderung

Obwohl die Krankenkassen seinerzeit ein milliardenschweres Finanzdefizit aus dem Vorjahr abzubauen hatten, blieben sie 2004 bei der Prävention auf Expansion eingestellt: Die Teilnehmerzahl ihrer diversen Gesundheitskurse schnellte um fast die Hälfte auf 0,8 Millionen hoch. Durch lebensumfeldbezogene Präventionsprojekte wurden mindestens doppelt so viele Personen direkt erreicht wie noch 2003, nämlich gut eine Million, und auch die Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung zeichneten sich mit einem Plus von 18% durch eine erhöhte Zuwachsrate aus. Außerdem scheint sich die Struktur- und Prozessqualität der Maßnahmen in einigen Punkten verbessert zu haben, wie u.a. die verstärkte verhältnispräventive Ausrichtung von Aktivitäten der betrieblichen Gesundheitsförderung zeigt. Entsprechende Daten liefert die neueste Dokumentation von Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung in der Primärprävention und betrieblichen Gesundheitsförderung. Lesen Sie dazu den Beitrag des Gesundheitswissenschaftlers Uwe Lenhardt in der Mai-Ausgabe.

Krankenstand sinkt, psychische Erkrankungen nehmen zu

Der Krankenstand in Deutschland ist weiter rückläufig. Das zeigen die jüngst veröffentlichten Daten des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen und der DAK. Strukturelle Ursachen dafür sind das massive Ausscheiden Älterer aus dem Erwerbsleben und der wachsende Stellenwert des Dienstleistungssektors. Eine wichtige Rolle spielen allerdings auch die verbreitete Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und die unsicheren Jobchancen. Diese Fakten bedingen auch die weitere Zunahme psychischer Erkrankungen, der einzige Bereich mit steigendem Krankenstand. Ursache dafür sind auch Wettbewerbsdruck, knappe Personaldecken, Arbeitsverdichtung und der allgegenwärtige Stress am Arbeitsplatz. Mehr dazu in der Mai-Ausgabe.

Stressprävention ist machbar

Stressprävention z.B. durch eine Gefährdungsanalyse unter Einschluss der psychischen Belastungen mag nach wie vor ein schwieriges betriebliches Problem sein, ist aber durchaus ein lösbares. Diese Erfahrungen machten 12 Betriebe unterschiedlichster Branchen in einem Projekt. Dabei ergaben sich auch nützliche Hinweise auf geeignete betriebliche Verfahren. Wenn es gelang, die konkreten betrieblichen Bedingungen und Möglichkeiten zu berücksichtigen, konnten praktisch überall win-win-Situationen geschaffen werden. Es zeigte sich, dass die Verbesserung der Arbeitsbedingungen mit einer Optimierung betrieblicher Abläufe verbunden werden kann.

Weitere Themen im Mai

Die Ausgabe 5/2006 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • IT-Branche: Stress bis zum Burnout
  • Betriebsklima – Zur Gestaltbarkeit eines schwer berechenbaren Phänomens
  • Betriebsbefragung Saarland: Schlechte Zeiten für gute Arbeit

April 2006

Erholpausen – nie waren sie so wertvoll wie heute

Beim Angriff der Arbeitgeber auf die so genannte Steinkühler-Pause geht es zum einen darum, für die Automobilarbeiter an den Fließbändern baden-württembergischer Betriebe ein kleines, aber wichtiges Stück Humanisierung der Arbeit zu erhalten. Es geht aber auch um Grundsätzliches, und das betrifft alle Beschäftigten. Denn mit ihren Forderungen negieren die Arbeitgeber jeglichen Anspruch der Beschäftigten auf menschengerechte Arbeitsgestaltung. Nur noch Kostensenkung zählt, ohne Rücksicht auf Verluste und Verschleiß. Dabei stehen die Arbeitnehmer ohnehin seit Jahren unter immer mehr Zeit- und Leistungsdruck. Und das gilt für monotone Arbeit am Fließband ebenso wie für jede körperlich schwere Arbeit und auch für geistig anspruchsvolle Tätigkeiten z.B. am Bildschirm. Überall sind deshalb Erholpausen wichtiger denn je.

Wer sie als nicht mehr zeitgemäßes und ungerechtfertigtes Privileg von Minderheiten abtun will, setzt eine antisoziale Abwärtsspirale zu Lasten aller in Gang. Gute Arbeit braucht Erholzeiten – das ist deshalb das Thema des Monats im Aprilheft. In mehreren Beiträgen gehen wir der Verschärfung der Leistungsbedingungen nach. Professor Alfred Oppolzer erläutert in einer Kurzfassung seines Gutachtens für die Hans-Böckler-Stiftung, warum Kurzpausen aus arbeitswissenschaftlicher Sicht notwendiger denn je sind. Franz Steinkühler blickt in einem Interview auf den damaligen Streik um die nach ihm benannte Pause zurück und zieht Parallelen zur heutigen Situation. Den Beitrag von Alfred Oppolzer können Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen. Sehr viel mehr zum Thema in der Printausgabe vom April.

Arbeitsschutz: Nicht belehren, sondern unterrichten

Aufklärung und Unterrichtung der Beschäftigten über Gesundheitsgefahren und Schutzmöglichkeiten gehören zu den elementaren Bestandteilen des Arbeitsschutzes. Die alte Belehrungspädagogik sollte der Vergangenheit angehören. Die Regelungen des § 14 der neuen Gefahrstoffverordnung sind die im Arbeitsschutzrecht bislang fortgeschrittensten. Dazu gehören auch Rechte der Beschäftigten und der Betriebs- und Personalräte. Diese neuen Regelungen sollten Richtschnur auch für die anderen Bereiche des Arbeitsschutzes sein. Lesen Sie dazu den Beitrag von Wolfgang Hien hier im Volltext (PDF-Datei, 539 kB).

Der niedrige Krankenstand täuscht

Mit 4,4% lag 2005 der Krankenstand bei der AOK auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Das entspricht dem allgemeinen Trend. Allerdings gibt es Bereiche mit einem hohen Belastungsniveau und überdurchschnittlich hohem Krankenstand, so z.B. die Abfall- und Recyclingwirtschaft, die öffentliche Verwaltung, die Automobilindustrie und die Metallerzeugung. Die AOK führt den niedrigen Krankenstand zu einem erheblichen Anteil auf die Unsicherheit der Arbeitsplätze und auf das frühzeitige Ausscheiden Älterer zurück. Mehr dazu in der Printausgabe.

DGB lehnt Kommunalisierung der Gewerbeaufsicht in Schleswig-Holstein ab

Der DGB Bezirk Nord hat sich frühzeitig gegen die von der schleswig-holsteinischen Landesregierung geplante Kommunalisierung und Zersplitterung des Arbeitsschutzes gewandt und dabei auch auf die bereits vorliegenden negativen Erfahrungen in Baden-Württemberg verwiesen. Im Zuge der gewerkschaftlichen Aktivitäten zeigte sich, dass es in Schleswig-Holstein eine breite Ablehnung dieser Regierungspläne weit über den Kreis der Gewerkschaften hinaus gibt. Das Engagement des DGB könnte sich gelohnt haben: Inzwischen gibt es Signale aus der Kieler großen Koalition, das bereits beschlossenen Paket wieder aufzuschnüren und nun doch nach geeigneten Alternativlösungen zu suchen. Dazu könnte auch eine Kooperation mit dem Arbeitsschutz im benachbarten Hamburg gehören. Lesen Sie dazu unseren Bereicht in der April-Ausgabe.

„30 Stunden für alle“ – Arbeit umverteilen statt Arbeitszeit verlängern

Unternehmen streichen Tausende Jobs, gleichzeitig müssen viele Beschäftigte wieder länger arbeiten. Der Arbeitswissenschaftler Professor Helmut Spitzley wandte sich auf einer Tagung der Bremer Arbeitnehmerkammer gegen diese Entwicklung und plädierte dafür, das Arbeitsvolumen intelligenter und gleichmäßiger zu verteilen, statt die Arbeitszeiten zu verlängern. Mehr dazu in der Printausgabe. In die gleiche Richtung zielt ein Aufruf der Bremer Arbeitszeitinitiative, eine Kooperation von: Arbeitnehmerkammer Bremen, Kirchlichem Dienst in der Arbeitswelt (KDA Bremen), IG Metall, ver.di Bremen, DGB Bremen/Bremerhaven mit seinen Einzelgewerkschaften, Katholischer Arbeitnehmerbewegung Bremen (KAB), Forum Zeiten der Stadt und attac Bremen. Wir dokumentieren den Aufruf im April-Heft.

Weitere Themen im April

Die Ausgabe 4/2006 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Schutz vor Vogelgrippe – Vorbeugung am Arbeitsplatz ist besonders wichtig
  • Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten 2005 - aktuelle Zahlen
  • Die Nanotechnologie ist schon da – über Gesundheitsrisiken ist noch zu wenig bekannt

März 2006

Arbeiten bis 67 – nur wo und wie?

Die Gewerkschaften lehnen – ebenso wie die meisten Beschäftigten – die von der großen Koalition geplante „Rente mit 67“ ab. Diese ist nach Auffassung des DGB eine verkappte Rentenkürzung und kein Weg, der demografischen Entwicklung sinnvoll zu begegnen. Die Politik solle sich lieber darum kümmern, die Diskriminierung Älterer im Erwerbsleben zu beenden, alternsgerechte Arbeitsbedingungen zu fördern und eine geeignete Fortsetzung für das 2009 auslaufende Altersteilzeitgesetz zu schaffen. Unverändert ist die Erwerbssituation Älterer dadurch gekennzeichnet, dass sie mehrheitlich früh aus dem Arbeitsleben verdrängt werden und kaum Chancen haben, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Das Durchschnittsalter des dauerhaften Ausscheidens aus dem Erwerbsleben lag 2005 bei 61,6 Jahren. Den direkten Übergang von einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis in die Rente schaffen nur knapp über 20% der Beschäftigten. Der vorgesehene Regelfall ist längst zur Ausnahme geworden. Wie man Ältere im Erwerbsleben halten oder ihnen neue Beschäftigung ermöglichen kann – dazu fällt der Politik nicht viel ein. Die Gewerkschaften haben dazu einen ganzen Katalog von Vorschlägen unterbreitet. Unseren Beitrag dazu können Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen.

Gute Arbeit im Büro?

Rund vier Fünftel der Büroarbeitsplätze sind von „guter Arbeit“ noch meilenweit entfernt. Büroarbeit ist in rapidem Wandel begriffen, bringt mehr Verantwortung und manchmal auch mehr Autonomie, andererseits aber auch mehr Druck, neue Zwänge und Belastungen, die zu den alten hinzukommen. Herkömmliche Gestaltungskonzepte und -strategien reichen nicht mehr aus. Das stellt hohe Anforderungen an alle Akteure. Büroarbeit im Wandel ist das Thema des Monats März in Gute Arbeit. Lesen Sie dazu die zahlreichen Beiträge in unserer Printausgabe.

Nationale Arbeitsschutzstrategie darf nicht mit Fehlstart beginnen

Die Gewerkschaften erwarten von der beginnenden Debatte um eine nationale Arbeitsschutzstrategie, dass sie ohne politisches Hickhack und ohne Kompetenzgerangel geführt wird. Die vom damaligen Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit vor rund zwei Jahren angezettelte fruchtlose Debatte um die Frage, ob die Überwachungsaufgaben im Arbeitsschutz von den Ländern auf die Unfallversicherungsträger übertragen werden sollten, ist dabei noch in unguter Erinnerung. Aus gewerkschaftlicher Sicht sollte die Diskussion transparent und offen sein und konkrete Verbesserungen in den Betrieben und bei der Situation der Beschäftigten im Blick haben. Dabei könne die Gefährdungsbeurteilung eine zentrale Rolle spielen. Unseren Beitrag dazu können Sie hier auch im Volltext lesen.

DGB gegen Verwässerung der Arbeitszeitrichtlinie

Nachdem der britische Ratsvorsitz im vergangenen Dezember die Verschlimmbesserung der EG-Arbeitszeitrichtlinie nicht zu Ende brachte, will nun die österreichische Ratspräsidentschaft das leidige Thema abschließen. Bisher zeigen sich EU-Kommission und Fachminister im Kern der Sache weiterhin entschlossen, die Arbeitszeitstandards aufzuweichen. Der DGB hat deswegen seine Kritik noch einmal bekräftigt und Forderungen für eine wirkliche Verbesserung der Richtlinie vorgelegt. Mehr dazu in der Printausgabe.

Besser leben trotz Schichtarbeit

Gut die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland arbeitet zumindest gelegentlich in der Nacht, am Wochenende oder in Schicht. Verschärft wird diese Tendenz durch die allgemeine Flexibilisierung, Verlängerung und Entgrenzung der Arbeitszeiten. Schichtarbeit belastet Körper und Psyche der Menschen in hohem Maße. Gewohnte Schichtpläne zu überprüfen und bei Bedarf besser zu gestalten sollte allerdings behutsam und nur unter intensiver Beteiligung der Beschäftigten geschehen.

Wie depressiv ist Deutschland?

Angeblich wächst in der letzten Zeit die Zahl der Optimisten im Lande. Die Stimmung der Wirtschaft gilt als gut. Zur arbeitenden Bevölkerung dringt dieser Optimismus aber nur bedingt durch. Angst vor Arbeitslosigkeit u.ä. Befürchtungen plagen die Beschäftigten weiterhin sehr stark. Langfristig zeigen die Umfragen eher, dass die Ängste in der Bevölkerung zunehmen. Der Blick auf die zukünftigen Lebens- und Arbeitsbedingungen bleibt von Unsicherheit geprägt. Lesen Sie dazu unseren Beitrag im Märzheft.

Weitere Themen im März

Die Ausgabe 3/2006 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Lang und flexibel: Deutschland ist Spitze bei Arbeits- und Betriebszeiten
  • EU-Parlament verabschiedet Richtlinie zu optischen Strahlen
  • Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst schon heute länger als tariflich vereinbart

Februar 2006

Gefährdungsbeurteilungen in der betrieblichen Praxis

Ohne Gefährdungsbeurteilung gibt es keine menschengerechte Arbeitsgestaltung. Aber viele Arbeitgeber drücken sich um diese Verpflichtung oder absolvieren sie als Pflichtübung, die den Beschäftigten kaum Verbesserungen bringt. Ob diese vom Gesetz vorgesehene „Beurteilung der Arbeitsbedingungen“ also endlich den Sprung vom Papier in die betriebliche Praxis schafft, hängt stark davon ab, ob und wie die Interessenvertretungen ihre Rechte kennen und nutzen. Dazu braucht es den Erfahrungsaustausch über positive Beispiele. In der Februarausgabe präsentieren wir dazu die Erfahrungen der Sick AG und der Firma Boysen, wo die Betriebsräte es geschafft haben, den Prozess in Gang zubringen. Um den Interessenvertretungen ihre Aufgabe zu erleichtern, braucht es geeignete Verfahren und Hilfsmittel. Das aktuelle Heft enthält dazu einen Beitrag der TBS-Beraterin Regine Romahn, in dem 40 Betriebsvereinbarungen zur Gefährdungsbeurteilung ausgewertet werden, und eine Handlungshilfe des Rechtsanwalts Jens Gäbert, der schon viele Betriebsräte bei der Wahrnehmung ihrer Rechte beraten hat. Beide können Sie hier auch im Volltext lesen. Und noch mehr zum Thema in der Printausgabe.

Krankenstand 2005 ging noch weiter nach unten

Es scheint keine untere Grenze zu geben: Der Krankenstand der Pflichtversicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung hat in Deutschland im Jahr 2005 einen neuen Tiefstand erreicht. Mit nunmehr noch 3,32% lag er um fünf Hundertstel Prozentpunkte unter dem Vorjahresstand (3,37). Die Arbeitsunfähigkeitsraten in Ost- und Westdeutschland sowie von Männern und Frauen lagen wie in den Vorjahren in etwa auf gleicher Höhe. Die Kassen mussten gut 7% weniger Krankengeld zahlen als im Jahr davor, die Arbeitgeber sparten Beträge in dreistelliger Millionenhöhe an Lohnfortzahlung. Lesen Sie dazu unsere Analyse in der Printausgabe.

Arbeitsfähigkeit fördern – eingliedern statt kündigen

Behindert ist man nicht, behindert wird man. Ähnliches gilt für chronische und Langzeiterkrankungen. Do etwas kommt nicht einfach „schicksalhaft“, so etwas wird gemacht. Unter anderem durch Gesundheitsrisiken in der Arbeitswelt und massive Präventionsdefizite. Hier liegen die Aufgaben und Möglichkeiten des betrieblichen Eingliederungsmanagements. Das Sozialgesetzbuch IX nimmt dazu Arbeitgeber und Interessenvertretung in die Pflicht und überträgt ihnen neue Aufgaben. In diesem Heft setzen wir den Themenschwerpunkt dazu aus der letzten Ausgabe fort: mit Beiträgen von Ralf Stegmann/Jens-Jean Berger, Klaus Growitsch und einem weiteren Bericht aus der betrieblichen Praxis. Mehr dazu in der Printausgabe.

Arbeitspolitik kontrovers: Gute Arbeit zwischen Abwehrkämpfen und Offensivstrategien

Wenn Deregulierung, Wettbewerbs- und Kostensenkungsdruck „gute Arbeit“ zu einer Restgröße zu dezimieren drohen, stellt sich um so mehr die Frage, welche Ansatzpunkte Gewerkschaften und betriebliche Praktiker nutzen können, um sich aktiv in einen Prozess der qualitativen Veränderung und humanen Gestaltung von Arbeit einzumischen. Wissenschaftler und betriebliche Praktiker haben auf einer Tagung der IG Metall dazu ihre Erfahrungen ausgetauscht und in Buchform veröffentlicht. Wir fassen einige Ergebnisse für Sie zusammen. Unseren Beitrag aus der Printausgabe könne Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen.

Mit sozialem Benchmarking die Arbeitsbedingungen verbessern

Die Gewerkschaft ver.di und die Arbeitnehmerkammer Bremen haben gemeinsam am Beispiel des Pilotbereichs der Call Center ein soziales Benchmarking entwickelt. Es kann auch in anderen Wirtschaftsbereichen genutzt werden, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Motivation der Beschäftigten zu steigern. Über einen online-Fragebogen werden die Beschäftigten und ihre Sichtweisen auf die Arbeitsprozesse in den Mittelpunkt gerückt. Das Instrument geht davon aus, dass nicht die Technik der eigentliche Erfolgsfaktor eines Unternehmens ist, sondern eine qualifizierte, gesunde und motivierte Belegschaft. Lesen Sie dazu unseren Beitrag in der Printausgabe.

Weitere Themen im Februar

Die Ausgabe 2/2006 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Es ist zu laut! – Europäische Aktionen gegen Lärm am Arbeitsplatz
  • Berufsgenossenschaften wollen Strukturwandel bewältigen und Prävention stärken
  • Arbeitsschutz ist keine Unterpunkt der nationalen Sicherheit – ein Weltkongress mit Fragezeichen

Januar 2006

Eingliedern statt kündigen

Etwa jede dritte Kündigung durch den Arbeitgeber ist krankheitsbedingt. Rund eine halbe Million Menschen verlieren nach Schätzungen des DGB jährlich so den Job. Am meisten sind davon chronisch und Langzeiterkrankte betroffen. Und die Hauptrisikogruppe sind hier ältere Beschäftigte zwischen 40 und 64 Jahren. Hohe Belastungen am Arbeitsplatz und die Alterung der Erwerbsbevölkerung verschärfen das Problem noch. Der Bedarf an Prävention, Rehabilitation und Eingliederung ist groß und wächst weiter. Dem zunehmenden Bedarf weit über den Bereich der behinderten Menschen hinaus hat der Gesetzgeber Rechnung zu tragen versucht, indem er 2004 den neuen § 84 des Sozialgesetzbuches IX formulierte. Er schafft eine frühzeitige Verfahrensregelung für ein betriebliches Eingliederungsmanagement bei gesundheitlichen Störungen und bei Krankheit. Das ist nicht nur eine Forderung im Sinne menschengerechter Arbeitsgestaltung, sondern liegt auch im wirtschaftlichen Interesse der Unternehmen, wenn es langfristig und nachhaltig und nicht nur im Sinne einer Ex-und-hopp-Kurzfristökonomie verstanden wird. Auf Arbeitgeber und Interessenvertretungen kommen damit neue Aufgaben zu. Lesen Sie dazu den Beitrag von Werner Feldes im Volltext auf den Internetseiten der IG Metall ab Januar 2006 sowie zahlreiche weitere Beiträge, betriebliche Erfahrungsberichte und Hinweise für die praktische Umsetzung.

Die Debatte über eine nationale Arbeitsschutzstrategie beginnt

2006 soll das Jahr sein, in dem die lang erwartete „nationale Arbeitsschutzstrategie“ Gestalt annimmt. Dazu hat die Konferenz der Arbeits- und SozialministerInnen der Länder in einem Eckpunktepapier Ziele und Handlungsfelder benannt. Die Eckpunkte heben sich wohltuend ab von den Ankündigungen der Großen Koalition, die den Arbeitsschutz überwiegend unter dem Aspekt des „Bürokratieabbaus“ und der „Entlastung der Unternehmen“ betrachten. Auch die Gewerkschaften beginnen, sich zu positionieren und formulieren Anforderungen an eine betrieblich wirksame Arbeitsschutzstrategie. In der nächsten Zeit muss sich zeigen, wie weit die Vorschläge der Länder die Basis für einen Konsens bilden können. Mehr dazu in der Printausgabe vom Januar 2006.

Ausschuss für Gefahrstoffe vor schwierigen Aufgaben

Der vor einem Jahr neu gebildete Ausschuss für Gefahrstoffe hat jetzt eine aktualisierte, verkürzte Liste der Arbeitsplatzgrenzwerte (TRGS 900) beschlossen. Schwierigkeiten sehen die Gewerkschaftsvertreter im AGS bei der Ableitung neuer Arbeitsplatzgrenzwerte für weitere Stoffe. Schwierigkeiten bereiten u. a. die Überprüfung zahlreicher Stoffe mit Grenzwerten unterschiedlicher Herkunft und die Entwicklung neuer Lösungen nach dem Wegfall der früheren TRK-Werte. Außerdem birgt die jetzt beginnende, überfällige Debatte um eine Risikoakzeptanz für Gesundheitsrisiken durch Krebs erzeugende Gefahrstoffe erhebliches Konfliktpotential. Den Beitrag des DGB-Gefahrstoffexperten Henning Wriedt können Sie hier auch im Volltext lesen.

EG-Arbeitszeitrichtlinie weiter unter Deregulierungsdruck

Bereitschaftsdienst soll nicht mehr in vollem Umfang als Arbeitszeit gelten. Darin waren sich die EG-Minister bei ihrer Ratstagung im Dezember einig. Trotzdem gab es bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe keinen Konsens zur Revision der EG-Arbeitszeitrichtlinie, vor allem weil Großbritannien die opt-out-Ausnahmeklausel zur Verlängerung der Arbeitszeit unbefristet erhalten wollte. Der Europäische Gewerkschaftsbund warnte, die Novellierung könne zum ersten Fall werden, in dem eine Überarbeitung bewusst zur Verschlechterung bisheriger sozialer Standards genutzt werde.

Psychische Störungen auf dem Vormarsch

Psychische Störungen und Erkrankungen spielen mittlerweile im Krankheitsgeschehen eine zentrale Rolle. Bei den Ursachen für krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit liegen sie an vierter Stelle, bei Frauen an dritter Stelle. Die direkten und indirekten Kosten liegen bei über 13 Milliarden Euro jährlich, die Kosten der dadurch bedingten Frühberentung noch nicht mitgezählt. Diese Zahlen ergeben sich aus dem kürzlich erschienenen Gesundheitsreport 2005 des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen. Der Report benennt auch die besonders betroffenen Branchen und Berufsgruppen und zeigt, dass die Arbeitswelt in hohem Maße für die Verbreitung psychischer Störungen verantwortlich ist. Bei Arbeitslosen sind psychische Störungen noch stärker verbreitet als bei den Beschäftigten. Mehr dazu in der Printausgabe vom Januar 2006.

Anforderungen an ein Präventionsgesetz

In der Koalitionsvereinbarung der Großen Koalition wird für die jetzt begonnene Legislaturperiode ein Präventionsgesetz in Aussicht gestellt. Damit würde der in den vergangenen Jahren bereits begonnene, aber nicht zu Ende gebrachte Anlauf für ein solches Vorhaben wieder aufgenommen. In der Januarausgabe formuliert DGB-Arbeitsschutzexpertin Marina Schröder Anforderungen an ein solches Gesetz aus gewerkschaftlicher Sicht. Sie können hier sowohl die gekürzte Fassung aus der Printausgabe als auch den ungekürzten Volltext online lesen.

Weitere Themen im Januar

Die Ausgabe 1 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • REACH-Verordnung: Europäische Gewerkschaften sehen Mängel
  • In den Pflegeberufen wachsen Druck und Unzufriedenheit
  • Voll im Trend: Komplexe Gesundheitsrisiken an modernen Arbeitsplätzen
  • Gefahrstoffverordnung: Die Beteiligungsrechte der Interessenvertretung u. a. m.

Dezember 2005

Beruf und Familie unter einen Hut bringen

Familienfreundlich arbeitet sich’s in Deutschland derzeit nicht. Ausnahmen bestätigen die Regel. Außerbetrieblich ist die mangelhafte Ganztagsbetreuung die Achillesferse, im Betrieb sind es vor allem Arbeitszeitfragen. Wer nicht in der betriebswirtschaftlichen Froschperspektive hocken bleibt, erkennt: Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewinnt an Bedeutung. Dafür sorgen harte Fakten wie die demografische Entwicklung, geburtenschwache Jahrgänge, neue Arbeits- und Lebensformen usw. Auch die Wirtschaft kann dem langfristig nicht ausweichen. Es handelt sich nicht um ein Luxusthema. Auf Betriebs- und Personalräte kommen damit neue Herausforderungen zu. Lesen Sie zu unserem „Thema des Monats“ die zahlreichen Beiträge in der Printausgabe vom Dezember.

Die Große Koalition und der Arbeitsschutz

Die Pläne der Großen Koalition zu Gesundheitsschutz und Arbeitsgestaltung sind dem Ziel der „Entlastung der Wirtschaft von Bürokratie“ untergeordnet. Das Arbeitsschutzrecht soll weiter verschlankt, die gesetzliche Unfallversicherung „umgebaut“, ihre Leistungen gekürzt werden. Ältere müssen länger arbeiten, ihnen werden aber auch mehr Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Der zu all diesen Themen angekündigte Maßnahmenmix ist häufig vage, in vielem widersprüchlich und teilweise auch fragwürdig. Wir geben einen kritischen Überblick über die Pläne der Großen Koalition zum Thema Arbeit und Gesundheit. Unseren ausführlichen Beitrag dazu können Sie hier auch online (PDF-Datei, 662 kB) nachlesen.

„Qualität der Arbeit“ unter dem Diktat der Ökonomie

Ausreichendes Einkommen und Arbeitsplatzsicherheit, Führungsqualität und Möglichkeiten zur Qualifikation – das gehört zu den Kernforderungen von Beschäftigten an „gute Arbeit“. Das belegt eine umfassende Untersuchung im Rahmen der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ ( INQA). Hier sehen die Beschäftigten auch die meisten Defizite. Über die Hälfte aller Arbeitsplätze ist von „Qualität der Arbeit“ noch weit entfernt. Allzu oft müssen sich die Ansprüche an „gute Arbeit“ dem Vorrang einer Kurzfristökonomie unterordnen, für die Nachhaltigkeit ein Fremdwort ist. Unseren Beitrag dazu aus der Dezemberausgabe können Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen. Die Printausgabe bietet dazu zusätzliches Datenmaterial.

Deregulierung bedeutet für die betriebliche Praxis mehr Unübersichtlichkeit

Die unter dem Motto der „Deregulierung“ vorgenommene Straffung und Verschlankung des staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Arbeitsschutzrechts hat nicht zu der versprochenen Vereinfachung geführt, sondern neue Widersprüche und Unklarheiten hervorgebracht. Insgesamt hat die Deregulierung den Vollzug des Arbeitsschutzrechts in den Betrieben mehr erschwert als vereinfacht. Mehr dazu in der Printausgabe vom Dezember.

Länder stellen die Weichen für Debatte um nationale Arbeitsschutzstrategie

Das duale Arbeitsschutzsystem soll auf der Basis der Kooperation von Länderbehörden und Berufsgenossenschaften optimiert werden. Damit dürfte die leidige Debatte über die Struktur des dualen Arbeitsschutzsystems beendet sein. Ein entsprechender Beschluss der Arbeitsminister und -senatoren der Länder vom November zielt zugleich auf eine baldige Beschlussfassung zu einer nationalen Arbeitsschutzstrategie. Hier müssten aus gewerkschaftlicher Sicht die praktischen Probleme und Defizite der Prävention in den Betrieben im Mittelpunkt stehen. Mehr dazu in der Dezemberausgabe von Gute Arbeit.

Europäischer Gerichtshof: Befristete Beschäftigung nach Hartz I diskriminiert Ältere

Die in den Hartz I-Gesetzen enthaltene Bestimmung, dass Ältere über 52 ohne jede Einschränkung bis zur Rente fortlaufend nur noch befristet beschäftigt werden dürfen, verstößt gegen das EU-Diskriminierungsverbot und muss geändert werden. So entschied im November der Europäische Gerichtshof. Die Große Koalition hat angekündigt, die bemängelten Regelungen zu ändern. Die Gewerkschaften warnen davor, einen falschen Ausweg durch eine weitere Lockerung des Kündigungsschutzes für Ältere zu suchen. Stattdessen fordern sie die ersatzlose Streichung des entsprechenden Hartz I-Paragrafen. Wir berichten ausführlicher darüber in der Dezemberausgabe.

Mit 67 noch auf der Baustelle? Eine weltfremde Idee und die Praxis

Die Arbeitsbedingungen auf Baustellen sind so belastend, dass die Mehrheit der Bauarbeiter mit durchschnittlich 55 Jahren gesundheitlich verschlissen ist. Da braucht man über „Rente mit 67“ gar nicht zu reden. Im Projekt Gesunde Bauarbeit“ werden Ideen zur Verbesserung der Prävention auf Baustellen entwickelt und auch praktisch umgesetzt. Ein Betriebsrat berichtet von seinen Erfahrungen. Lesen Sie unseren ausführlichen Bericht in der Dezemberausgabe.

Weitere Themen im Dezember

Die Ausgabe 12 bietet weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • Zu viele Betriebe nehmen den demografischen Wandel noch nicht ernst
  • Geteiltes Echo auf den Beschluss des EU-Parlaments zu REACH
  • Guter Rat muss nicht teuer sein: Ein DGB-Projekt zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Familienfreundlichkeit im Betrieb – Eine Handlungshilfe für die betriebliche Interessenvertretung u.a.m.

November 2005

A+A 2005 zeigt den Arbeitschutz im Regen

Der Arbeitsschutz wird von stürmischen Tiefs überzogen. Zwar ließ das diesjährige Motto der A+A „Zukunft mit Prävention“ positive Erwartungen anklingen, aber auf der Veranstaltung selbst wurden an vielen Stellen ernste Probleme des Arbeitsschutzes und seine eher unsicheren Perspektiven erkennbar. Sie werden vor allem durch politische Vorzeichen der Deregulierung und ökonomischem Druck erzeugt. „Zukunft mit Prävention“ wird es aber nur geben, wenn diese bei den Beschäftigten in den Betrieben und Verwaltungen auch wirklich und spürbar ankommt. Lesen Sie dazu die Rede der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Ursula Engelen-Kefer hier im Volltext. Mehr Beiträge dazu in der Printausgabe vom November.

Deregulierung im Arbeitsschutz nimmt Tempo auf

Die Politik steuert Kurs auf weitere Deregulierung auch beim Arbeits- und Gesundheitsschutz. Eine längst bestehende faktische Große Koalition im Bundesrat hat dazu schon vor einige Zeit die konkreten Vorgaben geliefert. Die Arbeitgeber drängen auf Beschleunigung und Radikalisierung dieses Prozesses, die sich abzeichnende Große Koalition nimmt das auf. Das staatliche Recht soll auf eine Eins-zu-eins-Minimalumsetzung der EG-Standards zurückgefahren werden. Der gesetzlichen Unfallversicherung wird eine „Generalüberholung“ in Aussicht gestellt. Lesen Sie dazu unseren Beitrag aus der Novemberausgabe hier im Volltext. Die vollständigen Foliensätze unserer Autorinnen und Autoren zur Deregulierung des Arbeitsschutzrechts und insbesondere der Arbeitsstättenverordnung können Sie hier auch online nachlesen.

Gesundheit kaputt, Job weg, Rente noch fern – Ältere zwischen allen Stühlen

Die „Rente mit 67“ ist in der Tagespolitik angekommen. Ganz anders bei den Unternehmen: Sie behandeln Ältere unbeirrt als „altes Eisen“, ungeachtet aller arbeitsmarktpolitischen Anreize zur Beschäftigung Älterer. Nach wie vor sind nur knapp 40% der Älteren zwischen 55 und 64 Jahren erwerbstätig. Da viele notgedrungen ihren Rentenbeginn aufschieben (müssen), werden die „Übergangsbrücken“ zwischen Ausscheiden aus dem Betrieb und Rente länger. Jetzt beginnt die Politik, diese Übergangsbrücken einzureißen, vorgeblich, weil nur so Ältere am Arbeitsplatz gehalten werden könnten. Wahrscheinlichste Folge jedoch: Weiterhin keine alternsgerechten Jobs für Ältere, aber Rentenkürzungen, mehr Altersarbeitslosigkeit und Altersarmut. Mehr dazu in der Printausgabe vom November.

REACH-Verordnung braucht Nachbesserungen für den Arbeitsschutz

Bundesrat und künftige Bundesregierung haben massive Vorbehalte gegen die EU-Chemikalienverordnung REACH geäußert und drängen in der EU darauf, eine Entscheidung zu verschieben. Das betrifft auch den aktuellen britischen Kompromissvorschlag zu REACH, der aus Sicht des Arbeitsschutzes noch dringend verbesserungsbedürftig ist. Vor allem braucht es mehr Transparenz sowohl zu den Informationen als auch den Informationslücken über die Risiken verwendeter Stoffe. Grundsätzlich sollte – anders als bisher – das Prinzip gelten: Wo keine Informationen vorliegen, werden automatisch Risiken unterstellt. Lesen Sie dazu unseren Beitrag im Novemberheft.

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen im Sog der Deregulierung

Eine anstehende Rechtsreform der arbeitsmedizinischen Untersuchungen steht stark im Zeichen der Deregulierung und „Entlastung“ der Arbeitgeber. In Anbetracht der großen Kenntnislücken in den Betrieben über Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz käme es aber hauptsächlich darauf an, die arbeitsmedizinische Vorsorge systematischer in einen präventiven betrieblichen Gesundheitsschutz einzubetten. Den Beitrag von Petra Müller-Knöß dazu können Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen.

Im Oktober niedrigster Krankenstand seit 25 Jahren

Die amtliche Krankenstandstatistik verzeichnet immer neue Tiefststände. Im Oktober meldeten die gesetzlichen Krankenkassen mit 2,55% den niedrigsten Monatswert im letzten Vierteljahrhundert. In den ersten zehn Monaten des Jahres lag die Arbeitsunfähigkeit mit durchschnittlich 3,30% leicht unter dem Vorjahresniveau (3,33%). Für das Gesamtjahr 2005 kann nach den neuesten Zahlen mit einem Krankenstand von 3,3-3,4% gerechnet werden. Das entspräche ziemlich genau dem Stand des Jahres 2004. Mehr dazu in der Printausgabe.

Arbeitsschutz im Umbruch: Betriebs- und Personalräte diskutieren ihre Erfahrungen

Die „Verschlankung“ des Arbeitsschutzregelwerks gibt den Betrieben größere Gestaltungsspielräume. Für die Betriebs- und Personalräte bedeutet das erweiterte Rechte und Aufgaben. Ob diese eher als Gestaltungschance oder als Belastung und Überforderung erlebt werden, hängt stark von der Betriebsgröße und der Größe des Betriebsrats, von der Unternehmenskultur und der wirtschaftlichen Situation des Betriebes und der Branche ab. Über ihre Erfahrungen im Umgang mit diesen Entwicklungen diskutierten Betriebs- und Personalräte auf einer DGB-Veranstaltung im Rahmen der A+A.

Psychische Erkrankungen – im Betrieb noch immer ein Problem

Psychische Erkrankungen werden von der Gesellschaft heute stärker als ernstzunehmende Krankheiten akzeptiert als früher. Ihre Verbreitung hat zugenommen: 20% der Frauen und 10% der Männer haben inzwischen Erfahrungen mit ärztlicher Behandlung bei psychischen Problemen. Wer mit psychischen Problemen zum Arzt geht, tut dies aber häufig viel zu spät. Ein Drittel der Beschäftigten klagt über noch immer mangelndes Verständnis bei Vorgesetzten und Arbeitskollegen. Mahr dazu in unserer ausführlichen Anlyse im Novemberheft.

Weitere Themen im November

Die Ausgabe 11 enthielt weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie

  • Deutschland ist Europameister bei Überstunden
  • Die Zukunft des dualen Arbeitsschutzsystems
  • Die Arbeitsstättenverordnung darf nicht zur Einschränkung des Arbeitsschutzgesetzes missbraucht werden
  • Gute Arbeit beginnt mit qualifizierter Ausbildung
  • Betriebsrat organisiert Arbeitsschutz-Management elektronisch
  • Gesundheitsförderung und Personalentwicklung arbeiten besser miteinander als nebeneinander

Oktober 2005

A+A 2005: Zukunft mit Prävention

„Zukunft mit Prävention“ ist das Motto der diesjährigen A+A. Das Thema ist unbestreitbar aktuell. Die enormen Präventionsdefizite sind offenkundig. Den neuen Möglichkeiten, die die moderne Arbeitswelt bietet, stehen auch neue Gesundheitsrisiken und Unsicherheiten gegenüber. Druck von Markt und Wettbewerb, Deregulierung, demografische Entwicklung, Erosion des Normalarbeitsverhältnisses, Personalabbau und Angst um den Arbeitsplatz, Zunahme von Stress – das sind nur einige Stichworte für Entwicklungen, die den Arbeits- und Gesundheitsschutz massiv beeinflussen. Die Suche nach Wegen in die Zukunft muss also bei einer nüchternen Bestandsaufnahme ansetzen. Mehr dazu in der Printausgabe vom Oktober.

Betriebsvereinbarung Gesundheitsschutz bei Sauer-Danfoss

Eine beispielhafte Betriebsvereinbarung zur Regelung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes wird derzeit bei dem Unternehmen Sauer-Danfoss in Neumünster umgesetzt. Betriebsrat und Geschäftsleitung organisieren Unterweisungen der Beschäftigten und Gefährdungsbeurteilung im Konsens. Das wurde möglich, weil der Betriebsrat seine Mitbestimmungsrechte genau kannte und aktiv wahrnahm. Die Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts vom Juni 2004 haben ihm dabei geholfen. Lesen Sie mehr dazu in der aktuellen Printausgabe oder hier im Volltext. Der Wortlaut der Betriebsvereinbarung ist im Oktoberheft ebenfalls (in Auszügen) dokumentiert und kann von der Internetseite des Hamburger Büros für Arbeitsschutz auch im Volltext herunter geladen werden > Für die Praxis > Betriebsvereinbarungen.

Arbeit alternsgerecht gestalten – Erfahrungen aus der Automobilindustrie

Der demografische Wandel macht um die Automobilindustrie keinen Bogen. Die Arbeitsbedingungen dort sind von alternsgerechter Arbeitsgestaltung aber noch weit entfernt. Rigide Kostensenkungsstrategien und Personalabbau machen die Sache nicht leichter. Betriebsräte und IG Metall haben das Thema trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Branche aufgegriffen und in einem interessanten Projekt Konzepte entwickelt, die teilweise mit den Unternehmensleitungen auch umgesetzt werden. Dazu gehören Wege des gleitenden Ausscheidens aus dem Erwerbsleben ebenso wie Ansätze zu belastungsärmerer, ergonomischer Arbeits- und Leistungsgestaltung, zur altersgerechten Arbeitszeitorganisation, zu Gesundheitsförderung, Qualifikation und Personalentwicklung. Auf Prävention angelegte alternsgerechte Arbeitsgestaltung muss schon bei den Jüngeren beginnen und vorzeitigen Verschleiß vermeiden. Hier liegt eines der schwierigsten Probleme. Lesen Sie unseren Beitrag im Volltext auf den Internetseiten der IG Metall.

Sozialpartnervereinbarung Stress jetzt umsetzen

Eine Richtlinie gegen Stress am Arbeitsplatz gibt es nicht. Nach monatelangen zähen Verhandlungen mit den Arbeitgebern und einer anschließenden, ebenfalls recht komplizierten Phase der gemeinsamen Übersetzung liegt jetzt aber die zwischen dem DGB und der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) abgestimmte deutschsprachige Fassung der Sozialpartnervereinbarung „Stress am Arbeitsplatz“ vor. Sie hat zwar „nur“ empfehlenden Charakter, sie bietet jedoch neben den verstreuten bestehenden rechtlichen Vorschriften eine weitere Grundlage, das allgegenwärtige Problem Stress in den Betrieben zu thematisieren und Schutzmaßnahmen abzuleiten. Für Arbeitgeber dürfte es nun nicht mehr so einfach sein, das Problem Stress am Arbeitsplatz zu ignorieren, zu leugnen und auszusitzen. Beschäftigte, Betriebs- und Personalräte und andere Akteure des Arbeitsschutzes können die Sozialpartnervereinbarung nun nutzen, um das Problem Stress am Arbeitsplatz – z.B. in einer Gefährdungsbeurteilung – zu thematisieren. Wir dokumentieren die Vereinbarung in unserer Printausgabe im Wortlaut. Sie kann auch von den Internetseiten des DGB herunter geladen werden.

Lärmschutz am Arbeitsplatz – Welche Handhabe bietet die neue Arbeitsstättenverordnung?

Die neue Arbeitsstättenverordnung, obwohl „verschlankt“ und „dereguliert“, macht die betriebliche Anwendung in vielen Fällen nicht etwa einfacher, sondern komplizierter und zwingt – in Ermangelung konkreter und verbindlich vorgegebener Mindeststandards – teilweise zu Umwegen über andere Rechtsgrundlagen wie das Arbeitsschutzgesetz. Eine wichtige Rolle kommt hier der Beachtung der gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu. Betriebs- und Personalräte müssen ihre Mitbestimmungsrechte genau kennen. Wie die Rechte und Handlungsmöglichkeiten der Interessenvertretungen umgesetzt werden können, erläutern wir in der Printausgabe am Beispiel Lärm. Ausführlichere Informationen dazu enthält der von Uli Faber für den DGB und die Einzelgewerkschaften verfasste Wegweiser zur Arbeitsstättenverordnung, der in Kürze als Broschüre erscheint.

EG-Richtlinie zu optischen Strahlen – Wie man aus einer Mücke einen Elefanten macht

Der Schutz vor Sonnenstrahlen bei Arbeiten im Freien soll gar nicht durch eine EG-Richtlinie geregelt werden. Das hat die Mehrheit der konservativen und liberalen Abgeordneten des EU-Parlaments durchgesetzt. Zankapfel war der Entwurf zu einer EG-Richtlinie zum Schutz vor optischen Strahlungen. Es soll nun völlig ins Ermessen der Mitgliedsstaaten gestellt sein, ob sie hier irgendwelche Maßnahmen für erforderlich halten. EU-weite Mindestanforderungen an die Arbeitgeber werden nicht formuliert. Sollte das so in die Endfassung der Richtlinie einfließen, bedeutete das ein Abgehen vom einheitlichen EU-Arbeitsschutzrecht. Der Konflikt zwischen Parlament und Kommission bzw. Rat macht nun ein Vermittlungsverfahren notwendig.

Betriebliche Gesundheitsförderung: Ein Cent mehr pro Kopf

Knapp 26 Millionen Euro haben die Krankenkassen im vergangenen Jahr für betriebliche Gesundheitsförderung ausgegeben. Allerdings entspricht die gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnende Steigerung um knapp 4% lediglich einem Ausgabenzuwachs von einem Cent je Versicherten. Seit der gesetzlichen Neuregelung der Prävention und Gesundheitsförderung in § 20 des Sozialgesetzbuchs V im Jahr 2000 nimmt zudem trotz offenkundig vorhandener Defizite in der arbeitsweltbezogenen Prävention und Gesundheitsförderung die Wachstumsdynamik der diesbezüglichen Kassenausgaben deutlich ab.

Weitere Themen im Oktober

Die Ausgabe 10 enthält weitere Beiträge zu aktuellen Themen wie:

  • IGA-Barometer: Arbeit ist Befriedigung und Belastung in einem
  • EG-Arbeitszeitrichtlinie – Weichen weiter in die falsche Richtung gestellt
  • Der Krankenstand sinkt und pendelt sich im Sommer auf dem Vorjahresstand ein
  • Muskel-Skelett-Erkrankungen in der EU: Es ist Zeit für eine wirkungsvolle Richtlinie
  • Länger arbeiten in Hessen und anderswo

August/September 2005

Krankenstand im ersten Halbjahr leicht erhöht, aber auf langfristig weiter sehr niedrig

Der Krankenstand der Pflichtversicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung lag im ersten Halbjahr 2005 mit 3,6% um knapp 0,3 Prozentpunkte über dem Stand des Vorjahres. Gleichwohl ist dies – nach 2004 – der zweitniedrigste Halbjahreswert, der seit 1970 in Deutschland gemessen wurde. Nachdem im ersten Vierteljahr, insbesondere im März, erkältungsbedingt deutlich erhöhte Monatswerte verzeichnet wurden, ist der Krankenstand im zweiten Quartal unter den Vorjahresstand gefallen. Für das Gesamtjahr 2005 kann nach derzeitigem Stand der Entwicklung mit einem Krankenstand von 3,5-3,7% gerechnet werden. Lesen Sie dazu unsere ausführlichere Analyse in der Printausgabe vom August/September.

EG-Richtlinie zu optischen Strahlungen im Visier der Deregulierer

In der EU tobt ein heftiger Streit um die geplante neue Richtlinie zum Schutz vor optischer Strahlung. Zankapfel ist vor allem der Schutz vor Sonneneinstrahlung bei Arbeiten im Freien. Unter dem Druck der Arbeitgeber wollen konservative und liberale Abgeordnete über das EU-Parlament den Richtlinientext aufweichen. Durch eine Ausnahmeklausel soll es den Mitgliedsländern erstmals freigestellt werden, ob sie die vorgesehenen Verpflichtungen der Richtlinie umsetzen oder nicht. Besonnene Abgeordnete haben sich gegen das leichtfertige Gerede vom „EU-Regulierungsirrsinn“ gewandt und daran erinnert, dass es mit Blick auf die zunehmenden Gefahren durch UV-Strahlung einfach darum geht, dass die Arbeitgeber die Beschäftigten über die Risiken für ihre Gesundheit informieren. Eine Entscheidung des Parlaments wurde für die 2. Lesung am 6. September angekündigt. Lesen Sie mehr dazu in der aktuellen Printausgabe oder hier im Volltext.

Arbeit alternsgerecht gestalten

Halten Sie ihre Arbeit gesund bis zum 65. Lebensjahr durch? Bekommen Sie mit 55 noch eine neue Stelle? Solche Fragen beantworten die allermeisten Beschäftigten mit einem klaren Nein. Von alternsgerechter Arbeitsgestaltung in allen Lebensphasen sind wir weit entfernt. Was viele ältere Beschäftigte vorfinden, ist eine absurde Situation: Sie sind „zu jung“ für die Rente, und sie sind „zu alt“ für die Arbeitswelt. Jugendwahn und Altersdikriminierung halten sich hartnäckig. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, durch alternsgerechte Arbeitsgestaltung Bedingungen für ein gesundes und aktives Älterwerden im Betrieb zu schaffen – und zwar über das ganze Berufsleben hinweg, bei den Jüngeren beginnend. Für Männer und Frauen. Neben den richtigen sozialpolitischen Rahmenbedingungen erfordert das ein Umsteuern auf der betrieblichen Ebene: Bei Personalpolitik, Qualifikation, Gesundheitsschutz, Leistungsbedingungen, Arbeitszeitgestaltung. Dazu gibt es zahlreiche gute Ideen, Hintergrundinformationen, Konzepte, Erfahrungen und betriebliche Handlungshilfen. Wir haben dazu für Sie in dieser Ausgabe 26 Seiten geballte Information zusammengestellt. Lesen Sie hier einen Beitrag im Volltext und zahlreiche andere in der Printausgabe.

Längere Arbeitszeiten machen krank

Je länger die Arbeitszeiten sind, desto häufiger treten gesundheitliche Beschwerden auf. Besonders deutlich wird das bei Wochenarbeitszeiten ab 39/40 Stunden. Vor allem gilt das für Beschwerden des Bewegungs- und Stützapparats und für psycho-vegetative Beeinträchtigungen und Erkrankungen. U.a. hängt das mit der erheblich gestiegenen Arbeitsintensität zusammen. Eine neue Studie liefert dazu aufschlussreiche Belege. Lesen Sie unsere Zusammenfassung im Volltext auf den Internetseiten der IG Metall.

CDU/CSU und FDP: Alles muss raus – Vorfahrt für Arbeitgeber

Bei allen Unklarheiten muss man dem vorgezogenen Bundestagwahlkampf eines lassen: Unionsparteien und FDP haben unmissverständlich gezeigt, was der worst case wäre. Sie streiten offensiv für einen Systemwechsel vom Sozialstaat zu einer reinen Marktwirtschaft. Tarifautonomie und Mitbestimmung stehen zur Disposition. Wo Arbeit zu lästigen Restgröße wird, wird auch dem Arbeitsschutz nur noch ein Mauerblümchendasein zugestanden. Mehr dazu in der Printausgabe

Betriebliche Gesundheitsförderung – was läuft und wo es hapert

Prävention betreiben die Krankenkassen vornehmlich im Bereich der mittleren und größeren Betriebe sowie im verarbeitenden Gewerbe. Kleinbetriebe, die es am nötigsten hätten, bekommen weniger ab. Auch der Dienstleistungsbereich kommt trotz einiger Fortschritte noch zu kurz. Diese Schieflage wird verstärkt durch einen erneuten relativen Rückgang verhältnispräventiver Maßnahmen zu Gunsten reiner Verhaltensprävention. Auch die Mängel in der Erfolgskontrolle bestehen weiter. Das geht aus dem aktuellen Präventionsbericht der Krankenkassen hervor. In der in der Printausgabe haben wir ihn für Sie ausgewertet.

Juli 2005

Krankenstand im ersten Halbjahr weiter auf niedrigem Niveau

Der Krankenstand in den ersten sechs Monaten des Jahres 2005 verharrte weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Im ersten Halbjahr fehlten die Beschäftigten nur 3,57% der Sollarbeitszeit. Das ist der zweitniedrigste Halbjahreswert seit der Erhebung der Fehlzeiten im Jahr 1970. 2004 war der Krankenstand mit 3,37% auf einen historischen Tiefstand gesunken (Gute Arbeit. 2/2005, Seite 11-13). Der geringfügige Anstieg im ersten Halbjahr geht vor allem auf erkältungsbedingte Fehlzeiten in den Monaten Februar und März zurück (siehe dazu Gute Arbeit. 5/2005, Seite 15-16). In den Monaten Januar, April und Mai lagen die Fehlzeiten unter den Vorjahreswerten. Von einem allgemeinen Wieder-Ansteigen des Krankenstands, wie er hier und da in den Medien gemeldet wurde, kann demnach keine Rede sein. Mehr dazu demnächst ausführlich in Heft 8/9 von Gute Arbeit.

Heute wieder Stress gehabt?

Arbeitsintensität, Zeit- und Leistungsdruck, Überforderung und Angst vor Arbeitsplatzverlust nehmen zu, und dadurch auch psychische und psychosomatische Erkrankungen. Überhöhte Anforderungen, geringe Beeinflussbarkeit und geringe Berechenbarkeit der Arbeit, verbunden mit einer flexibilitätsbedingten Einschränkung der Ressourcen zur Bewältigung dieser Probleme – das sind die krank machenden Faktoren. Mehr dazu im „Thema des Monats“ unserer Juli-Ausgabe.

Krank sein soll bestraft werden – und andere Deregulierungsideen

Die bisherige Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall soll eingeschränkt werden, verlangen jedenfalls zahlreiche Sprecher von Arbeitgeberverbänden. Parallel dazu mehren sich Forderungen nach längeren Arbeitszeiten und weiterem Abbau sozialer Standards auch des Arbeitsschutzes. Dahinter steht offenbar die Erwartung, eine neue Regierungskoalition werde diese Forderungen demnächst umsetzen. Unseren Beitrag dazu aus der Juli-Ausgabe können Sie hier auch im Volltext online lesen.

Zehn Milliarden sind kein Pappenstiel - Kosten arbeitsbedingter Frühberentung

Arbeitsbedingte Frühinvalidität kommt die Gesellschaft teuer zu stehen. Wie teuer, hat jetzt erstmals eine umfassende Studie gezeigt. Sie errechnet Kosten von jährlich mindestens 10,1 Milliarden Euro. Davon sind 1,2 Milliarden direkte Kosten für Krankheitsbehandlung, Pflege usw. Bei der Rentenversicherung fallen innerhalb dieses Rahmens jährlich mindestens 2,7 Milliarden Euro an. Ursächlich sind Belastungen wie „Arbeitsschwere“ und „geringer Handlungsspielraum“. Unseren Beitrag dazu aus der Juli-Ausgabe können Sie im Volltext auf den Internetseiten der IG Metall lesen.

EU-Kommission bleibt stur: DGB kritisiert neuen Vorschlag zur Arbeitszeit-Richtlinie

Die EU-Kommission beharrt auf einer Verwässerung der EG-Arbeitszeit-Richtlinie. Der DGB äußert scharfe Kritik an diesem Vorgehen. In einem jetzt vorgelegten neuen Novellierungs-Vorschlag ignoriert die Kommission im Wesentlichen die Beschlüsse des EU-Parlaments zum Schutz sozialer Mindeststandards. Sie plant weiterhin eine künstliche Trennung von aktiven und inaktiven Zeiten des Bereitschaftsdienstes und will somit diese so genannte inaktive Zeit nicht als Arbeitszeit anerkennen. Die Kommission folgt auch nicht dem Votum des Parlaments, die individuelle opt-out-Ausnahmeklausel innerhalb von drei Jahren auslaufen zu lassen. Über die kritische Stellungnahme des DGB berichten wir in der Juli-Ausgabe. Die vollständige DGB-Position können Sie hier auf unseren Internetseiten nachlesen.

Gesundheitsrisiko Quarzstaub – Grenzwert oder Sozialpartnervereinbarung?

In der EU wird derzeit kontrovers diskutiert, ob der Gesundheitsschutz vor Quarzstaub über verbindliche gesetzliche Vorschriften oder durch ein Abkommen der Sozialpartner auf freiwilliger Basis geregelt werden soll. Die EU-Kommission hat einen Grenzwert vorgeschlagen. Die Hersteller halten heftig dagegen und wollen eine freiwillige Vereinbarung. Die europäischen Bau- und Holzarbeitergewerkschaften haben sich klar für einen Grenzwert und für eine Richtlinie ausgesprochen. Von einer Sozialpartnervereinbarung fürchten sie die Aufweichung verbindlicher Rechtsvorschriften.

Eingliedern statt kündigen – Nicht Kranke bestrafen, sondern Kranken helfen

In Zukunft wird es nicht mehr so leicht sein, Langzeiterkrankte krankheitsbedingt zu kündigen. Denn der neu gefasste § 84 des Sozialgesetzbuches IX verpflichtet den Arbeitgeber zu einem betrieblichen Eingliederungsmanagement. Für Interessenvertretungen bedeutet das neue Aufgaben und neue Rechte.

Juni 2005

Flexibel arbeiten – nicht immer, aber immer öfter

Arbeitszeit- und Lebensarbeitszeitkonten sind verbreitete Instrumente der Flexibilisierung. Häufig dominiert hier einseitig das Unternehmensinteresse. Für die Beschäftigten kommt es aber darauf an, selbst auch Einfluss auf ihre Arbeitszeit zu bekommen. Betriebsräte müssen also die Risiken und Schwachstellen der gängigen Modelle kennen und dort, wo sie mitbestimmen, möglichst vermeiden. Besonders schwierig wird es bei Schichtmodellen, wenn sie auch noch mit Verlängerung der Arbeitszeit verbunden sind. Flexibilisierung gesundheits- und sozialverträglich gestalten – ein schwierige, aber nicht unlösbare Aufgabe, die den Interessenvertretungen viel know-how abverlangt. Mehr dazu im „Thema des Monats“ unserer Juni-Ausgabe.

Krankheit macht soziale Unterschiede

Der Gesundheitszustand der Bevölkerung wird trotz mancher Angleichungstendenzen stark von sozialen Unterschieden geprägt. Das belegen Daten des aktuellen Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Erwerbslose z. B. sind um 20% häufiger krank als Erwerbstätige. Jeder 35. Erwerbstätige in Deutschland ist chronisch krank. Anders ausgedrückt: Rund ein Fünftel der chronisch Kranken in Deutschland ist erwerbstätig. Neben den Arbeitslosen fallen besonders bei bestimmten Arbeiterberufen höhere Krankheitsraten auf. Mehr dazu hier im Volltext (PDF-Datei, 353 kB).

Bundesrat blockiert Präventionsgesetz

Der Bundesrat hat Ende Mai dem vom Bundestag schon verabschiedeten Präventionsgesetz seine Zustimmung versagt und den Vermittlungsausschuss angerufen. Zwar wolle man auch mehr Prävention, aber nicht mehr Bürokratie. Wegen der bevorstehenden Neuwahlen des Bundestages ist nicht damit zu rechnen, dass das Gesetz noch in diesem Jahr – und schon gar nicht unverändert – in Kraft treten kann. Die Stellungnahme des Bundesrats und die Gegenäußerung der Bundesregierung zum „Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der gesundheitlichen Prävention“ sind, wie auch der Gesetzentwurf selbst, in der Bundestags-Drucksache 15/5214 enthalten, der Beschluss des Bundesrats zum Präventionsgesetz vom 27. Mai 2005 in der Bundesrats-Drucksache 306/05 (Beschluss). Beide Drucksachen können von der Internetseite des Deutschen Bundestags (www.Bundestag.de) herunter geladen werden. Lesen Sie unseren ausführlichen Beitrag in der Juni-Ausgabe.

Arbeitszeit-Richtlinie: EU-Parlament will das Schlimmste verhindern

Auch die neue EG-Arbeitszeit-Richtlinie soll wenigstens soziale Mindeststandards sichern und einer weiteren Flexibilisierung und Verlängerung der Arbeitszeiten Grenzen setzen. Das beschloss das EU-Parlament im Mai mit großer Mehrheit. Der von der EU-Kommission im September 2003 vorgelegte Novellierungsentwurf entspreche diesen Anforderungen nicht und müsse deswegen geändert werden. Nach dem Parlament ist nun der EU-Ministerrat am Zuge. EU-Parlamentarier äußerten die Erwartung, der Rat werde nun mehrheitlich die Änderungsanträge des Parlaments akzeptieren.

Was die Beschäftigten unter „guter Arbeit“ verstehen

Ein festes, verlässliches Einkommen, ein sicherer Arbeitsplatz und ein unbefristetes Arbeitsverhältnis stehen aus der Sicht von abhängig Beschäftigten ganz oben auf der Skala für „gute Arbeit“. Da Beschäftigte aber nie nur ihre Arbeitskraft in die Arbeit einbringen, sondern immer auch einen Teil ihrer Persönlichkeit, möchten sie auch als Mensch in der Arbeit wahrgenommen werden – insbesondere von ihren Vorgesetzten. Arbeit soll Spaß machen, sinnvoll, vielseitig und abwechslungsreich sein, Arbeitsstolz ermöglichen. Außerdem soll sie gesundheitsförderlich gestaltet werden. Das sind einige erste Zwischenergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Deutschlands Beschäftigten, die von der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA) in Auftrag gegeben wurde. Unsere Zusammenfassung der Umfrageergebnisse in der Juni-Ausgabe können Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen.

Mit 50 aufs Abstellgleis – die Arbeitslosigkeit der „jungen Alten“ nimmt wieder zu

Die registrierte Arbeitslosigkeit von Älteren hat in den letzten Jahren in der Altersklasse 58 bis 64 Jahre abgenommen; bei den 50 bis unter 58-Jährigen steigt sie jedoch seit 2003 deutlich an. Nach wie vor gibt es zu wenig Angebote vollwertiger Beschäftigung für Ältere. Mit dem Auslaufen bisheriger Übergangsregelungen zwischen 2007 und 2009 ist daher ein weiterer Anstieg der registrierten Arbeitslosigkeit Älterer zu befürchten. Zu diesem Ergebnis kommt der „Altersübergangs-Monitor“ des Gelsenkirchener Instituts Arbeit und Technik (IAT). Das Projekt wird von der Hans Böckler Stiftung gefördert. In der Juni-Ausgabe fassen wir die wichtigsten Untersuchungsergebnisse zusammen.

Berufsgenossenschaftliche Forschung muss sich mehr den neuen Probleme der Arbeitswelt zuwenden

Die Forschungsarbeit der Berufsgenossenschaften steht nach gewerkschaftlicher Auffassung vor der Aufgabe, stärker und schneller auf die Veränderungen in der Arbeitswelt zu reagieren, wie die Verbreitung neuer Technologien und prekärer Beschäftigungsverhältnisse bis hin zur Auflösung des Normalarbeitsverhältnisses. Sie muss dabei die Entstehung arbeitsbedingter Erkrankungen und ihren Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen systematisch erforschen. Aus Sicht der Versicherten bestehen noch große Defizite bei der Bewertung neuer Belastungen und bei den Belastungskombinationen und ihre Wirkung auf die Gesundheit der Beschäftigten. Mehr dazu in der Print-Ausgabe vom Juni.

Die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts zur Mitbestimmung stärkt die Betriebsräte

Mit seinen beiden Entscheidungen vom Juni 2004, deren Begründungen inzwischen vorliegen, hat das Bundesarbeitsgericht in aller Deutlichkeit klargestellt, dass alle wesentlichen Regelungsentscheidungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz im Betrieb unter dem Vorbehalt der Mitbestimmung des Betriebsrats stehen. Das betrifft insbesondere Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung. In der Juni-Ausgabe erläutern wir, was das für die betriebliche Praxis bedeutet.

Mai 2005

Der flexible Mensch: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie…

Flexibilisierung zeigt sich im Arbeitsleben als unaufhaltsamer Prozess. Flexibel bedeutet nicht nur hochvariable, sondern meist auch länger. Wer dem starre Muster entgegensetzen will, wird überrollt. Flexible Arbeitszeit hat aber unterschiedliche Gesichter. Sie kann den Beschäftigten Freiräume, neue Autonomie und Entfaltungsmöglichkeiten bringen. Sie kann auch, ähnlich wie Schichtarbeit, neue Zwänge und Belastungen schaffen und die Balance zwischen Arbeit und Leben stören. Hier ist sinnvolle Gestaltung gefragt. Mehr dazu im „Thema des Monats“ unserer Mai-Ausgabe.

Vom Sinn und Zweck der staatlichen Arbeitsschutzaufsicht

Die von den Behörden aufgedeckten Defizite im Arbeitsschutz sind Legion. Zugleich erhalten die Unternehmen durch das neue Arbeitsschutzrecht größere Gestaltungsspielräume. Um diese sinnvoll und gesetzestreu auszufüllen, müssen sie die beratende und kontrollierende Kompetenz der Gewerbeaufsicht spüren. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Hans Böckler-Stiftung, über die sie hier Genaueres nachlesen können. Sie zeigt: Die Demontage der Arbeitsschutzbehörden der Länder geht schon viel zu weit und soll noch weiter gehen. Stattdessen braucht es eine kompetente Gewerbeaufsicht und ein funktionierendes duales Arbeitsschutzsystem.

Das belegen auch die Erfahrungen des "Netzwerks Baustelle": In dieser Kampagne haben die Länderbehörden und die Berufsgenossenschaften am Beispiel der Bauwirtschaft gezeigt, was eine strategische Kooperation beider Säulen des dualen Arbeitsschutzsystems zu leisten vermag. Dazu mehr in der Printausgabe vom Mai. In seinen Eckpunkten für eine Reform des dualen Arbeitsschutz-Systems hat sich der DGB jetzt für eine moderne, strategische Kooperation beider Säulen des dualen Systems ausgesprochen. Wir veröffentlichen Auszüge aus dem Papier in der Printausgabe. Denn Volltext können Sie hier nachlesen.

Krankenkassen schöpfen Spielräume für Prävention noch nicht aus

Die Aufwendungen der gesetzlichen Krankenkassen für den Leistungsbereich „Soziale Dienste und Prävention“ sind im vergangenen Jahr um 6% gestiegen, während die gesamten Leistungsausgaben der Kassen infolge der letzten „Gesundheitsreform“ um mehr als 3% gesunken sind. Sogar um gut ein Viertel sind die Aufwendungen allein für primäre Prävention und betriebliche Gesundheitsförderung gewachsen. Allerdings schöpfen die Kassen ihren finanziellen Handlungsspielraum gerade in diesem Bereich noch immer nicht vollständig aus. Seit dem Jahr 2000 haben die Krankenkassen rund 560 Millionen Euro weniger für Primärprävention, Gesundheits- und Selbsthilfeförderung ausgegeben als nach den gesetzlichen Vorgaben möglich gewesen wäre. Mehr dazu in der Printausgabe.

Krankenstand kostet, Anwesenheit trotz Krankheit kostet noch mehr

Vor dem Hintergrund anhaltender Arbeitslosigkeit und weiter sinkenden Krankenstands wächst die Gefahr, dass sich selbst ernsthaft Kranke - sei es aus Verantwortungsbewusstsein, sei es aus Angst um den Arbeitsplatz oder Furcht vor beruflichen Nachteilen - nicht mehr krank schreiben lassen und sogar nicht einmal mehr zum Arzt gehen. Inzwischen weisen etliche Untersuchungen nach, dass die Anwesenheit kranker Beschäftigter – der so genannte Präsentismus - zu erheblichen Produktivitätseinbußen im Unternehmen führen kann und dass die verborgenen Kosten der Anwesenheit trotz Krankheit weitaus höher sein können, als die Kosten krankheitsbedingte Fehlzeiten entstehen. Aktuelle Daten des Gesetzlichen Krankenversicherung zeigen inzwischen, dass der Krankenstand auch im ersten Quartal 2005 trotz starker Grippewelle nur ganz geringfügig angestiegen ist und sich weiter auf niedrigem Niveau bewegt. Lesen Sie dazu mehrere Beiträge in der Printausgabe.

Betriebsrat drängt auf Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz gibt es bei einer großen Organisation wie dem Internationalen Bund reichlich, wie eine Pilotbefragung auch gezeigt hat. Trotzdem hat es seither keinerlei Maßnahmen dagegen gegeben. Der Betriebsrat des IB Bildungszentrums Stuttgart will die Untätigkeit des Vorstands nun nicht länger hinnehmen und hat in seinem Bereich die Initiative für eine Gefährdungsbeurteilung ergriffen. Notfalls soll auch die Einigungsstelle eingeschaltet werden. Unseren Bericht dazu können Sie hier auch im Volltext lesen.

Angst essen Seele auf – Psychische Erkrankungen und Arbeitsunfähigkeit

Psychische Erkrankungen prägen immer mehr das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen. Bei der DAK machten sie im vergangenen Jahr bereits 10% aller Fehltage aus; seit 1997 ist ihre Zahl um rund 70% gestiegen. Fast die Hälfte aller Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen entfiel im vergangenen Jahr allein auf Depressionen und Angststörungen. Die Kassen sehen Zusammenhänge mit der Arbeitswelt. Mehr dazu in der Print-Ausgabe.

Hektik und Zeitdruck – unsere ständigen Begleiter

Hektik, Zeitdruck und Stress, aber auch anhaltende körperliche Belastungen prägen die moderne Arbeitswelt. Eine neue Studie der AOK liefert dazu aufschlussreiche Daten. Ein erheblicher Teil der Beschäftigten wünscht sich mehr Anerkennung und Unterstützung durch die Vorgesetzten.

April 2005

EU-Parlament kommt der Gewerbeaufsicht zu Hilfe – kein Konsens für Abschaffung des dualen Systems

Bei den Bundesländern zeichnet sich ein Konsens für eine bessere Kooperation von Aufsichtsbehörden und Unfallversicherung im Sinne des § 21.3 Arbeitsschutzgesetz ab. Die vom Bund weiter favorisierte faktische Rücknahme des dualen Arbeitsschutzsystems findet dagegen keine Zustimmung. Eine Stellungnahme des EU-Parlaments zur Umsetzung der Rahmenrichtlinie Arbeitsschutz unterstreicht, dass die Arbeitsschutzbehörden personell besser ausgestattet werden müssten. Die EU-Mindestvorschriften sollten Maßstab nicht für eine Herabsetzung der nationalen Standards, sondern für deren qualitativen Ausbau sein.

Präventionsgesetz – Staat spart auf Kosten der Sozialversicherung

Mit dem geplanten Präventionsgesetz sollen u.a. die Finanzierungsstrukturen im Bereich der Primärprävention neu geregelt werden. Mehr Geld als bisher gibt’s dafür aber nicht. Die Sozialversicherungen tragen die Last der insgesamt 250 Millionen allein, der Staat entlastet sich auf deren Kosten. Eine echte finanzielle Grundlage bekommt die angestrebte vierte Säule der Gesundheitssicherung damit nicht. Unseren Beitrag dazu von Uwe Lenhardt und Klaus Priester können Sie hier auch im Volltext lesen. Der erste Teil des Beitrags stand in Heft 3 von Gute Arbeit. und kann hier auch im Volltext gelesen werden.

Hart gegen Aufweichung – EU-Parlament verteidigt Arbeitszeit-Richtlinie

Die unter dem Label von mehr Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit angestrebte Aufweichung der EG-Arbeitszeitrichtlinie hat starke Kritik ausgelöst. Der anfängliche enge Zeitplan steht so nicht mehr, das EU-Parlament hat seine Bedenken bekräftigt. Derzeit scheint es, als werde die Kommission die Kritik zumindest teilweise aufnehmen. Mehr dazu in der Printausgabe vom April.

Es ist schwierig, aber es geht: Gegen psychische Belastungen kann man etwas tun

Psychische Belastungen gehören zur modernen Arbeitswelt wie der Topf zum Deckel. Viele Arbeitgeber scheuen vor dem Thema zurück. Beschäftigte und Interessenvertretungen erleben es häufig als Leidensgeschichte, aber können sie auch etwas tun? Die Erfahrungen zeigen: Sie können! Allerdings brauchen Betriebs- und Personalräte, die psychische Belastungen über die Gefährdungsbeurteilung anpacken wollen, praktische Handlungshilfen. In dieser Ausgabe stellen wir Beispiele dafür vor. Und wir porträtieren einige ausgewählte Betriebe, die das Thema auf originelle Weise angepackt haben. Mehr zu unserem Schwerpunktthema des Monats in der Printausgabe vom April.

Strahlenschutz ist Arbeitgeberpflicht

Radioaktive Stoffe und ionisierende Strahlung werden nicht nur in der Medizin und in der Kernenergie genutzt, sondern zunehmend auch in der Industrie. Die Verantwortung des Arbeitgebers für den Arbeits- und Gesundheitsschutz schließt dann auch den Strahlenschutz ein. Sind Beschäftigte bei Tätigkeiten oder Arbeiten radioaktiven Stoffen oder ionisierender Strahlung ausgesetzt, muss der Arbeitgeber neben den Bestimmungen der Strahlenschutz- und Röntgenverordnung auch die Bestimmungen der Arbeitsschutzgesetzgebung beachten. In der betrieblichen Praxis ist daher eine Verzahnung zwischen dem Strahlenschutz und dem Arbeitsschutz erforderlich. Unsren Beitrag dazu Gerd Georg Eigenwilligbund Eva Zinke aus der April-Ausgabe können Sie auf der Internetseite der IG Metall auch im Volltext lesen.

Berufskrankheit Lösemittel – Teilerfolg für die Betroffenen

Das Ärztliche Merkblatt für die Lösemittel-Berufskrankheit 1317 wurde jetzt nach langwierigen Auseinandersetzungen neu gefasst. Anders als bisher wird endlich anerkannt, dass eine Berufskrankheit auch dann vorliegen kann, wenn die Erkrankungen nach Aufgabe der Tätigkeit fortbesteht oder sogar schlimmer wird. Damit ist ein irreführendes Argument hinfällig, mit dem bisher dem Gros der Betroffenen die Anerkennung einer Berufskrankheit verweigert wurde. Mehr dazu in der Print-Ausgabe.

Mitbestimmung des Personalrats bei der Gefährdungsbeurteilung

Die Mitbestimmung der Betriebsräte bei der Gefährdungsbeurteilung ist durch die Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts vom Juni 2004 eindeutig bestätigt. Für Personalräte ist die Rechtslage durch eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts von 2002 etwas komplizierter. Aber Handlungsspielräume sind durchaus gegeben und können genutzt werden. Mehr dazu in der April-Ausgabe.

Weitere Themen im April

Die April-Ausgabe enthält weitere Beiträge zu aktuelle Themen wie:

  • Angst macht gesund – Krankenstand seit 1990 um die Hälfte zurückgegangen
  • Arbeitsunfähigkeit kostet jährlich Milliarden – Plädoyer für Prävention
  • Wirtschaft ist auf alternde Belegschaften noch nicht eingestellt
  • Der Work Ability Index in der Diskussion – Beiträge pro und contra

März 2005

Debatte um die Zukunft des dualen Systems weiter offen

Ein Länderkonsens für eine Aufgabenübertragung im Arbeitsschutz auf die Unfallversicherung zeichnet sich nicht ab, obwohl das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit in diese Richtung starken Druck ausübt. Der Bund hält weiterhin an dem Ziel fest, sucht aber offenbar auch nach Auffanglinien für den Fall, dass die Länder nicht mitziehen. Die Gewerkschaften plädieren in dieser Situation dafür, nicht formal zu diskutieren, sondern die sich eher ausweitenden inhaltlichen Aufgaben des überbetrieblichen Arbeitsschutzes in den Mittelpunkt der Debatte zu stellen.

Präventionsgesetz – was bringt es der Arbeitswelt?

Mit dem jetzt vorgelegten Entwurf eines Präventionsgesetzes sollen Prävention und Gesundheitsförderung systematisch im Sozialrecht verankert und einheitlich definiert werden. Die dafür vorgesehenen Mittel werden allerdings nicht aufgestockt. Ob das Gesetz dazu beiträgt, die arbeitsweltbezogene Prävention auszubauen, kann allerdings bezweifelt werden. Unseren Beitrag dazu von Uwe Lenhardt und Klaus Priester können Sie hier auch im Volltext (PDF-Datei, 70 kB) lesen. Außerdem finden Sie hier auch einen Diskussionsbeitrag (Word-Datei, 42,5 kB) des Gesundheitswissenschaftler Joseph Kuhn zum Präventionsgesetz, der nicht in der Printausgabe enthalten ist.

Neue Gefahrstoffverordnung – was bringt sie für die Praxis?

Mit der neuen Gefahrstoffverordnung kommen auf den betrieblichen Gefahrstoffschutz viele Veränderungen zu, u. a. ein völlig neues Grenzwertekonzept. Die Hauptaufgabe wird sein, die alltäglichen betrieblichen Probleme beim Umgang mit Gefahrstoffen im Sinne eines guten Gesundheitsschutzes zu lösen. Der neu gebildete Ausschuss für Gefahrstoffe muss nun in relativ kurzer Zeit die verschlankte Verordnung mit dem notwendigen Regelwerk unterbauen. Mit unserem Themenschwerpunkt in der März-Ausgabe wollen wir betrieblichen Interessenvertretungen und überbetrieblichen Akteuren eine erste Orientierung anbieten.

DGB: Keine Angst vor dem Antidiskriminierungsgesetz!

Diskriminierungen wegen Alter oder Geschlecht sind in der Arbeitswelt nach wie vor verbreitet. Der Entwurf eines Antidiskriminierungsgesetzes schließt u. a. im Arbeitsrecht bestehende Lücken und ermöglicht es Beschäftigten in vielen Fällen erstmals, sich gegen solche Diskriminierungen zu wehren. Aus gewerkschaftlicher Sicht ist das Klagerecht der Interessenvertretungen dabei besonders wichtig. Der DGB spricht sich eindeutig für das Reformprojekt aus und ist der Auffassung, dass es auch der Wirtschaft Vorteile bringt.

Unfallverhütungsbericht zeigt hohes Maß arbeitsbedingter Gesundheitsrisiken

Bei registrierten Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten verzeichnet der jüngste so genannte Unfallverhütungsbericht der Bundesregierung abermals deutliche Rückgänge. Zurückgeführt wird dies auf den Strukturwandel und die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen in der Arbeitswelt. Der Bericht offenbart aber auch in seinen Daten zu den gesundheitsrelevanten Arbeitsbedingungen, arbeitsbedingten Gesundheitsbelastungen und zur Arbeitsunfähigkeit das vergleichsweise hohe Ausmaß der „klassischen Gesundheitsrisiken“ sowie das Potenzial neuer Gefährdungen. Diese bestimmen nach wie vor die Arbeitsrealität von Millionen Erwerbstätigen. Den Beitrag dazu von Klaus Priester aus unserer März-Ausgabe können Sie auf der Internetseite der IG Metall auch im Volltext lesen.

Frauen in der Arbeitswelt – Belastungen weiblicher Berufsarbeit

Die Belastungen in der Arbeitswelt haben eine ausgeprägte frauenspezifische Seite. Das belegen repräsentative Untersuchungen. Zur „weiblichen“ Belastungsstruktur gehören erhebliche körperliche Belastungen, hohes Arbeitstempo, starke Konzentrationsanforderungen, lange und ungünstige Arbeitszeiten und Überstunden bei geringen Handlungsspielräumen. Dadurch wird die überkommene Doppelbelastung der Frauen durch Erwerbs- und Familienarbeit zusätzlich vergrößert. Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung sollten deswegen die Geschlechterspezifik deutlicher berücksichtigen. Mehr dazu in der Print-Ausgabe.

Gegen Mobbing kann man etwas tun

Informationen über Ursachen, Folgen und vor allem über die Handlungsmöglichkeiten und Rechte von Betroffenen, von Vorgesetzten und Interessenvertretungen sind an vielen Orten verstreut vorhanden. Wir geben in der Print-Ausgabe einen knappen Überblick über wichtige Hilfen für die Praxis.

Februar 2005

2004: Niedrigster Krankenstand aller Zeiten

Mit 3,37% hat der Krankenstand der in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Pflichtversicherten in Deutschland im vergangenen Jahr einen neuen Tiefststand erreicht. Das sind etwa zwei Zehntelprozentpunkte weniger als im Jahr 2003. Für Arbeitgeber und Krankenkassen bedeutet das Einsparungen in Milliardenhöhe. Allein die Arbeitgeber wurden 2004 um rund eine Milliarde Euro Lohnfortzahlung entlastet. Unseren Beitrag dazu aus der Februarausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen.

Gute Arbeitszeiten im Klinikum Ansbach

Ein „good practice“-Beispiel zu Nachmachen: Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen am Klinikum Ansbach in Mittelfranken entsprachen lange dem „ganz normalen Wahnsinn“: überlange Bereitschaftsdienste, Arbeiten rund um die Uhr, knappes Personal, Stress und Zeitdruck. Bis der Personalrat die Initiative zu einer besseren und humaneren Arbeitszeitgestaltung ergriff und alle mitzog. Die Mühe hat sich gelohnt. Die neuen Arbeitszeitregelungen, ein elektronisches Zeiterfassungssystem und die Einrichtung von Arbeitszeitkonten haben die Belastungen erheblich gemindert. Zu den alten Zuständen will heute kaum noch jemand ernsthaft zurück. Mehr dazu in der Printausgabe vom Februar.

Der Arbeitsbewältigungsindex (ABI) in der Diskussion

Arbeitsfähigkeit ist ein hohes Gut. Sie will vor allem bei älteren Beschäftigten erhalten und gepflegt sein. Der ursprünglich aus Finnland stammende Arbeitsbewältigungsindex (ABI) als Instrument zum Messen und Beeinflussen von „workability“ ist in diesem Zusammenhang auch bei uns längst eingeführt und verbreitet. Die Befürworter unterstreichen seine Vorzüge und seinen Nutzen für humane Arbeitsgestaltung (siehe www.arbeitsfaehigkeit.net und www.abi-nrw.de). Die Kritiker sehen eher Probleme und Fragezeichen: Der ABI sei auf die individuelle Leistungsfähigkeit und nicht auf die Arbeitsbedingungen orientiert. In der Printausgabe vom Februar lassen wir Pro und Contra zu Wort kommen.

Hier steht Ihnen der Beitrag von Jürgen Tempel/Marianne Giesert im Volltext zur Verfügung, der positive Erfahrungen mit dem ABI beschreibt. Daneben können Sie die kritische Stellungnahme von Gine Elsner ungekürzt und im vollen Wortlaut nachlesen, ebenso den Beitrag der finnischen Wissenschaftler J. Mäkitalo und K. Launis erstmals in deutscher Übersetzung. Sie finden die Beiträge im Archiv bei den Volltexten.

Mittelständler wollen Berufsgenossenschaften privatisieren

Mit Klagen bei allen deutschen Sozialgerichten versuchen derzeit in der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer zusammengeschlossene mittelständische Arbeitgeber, die Pflichtversicherung in der gesetzlichen Unfallversicherung zu kippen. Damit soll die Debatte um die Privatisierung der Berufsgenossenschaften am Köcheln gehalten werden. Auf der Arbeitgeberseite besteht aber kein Konsens in dieser Frage: Die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände hat dem Plan eine Absage erteilt. Der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften räumt den Mittelständler-Klagen keine Erfolgsaussichten ein. In der Tat hat das Sozialgericht Frankfurt/Main am 31. Januar eine solche Klage auch bereits abgewiesen. Mehr dazu in der Printausgabe vom Februar.

Neue Unübersichtlichkeit – Debatten um das duale Arbeitsschutzsystem

Während das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit weiter darauf hinarbeitet, die Überwachungsbefugnisse im Arbeitsschutz allein auf die Berufsgenossenschaften zu übertragen und in diesem Sinne Druck auf die Länder ausübt, sind deren Positionen noch nicht klar erkennbar. Sachbezogene Inhalte drohen in der Auseinandersetzung jedenfalls mehr und mehr auf der Strecke zu bleiben – so die Kritik des Vereins deutscher Gewerbeaufsichtsbeamter, der im Wesentlichen die Position der Gewerkschaften unterstützt. Ende Januar wurde in Bayern eine Kooperationsvereinbarung zwischen Berufsgenossenschaften und Gewerbeaufsicht auf Basis des § 21.3 Arbeitsschutzgesetz abgeschlossen. Weitere Informationen dazu in der Printausgabe vom Februar.

Gute Arbeit auf der Streichliste?

Gute Arbeit als betriebspolitischer Handlungsauftrag ist kein Luxusthema für Schönwetterzeiten, sondern kann Gewerkschaften und Betriebsräten in den aktuellen Auseinandersetzungen um Arbeitszeitverlängerung, Leistungsdruck und härtere Arbeitsbedingungen zusätzliche Argumente und Mobilisierungsinstrumente erschließen. Lesen Sie dazu den Beitrag von Klaus Pickshaus im Volltext auf den Internetseiten der IG Metall sowie weitere Beiträge in der Printausgabe vom Februar.

Januar 2005

Schlechte Zeiten für "gute Arbeit"?

Ist "gute Arbeit" ein Luxusthema? Könnte man meinen, und ein Kanzlerberater steuerte schon vor einigen Jahren den treuherzigen Rat bei, "jeder Job" sei "besser als kein Job". "Hauptsache Arbeit", lautet die Devise für immer mehr Menschen, egal welche, egal wo, wie und wann und zu welcher Bezahlung. Wo nahezu jede Arbeit als zumutbar gilt, ist von "guter" oder "menschengerechter" Arbeit kaum mehr die Rede. In den Betrieben sehen sich Belegschaften und Betriebsräte einem immer stärkeren Druck ausgesetzt, mit Blick auf Wettbewerbsfähigkeit und Kostensenkung Abstriche von erreichten sozialen Standards hinzunehmen. Für die Redaktion genug Gründe zu fragen: "Was ist gute Arbeit?" und diese Frage zum Themenschwerpunkt der Januarausgabe zu machen.

Wir eröffnen die Diskussion mit Beiträgen von Dieter Sauer, Klaus Dörre, Alfred Oppolzer und Wolfgang Hien / Marina Schröder. Manche werden fragen: Wenn alle Kräfte darauf konzentriert werden müssen, schlechte Arbeit abzuwehren, welchen Sinn macht es da, über "gute Arbeit" zu reden? Und in der Tat geht es ja nicht um wirklichkeitsfremde Wunschkataloge. Es geht darum, wie die Abwehrkämpfe eine langfristige Perspektive bekommen, die sie trägt und nicht kurzatmig werden lässt. Diese Frage beschäftigt die Autorinnen und Autoren des Themenschwerpunkts auf unterschiedliche Weise. Die Leserinnen und Leser sind aufgefordert, sich selbst ein Urteil zu bilden. Im kommenden Heft werden wir die Diskussion fortsetzen.

Unternehmer wollen Berufsgenossenschaften privatisieren

HVBG-LogoDie „Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Unternehmer“ (ASU) hat einen neuen Anlauf genommen, um die Debatte um die Privatisierung der Berufsgenossenschaften am Köcheln zu halten. Bisher 40 Unternehmer mittelständischer Betriebe wollen bei allen 69 deutschen Sozialgerichten Klage gegen das Monopol der BGen in der gesetzlichen Unfallversicherung einreichen, in der Hoffnung, dass mindestens ein Sozialgericht die Sache vor den Europäischen Gerichtshof bringt, um das „Monopol“ der BGen in der Unfallversicherung zu kippen. Der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) hat dem entgegen gehalten, dass die Pflichtmitgliedschaft der Unternehmen bei den BGen schon mehrfach durch Gerichte bestätigt worden sei, auch in europarechtlicher Hinsicht.

Verschwiegen wird in der Diskussion, so der HVBG, dass eine Privatisierung der Unfallversicherung nicht nur den Versicherten, sondern auch den Unternehmen selbst große Nachteile und hohe Kosten bescheren würde. Denn wenn die bisherige Haftungsablösung entfällt, müssten die Unternehmen selbst für die Folgen von Unfällen gerade stehen. Das wäre nicht billiger, sondern teurer als bisher. Der Präventionsauftrag der BGen käme bei einer Privatisierung völlig unter die Räder.

Vor dem Hintergrund der Versuche des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, das duale Arbeitsschutzsystem faktisch abzuschaffen und alle Überwachungsaufgaben von den staatlichen Aufsichtsbehören auf die BGen zu übertragen (PDF-Datei, 80 kB), wirkt die neuerliche Unternehmerinitiative geradezu absurd. Sie zeigt, dass die Demontage der staatlichen Behörden und die Aufgabenübertragung auf die BGen nicht bedeutet, dass wenigstens diese damit eine unangefochtene Stellung hätten. Am Ende könnte ein Arbeitsschutzsystem stehen, das seiner beider Säulen beraubt würde und damit keine Grundlage mehr hätte.

Lesen Sie mehr dazu in der Printausgabe vom Februar.

Die Betriebssicherheitsverordnung - ein Testfall für die Qualität des Arbeitsschutzes

Die Auseinandersetzungen im Ausschuss für Betriebssicherheit während des Jahres 2004 stehen beispielhaft für die gegenwärtige Deregulierungspolitik im Arbeitsschutz und deren Folgen. Die Kernfrage ist: Wie viel Freiheit hat der Arbeitgeber in der Gestaltung des praktischen Arbeitsschutzes und welche Bedingungen sind an diesen erhöhten Freiheitsgrad im Betrieb geknüpft? Die Gewerkschaften sehen hier einen deutlich wachsenden Mitbestimmungsbedarf und zugleich einen größeren Beratungs- und Überwachungsauftrag für Berufsgenossenschaften und Gewerbeaufsicht. Mehr dazu in der Januarausgabe. Lesen der Betriebssicherheitsverordnung bei Juris ...

Arbeitsstättenverordnung: Die Beweislast liegt auch in Zukunft beim Arbeitgeber

Die neue Arbeitsstättenverordnung lässt dem Arbeitgeber mehr Raum für eigenständige Lösungen. Diese Lösungen dürfen aber nicht beliebig ausfallen, weil der Arbeitgeber meint, die deregulierte Verordnung habe ihm doch Entlastung von bürokratischen Hemmnissen versprochen. Denn auch die neue Verordnung bietet ihm keine Erleichterung seiner Nachweispflichten. Er muss weiterhin nachweisen und dokumentieren, dass seine Maßnahmen in gleicher Weise dem gesetzlichen Schutzziel – die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten zu schützen – entsprechen. Das gilt gegenüber den Aufsichtsbehörden und gegenüber den Betriebs- und Personalräten, deren Mitbestimmungsrechte hier voll wirksam sind. Alle anders lautenden Vermutungen sind unzutreffend. Zu diesen und anderen aktuellen Fragen der Umsetzung der Arbeitsstättenverordnung werden die DGB-Gewerkschaften Im Frühjahr einen Praxisleitfaden veröffentlichen. Unseren Beitrag dazu können Sie hier auch im Volltext lesen.

Gardinia Home Decor GmbH: Betriebsrat erreicht Betriebsvereinbarung zur Unterweisung

Erfolgreiche Initiativen im Arbeits- und Gesundheitsschutz kann der Betriebsrat eines größeren Betriebes in Isny/Allgäu verzeichnen. Er qualifizierte sich auf Seminaren und Tagungen, machte den Arbeitsschutz systematisch zu einem seiner Themen und nutzte seine Mitbestimmungsrechte u. a. für den Abschluss einer Betriebsvereinbarung zur Unterweisung im Gesundheitsschutz – mit sichtbaren Ergebnissen. Eine weitere Betriebsvereinbarung zur Gefährdungsbeurteilung ist in Arbeit. Unseren Beitrag dazu können sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen.

Kostenfaktor Arbeitsschutz - Bundesrat will mehr "Bürokratieabbau"

Der Bundesrat hat die Bundesregierung einstimmig aufgefordert, das Arbeitssicherheitsgesetz zu "flexibilisieren". Vor allem soll die Verpflichtung der Arbeitgeber zur betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung der Betriebe eingeschränkt werden. Die Regelungen zum Arbeitsschutzausschuss wünscht sich der Bundesrat unverbindlicher. Das Ganze wird ausschließlich mit wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen begründet. Der Arbeitschutz soll insgesamt auf das Niveau der EU-Mindestvorschriften heruntergeschraubt werden. Mehr dazu in der Printausgabe vom Januar.

Wieder mehr Kranke und Unfallverletzte – steigender Anteil der chronisch Kranken

Einen leichten Anstieg der Krankheitsraten in Deutschland signalisiert die neueste Mikrozensus-Erhebung des Statistischen Bundesamtes mit Fragen zur Gesundheit mit Daten aus dem Jahr 2003. Danach war jede/r Neunte in der Bevölkerung krank oder unfallverletzt, jede/r Fünfzehnte war langzeiterkrankt. Knapp 60% der Kranken und Unfallverletzten sind - mit wieder steigender Tendenz seit Mitte der neunziger Jahre - chronisch krank. Als nach wie vor beträchtlich müssen die teilweise deutlich steigenden Anteile chronisch Kranker bereits in den unteren und mittleren Altersgruppen angesehen werden. Mehr Prävention und Gesundheitsförderung sind erforderlich. Lesen sie dazu unseren Beitrag in der Januarausgabe.

Dezember 2004

Arbeitgeber verharmlosen Stress am Arbeitsplatz

Erstmals wird das Problem Stress am Arbeitsplatz auf EU-Ebene in Form einer Sozialpartnervereinbarung behandelt, die empfehlenden Charakter hat. Betriebliche Lösungen werden mithin stark von einer konstruktiven Herangehensweise auch der Arbeitgeber abhängen. Eine neue Positionsbeschreibung der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz lässt allerdings ernsthafte Zweifel aufkommen, ob diese dazu gewillt sind. Die Arbeitgeberposition ignoriert großzügig alle wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Zunahme psychischer Belastungen in der Arbeitswelt und beschränkt sich darauf, das Problem herunterzuspielen und auf die individuelle Ebene zu verlagern. Vor allem eine Einbeziehung der psychischen Belastungen in die Gefährdungsbeurteilung wird vehement abgelehnt. Das Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte in diesem Punkt wird bestritten. Unseren Beitrag dazu aus der Dezemberausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen.

Präventiver Gesundheitsschutz braucht Durchsetzungskraft und Kooperation

Ansätze zur Gesundheitsförderung nach der Formel „Prävention = Belastungssenkung plus Ressourcenstärkung“ bringen ein zeitgemäßes Verständnis von Prävention zum Ausdruck. Befragungen zeigen zugleich, dass es dabei fast überall, am meisten aber bei kleineren Betrieben weiterhin massive Defizite gibt. Ursachen sind mangelndes Interesse der Führungskräfte, befürchtete Kosten und fehlende Information. Auf der anderen Seite zeigen positive Beispiele, dass Prävention in Betrieben und Branchen nachhaltig verankert werden kann. Kooperation mit internen und externen Partnern trägt dazu wesentlich bei. Lesen Sie die Beiträge dazu im Themenschwerpunkt der Dezemberausgabe.

Die neue Arbeitsstättenverordnung in der Praxis

Die neue Arbeitsstättenverordnung setzt auf flexible Rahmenvorschriften und allgemeine Schutzziele und verzichtet auf konkrete Detailfestlegungen. Für Betriebs- und Personalräte ergeben sich daraus größere Spielräume für Mitbestimmung und Mitwirkung. Auf der anderen Seite tragen die Arbeitgeber nun größere Verantwortung. Gleichzeitig werden ihnen von der Politik neue Freiheiten suggeriert, die sie in Wirklichkeit nicht haben. Denn andernorts bestehende Regelungen und gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse gelten weiter. Wo neue Regelungen gefunden werden müssen, wartet auf Rechtsprechung und betriebliche Praxis voraussichtlich eine umfangreiche und zeitraubende Arbeit der Auslegung und Konkretisierung. Die Betriebs- und Personalräte müssen dann ggf. größeren Aufwand betreiben, um dafür zu sorgen, dass auf der betrieblichen Ebene rechtssichere Regelungen gefunden werden. Dabei kommt der Gefährdungsbeurteilung und der Mitbestimmung der Interessenvertretungen eine wachsende Bedeutung zu. Zunehmen wird damit auch die Verantwortung der Arbeitsschutzbehörden, die für den Vollzug der Verordndung zuständig sind. Am schwersten wird es in Kleinbetrieben und Betrieben ohne Betriebsrat, das Arbeitsstättenrecht durchzusetzen. Insgesamt bedeutet die neue Verordnung eine Verschlechterung des Arbeitsschutzes. Mehr dazu in der Printausgabe vom Dezember.

Deregulierung, die nächste: Optimieren durch demontieren

Der Druck des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit auf die Länder hat Wirkung gezeigt: Die vergangene Arbeits- und Sozialministerkonferenz hat beschlossen, die vom Bund gewünschte Aufgabenübertragung von den Arbeitsschutzbehörden der Länder auf die Unfallversicherung in Betracht zu ziehen. Die Frage soll in den nächsten Monaten auf der Ebene der Staatssekretäre unter Umgehung der Fachebene entschieden werden. Zeitgleich haben die Arbeitgeber in ihren Angriff auf die Mitbestimmung auch ausdrücklich die betriebliche Mitbestimmung im Gesundheitsschutz nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Betriebsverfassungsgesetz eingeschlossen. Das alles zeigt, dass Arbeits- und Gesundheitsschutz von Politik und Wirtschaft zunehmend als lästiger Kostenfaktor betrachtet wird. Die „Eckpunkte“ zur faktischen Demontage des Arbeitsschutzsystems, die das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit intern in Umlauf gesetzt hat, dokumentieren wir in der Dezemberausgabe, um allen Interessierten eine offene Diskussion der damit verbundenen politischen Konsequenzen zu erleichtern.

Weitere Themen im Dezember

Die Dezemberausgabe enthält aktuelle Beiträge zu Gesundheitsrisiken Arbeitsloser, zum Gesundheitszustand von Gerüstbauern und zu Ursachen von häufig vorkommenden Ladeunfällen mit Transportern.

Prof. Dr. Klaus Priester erläutert an Hand einer aktuellen Studie den politischen Gestaltungsanspruch eines zeitgemäßen Begriffs von Gesundheitsförderung und Prävention.

Gerd Kaminski berichtet von originellen Initiativen zur umweltfreundlichen Gestaltung des Arbeitswegs, die die Stadt Freiburg zusammen mit Betrieben, Betriebsräten und Gewerkschaften sei Längerem umsetzt.

Rolf Gehring diskutiert die Herausforderungen an gewerkschaftliche Arbeitszeitpolitik, die sich aus der Revision und Verwässerung der EG-Arbeitszeitrichtlinie ergeben. Diesen Beitrag können Sie auf den Internetseiten der IG Metall in der Rubrik der Arbeit & Ökologie-Briefe auch im Volltext lesen.

November 2004

Grünes Licht für neue Gefahrstoffverordnung

Der Bundesrat hat der vom Bundeskabinett vorgelegten Neufassung der Gefahrstoffverordnung zugestimmt und dabei noch eine Reihe von Änderungen vorgenommen. In zusätzlichen Entschließungen werden dem neu zu bildenden Ausschuss für Gefahrstoffe Aufträge erteilt. Trotz einiger Mängel und einiger bedauerlicher Abschwächungen dürfte die neue Verordnung insgesamt eine brauchbare Grundlage für den Gefahrstoffschutz im Betrieb bieten. Sie soll am 1. Januar 2005 in Kraft treten. Mehr dazu in der Novemberausgabe. Unser Beitrag dazu steht auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext zur Verfügung.

Deregulierung: Neue Freiheit bedeutet auch neue Verantwortung

Wenn "Deregulierung" in einem positiven Sinne verstanden werden soll als Rechtsvereinfachung und mehr Offenheit für pragmatische betriebliche Lösungen im Arbeitsschutz, so ist das notwendig mit mehr Verantwortung der Unternehmen verbunden. Arbeitgeber können nicht nur mehr "Freiheit" beanspruchen wollen, sie müssen dann auch mehr Verantwortung akzeptieren. Auf jeden Fall setzen solche Neuerungen funktionierende und kompetente, gut ausgestattete Arbeitsschutzbehörden voraus, denn der Bedarf an Beratung und Information, aber auch an Überwachung wird zunehmen.

Dies alles spricht auch für den Erhalt und den Ausbau des dualen Arbeitsschutzsystems. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang eine von fast allen Bundesländern getragene Position der jüngsten Konferenz der Arbeits- und Sozialminister, die vom Bund gewollte Aufgabenübertragung auf die BGen abzulehnen und stattdessen auf eine bessere Kooperation zwischen Ländern und Unfallversicherung zu setzen. Unseren Beitrag dazu aus der Novemberausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen.

Arbeitsschutz und Normung

Für die Interessen der Beschäftigten an sicheren und gesundheitlich zuträglichen Maschinen, Werkzeugen, Arbeitsstoffen oder Arbeitsverfahren hat es große Bedeutung, ob Normen in Bezug auf Unfall- und Arbeitsschutz Mängel aufweisen oder nicht. Gerade in Zeiten zunehmenden Arbeits- und Zeitdrucks werden deshalb gute Normen immer wichtiger. Deshalb ist es auch notwendig, dass die Erfahrungen der Beschäftigten am Arbeitsplatz den Normungsprozess positiv beeinflussen: unser Schwerpunktthema im November. Lesen Sie dazu unsere Beiträge in der Novemberausgabe.

Berufskrankheiten der Halswirbelsäule

Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Halswirbelsäule können eine Berufskrankheit sein. Allerdings werden in der Praxis nur 0,5% aller gemeldeten Fälle als Berufskrankheit anerkannt. Die Anerkennungen beschränken sich auf Fälle, die schwere Lasten auf der Schulter getragen haben. Diese Einschränkung hält einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht Stand. Berufskrankheiten der Halswirbelsäule können bei sehr unterschiedlichen Berufsgruppen auftreten. Weitere Untersuchungen könnten hier zur Korrektur beitragen. Lesen Sie dazu die Studie der Arbeitsmedizinerin Prof. Dr. Gine Elsner in der Printausgabe.

Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz

Der Arbeitgeber ist laut Arbeitsstättenverordnung verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um die nichtrauchenden Beschäftigten wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch zu schützen. Was einfach klingt, erweist sich in der Praxis oft als schwierig. Da für die betriebliche Umsetzung Spielräume bestehen, greifen die Mitbestimmungsrechte der Interessenvertretung. Die Printausgabe vom November bietet konkrete Handlungshilfen für Betriebs- und Personalräte.

Weitere Themen im November

  • Die Novemberausgabe enthält aktuelle Beiträge zur nach wie vor ungelösten Asbestproblematik, zur neuen MAK-Liste und zum Umweltschutz als Impulsgeber für Innovation.
  • Prof. Dr. Klaus Priester erläutert den weiterhin niedrigen Krankenstand in den ersten drei Quartalen 2004 anhand aktueller Daten und stellt die Prognose, dass sich der Krankenstand für 2004 bei etwa 3,3% einpendeln wird - ein historisches Tief.
  • Verena Mörath berichtet von originellen Initiativen zur Nutzung des Fahrrads auf dem Weg zur Arbeit.
  • Judith Dähne zeigt, wie das Thema Umweltschutz im allgemeinen Bewusstsein in Anbetracht von Arbeitslosigkeit und sozialer Unsicherheit an Bedeutung eingebüßt hat.

Oktober 2004

EG-Arbeitszeitrichtlinie soll aufgeweicht werden

Ein Vorschlag der EU-Kommission zur Neufassung der EG-Arbeitszeitrichtlinie sieht zwar vor, die berüchtigte opt-out-Ausnahmeklausel einzuschränken, lockert ansonsten aber die bisherigen Bestimmungen so weit, dass Arbeitgeber erheblich leichter als in der Vergangenheit Arbeitszeitverlängerungen durchsetzen können. An den Marathondiensten von Krankenhausärzten würde sich demnach auch nichts ändern. Die Gewerkschaften fürchten einen sozialpolitischen Rückschritt. Der bisherige Zweck der Richtlinie, die Beschäftigten vor überlangen Arbeitszeiten zu schützen, könne jetzt zum Hebel für Arbeitszeitverlängerungen werden.

Kontroversen über die Zukunft der staatlichen Gewerbeaufsicht

Die gestiegenen Arbeitsschutzanforderungen in den Betrieben machen es notwendig, das duale Arbeitsschutzsystem zu verbessern, vor allem durch eine intelligente Kooperation und Arbeitsteilung zwischen Gewerbeaufsicht und Unfallversicherung. Beide Säulen des Systems müssten deswegen voll funktionsfähig bleiben und noch ausgebaut werden. Auf einer Fachtagung des DGB wurde diese gewerkschaftliche Position diskutiert.

Während Vertreter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit und der Arbeitgeberverbände darauf beharrten, der Vollzug des Arbeitsschutzes müsse allein auf die Berufsgenossenschaften übertragen werden, unterstützten zahlreiche Betriebs- und Personalräte aus ihrer betrieblichen Erfahrung die DGB-Position einer sinnvollen Reform des dualen Systems und zeigten, wie notwendig funktionierende Aufsichtsbehören für die Umsetzung des Arbeitsschutzes gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind.

Praktische Beispiele belegten, dass es gelungene Kooperation zwischen Behörden und Unfallversicherung auch heute schon gibt. Etliche Vertreter von Länderbehörden bestätigten die Position des DGB und warnten, die vom Bund gewünschte Zusammenführung des Vollzugs werde die Handlungsmöglichkeiten des Arbeitsschutzes in den Betrieben weiter einschränken. Unseren Beitrag dazu in der Oktoberausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen. Weitere Beiträge dazu in der Printausgabe.

Bundeskabinett: Gesetzentwürfe zum "Bürokratieabbau"

Eine Liste von Einzelmaßnahmen zum "Bürokratieabbau" hat das Bundeskabinett kürzlich beschlossen. Für einen Teil der Maßnahmen sind Gesetzentwürfe vorgesehen. Grundlage sind die Kataloge, die das Bundeskabinett im Mai dieses Jahres zusammenstellte. Als Punkt 25 findet sich in der Kabinettsache die "Befreiung der Betriebe von bürokratischen Bestimmungen der geltenden Arbeitsstättenverordnung". Dies sei mit der jetzt geltenden neuen Verordnung umgesetzt, heißt es dazu. Punkt 26 nennt die "Zusammenführung des staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Vollzugs im Arbeitsschutz", also die faktische Auflösung des bisherigen dualen Arbeitsschutzsystems. Die Umsetzung laufe, heißt es da, sei aber "Länderangelegenheit". Der Gesetzentwurf bedarf der Zustimmung des Bundesrats.

Bundesrat will auch "Bürokratieabbau"

Der Bundesrat behandelte auf seiner Sitzung am 24. September zwei Initiativen aus Baden-Württemberg zum Bürokratieabbau. Im Entschließungsantrag 710/04 wurde unter Punkt II eine weitgehende Flexibilisierung im Bereich des Arbeitssicherheitsgesetzes gefordert, und in einem Gesetzesentwurf zum Bürokratieabbau (709-04) in Artikel 15 die Aufhebung des Gesetzes über eine bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie in den Artikeln 16 bis 22 Änderungen in mehreren Sozialgesetzbüchern. Im Antrag 710/04 wird die Bundesregierung außerdem aufgefordert, bei der EU auf die Aufhebung der EG-Baustellenrichtlinie zu drängen, um danach die Baustellenverordnung ersatzlos abzuschaffen. Stein des Anstoßes sind für das Land Baden-Württemberg die Sicherheitskoordinatoren und "überzogene Planungsvorgaben zum Unfall- und Gesundheitsschutz". Diese verursachten unnötige und vermeidbare Kosten. Beide Anträge wurden an die Ausschüsse überwiesen, werden als voraussichtlich in einer der nächsten Sitzungen wieder zur Beratung kommen.

Bundesrat beschließt Gefahrstoffverordnung

In der gleichen Sitzung vom 24. September beriet der Bundesrat auch den Vorschlag der Bundesregierung für eine überarbeitete Gefahrstoffverordnung. Der Entwurf wurde mit Veränderungen angenommen; zusätzlich wurde eine Entschließung verabschiedet. Die Arbeit & Ökologie-Briefe werden in den kommenden Ausgaben ausführlicher darüber berichten.

Arbeitsstättenverordnung ist in Kraft getreten

Die neue Arbeitsstättenverordnung ist Ende August in Kraft getreten. Sie setzt auf allgemeine Schutzziele und verzichtet auf konkrete Detailfestlegungen. Trotzdem wird es in vielen Bereichen der Praxis erst einmal wenig Veränderung geben, weil die alten Arbeitsstätten-Richtlinien bis auf weiteres gültig bleiben.

Ohne die klaren Mindestanforderungen der bisherigen Verordnung wächst für die Arbeitgeber jedoch das Haftungsrisiko. Aber auch ohne konkrete Detailfestlegungen fordert auch die neue Verordnung natürlich einen Mindestschutz - allerdings tut sie das jetzt nur noch indirekt. Wo dies zum Thema wird, muss u. U. der Umweg über das Arbeitsschutzgesetz gegangen werden. Die Beschäftigten und vor allem die Betriebs- und Personalräte müssen dann möglicherweise größeren Aufwand betreiben, um dafür zu sorgen, dass auf der betrieblichen Ebene rechtssichere Regelungen getroffen werden.

Auf die Rechtssprechung wartet also möglicherweise eine umfangreiche und zeitraubende Arbeit der Auslegung und Konkretisierung. Betriebliche Aushandlungsprozesse setzen auch eine gründliche Gefährdungsbeurteilung voraus. Hier greifen sehr klar auch die Mitbestimmungsrechte der Interessenvertretung, die intensiv genutzt werden müssen. Die meisten Schwierigkeiten für den Gesundheitsschutz der Beschäftigten dürfte die neue Verordnung in Betrieben ohne Betriebsrat bereiten. Hier kommt vieles auf die Leistungsfähigkeit der Überwachungsbehörden an, deren Verantwortung mit der neuen Regelung größer wird, deren Ressourcen aber ständig weiter abgebaut werden.

Weitere Themen im Oktober

Die Ausgabe Oktober enthält mehrere Beiträge zum Themenschwerpunkt "Prävention im Gesundheitsschutz" und dokumentiert den vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit bisher nicht genehmigten Entwurf der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift über das Zusammenwirken der staatlichen Arbeitsschutzbehörden und der Unfallversicherungsträger sowie einen Brief des DGB Bayern an den bayerischen Ministerpräsidenten, der auf den Erhalt der staatlichen Arbeitsschutzbehören drängt.

Im aktuellen Teil berichten wir u.a. über die Debatte um die von den Arbeitgebern geforderte Streichung der Wegeunfälle aus dem Leistungskatalog der Unfallversicherung, über die Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit und über Aktionen der niederländischen Gewerkschaften gegen beabsichtigte Deregulierungen des Arbeitsschutzes.

In der Rubrik "Betriebliche Praxis" stellen wir das Beispiel der Badischen Stahlwerke vor, in denen der Betriebsrat erfolgreich eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen initiierte, sowie einen Beitrag von Jens Gäbert und Brigitte Maschmann-Schulz zur Bedeutung der jüngsten Entscheidungen des Bundesarbeitsgerichts zur Stärkung der Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte bei der Gefährdungsbeurteilung.

September 2004

Länger arbeiten: Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode…

40-Stunden-Woche, 50-Stunden-Woche, weniger Urlaub, weniger Feiertage: Im allgemeinen Drängen von Wirtschaft, Politik und Medien zu längerem, billigerem und vor allem flexiblerem Arbeiten scheint es keine Hemmungen mehr zu geben. In Jahrzehnten errungene soziale Arbeitszeitstandards geraten zum lästigen Wettbewerbshemmnis und werden zur Disposition gestellt.

Übersehen wird dabei, dass durchschnittliche Wochenarbeitszeiten von 40, 42 und mehr Stunden schon längst Realität sind. Rund die Hälfte der Beschäftigten arbeitet inzwischen zu sozial und gesundheitlich ungünstigen Arbeitszeiten: abends, nachts, samstags, sonntags, in Schicht. Stress und Arbeitsintensität nehmen weiter zu. Das alles vermehrt arbeitsbedingte Gesundheitsrisiken und Erkrankungen bis hin zu krankheitsbedingten Frühverrentungen. Für viele wird es immer schwieriger, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Statt stumpfsinniger Forderungen nach mehr Arbeit wächst in Wirklichkeit der Bedarf an sinnvoller Regulierung der Arbeitszeiten unter sozialen und gesundheitlichen Gesichtspunkten. Lesen Sie dazu hier unseren Beitrag aus der August/September-Ausgabe im Volltext. In der Printausgabe bieten wir weitere Hintergrundinformationen.

Kontroversen über die Zukunft des dualen Arbeitsschutzsystems

Die Absichten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, das duale Arbeitsschutzsystem aufzugeben und die Überwachungsaufgaben der staatlichen Aufsichtsbehörden der Unfallversicherung zu übertragen, werden in der August/September-Ausgabe weiter kritisch diskutiert. Damit wird der Themenschwerpunkt des Juli-Hefts fortgesetzt.

Es ist zu befürchten, dass die gewünschte Übertragung die ohnehin nicht ausreichenden Ressourcen der zuständigen Behörden weiter ausdünnen, die Möglichkeiten von Gesundheitsschutz und Prävention weiter verringern und dabei sogar neue Bürokratie produzieren wird. Gerade weil das moderne Arbeitsschutzrecht sowohl den Betrieben als auch den Behörden neue und anspruchsvollere Aufgaben übertragen hat, besteht hoher Bedarf nach einer echten Reform des dualen Arbeitsschutzsystems. Das muss bedeuten, dieses System auszubauen, nicht es faktisch abzuschaffen. Der richtige Weg dorthin führt über die Verbesserung der Kooperation von staatlichen Behörden und Berufsgenossenschaften. Der DGB, aber auch andere Institutionen haben dazu konkrete Vorschläge unterbreitet. Das Positionspapier des DGB können Sie hier im Volltext lesen. Weitere Beiträge dazu in der Printausgabe.

Arbeitsstättenverordnung durchgewinkt – Ausschuss zum Konsens verpflichtet

Unmittelbar vor der Sommerpause hat der Bundesrat noch die neue Arbeitsstättenverordnung beschlossen. Sie basiert auf dem Entwurf, den die CDU/CSU-regierten Länder im Bundesrat verabschiedet hatten, enthält aber auch einige wichtige Veränderungen. In einer Entschließung der Länderkammer wird die Bundesregierung aufgefordert, im neu zu bildenden Ausschuss für Arbeitstätten auf die Einhaltung des Konsensprinzips zu achten. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, findet sich aber z.B. in der Geschäftsordnung des neuen Ausschusses für Betriebssicherheit so nicht wieder und wurde dort zeitweilig auch nicht praktiziert.

Aus gewerkschaftlicher Sicht ist die Bundesratsentschließung deswegen sehr wichtig. Sie sollte handlungsleitend werden sowohl für die Bundesregierung als auch für das zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit. Was die neue Verordnung für die betriebliche Praxis bedeutet, werden die Arbeit & Ökologie-Briefe in einer der nächsten Ausgaben erläutern. Unseren Kommentar zur Verabschiedung der Arbeitsstättenverordnung können Sie auf den Internetseiten der IG Metall auch im Volltext lesen.

Juli 2004

Was wird aus dem dualen Arbeitsschutzsystem?

Das historisch gewachsene duale Arbeitsschutzsystem steht sei Kurzem im Zentrum heftiger Angriffe der Deregulierungsfront. Das Thema bildet den Schwerpunkt der Juli-Ausgabe. Die Bundesregierung betrachtet das duale Arbeitsschutzsystem neuerdings als Doppelbelastung und eine Form überflüssiger Doppelkontrolle der Betriebe. Sie drängt deshalb darauf, die Vollzugsaufgaben des Arbeitsschutzes von den Ländern allein auf die Berufsgenossenschaften zu übertragen. Als Grundlage dafür wird der § 21 Absatz 4 des Arbeitsschutzgesetzes herangezogen. Die Deregulierungsbefürworter können hier die Tatsache ausnutzen, dass es seit Langem große Defizite in der Zusammenarbeit von Ländern und BGen gibt. Da die Bundesregierung in dieser Sache aber nicht weisungsbefugt ist, übt sie entsprechenden Druck auf Länder und Unfallversicherungsträger aus.

Gegen ihre Pläne sprechen allerdings gewichtige rechtliche und fachliche Argumente. Ein schlechteres Niveau des Arbeitsschutzes und mehr statt weniger Bürokratie wären die Folge. Allerdings kann eine tragfähige alternative Reformposition sich nicht auf die Verteidigung des Ist-Zustands zurückziehen. Im dualen System besteht tatsächlich dringender Reformbedarf. Als Grundlage bietet sich der § 21 Absatz 3 des Arbeitsschutzgesetzes an, der die Kooperation zwischen Unfallversicherung und staatlichen Behörden vorsieht. Lesen Sie dazu hier unseren Beitrag aus der Juli-Ausgabe im Volltext sowie die Standpunkte des DGB zur Reform des Arbeitsschutzsystems. In der Printausgabe bieten wir weitere Hintergrundinformationen zu dieser sehr kontrovers geführten Diskussion, u.a. einen Fachbeitrag von Rechtsanwalt Uli Faber.

BAG unterstreicht Mitbestimmung des Betriebsrats bei Gefährdungsbeurteilung

Erstmals hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) mit einem Beschluss vom 8. Juni deutlich und eindeutig die Mitbestimmung des Betriebsrats bei Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung - auch mit Blick auf eine entsprechende Betriebsvereinbarung - herausgestellt. Die Mitbestimmung im Gesundheitsschutz nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Betriebsverfassungsgesetz umfasst nach dem BAG auch die vom Arbeitgeber vorzunehmende Beurteilung der Gefährdung am Arbeitsplatz und die Unterweisung der Arbeitnehmer über Sicherheit und Gesundheitsschutz. Eine Betriebsvereinbarung hierüber kann die Aufstellung des einschlägigen Konzepts nicht dem Arbeitgeber überlassen und die Beteiligung des Betriebsrats auf ein Beratungsrecht beschränken. Vielmehr muss die Betriebsvereinbarung selbst den Gegenstand regeln. Auch hier gilt also die Mitbestimmung der Interessenvertretung. Mehr dazu in der Printausgabe vom Juli. Weitere Kommentare folgen im nächsten Heft.

Die neue Gefahrstoffverordnung nimmt Gestalt an

Das Bundeskabinett hat am 12. Mai eine neue Fassung der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) beschlossen (siehe Arbeit & Ökologie-Briefe 6/2004, Seite 7-10). Die Befassung und Verabschiedung im Bundesrat wurde für den 8. Juli anberaumt - nach Redaktionsschluss unserer Juli-Ausgabe. Bis zur Drucklegung des Juli-Hefts war deswegen noch nicht bekannt, was am 8. Juli beschlossen wurde und ob es noch einmal wesentliche Änderungen im Text oder im Verfahren geben würde. Vorbehaltlich weiterer Änderungen lässt sich sagen: Es zeichnet sich eine Rechtsverordnung ab, mit der sich arbeiten lässt. Gleichwohl gibt es im Bereich der Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten erhebliche Defizite, die Gegenstand weitere Debatten sein müssen.

Moderner Gesundheitsschutz in Klein- und Mittelbetrieben

Die Arbeitsschutzverwaltung Köln und die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie prüften in 27 Betrieben der Stand des Arbeitsschutzes beim Umgang mit dem Gefahrstoff Styrol. Bei einem Drittel davon wurden - trotz vorliegender Gefährdungsbeurteilung - teilweise erhebliche Überschreitungen des MAK-Werts festgestellt. Oft waren keine Kenntnisse über die Belastungssituation vorhanden. Die Ergebnisse zeigen auch, dass gerade für kleine und mittlere Betriebe eine erheblicher bedarf an Beratung und auch an Überwachung durch die Aufsichtsbehörden besteht. Mehr dazu in der Printausgabe vom Juni.

Betriebsrat erfolgreich gegen Psychostress

Die Behauptung, dass Arbeitsschutz für kleine und mittlere Betriebe (KMU) nur eine bürokratische Belastung wäre, hält einer praktischen Überprüfung nicht Stand. Auf der Mittelstandstagung der IG Metall im Juni in Berlin zeigten betriebliche Erfahrungen, dass auch für KMU ein moderner, produktiver und unbürokratischer Gesundheitsschutz möglich ist. Voraussetzung dafür ist aber nicht die Clement'sche Radikalkur der Deregulierung, sondern ein verlässlicher, überschaubarer und konkreter Regelungsrahmen, kompetente, gut koordinierte Unterstützung durch staatliche Behörden und Berufsgenossenschaften und die aktive Einbeziehung der Beschäftigten und, so weit vorhanden, der Betriebsräte. Unseren Bericht dazu können Sie auch auf der Internetseite der IG Metall im Volltext lesen.

Weitere Themen im Juni

  • Die Juli-Ausgabe enthält des Weiteren die Zusammenfassung einer - nur in englischer Sprache vorliegenden - Untersuchung des Statistischen Amts der EU zum Zusammenhang von Arbeitsbedingungen, Gesundheitsrisiken, Erkrankungen und Unfällen.
  • Der vom Bundeskabinett an den Bundesrat weiter geleitete neue Entwurf einer Arbeitsstättenverordnung wird ausführlich vorgestellt und mit den früheren Entwürfen verglichen.
  • Weitere Beiträge behandeln den Gesundheitsschutz in Call Centern, das Problem der verbreiteten Nicht-Anerkennng der Berufskrankheit Lösemittel, die Alterung der Erwerbsbevölkerung und das gesunde Älter werden am Arbeitsplatz u. a..

Juni 2004

Mitbestimmung des Betriebsrats beim Gesundheitsschutz

Erstmals hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) mit einem Beschluss vom 8. Juni deutlich und eindeutig die Mitbestimmung des Betriebsrats bei Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung herausgestellt. Nach § 87 Abs.1 Nr. 7 BetrVG hat der Betriebsrat im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften mitzubestimmen bei Regelungen über den Gesundheitsschutz. Dies umfasst auch die vom Arbeitgeber vorzunehmende Beurteilung der Gefährdung am Arbeitsplatz und die Unterweisung der Arbeitnehmer über Sicherheit und Gesundheitsschutz. Eine Betriebsvereinbarung hierüber kann die Aufstellung des Konzepts nicht dem Arbeitgeber überlassen und die Beteiligung des Betriebsrats auf ein Beratungsrecht beschränken. Vielmehr muss die Betriebsvereinbarung selbst den Gegenstand regeln. Der Beschluss liegt noch nicht im Wortlaut vor. Lesen Sie hier die Pressemitteilung des BAG.

Deregulierung - Kabinett drückt aufs Tempo

Ende Mai verabschiedete das Bundeskabinett eine massiv deregulierte und auf wenige Rahmenvorschriften reduzierte Arbeitsstättenverordnung. Es wird erwartet, dass sie die Zustimmung des Bundesrats findet und noch in diesem Herbst in Kraft treten kann. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll durch die Aufgabenübertragung von der Gewerbeaufsicht auf die Unfallversicherungsträger das duale Arbeitsschutzsystem faktisch abgeschafft werden. Auch dazu fasste das Bundeskabinett im Mai die entsprechenden Beschlüsse. Mehr dazu in der Printausgabe. Den vom Bundeskabinett verabschiedeten Entwurf der neuen Arbeitsstättenverordnung finden Sie hier. In der Printausgabe veröffentlichen wir auch einen Beitrag des IG Metall-Vorstandsmitglieds Wolfgang Rhode, der sich kritisch mit der politischen Demontage des Arbeitsschutzsystems auseinandersetzt und alternative Reformvorschläge unterbreitet. Dabei geht es vor allem um eine bessere Kooperation von Unfallversicherung und Gewerbeaufsicht und um eine qualifiziertere Gesundheitsberichterstattung, die es ermöglicht, Präventionsbedarf z.B. nach Regionen und Branchen besser zu bestimmen und entsprechend zu handeln. Sie können hier auch den in der Printausgabe abgedruckten gekürzten Beitrag sowie den umfangreichen Originaltext Rhodes im Volltext lesen.

Arbeit alter(n)sgerecht gestalten

"Aktives älter werden" am Arbeitsplatz erfordert auch altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung für alle Beschäftigten - für die Älteren, aber auch die Jüngeren als die zukünftigen Alten, damit sie sich nicht vor der Zeit verschleißen. Das ist das Schwerpunktthema der Juni-Ausgabe. Vor allem bei den Älteren geht es darum, die Belastungen zu verringern. Ein Fundus von Kenntnissen dazu liegt vor. Dazu gehören zusätzliche Erholungspausen, Tätigkeitswechsel, Reduzierung der körperlichen Belastungen, Umschulungen, eine Laufbahnplanung, tägliche Arbeitszeitverkürzung, Herausnahme aus der Nachtschicht, altersverträgliche Gruppenarbeit u.a.m. Sinnvoll wäre auch eine (heute weithin unpopuläre) nicht-geblockte Altersteilzeit, also das stufenweise Vermindern von Arbeitszeit und Arbeitsbelastung. Neu ist die Idee einer Arbeitsplatzbewertung aller Arbeitsplätze (z.B. als Teil einer Gefährdungsbeurteilung) unter dem Gesichtspunkt ihrer Eignung für Ältere. (Den Beitrag des Arbeitsmediziners Christoph Sommer aus der Juni-Ausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen.) Das alles ist in Zeiten des gnadenlosen Wettbewerbs, der kurzfristigen Kostensenkungs- und Rationalisierungsstrategien keine leichte Sache, aber einige Erfahrungen belegen: Es ist möglich. Beispiele gibt es, auch wenn sie nach wie vor die große Ausnahme sind. Diese Beispiele zeigen auch: Das Patentrezept für altersflexibilisierte Arbeitsstrukturen existiert nicht. Es gibt unterschiedliche Ansätze, und alle haben ihre Vor- und Nachteile. Einige davon werden in der Juni-Ausgabe vorgestellt.

Krankenstand immer weiter nach unten

Nachdem der Krankenstand in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bereits im 1. Quartal 2004 mit 3,35% einen weiteren Tiefstand erreichte (siehe Arbeit & Ökologie-Briefe 5/2004, Seite 4-5), ging er auch in den Monaten April und Mai weiter zurück. Insgesamt lag er in diesen 5 Monaten bei 3,38%. Im Mai 2004 wurde mit 3,01% eine der bisher niedrigsten Quoten überhaupt verzeichnet (abgesehen vom Januar 2004 mit sogar nur 2,72%). Im gesamten Jahr 2003 hatte der durchschnittliche Krankenstand bei 3,61% gelegen. In allen Monaten dieses Jahres lagen die Werte unter dem jeweiligen Vorjahresniveau. Auch AOK, DAK und Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) melden weiterhin rückläufige Krankenstände und führen das vor allem auf die Furcht der Beschäftigten vor Arbeitsplatzverlust und den Druck der Arbeitgeber zurück. Das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung (BMGS) rühmt diesen Tiefstand als "deutliche Entlastung der Lohnnebenkosten und der Arbeitgeber". Die Risiken und Spätfolgen verschleppter Krankheiten - um nichts anders handelt es sich ja bei diesem niedrigen Krankenstand - und die darauf folgende finanzielle Belastung für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Sozialsysteme werden erst in der Zukunft sichtbar werden. Mehr dazu in der Printausgabe vom Juni.

Styrol: Grenzwerte werden häufig überschritten

Die Arbeitsschutzverwaltung Köln und die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie prüften in 27 Betrieben der Stand des Arbeitsschutzes beim Umgang mit dem Gefahrstoff Styrol. Bei einem Drittel davon wurden - trotz vorliegender Gefährdungsbeurteilung - teilweise erhebliche Überschreitungen des MAK-Werts festgestellt. Oft waren keine Kenntnisse über die Belastungssituation vorhanden. Die Ergebnisse zeigen auch, dass gerade für kleine und mittlere Betriebe eine erheblicher bedarf an Beratung und auch an Überwachung durch die Aufsichtsbehörden besteht. Mehr dazu in der Printausgabe vom Juni.

Betriebsrat erfolgreich gegen Psychostress

Auf Initiative des Betriebsrats konnte bei dem mittelständischen Metallunternehmen Friedrich Boysen in Württemberg eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden, die die Ermittlung der psychischen Belastungen zum Bestandteil einer ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung macht. Der Betriebsrat hatte sich im Arbeits- und Gesundheitsschutz qualifiziert und nutzte die ihm zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten, um die Geschäftsleitung von den Vorteilen des Vorhabens zu überzeugen. Unseren Bericht dazu können Sie auch auf der Internetseite der IG Metall im Volltext lesen.

Weitere Themen im Juni

Sowohl der neue Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen (BKK) als auch Veröffentlichungen von DAK und AOK zeigen, dass der Krankenstand weiter rückläufig ist, dass zugleich aber der Anteil der psychischen Erkrankungen am Arbeitsunfähigkeitsgeschehen steigt.

Der neue Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes gibt Aufschluss darüber, dass der Sektor der flexiblen, prekären Beschäftigungsverhältnisse bzw. der Anteil der zu "untypischen" Zeiten geleisteten Arbeit (Nacht-, Schicht- und Wochenendarbeit) weiter steigt. Hier entsteht neuer Regulierungsbedarf für den Arbeitsschutz.

Die Gewerkschaft ver.di hat Konzepte entwickelt, wie das gesunde Büro gestaltet sein müsste. In der Juni-Ausgabe wird dieses Konzept erläutert und werden die Handlungsmöglichkeiten und Rechte der Betriebs- und Personalräte beschrieben.

Im Juni veröffentlichen wir außerdem eine Stellungnahme des Europäischen Gewerkschaftsbundes zum Entwurf der EU-Kommission für ein neues Chemikalienrecht (REACH). Der EGB begrüßt den Entwurf im Grundsatz und entwickelt Verbesserungsvorschläge aus der Sicht der Arbeitnehmer und des Gesundheitsschutzes. Wir dokumentieren die EGB-Stellungnahme im Wortlaut.

Mai 2004

Durchs wilde Bürokratistan - Arbeitsstätten und duales System im Visier

Masterplan Bürokratieabbau, die nächste Runde: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat angekündigt, bis zum Jahresende das Arbeitsstättenrecht weit gehend von konkreten Regelungen zu befreien und die Zuständigkeit für den Vollzug des Arbeitsschutzes von der Gewerbeaufsicht ganz auf die Berufsgenossenschaften zu übertragen. Der k.o des dualen Arbeitsschutzsystems wäre dann nicht mehr weit. Unseren Beitrag dazu aus der Mai-Ausgabe können Sie hier auch im Volltext lesen.

Beschluss des Bundesrates zur neuen Arbeitsstättenverordnung: die Veränderungen im Detail

Der Bundesrat hat am 12. März 2004 einen auf der Initiative von Bayern basierenden Entwurf einer neuen Arbeitsstättenverordnung (ArbStättVO) beschlossen und der Bundesregierung zugeleitet (siehe dazu: Arbeit & Ökologie-Briefe 4/2004, Seite 13-17). Gemäß Artikel 80 Abs. 3 des Grundgesetzes liegt es nun an ihr, den Erlass einer Rechtsverordnung zu formulieren. Die folgende Übersicht vergleicht die noch geltende ArbStättVO mit dem Bundesratsentwurf und zeigt, was weggefallen ist, was eingeschränkt werden soll und was neu aufgenommen wurde. Unsere kurze Übersicht aus der Printausgabe vom Mai können Sie hier auch im Volltext lesen. Ein detaillierter und sehr ausführlicher Vergleich zwischen der "alten" Verordnung und den Verordnungsentwürfen der Bundesregierung und des Bundesrats - in der Printausgabe nicht enthalten - steht zusätzlich auf unserer Homepage als besonderer Service zur Verfügung.

Länger und flexibler arbeiten? - Die Zeitdiebe auf dem Vormarsch

Millionen Menschen haben keine Arbeit, die übrigen arbeiten zum großen Teil zunehmend länger und flexibler und leiden dadurch unter Stress, körperlichen Belastungen, Zeitdruck und Arbeitsverdichtung. Im 20. Jahr der 35-Stundenwoche drängen öffentliche und private Arbeitgeber massiv auf ein arbeitszeitpolitisches Rollback und singen das Hohelied vom längeren Arbeiten. Fragen von Gesundheit und Lebensqualität werden dabei vollkommen ignoriert. ver.di und IG Metall setzen dem arbeitszeitpolitische Initiativen entgegen, die verhindern sollen, dass Arbeit maßlos wird. "Länger und flexibler arbeiten?" ist der Themenschwerpunkt der Arbeit & Ökologie-Briefe vom Mai. Alfred Oppolzer beschreibt, was Arbeitszeit mit Gesundheit zu tun hat. Tatjana Fuchs erläutert, dass Arbeits(zeit)belastungen Frauen und Männer unterschiedlich treffen. Ein weiterer Beitrag berichtet über die Kritik des Europäischen Gewerkschaftsbundes an der drohenden Verwässerung der EG-Arbeitszeitrichtlinie. Lesen Sie diese und weitere Beiträge zum Thema in unserer Printausgabe.

A+A 2005: Call for Papers

Im Herbst 2005 findet der 29. Kongress für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (A+A) in Düsseldorf statt. Das Leitthema steht schon fest: "Zukunft der Prävention". Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (Basi) e.V. lädt alle Unternehmen und Berufs-, Fach- und Wissenschaftsverbände ein, sich aktiv an den Planungen zur Gestaltung des Veranstaltungs- und Vortragsprogramms zu beteiligen. Erste Veranstaltungsinformationen werden zur "Arbeitsschutz aktuell" in diesem Herbst (13. bis 15. Oktober 2004) in Wiesbaden vorgestellt. Noch bis zum 31. Oktober 2004 können Vorschläge für Vorträge im Plenum oder in Seminaren und auch Vorschläge für ganze Veranstaltungen oder für A+A-Poster bei der Basi eingereicht werden. Die Basi hat einen "Call for Papers" veröffentlicht, in dem eine Liste erwünschter Themen aufgeführt ist. Es wird darum gebeten, zunächst eine Kurzfassung des Vorschlags einzureichen. Zum "Call für Papers" der Basi kommen Sie hier.

Weitere Themen im Mai

  • Mit einem Jahresumsatz von 900 Milliarden Euro ist der Bausektor einer der größten Industriezweige Europas. Aber im Hinblick auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit schneidet dieser Bereich weiterhin sehr schlecht ab. Die "Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit" steht in diesem Jahr deshalb unter dem Motto "Sicher bauen!".
  • Eine US-Studie zeigt, dass die Selbstverpflichtung der chemischen Industrie der USA zum besseren Unfallschutz nichts gebracht hat.
  • Gesundheitsschädliche Weichmacher werden vom menschlichen Körper in größeren Mengen aufgenommen als bisher vermutet. Sie sind als Industriechemikalien, z.B. bei der Herstellung von PVC, weit verbreitet. Geltende Toleranzwerte werden teilweise deutlich überschritten. Wir berichten über neue Untersuchungsergebnisse.
  • Bei der Vorstellung des Endberichts zur betrieblichen Gesundheitspolitik der gemeinsamen Expertenkommission von Böckler- und Bertelsmann-Stiftung sprachen u.a. die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer und der Betriebsrat Albert Bertram, der die IG Metall in dem Gremium vertrat. Beide Statements können Sie hier im Volltext nachlesen.

April 2004

Arbeitsstättenverordnung: Bundesrat erhöht den Druck auf das Arbeitsstättenrecht

Der Bundesrat hat im März mit den Stimmen der CDU/CSU-regierten Länder einen von Bayern eingebrachten Entwurf zu einer Arbeitsstättenverordnung beschlossen, der als Gegenstück zum noch nicht verabschiedeten Novellierungsvorschlag der Bundesregierung gedacht ist. Die Bundesratsmehrheit will vor allem Kleinbetriebe vom Arbeitsstättenrecht fast völlig frei stellen. Damit wurde der Druck zur weit gehenden Demontage des Arbeitsstättenrechts weiter verstärkt. Jetzt ist die Bundesregierung am Zuge. Da sie nicht nur seitens der Bundesratsmehrheit, sondern auch von Seiten der EU unter Druck steht, die EG-Arbeitsstättenrichtlinie endlich umzusetzen, wächst die Gefahr eines faulen Kompromisses, an dessen Ende eine Arbeitsstättenverordnung stehen könnte, die auf wenige unverbindliche Rahmenbestimmungen zusammengeschrumpft ist und vor allem zu Lasten der Beschäftigten in Kleinbetrieben auf einklagbare konkrete Standards weit gehend verzichtet. Lesen Sie dazu einen Beitrag im Volltext auf den Internetseiten der IG Metall sowie einen kritischen Fachartikel von Rechtsanwalt Uli Faber in unserer aktuellen Printausgabe.

Ältere Beschäftigte - unser Themenschwerpunkt im April

Zwar klagen schon jetzt viele Unternehmen über Fachkräftemangel, aber gleichzeitig werden Ältere über 50 weiterhin rigoros ausgemustert. Inzwischen dämmert auch manchen Arbeitgebern die Notwendigkeit, ältere Beschäftigte länger im Berufsleben zu halten. Neuere Verlautbarungen aus dieser Ecke zeigen aber, dass sie das Problem darauf reduzieren, die Frühverrentung zu stoppen. Ein weiteres Zauberwort heißt auch hier Deregulierung. Die Arbeitskraft Älterer soll dann vor allem dadurch attraktiver werden, dass ein großer Sektor prekärer, befristeter, sozial schlecht abgesicherter und niedrig entlohnter Arbeitsverhältnisse für Ältere geschaffen wird. Von alternsgerechter Arbeitsgestaltung ist das Welten entfernt. Nicht die Frühverrentung ist aber das Problem, sondern das fast völlige Fehlen alternsstabiler Arbeitsplätze. Lesen Sie mehr dazu in unserer Printausgabe.

Betriebliche Gesundheitsförderung im Aufwind

Vor wenigen Tagen haben die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen ihren zweiten Präventionsbericht vorgelegt - eine Dokumentation der Leistungen zur Primärprävention und der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF). Der Vergleich mit den Vorjahresdaten verweist auf eine insgesamt positive Entwicklung, aber auch auf fortbestehende Defizite. Der Anteil der kleineren Betriebe unter 50 Beschäftigten an den dokumentierten BGF-Projekten ist kräftig von 19,1% auf 31,6% gestiegen. Insgesamt dominieren Betriebe des verarbeitenden Gewerbes. Die Ausweitung des Dienstleistungssektors widerspiegelt sich hier noch in keiner Weise. Bedenklich ist, dass der Anteil der BGF-Projekte, in denen es Gesundheitszirkel mit ihrem effektiven beteiligungsorientierten Ansatz gibt, von 28% auf 18% drastisch zurückgegangen ist. Defizite gibt es auch in der Kooperation, z.B. mit den Berufsgenossenschaften. Leicht zurückgegangen ist auch der Anteil der Projekte, in denen Verhältnisprävention überwiegt, während verhaltenspräventive Maßnahmen einen Zuwachs verzeichnen. Lesen Sie dazu den ausführlichen Beitrag von Uwe Lenhardt in unserer Printausgabe.

Das Normalarbeitsverhältnis wird immer mehr zum Museumsstück

Die Ausbreitung von Teilzeitarbeit, Leiharbeit, Mini-Jobs und Ich-AG beschleunigt die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses. Der Einsatz der Arbeit wird punktueller, periodischer und unstetiger, wird also mehr den schwankenden Bedürfnissen des Marktes unterworfen. Die Arbeit wird auf mehr Menschen verteilt, aber diese stehen immer seltener in einem Vollzeitarbeitsverhältnis. Das zeigen aktuelle Zahlen des hessischen statistischen Landesamtes. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag hier im Volltext.

Weitere Themen im April

Eine Arbeitnehmerin konnte jetzt vor dem Bundesarbeitsgericht erstmals durchsetzen, dass ihr Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit und nicht als Ruhezeit zu werten ist.

Entspannung am Arbeitsplatz verschaffen sich nach einer Umfrage der DAK die Beschäftigten am liebsten beim Plausch mit Kollegen. Aktive Bewegungspausen werden dagegen eher selten angegeben. Als häufigste Ursache für mangelndes Wohlbefinden am Arbeitsplatz wurden hohe Arbeitsbelastungen und Leistungsdruck sowie schlechte ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze genannt - Faktoren, gegen die auch mit Bewegungspausen nicht anzukommen wäre.

Die neu geschaffene Datenbank Cleantool bietet erstmals umfassende Informationen zur optimalen Metallreinigung unter den Gesichtspunkten Technologie, Qualität, Umwelt, Arbeitsschutz und Kosten.

Im Rheinland motiviert das "Netzwerk Gesunde Bauarbeit" Bauarbeiter vor allem kleiner und mittlerer Betriebe, eigens eingerichtete Präventions- und Qualifikationsangebote wahrzunehmen und so ihre Gesundheit besser zu schützen.

März 2004

EU-Erweiterung und Arbeitsschutz: Unser Schwerpunktthema im März

Die Erweiterung der EU um zehn neue Länder vor allem aus Mittel- und Osteuropa wird massive Konsequenzen für das gesamte bisherige europäische Sozialmodell haben. Das betrifft auch den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Ohnehin ist das europäische Sozialmodell schon seit Längerem unter erheblichen Druck gekommen und wird demontiert. Das liegt in der Logik einer entfesselten Marktökonomie, die staatliche Regulierung und soziale Korrektive zunehmend als überflüssig und als Belastung für Wirtschaft und Gesellschaft ansieht. Diese Logik erfasst auch den Arbeits- und Gesundheitsschutz. In Deutschland lauten die einschlägigen Stichworte "Deregulierung" und "Bürokratieabbau". Unter solchen Voraussetzungen ist die Gefahr groß, dass der EU-Beitritt der neuen Länder die allgemeine Krise der europäischen Sozialsysteme intensivieren wird. Es besteht die Gefahr, dass die Impulse, die von der EU-Arbeitsschutzgesetzgebung bisher ausgehen, nachlassen und dass sich die Initiative zu neuen sozialen Gesetzesinitiativen verlangsamt und abschwächt. Das könnte die europäische Gesetzgebung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz einem weiteren Sog "nach unten" aussetzen. Lesen Sie dazu den Beitrag von John Monks, dem Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes, hier im Volltext sowie weitere Artikel in der Printausgabe.

Anerkennung von Berufskrankheiten der Lendenwirbelsäule - es geht auch großzügiger

In Dänemark können Berufskrankheiten der Lendenwirbelsäule sehr viel leichter anerkannt und entschädigt werden als in Deutschland. Das liegt nicht daran, dass dort weiter gehende wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Es ist schlicht sozialpolitisch so gewollt. Ein Vergleich, den Fachleute jetzt angestellt haben, spricht für sich: In Deutschland liegt die Anerkennungsrate für diese Berufskrankheiten nur bei 2-3%, in Dänemark bei 17%. Von diesem Vergleich könnte das deutsche System einiges lernen. Und den Betroffenen wäre auch besser geholfen.

Neue Büroarbeit, neue Belastungen und Herausforderungen

Die klassische Büroarbeit verändert sich. Massiver Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, Aufhebung traditioneller Arbeitszeitmodelle und traditioneller fester, personengebundener Arbeitsorte, mobile, hoch flexible Arbeitsmittel, zunehmende Überschneidung von Arbeitszeit und Freizeit, Informationsflut – das sind einige Stichworte dafür. Psychostress, Zeit-, Konkurrenz- und Verantwortungsdruck nehmen zu. Bewegungsmangel und repetitive einseitige Tätigkeiten schaffen ein hohes Maß an körperlichen Belastungen. Damit entstehen auch neue Anforderungen an einen präventiven Gesundheitsschutz und an die Mitbestimmung der betrieblichen Interessenvertretungen. Eine gekürzte Fassung unseres Beitrags dazu können Sie auf den Internetseiten der IG Metall online lesen. Ausführlichere Materialien dazu in der Printausgabe.

VDGAB warnt: Gewerbeaufsicht nicht zerschlagen - intelligente Lösungen suchen!

Der Verein Deutscher Gewerbeaufsichtsbeamter (VDGAB) hat zu der laufenden Debatte über Deregulierung und Entbürokratisierung kritisch Stellung genommen. Die Vorsitzende des Vereins, Eleftheria Lehmann, im Hauptberuf Präsidentin der Landesanstalt für Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen, wandte sich Mitte Februar mit einem Brief an die für Arbeits- und Gesundheitsschutz, Umwelt- und Verbraucherschutz verantwortlichen Minister bzw. Senatoren der Länder mit der Bitte, ihren Einfluss in den bevorstehenden Beratungen auf Landes- und Bundesebene geltend zu machen. Der VDGAB wendet sich gegen die Vorschläge zur Auflösung und Zersplitterung der staatlichen Überwachungsbehörden und ausdrücklich auch gegen die zur Zeit diskutierten Lösungsmodelle, z. B. die Übertragung der staatlichen Überwachungsaufgaben an die Berufsgenossenschaften. Stattdessen werden kreative Lösungsmodelle zur Diskussion gestellt. Auch die Eisenbahnergewerkschaft TRANSNET hat sich mit den Deregulierungsbestrebungen im Arbeitsschutz und dem damit verbundenen Abbau von Schutzbestimmungen für die Beschäftigten auseinandergesetzt. Hierbei entstand ein Positionspapier, das die aktuellen Deregulierungsbestrebungen beschreibt und dazu kritische Positionen und Alternativvorstellungen herausarbeitet. Die Printausgabe vom März enthält Auszüge aus beiden Dokumenten.

Weitere Themen im März

Deutschland hinkt bei Gleichstellung und Antidiskriminierung hinterher, kritisiert die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer. Die österreichischen Gleichbehandlungsstellen führen vor, dass es auch anders geht.

Ökologische Gebäudesanierung ist ein Beitrag zum Klimaschutz und schafft auch Arbeitsplätze. Für die vom DGB ins Leben gerufene und maßgeblich von der IG BAU angeregte Initiative wurden seit 2001 1,8 Milliarden Euro an Fördermitteln mobilisiert, die wiederum 8 Milliarden Euro an privaten Investitionen bewirkten.

In der Printausgabe stellen wir außerdem einen Bericht der Europäischen Arbeitsschutzagentur vor, der belegt, dass im Arbeitsschutz meist noch geschlechtsneutral, d.h. faktisch aus Sicht des Durchschnittsmannes gedacht und entschieden wird und dass die besondere Betroffenheit von Frauen außen vor bleibt.

Wir berichten außerdem über eine Aktion von über 400 Beschäftigten eines mittelständischen Chemiebetriebes, die sich gegen die drohende Verschlechterung des Arbeitsschutzes wehren. Am Beispiel von Hamburger Betrieben und Einrichtungen, die den Hamburger Gesundheitspreis erhalten haben, zeigen wir, dass sich Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung für Betriebe durchaus lohnen können.

Ein Erfahrungsbericht zur so genannten Vertrauensarbeitszeit zeigt, dass es gute Gründe gibt, an der herkömmlichen Zeiterfassung festzuhalten.

Februar 2004

DGB-Aktion: Unfall- und Gesundheitsschutz sind kein Luxus

Gegen die Demontage des dualen Arbeitsschutzsystems wenden sich der DGB und die Einzelgewerkschaften in einer Flugblattaktion. Unter dem Motto "Unfall- und Gesundheitsschutz sind kein Luxus" (PDF-Datei, 155 kB)rufen sie Ihre Mitglieder und Funktionsträger auf, z.B. mit Unterschriftensammlungen und Briefen an die Landtags- und Bundestagsabgeordneten aktiv zu werden. Die Gewerkschaften treten dafür ein, das duale Arbeitsschutzsystem, bestehend aus der gesetzlichen Unfallversicherung (den Berufsgenossenschaften) und der staatlichen Gewerbeaufsicht zu erhalten. Statt die zweifellos vorhandenen Defizite und Schwächen dieses Systems konstruktiv zu bearbeiten, gehe man jetzt unter griffigen Losungen wie "Bürokratieabbau" und "Deregulierung" mit der Abrissbirne an die beiden Säulen des Arbeitsschutzes, heißt es in dem Flugblatt. Abgelehnt werden auch Bestrebungen z.B. des Bundesrats, den Leistungskatalog der Unfallversicherung um bis zu 30% zu kürzen. Das DGB-Flugblatt liegt der Februar-Ausgabe der Arbeit & Ökologie-Briefe bei und kann auch hier als pdf-Datei (158 kB) heruntergeladen werden.

Mobbing – Handlungsmöglichkeiten, Prävention: Themenschwerpunkt im Februar

Mit der zunehmenden Verschärfung von Leistungsdruck, Konkurrenz und mit wachsender Arbeitsplatzunsicherheit hat das Problem Mobbing in Betrieben und Verwaltungen traurige Aktualität erlangt. Wenn also nach den Ursachen und nach Gegenstrategien gefragt wird, sollten nicht einzelne Menschen wegen ihrer Nichtanpassung ins Blickfeld genommen werden, sondern das soziale Umfeld, die sozialen Beziehungen. Hier liegen Ansatzpunkte für das, was betriebliche Akteure gegenüber Mobbing tun können. Das erfordert eine ganz neue Qualität der Kooperation. Der Beitrag von Wolfgang Hien dazu steht hier im Volltext zur Verfügung. Die Printausgabe vom Februar enthält dazu außerdem Beiträge zu Präventionsaktivitäten der Berufsgenossenschaften gegen Mobbing, stellt die Handlungshilfen von DGB und IG Metall vor, berichtet über die aufschlussreichen Erfahrungen des Mobbing-Telefons der IG Metall Mannheim und der TBS Nordrhein-Westfalen, informiert über die Handlungsanleitung gegen Mobbing des Länderausschusses für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik und präsentiert weitere Informationen über Beratungseinrichtungen.

IT-Beschäftigte wollen mehr leben statt länger arbeiten

Während die Arbeitgeber länger arbeiten lassen wollen, gehen die IT-Beschäftigten in die umgekehrte Richtung. Angesichts der anhaltenden Krise der IT-Branche wollen sie ihr Leben gegen die Anforderungen nach extensiver und flexibilisierter Arbeitszeit behaupten. Das belegen aktuelle Befragungsergebnisse. Die IT-Profis suchen auch zunehmend nach rechtlich abgesicherten Formen der Interessensartikulation - im Kollektiv und nicht als Einzelkämpfer.

Chemikaliensicherheit und Gefahrstoffprobleme aus gewerkschaftlicher Sicht

Genaue und ausreichende Informationen über die in Verkehr gebrachten Chemikalien sind unabdingbare Voraussetzung für Prävention. Das ist das zentrale Thema des im Herbst 2003 vorgelegten REACh-Verordnungsentwurfs und hat unter Arbeitsschutzaspekten große Bedeutung. Auch das detaillierte Vorschriftenwerk des Gefahrstoffschutzes hängt u.a. ab von ausreichende Informationen über die Stoffe und die von ihnen ausgehenden Gesundheitsrisiken. Vor diesem Hintergrund ist es aus Arbeitsschutzsicht kritisch zu bewerten, dass im aktuellen REACh-Entwurf die Anforderungen an die Informationen über Chemikalien herabgesetzt wurden. Nach den geltenden EG-Richtlinien haben auch die Beschäftigten weit gehende Informationsrechte hinsichtlich der Gesundheitsrisiken von Gefahrstoffen. Das verweist auf die Bedeutung der im dualen Arbeitsschutzsystem über Jahre gewachsenen Sachkompetenz im Gefahrstoffschutz. Statt das System anzugreifen, wie es derzeit geschieht, wäre es eher ratsam, diese Kompetenz zum Nutzen der Betriebe und der Beschäftigten auszubauen. Sie finden den 2. Teil des Artikels von Wolfgang Hien dazu in der Printausgabe von Februar. Der 1. Teil war in der Januar-Ausgabe veröffentlicht.

Gesundheitsmanagement im Betrieb – Etikettenschwindel oder sinnvolle Perspektive?

In vielen Betrieben sind elementare Aufgaben des Arbeits- und Gesundheitsschutzes noch unbefriedigend gelöst, so etwa solide Gefährdungsbeurteilungen. Die Skepsis vieler Interessenvertretungen gegenüber Konzepten des Gesundheitsmanagements ist daher verständlich. Trotzdem bieten solche Konzepte die Chance, Konflikte von gestern aufzubrechen, wenn sie nicht nur Neuauflagen herkömmlicher Anwesenheitssteuerungskonzepte sind. Dazu bedarf es allerdings klar definierter Voraussetzungen, des Konsenses über die Ziele und geeigneter Analyseinstrumente sowie politischer Leitplanken. Lesen Sie dazu in der Printausgabe die betrieblichen Erfahrungen des Betriebsrats von VW Kassel.

Weitere Themen im Februar

Verena Mörath fasst die aufschlussreichen Ergebnisse einer Studie zur Wirksamkeit betrieblicher Gesundheitsförderung zusammen. Diese zeigt, dass Gesundheitsförderung längerfristig nicht nur die Gesundheitssituation der Beschäftigten verbessert, sondern auch die krankheitsbedingten Kosten senken kann. Allerdings bedürfen viele Konzepte noch einer erheblichen Optimierung.

Gegen die zunehmende Ausgrenzung Behinderter aus Arbeit und Ausbildung hat sich der DGB gewandt. Anlass war die zweite und dritte Lesung zur Novellierung des Sozialgesetzbuches IX (SGB IX). Es verschlechtert nach Auffassung des DGB die Gleichstellung behinderter Menschen sogar noch.

Noch immer werden bei vielen Arbeiten in Innenräumen mit Benzin oder Diesel betriebene Maschinen verwandt, z.B. bei Estrich- oder Reinigungsarbeiten. Sie setzen gesundheitsschädliche Kohlenmonoxidmengen frei, Grenzwertüberschreitungen sind an der Tagesordnung. Ein Projekt der Bau-Berufsgenossenschaft Frankfurt/Main hat die Gesundheits- und Unfallrisiken für die Beschäftigten jetzt überzeugend nachgewiesen und gleichzeitig gezeigt: Elektro- oder Gas betriebene Geräte bieten sich als technisch ausgereifte und wirtschaftlich akzeptable Alternativen an.

Dezember 2003

Krankheit auf Urlaubsschein - Aus Angst um den Job verzichten viele auf den gelben Zettel

Der Krankenstand in Deutschland befindet sich weiterhin im Sinkflug und hat im Durchschnitt der ersten drei Quartale 2003 ein Rekordtief von 3,61% erreicht. Im Vergleich zu den ersten drei Quartalen 2002 ist das noch einmal einer Abnahme um über 10%! Jetzt hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) erstmalig die Gründe für die rückläufigen Krankmeldungen aus Sicht der Beschäftigten erhoben. Die jüngst veröffentlichten Ergebnisse dieser Befragung untermauern die Annahme, dass mehr Menschen denn je aus Angst vor Jobverlust krank zur Arbeit gehen und im Extremfall sogar Urlaub nehmen, um sich zu kurieren. 74% gaben an, dass sie auch zur Arbeit gehen, wenn sie krank sind. 64% rechnen mit beruflichen Nachteilen, wenn sie sich mehrmals krank melden. Jeder 10. berichtet, dass in seinem Betrieb Kranke oder Ältere entlassen wurden. Unseren ausführlichen Bericht dazu mit weiteren Daten können Sie hier im Volltext lesen.

Das duale Arbeitsschutzsystem gerät in die Schusslinie der Deregulierer

Nachdem sich die Demontage des Arbeitsschutzes zunächst auf staatliche Vorschriften konzentrierte, ist inzwischen das duale Arbeitsschutzsystem selbst zur Zielscheibe von "Deregulierung" und "Bürokratieabbau" geworden. Plötzlich werden überall "Doppelzuständigkeiten", "Doppel- und Mehrfachkontrollen" und daher überflüssige "Doppelbelastungen" für die Wirtschaft entdeckt. Ein bayerischer Gesetzesantrag im Bundesrat sieht faktisch vor, das duale Arbeitsschutzsystem ganz abzuschaffen. Die BGen sollen ihre Befugnisse, eigene Rechtsvorschriften zum Arbeitsschutz (Unfallverhütungsvorschriften) zu erlassen und deren Einhaltung durch Betriebskontrollen zu überwachen, verlieren. Alle bestehenden UVVen sollen bis spätestens zum 31. Dezember 2005 für ungültig erklärt werden. Die BGen sollen auf reine Beratungstätigkeit und auf ihre Versicherungsfunktion zurückgestutzt werden. Die Mitgliederversammlung des Hautverbands der gewerblichen Berufsgenossenschaften sprach sich in einer einstimmig angenommenen Erklärung gegen diese Pläne aus. Gewerkschafter warnten vor irreführenden vermeintlichen Rettungsstrategien, die glauben, das eine Standbein des dualen Systems auf Kosten des anderen - der staatlichen Gewerbeaufsicht - erhalten zu können. Lesen Sie unseren aktuellen Beitrag dazu mit zahlreichen Hintergrundmaterialien in der Printausgabe vom Dezember.

Neues aus dem Freizeitpark Deutschland - wie lang sind die Arbeitszeiten wirklich?

Die häufigen Forderungen nach längeren Arbeitszeiten - vor allem durch unbezahlte wöchentliche Mehrarbeit - verdecken die Tatsache, dass die Arbeitszeiten in Deutschland seit Beginn der 90er Jahre ohnehin deutlich länger geworden sind. Eine neue Studie des Instituts Arbeit und Technik belegt, dass die tatsächlichen Arbeitszeiten der Vollzeitbeschäftigten im Schnitt zweieinhalb Stunden über dem Tarifniveau liegen. Die faktische Normalarbeitszeit der abhängig beschäftigten Vollzeitarbeitskräfte ist im Durchschnitt die 40-Stunden-Woche. Diese Arbeitszeiten entsprechen dem EU-Durchschnitt. Zugenommen hat außerdem der Anteil gesundheitlich und soziale ungünstiger Nacht- und Schichtarbeit und von Wochenendarbeit. Die Studie zeigt außerdem, dass der Ruf nach längeren Arbeitszeiten als Mittel zur Krisenbewältigung keinen nachvollziehbaren Sinn hat. Sie finden den Artikel im Volltext auf den Internetseiten der IG Metall.

Weitere Themen im Dezember

"Büroarbeit und Gesundheit" ist der Themenschwerpunkt des Dezemberhefts. U.a. fassen wir die wichtigsten Ergebnisse einer neuen Studie des Deutschen Büromöbel Forums zusammen, die zeigt, dass immer noch mindestens fünf Millionen Büroarbeitsplätze in Deutschland nicht gesundheitsgerecht gestaltet sind. Vor allem Kleinbetriebe fallen durch krasse Defizite und mangelndes Problem- und Verantwortungsbewusstein auf. Diese Erkenntnis wirft auch ein Schlaglicht auf die aktuelle Deregulierungsdebatte: Deren Tenor ist u.a., vor allem Kleinbetriebe von der vermeintlichen Bürde konkreter Arbeitsschutzregeln zu "entlasten". Das würde die Gesundheitsrisiken der Millionen Beschäftigten in diesem Bereich noch weiter vergrößern.

Wolfgang Rhode und Bert Römer kommentieren die Untersuchung des Büromöbel Forums aus der Sicht der IG Metall und beschreiben, welche Akzente die IG Metall im Rahmen ihrer Mitarbeit in der "Initiative Neue Qualität der Büroarbeit" (INQA Büro) setzt, um praktische Verbesserungen der Qualität der Arbeit im Büro unter dem Gesichtspunkt eines präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie einer Verbesserung der Arbeitsorganisation zu erreichen. Der Beitrag von Rhode und Römer kann im Volltext auf den Internetseiten der IG Metall nachgelesen werden.

Peter Martin, ein ausgewiesener Experte für gesundheitsgerechte Gestaltung von Büroarbeitsplätzen, erläutert in seinem Beitrag, warum und wie die Arbeitsorganisation und die Ergonomie von vornherein in die Büroplanung mit einzubeziehen sind. Dabei müssen alle diejenigen beteiligt werden, die das betrifft. Lesen Sie in der Printfassung vom Dezember den ersten Teil seines Beitrags. Der zweite Teil folgt in Heft 1/2004.

Unter den aktuellen "Trends" kommentiert Gefahrstoffexperte Horst Riesenberg-Mordeja (ver.di-Bundesverwaltung) den REACh-Entwurf der EU-Kommission und bemängelt, dass er die berechtigten Informationsbedürfnisse in den Anwenderindustrien nur unzureichend berücksichtigt.

Der Arbeitsmediziner Rainer W. Gensch beleuchtet die aktuelle Deregulierungsdiskussion und belegt, dass zahlreiche Deregulierungsinitiativen die Funktionsfähigkeit des Regelungssystems zerstören und außerdem - entgegen ihrer behaupteten Zielsetzung - ökonomisch unvernünftig und kontraproduktiv sind.

In der Rubrik "Betriebliche Praxis" berichten wir über Erfahrungen mit Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in Call Centern, stellen einen Leitfaden zum Schutz vor Infektionen durch Nadelstichverletzungen vor, ein im Gesundheitswesen häufiges Problem, und greifen das Thema Nachhaltigkeit am Beispiel kleinerer Betriebe in der Nahrungsmittelindustrie auf. Zu alledem mehr in der Printausgabe vom Dezember.

November 2003

A+A 2003: "Neue Qualität der Arbeit" und neue Unsicherheit über Zukunft des Arbeitsschutzes

Im Kontrast zum offiziellen Veranstaltungsmotto zeigte sich auf der Ende Oktober in Düsseldorf abgeschlossenen A+A, dass in Zeiten von Sozialabbau und Deregulierung die Sorge um die Zukunft des Arbeitsschutzes das faktische Leitthema war, das zahlreiche Akteure beschäftigte. Insofern hatten die Gewerkschaften mit ihrer gut besuchten Kongressveranstaltung genau die richtige Fragestellung getroffen. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer hatte sich schon auf der A+A-Eröffnungsveranstaltung kritisch mit den Bestrebungen auseinander gesetzt, den Arbeits- und Gesundheitsschutz im Interesse von Markt und Wettbewerb immer weiter abzubauen.

Auf der DGB-Veranstaltung im Rahmen des A+A-Kongresses erörterten über 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was es für den Arbeitsschutz bedeutet, wenn der Sozialstaat massiv nach wirtschaftlichen Grundsätzen von Kostensenkung, Konkurrenz und Privatisierung von Risiken umgebaut und an den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen ausgerichtet wird. Bei vielen - keineswegs nur gewerkschaftlichen - Akteuren machen sich Verunsicherung und Sorge bemerkbar. Etiketten wie Deregulierung und Bürokratieabbau sollen diesen Umbau einem breiteren Publikum plausibel machen. Wie kann es "neue Qualität der Arbeit" geben, wenn gleichzeitig die Rahmenbedingungen dafür immer schlechter werden?

Lesen Sie hier im Volltext unseren Bericht über die A+A, die Rede von Ursula Engelen-Kefer und den Beitrag von Jürgen Reusch auf der DGB-Veranstaltung sowie den Beitrag von Klaus Pickshaus auf den Internetseiten der IG Metall. Weitere Beiträge zum Thema von Ulrike Teske und Joseph Kuhn finden Sie in der Printausgabe (November 2003). In Heft 12/2003 wird die Diskussion fortgesetzt.

EU-Verordnungsentwurf zur Chemikalienpolitik: REACh 2 in der Kritik

Der neue Verordnungsentwurf der EU-Kommission für die künftige europäische Chemiepolitik fällt unter Gesichtspunkten des Arbeitsschutzes weit hinter frühere Fassungen zurück. Insgesamt sollen die Behörden brauchbare Expositionsangaben nur für 10 000 Stoffe erhalten anstatt wie ursprünglich vorgesehen für 30 000 Stoffe. Im Grundsatz erscheint der vorgelegte Verordnungsentwurf trotzdem aus Arbeitsschutzsicht gerade noch akzeptabel, vorausgesetzt er wird nicht als Endpunkt, sondern als Einstieg in einen Mehrstufenprozess verstanden und entsprechend "nachgerüstet". Lesen Sie unseren ausführlichen Bericht dazu in der gedruckten November-Ausgabe.

Organisation des Arbeits- und Gesundheitsschutzes

Arbeits- und Gesundheitsschutz ist eine Querschnittsaufgabe im Betrieb, an der zahlreiche Akteure beteiligt sind. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, für sichere, menschengerechte und gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen zu sorgen. Zeitgemäßer Arbeitsschutz erschöpft sich nicht im Tragen von Sicherheitsschuhen, Schutzbrillen und Helmen. Zwar sind die "klassischen" Belastungen und Gefährdungen nicht weniger geworden, doch die Gesundheit der Beschäftigten wird zunehmend auch durch psychische Belastungen gefährdet.

Wirksamer Arbeitsschutz muss sich diesen neuen Herausforderungen stellen, indem er die Beschäftigten beteiligt, betriebliche Abläufe verbessert und sicherheits- und gesundheitsbewusstes Handeln fördert. Handlungsmöglichkeiten zur Organisation des Arbeitsschutzes waren Thema einer Fachtagung der Arbeitnehmerkammer Bremen. Die Veranstaltung bildete den Auftakt einer Reihe zum Leitmotiv "Gute Arbeit - gesundheitsgerechte Arbeit: Gestaltungsaufgabe heute für morgen". Ein Bericht dazu findet sich in der Printausgabe.

Überwachung des Arbeitsschutzes: Der Betriebsrat hat ein Zugangsrecht zum Betrieb

Um seiner gesetzlichen Pflicht zur Überwachung der Vorschriften des Arbeitsschutzes, der Unfallverhütung und auch des Umweltschutzes nachkommen zu können, muss der Betriebsrat das Recht haben, Arbeitsplätze im Betrieb aufzusuchen. Arbeitgeber neigen gelegentlich dazu, dem Betriebsrat dieses Recht mit unterschiedlichen Argumenten zu verwehren. Das Zugangsrecht des Betriebsrats etwa in Form von Betriebsbegehungen ist aber durch die Rechtsprechung umfassend abgesichert und bestätigt. Die November-Ausgabe bietet einen Überblick über die Rechtsprechung und beschreibt die Handlungsmöglichkeiten der Betriebsräte.

Weitere Themen im November

Ein gut fundierter Bericht der Arbeitskammer des Saarlands belegt, das es dort ganz erhebliche Defizite im betrieblichen Gesundheitsschutz gibt.

Die EU-Gremien haben sich auf eine EG-Richtlinie zum Schutz vor elektromagnetischen Feldern geeinigt. Es ist die dritte von vier Richtlinien zu physikalischen Einwirkungen nach Lärm und Vibrationen. Im kommenden Jahr soll noch eine Richtlinie zu optischen Strahlungen folgen.

Die Landesanstalt für Arbeitsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen hat ein Branchen übergreifendes Handlungskonzept entwickelt, um schweres Heben und Tragen im Betrieb "rückenschonend" zu organisieren.

Schlechte und unbrauchbare Sicherheitsdatenblätter sind in der betrieblichen Praxis ein verbreitetes Problem. Auf die Gewerbeaufsicht können die Praktiker oft nicht bauen. In der aktuellen Ausgabe wird der Vorschlag entwickelt, bei den staatlichen Überwachungsbehörden eine zentrale bundesweite Koordinations- oder Beschwerdestelle einzurichten, damit den Betrieben rasch und unbürokratisch zu den erforderlichen Informationen verholfen wird

Oktober 2003

Mit "Bürokratieabbau" und "Deregulierung" zur Demontage des Arbeitsschutzes

Zahlreiche Vorstöße von Politik und Wirtschaft, den Arbeits- und Gesundheitsschutz stärker wirtschaftlichen Interessen an Kostensenkung und Wettbewerbsfähigkeit unterzuordnen, sind inzwischen zu einer systematischen Strategie ausgebaut worden. Das wird mit griffigen Losungen wie "Deregulierung" und "Bürokratieabbau" verkauft und damit begründet, die Unternehmen, vor allem Kleinbetriebe müssten "entlastet" werden. Dies zeigt sich z.B. an den Novellierungen der Arbeitsstätten-Verordnung, der Betriebssicherheits-Verordnung, der Gefahrstoff-Verordnung u.a. Vorhaben. Auch das duale Arbeitsschutzsystem selbst ist gefährdet. Der schroffe Gegensatz zu dem Humanisierungsanspruch, den die "Initiative Neue Qualität der Arbeit" (INQA) erhebt, ist offensichtlich. Lesen Sie dazu unsere Beiträge im Themenschwerpunkt der Oktober-Ausgabe. Die Artikel von Jürgen Reusch und Marina Schröder können sie hier online herunterladen, der Beitrag von Wolfgang Hien steht auf den Internetseiten der IG Metall zur Verfügung.

Skandal: Bayern setzt die Gesundheit der Arbeitnehmer auf die Abschussliste

Dass im aktuellen Deregulierungswahn noch immer Steigerungen möglich sind, hat die bayerische Staatsregierung Ende September bewiesen. Der Skandal: Ein bayerischer Gegenentwurf zur ohnehin schon bis zur Unkenntlichkeit deregulierten Arbeitsstättenverordnung der Bundesregierung, der allerdings vom Bundesrat noch abgesegnet werden muss. Hier setzt der bayerische Vorstoß an. Über eine Bundesratsinitiative sollen die Rechte der Beschäftigten auf Gesundheit und körperliche Unversehrtheit ganz gestrichen werden. Für Kleinbetriebe unter 20 Personen sollen praktisch überhaupt keine Verpflichtungen zum Schutz der Gesundheit ihrer Beschäftigten mehr gelten. Das sind genau jene Betriebe, in denen Gesundheitsrisiken und Unfallgefahren am größten sind. Die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung, d.h. die Pflicht des Arbeitgebers, Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz zu ermitteln, zu beurteilen und zu beseitigen, ist in dem bayerischen Entwurf ganz gestrichen. Das ist nicht nur eine Verhöhnung der rund 12 Millionen Beschäftigten in Kleinbetrieben. Es verstößt auch gegen geltendes Bundes- und EU-Recht. Und dieses zur vermeintlichen "Entlastung" der Wirtschaft zu ändern steht noch nicht einmal in der Macht der bayerischen Staatsregierung. Mehr zum Thema Deregulierung, Bürokratie- und Sozialabbau in der Oktoberausgabe der Arbeit & Ökologie-Briefe und auf diesen Internetseiten.

Zurück zu längeren Arbeitszeiten? Was die Gesundheit dazu sagt ...

Derzeit reden alle von Arbeitszeitverlängerung, nur die Gewerkschaften nicht. So etwa läuft die aktuelle Diskussion. Es wird übersehen, dass die tatsächlichen Arbeitszeiten seit Jahren ohnehin immer länger geworden sind. Nicht nur, dass Arbeitszeitverlängerung auch arbeitsmarktpolitisch Unsinn ist. Das Diktat von Markt- und Kundenorientierung macht die Beschäftigten auch abhängiger von betrieblichen Erfordernissen und bringt mehr psychische Belastungen. Das bedeutet in der Folge mehr Gesundheitsstörungen und Erkrankungen. Entgegen dem Zeitgeist besteht also Bedarf an kürzeren Arbeitszeiten und gesundheitsgerecht gestalteten Arbeitszeitsystemen. Lesen Sie dazu den Beitrag von Andrea Fergen in der Printausgabe.

Präventionsgesetz - wird eine große Chance vertan?

Im Bundesministerium für Gesundheit und Soziales wird an einem Präventionsgesetz gearbeitet. Zwar liegt noch kein Entwurf, sondern erst ein Eckpunktepapier vor, aber auch dieses wirft viele Fragen auf. Aus den Gewerkschaften kommt die Kritik, der ganze Ansatz beschränke sich zu sehr auf Verhaltensprävention. Die Arbeitswelt sei zu wenig berücksichtigt, und ein umfassendes Recht auf Prävention sei nicht vorgesehen. Mehr dazu in der Printausgabe.

Weitere Themen im Oktober

  • Die neue Liste der MAK- und BAT-Werte enthält weniger Änderungen als im Vorjahr, darunter aber einige von Bedeutung. Das Metall Beryllium, das für Speziallegierungen verwandt wird, wurde als eindeutig Krebs erzeugend für den Menschen eingestuft. Beryllium dürfte für eine ganze Reihe beruflich bedingter Lungenkrebsfälle verantwortlich sein. Hier müsste sich also demnächst die Anerkennungspraxis ändern. Ein ausführlicherer Bericht in der Printausgabe.
  • Die Europäische Asbestkonferenz im September in Dresden hat u.a. ein weltweites Verbot von Asbest gefordert, weil der Kampf gegen den Krebserzeuger Asbest noch lange nicht beendet ist.
  • Die Bundesregierung arbeitet an einem Präventionsgesetz. Schon in diesem Vorstadium wird erkennbar, dass möglicherweise eine große Chance vertan wird, wenn der bisherige beschränkte Ansatz beibehalten wird.
  • Weitere Themen: die geplante EU-Vereinbarung zu Stress am Arbeitsplatz und das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu Bereitschaftsdienst und Arbeitszeit.
  • Die europäische Chemikalienpolitik steht weiter in der Diskussion. Dazu gibt es eine weitere Stellungnahme der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) - zusammen mit Bundesregierung und Industrrie - als auch erstmals eine Erklärung dreier weiterer Gewerkschaften - ver.di, IG Metall und Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Wir berichten in der Printausgabe ausführlich darüber. Die Stellungnahme von ver.di, IG Metall und IG BAU kann auch auf unseren Internetseiten nachgelesen werden.
  • In der Rubrik "Betriebliche Praxis" stellen wir das erfolgreiche Gesundheitsmanagement des mittelständischen Unternehmens Meyra in Westfalen vor und berichten über eine Prüfung von Sicherheitsdatenblättern, die zu dem bedenklichen Ergebnis kam, dass zwei Drittel der getesteten Sicherheitsdatenblätter von schlechter Qualität sind und sich für eine gute Gefährdungsbeurteilung in Bezug auf die eingesetzten Chemikalien nicht eignen.
  • Das Oktoberheft enthält außerdem zwei Sonderseiten zur diesjährigen A+A Messe und Kongress in Düsseldorf mit aktuellen Veranstaltungshinweisen. Die zentrale Veranstaltung der Gewerkschaften (Mittwoch, 29. Oktober, 14-17 Uhr) steht unter dem Motto "Mit Deregulierung und Bürokratieabbau zu einer neuen Qualität der Arbeit?"

August/September 2003

Weniger Bürokratie oder weniger Arbeits- und Gesundheitsschutz?

Der Entwurf einer neuen Arbeitsstättenverordnung ist ein Vorzeigeobjekt des kürzlich von der Bundesregierung beschlossenen Strategiekonzepts "Initiative Bürokratieabbau". Ein genauerer Blick zeigt allerdings, dass sich die geplante neue Verordnung weniger durch Entbürokratisierung als vielmehr durch schlichtes Weglassen zahlreicher bisheriger Schutzvorschriften auszeichnet. Erhebliche Nachteile für die Beschäftigten vor allem in kleineren Betrieben dürften die Folge sein. Der aktuelle Beitrag dazu in der Ausgabe 8/9 kann auch im Volltext aus dem Internet heruntergeladen werden.

Krankheit ist ein Kostenfaktor, Gesundheit eine sinnvolle Investition

In vielen Betrieben ist Gesundheitsförderung ein Fremdwort. Allenfalls beschäftigt man sich mit Fehlzeiten und Krankenstand, etwa durch Krankenrückkehrgespräche. Krank machende Arbeitsbedingungen sind an der Tagesordnung, aber daraus resultierende gesundheitliche Probleme der Beschäftigten werden häufig der rein persönlichen Verantwortung zugeschoben. Wird der Blick aber auf diejenigen gerichtet, die anwesend sind, werden ihre Arbeitsbedingungen verbessert und erhalten sie Anerkennung und Weiterbildung, und zwar auch die Älteren unter ihnen, und dies auch in den zahlreichen Kleinbetrieben, so fördert das nicht nur ihre Gesundheit, sondern kann auch ungeahnte Produktivitätspotenziale freisetzen. Mehrere Beiträge im Themenschwerpunkt der August/September-Ausgabe illustrieren das anschaulich.

Die Jobnomaden sind ein Mythos

Begriffe der sogenannten "Neuen Arbeitswelt" wie "Jobnomaden", "Zeitpioniere", "Flache Hierarchien", Flexibilisierung und "Work-Life-Balance" erweisen sich nach einer Repräsentativuntersuchung des Hamburger BAT-Freizeit-Forschungsinstituts als Mythen. Fast drei Viertel aller Berufstätigen wollen lieber "arbeiten wie ihre Eltern" fest angestellt und mit geregeltem Feierabend. Teilzeitarbeit, so meinen die meisten, führt nur zu erhöhtem Leistungsdruck. Vier von Fünf Beschäftigten geben an, dass in der Arbeitswelt Hierarchien wie früher bestehen. Auch die häufig schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird durch die Unternehmen nicht gefördert. Beschäftigte, die versuchen, auf Familienbelange Rücksicht zu nehmen, werden gerne als arbeitsunlustig eingestuft. Lesen Sie hier unseren Überblick dazu im Volltext.

Gegen "Arbeiten ohne Ende" ist der Betriebsrat nicht machtlos

Dem immer häufigeren "Arbeiten ohne Ende" und den sich daraus ergebenden physischen und psychischen Belastungen müssen Betriebsräte nicht hilflos gegenüber stehen, wie ein Betriebsrat aus eigener Erfahrung berichtet. Sie verfügen über eine ganze Reihe gesetzlicher Handlungsmöglichkeiten, die oft übersehen werden. Diese zu nutzen setzt allerdings voraus, die Beschäftigten umfassend einzubeziehen, zu informieren und zu sensibilisieren und ggf. auch die Konfrontation mit dem Management nicht zu scheuen. Lesen Sie unseren aktuellen Beitrag dazu im Volltext auf den Internetseiten der IG Metall.

Weitere Themen im August/September

Der Krankenstand hat einen weiteren historischen Tiefstand erreicht. Immer mehr Beschäftigte gehen trotz Krankheit zur Arbeit, aus Angst um ihren Job. Ein DGB-Experte warnt: Für die Volksgesundheit ist das eher schädlich.

Was bedeutet "Neue Qualität der Arbeit" und wie kommt man dahin? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der diesjährigen A+A, die im Oktober wieder in Düsseldorf stattfindet. Die zentrale Veranstaltung der Gewerkschaften steht unter dem Motto "Mit Deregulierung und Bürokratieabbau zu einer neuen Qualität der Arbeit?"

Chancen und Risiken der geplanten neuen europäischen Chemikalienpolitik diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Chemieindustrie, Behörden, Berufsgenossenschaften, Gewerkschaften, Umwelt- und Verbraucherorganisationen auf einer Tagung der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Während die meisten Industrievertreter höhere Kosten, Wettbewerbsnachteile und bürokratische Hemmnisse befürchten, verweisen EU-Umweltkommissarin Margot Wallström und andere Fachleute auf die schon bestehenden hohen Kosten durch Informationsdefizite zu Stoffen und chemikalienbedingte Erkrankungen und erwarten von dem vorgeschlagenen REACh-System, es werde längerfristig auch der Industrie Entlastungen und Bürokratieabbau bringen.

In Heft 4/2003 der Arbeit & Ökologie-Briefe veröffentlichten wir einen Beitrag von Bert Römer (Referat Arbeits- und Gesundheitsschutz beim Vorstand der IG Metall), der sich kritisch mit dem Konzept der "Expertenkommission betriebliche Gesundheitspolitik" von Bertelsmann Stiftung und Hans Böckler Stiftung auseinander setzte. In Heft 5/2003 antwortete Gerhard Leminsky, ehemals Geschäftsführer und Projektleiter der Hans Böckler Stiftung, auf Römers Kritik. Leminsky arbeitet in der Expertenkommission mit. Als zentraler Diskussionspunkt kristallisierte sich dabei die Bewertung des von der Kommission vorgeschlagenen "neuen Interventionstypus" in der betrieblichen Gesundheitspolitik heraus. In der August/September-Ausgabe setzen wir die Diskussion mit einem Beitrag von Klaus Pickshaus (Ressortleiter Arbeits- und Gesundheitsschutz beim Vorstand der IG Metall) fort. Lesen Sie seinen Beitrag online auf den Internetseite-Seite der IG Metall.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) hat am 23. Juni 2003 den Referentenentwurf für das Gesetz über technische Arbeitsmittel und Verbraucherprodukte (Geräte- und Produktsicherheitsgesetz - GPSG) veröffentlicht. In der aktuellen Printausgabe veröffentlichen wir eine kritische Stellungnahme der IG Metall zu dem Gesetzentwurf.

Juli 2003

Prävention arbeitsbedingter Erkrankungen - ein vernachlässigtes Thema

Prävention wird im Arbeits- und Gesundheitsschutz nach wie vor vernachlässigt, obwohl der gesetzliche Auftrag klar ist und obwohl eine Gesundheitsreform von mehr Prävention nur profitieren könnte. Betriebliche Gesundheitsförderung als Teil der Prävention beschränkt sich unverändert fast ausschließlich auf einige größere Betriebe, gesamtwirtschaftlich eine Minderheit. In Kleinbetrieben findet Prävention so gut wie nicht statt. Thematisch ist der Blick meist auf den Krankenstand verengt. Trotz einiger Bemühungen und Fortschritte erscheint die Herangehensweise von Krankenkassen und Berufsgenossenschaften noch immer unzureichend. Prävention ist das Schwerpunktthema unserer Juli-Ausgabe. Der Beitrag von Uwe Lenhardt zum ersten Präventionsbericht der Krankenkassen kann auch im Volltext aus dem Internet heruntergeladen werden.

Gefahrstoffverordnung - neu, aber nicht besser

Mit dem Referentenentwurf für eine neue Gefahrstoffverordnung wird ein über 25 Jahre gewachsenes, fachlich austariertes System von konkreten Regelungen und Schutzbestimmungen mit einem Federstrich beseitigt. Vor allem Klein- und Mittelbetrieben würde so die notwendige Unterstützung genommen. Die Folgen für die Gesundheit der Beschäftigten wären dramatisch. Der DGB hat kritisch dazu Stellung genommen. Lesen Sie einen DGB-Fachbeitrag dazu in der Printausgabe vom Juli. Die ausführliche Stellungnahme des DGB, die auch auf der kürzlichen Anhörung im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit vorgetragen wurde, kann hier auch im Volltext nachgelesen werden.

"Gute Arbeit" - ein Humanisierungsprojekt der IG Metall

Die Arbeitswelt zu humanisieren ist notwendiger denn je. Deshalb hat z.B. die IG Metall das Konzept der "guten Arbeit" entwickelt. Die betrieblichen Bedingungen für die Realisierung von "guter Arbeit" sind in den letzten Jahren stark unter Druck geraten: Durch Leistungsintensivierung, Arbeiten ohne Ende und in einigen Bereichen auch ein arbeitspolitisches Rollback zurück zu monotonen, gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen. Auch die politischen Rahmenbedingungen sind durch den Deregulierungs-Druck der Wirtschaftslobby komplizierter geworden. IG Metall-Arbeitsschutzexperte Klaus Pickshaus skizziert in der Juli-Ausgabe die Umrisse eines neuen Humanisierungsprojekts.

Arbeitsstättenverordnung: Eine kritische Stellungnahme

Neben der Gefahrstoffverordnung hat auch der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) vorgelegte Entwurf zur Novellierung der Arbeitsstättenverordnung gewerkschaftliche Kritik ausgelöst. In der Juli-Ausgabe veröffentlichen wir Auszüge aus einer Stellungnahme der IG Metall zum Entwurf. Der geplante Wegfall vieler konkreter Regelungen verschlechtert bisherige Standards zu Lasten der Beschäftigten. Die im Detail sehr viel ausführlichere Stellungnahme kann hier im Wortlaut nachgelesen werden.

Weitere Themen im Juli

Eine Informationskampagne zum besseren Schutz vor Gefahrstoffen am Arbeitsplatz hat die Europäische Arbeitsschutzagentur gestartet. Die Vermeidung und Verminderung von Gesundheitsrisiken, die beim Umgang mit Gefahrstoffen entstehen, ist auch Hauptthema der diesjährigen Europäischen Woche für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.

Millionen haben keine Arbeit, die anderen arbeiten unter Stress und Zeitdruck und zunehmend auch länger und zu ungünstigen Zeiten. Wieder andere werden zu Teilzeitarbeit gedrängt und wünschen sich Mindestarbeitszeiten und -einkommen. Auch wenn Arbeitgeber, Politiker und Medien das Hohelied der Arbeitszeitverlängerung singen - es ist Zeit für eine arbeitszeitpolitische Initiative. Dazu hat die Gewerkschaft ver.di jetzt eine Mitgliederbefragung gestartet.

Beinahe-Unfälle kommen im Betrieb täglich vor. Wenn die Erfahrung, die dabei entsteht, regelmäßig besprochen wird, ist das eine Möglichkeit, Unfallgefahren präventiv zu erkennen, zu bearbeiten und zu beseitigen oder zu verringern. Ein Projekt vermittelt interessante Erfahrungen dazu.

Runter mit dem Stress am Arbeitsplatz: Die IG Metall hat im Rahmen der "Initiative Neue Qualität der Arbeit" etliche Betriebe in Baden-Württemberg bei der Gefährdungsbeurteilung wirksam unterstützt. Dabei wurden Erfahrungen gesammelt und handhabbar gemacht, die auch Betriebsräten anderer Unternehmen helfen können. Lesen Sie den Bericht im Volltext auf den Internetseiten der IG Metall.

Juni 2003

Die neue Gefahrstoffverordnung - Der Entwurf löst Enttäuschung aus und lässt viele Fragen offen

Der von der Industrie geforderte 2Bürokratieabbau" hat wieder zugeschlagen: Der inzwischen veröffentlichte Referentenentwurf für eine neue Gefahrstoffverordnung bestätigt bereits geäußerte Befürchtungen und beschränkt sich darauf, die zu Grunde liegende EG-Gefahrstoff-Richtlinie 1:1 umzusetzen. Was jetzt vorliegt, ist eine Minimallösung, die nicht nur auf positive Neuansätze verzichtet, sondern auch viele bisher bewährte Regelungen nicht mehr enthält. Gewerkschafter und Arbeitsschutzexperten protestieren heftig. Wir veröffentlichen in der Juni-Ausgabe, teilweise auch online, aktuelle Informationen und kritische Stellungnahmen zum Thema.

Rente mit 67?

Mit 55 arbeitslos, mit 67 in Rente – sieht so unsere Zukunft aus? Mit dieser Thematik befasst sich die Juni-Ausgabe schwerpunktmäßig. Denn wir leben offenbar in einer verkehrten Welt: Immer noch werden Ältere über 50 massenhaft arbeitslos. Politik und Wirtschaft arbeiten daran, die Entlassung Älterer noch einfacher zu machen. Gleichzeitig redet die Mehrheit der Rürup-Kommission von der Rente ab 67, die zukünftig obligatorisch werden solle. Tatsächlich liegt das mittlere Renteneintrittsalter derzeit aber bei 60 bis 62 Jahren, im Falle der Frühberentung aus gesundheitlichen Gründen bei nur 52 bis 54 Jahren. Dem Rentenberater Rürup geht es offenbar nicht darum, Älteren einen längeren Verbleib im Arbeitsleben zu ermöglichen, sondern ihnen vorgezogene Zugänge zur Verrentung versperren, das Rentenniveau zu senken und Finanzierungslöcher zu stopfen. Statt dessen müsste es darum gehen, Arbeit alter(n)sgerecht zu gestalten. Mehr dazu in der Printausgabe und in Auszügen auch online über die Internetseite der IG Metall.

Arbeitsstättenverordnung wird novelliert: Ja zu Reformen, Nein zu Unklarheiten und Lücken

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat einen Referentenentwurf zur Novellierung der Arbeitsstättenverordnung vorgelegt. Mit der Novellierung soll auch die EG-Arbeitsstättenrichtlinie umgesetzt werden. Die Gewerkschaften begrüßen das Vorhaben einer straffer und übersichtlicher gefassten Verordnung. Sie kritisieren allerdings auch etliche Unklarheiten, z.B. hinsichtlich der bisher gültigen Arbeitsstättenrichtlinien und der geplanten neuen Technischen Regeln. Auch die Formulierungen zu den Mitbestimmungsrechten der Interessenvertretungen und den Anforderungen an die neuen Technischen Regeln sind zu schwammig. Viele konkrete Regelungen aus der bisherigen Verordnung fehlen jetzt. Der Beitrag von Renate Gabke dazu kann auf unserer Internetseite im Volltext nachgelesen werden.

Weitere Themen im Juni

Weitere Themen der Juni-Ausgabe: Wöchentliche Arbeitszeiten, zu denen auch Bereitschaftsdienste gehören, dürfen gemäß der EG-Arbeitszeit-Richtlinie eine Höchstgrenze von durchschnittlich 48 Stunden nicht überschreiten. Das gilt ausdrücklich auch für den nicht-öffentlichen Bereich. Mit diesem Plädoyer hat der EU-Generalanwalt vor dem Europäischen Gerichtshof auch indirekt Kritik am deutschen Arbeitszeitgesetz geübt.

Der Krankenstand lag im Bereich der DAK im Jahr 2002 bei 3,5% und ist somit bereits im vierten Jahr auf diesem niedrigen Niveau stabil. Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit sind Rückenerkrankungen.

Die CDU-Länder wollen über eine Bundesratsinitiative den fälligen Lastenausgleich zwischen den Berufsgenossenschaften dazu nutzen, Leistungskürzungen durchzusetzen. Gewerkschafter protestieren.

Das DGB-Bildungswerk bietet im kommenden August erstmals ein spezielles Seminar für die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in den Gremien der Selbstverwaltung der gewerblichen Berufsgenossenschaften an. Denn diese Arbeit erfordert umfangreiche und vielfältige Kenntnisse. Das Seminar, das auf Initiative von Marina Schröder zustande kam, die beim DGB-Bundesvorstand für diesen Bereich zuständig ist, soll erforderliche Kenntnisse vermitteln, vorhandenes Wissen aktualisieren und Erfahrungsaustausch ermöglichen. Mehr dazu in unserer Juni-Ausgabe.

Mai 2003

Themenschwerpunkt der Mai-Ausgabe der Arbeit & Ökologie-Briefe ist die neue Gefahrstoffverordnung. Auf den noch unveröffentlichten Entwurf einer neuen Gefahrstoffverordnung haben die Industrieverbände BDI und VCI mit einem Generalangriff reagiert, der praktisch alle neuen, positiven Elemente des neuen Regelwerks ablehnt und sogar hinter das bisherige Schutzniveau zurückfällt. Im Kern der Sache wehrt sich die Industrie gegen eine Begrenzung hoher Risiken, indem sie z.B. verlangt, auch bei Überschreiten der TRK-Werte die Tätigkeit mit Gefahrstoffen zu erlauben. Die Industrie nimmt die vorgesehenen Erleichterungen im "grünen" Bereich, also den Verzicht auf das schon immer ungeliebte Minimierungs- und Substitutionsgebot gerne entgegen, verlangt gleichzeitig aber auch einen Freibrief für das Arbeiten unter hohen Risiken im "roten" Bereich. Das war und ist auch die Absage an den bisher - zumindest theoretisch geltenden - Grundsatz, dass durch Gefahrstoffe entstehende Gesundheitsrisiken immer weiter vermindert werden müssen. Damit hat die Industrie ein Kernstück des neuen Verordnungsentwurfs gekippt.

Zusammen mit den ohnehin noch bestehenden Schwachpunkten des bisherigen Verordnungsentwurfs entsteht daraus eine Situation, in der die dringend notwendige und überfällige Verbesserung des Gefahrstoffschutzes in Frage gestellt ist und möglicherweise wirtschaftlichen Interessen geopfert werden könnte. In der Führung des BMWA wächst offenbar die Neigung, diesem Druck nachzugeben. Am Ende könnte statt eines Fortschritts ein Rückschritt im Gefahrstoffschutz stehen. Die Gewerkschaften sprechen von einer neuen Situation, äußern scharfe Kritik und legen eigene Eckpunkte für eine zeitgemäße Gefahrstoffverordnung vor. Lesen Sie hier aus der Mai-Ausgabe unseren Artikel über den aktuellen Stand der Diskussion und die Stellungnahme des DGB-Arbeitskreise Gefahrstoffe im Wortlaut.

EU-Generalanwalt: Bereitschaftsdienst im Krankenhaus ist Arbeitszeit

In einem neuerlichen Rechtsstreit vor dem Europäischen Gerichtshof hat der EU-Generalanwalt jetzt in seinem Schlussplädoyer wiederum eindeutig die Auffassung vertreten, beim Bereitschaftsdienst, den ein Arzt im Krankenhaus ableiste, handele es sich in vollem Umfang um Arbeitszeit im Sinne der EG-Arbeitszeitrichtlinie und nicht um Ruhezeit. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes dazu ist in Kürze zu erwarten. Näheres dazu in der Printausgabe vom April.

Mitbestimmung bei der Gefährdungsbeurteilung: Zwei wichtige Gerichtsentscheidungen

Die Mitbestimmung des Betriebsrats bei Regelungen über den Gesundheitsschutz, insbesondere bei der Gefährdungsbeurteilung und der Unterweisung, ist Gegenstand zweier aktueller Beschlüsse von Landesarbeitsgerichten. Das LAG Hamburg stellte detaillierte Anforderungen an die Konkretheit des Regelungsgegenstands. Das LAG Niedersachsen bestätigte die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats eindeutig. Wir berichten ausführlicher über beide LAG-Beschlüsse in der Printausgabe.

Weitere Themen im Mai

Weitere Themen der Mai-Ausgabe: Eine neue europäische Richtlinie verpflichtet die Zementindustrie, zukünftig nur noch chromatarmen Zement herzustellen. Damit soll das Problem der unter Bauartentern weit verbreiteten Chromatallergie, auch "Maurerkrätze" genannt, endlich gelöst werden. Unser Bericht darüber kann auch auf der Internetseite der IG BAU im Volltext nachgelesen werden.

Gesundheitliche Auswirkungen flexibler Arbeitsformen untersucht eine neue Studie, die demnächst als Forschungsbericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin veröffentlich wird. Dabei zeigt sich, dass in allen diesen Formen, die in der Studie allesamt unter den Oberbegriff der flexiblen Arbeit gefasst werden, gesundheitskritische Konstellationen weit verbreitet sind. Tendenzielle Überforderung und chronischer Stress bei den Beschäftigten sind durchgängig die Folge.

Die im letzten Heft begonnene Diskussion um das Verhältnis von Arbeitsschutz im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes und einem auf Freiwilligkeit und Konsens basierenden Ansatz betrieblicher Gesundheitspolitik geht weiter. Ein Mitglied der Expertenkommission von Bertelsmann-Stiftung und Böckler-Stiftung antwortet auf einen Beitrag aus der IG Metall.

Wir bringen außerdem aktuelle Daten zu Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten und zur Krankenstandsentwicklung sowie einen Beitrag zur "Kreativität des Zeitlassens in Betrieb und Schule". Unter der Rubrik "Betriebliche Praxis" stellen wir einen Leitfaden zur Mitbestimmung im Gesundheitsschutz und eine Übersicht über Verfahren zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz vor.